f Feldbegehung im Finkenherd und Prospektion an der Gertrudenkirche ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 10. März 2014

Feldbegehung im Finkenherd und Prospektion an der Gertrudenkirche




Lachtehausen / Altencelle. Am 8. März trafen sich die in Altencelle forschende Archäologin Dr. Cornelia Lohwasser, der Kulturlandschaftsforscher Florian Friedrich, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle e.V., Dieter Reinebeck, sowie Mitglieder der Sondengängergemeinschaft-Allertal zu einer Feldbegehung im Finkenherd zwischen Altencelle und Lachtehausen.

Bild: Vorbesprechung am Finkenherd zwischen Altencelle und Lachtehausen. 
Quelle: Hendrik Altmann. 

Hintergrund ist die Planung des dritten/mittleren Abschnitts der Celler Ortsumgehung. Durch die Straßenbauarbeiten wird das Celler Kulturdenkmal „Finkenherd“ mindestens tangiert werden, so Friedrich. Dabei finden sich im Gelände noch Spuren des einstigen Fangbereiches, welcher wohl bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts genutzt wurde. Ein gut sichtbarer Erdwall umgibt das Areal, in dem früher der fürstliche Vogelfänger – der so genannte Federschütz – unterschiedliche Vogelarten bejagte. Auch in Beedenbostel, Osterloh, Wolthausen und Winsen wurden solche Vogelfanganlagen nach 1670 unterhalten. Die erlegten Vögel wurden an die Hofküche des Celler Schlosses geliefert. 

Auf der Karte des Deutschen Reiches aus dem Jahr 1904 ist der Finkenherd noch verzeichnet. Heute liegt er rechts der Straße zwischen Lachtehausen und Altencelle. Diese Straße existierte allerdings früher noch nicht. Statt ihrer gab es nur einen Feldweg. Nach Auskunft von Herrn Reinebeck wurde die Straße erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch die Altenceller Allerbrücke wieder aufgebaut wurde, befestigt und ausgebaut. 

Bild: Finkenherd zwischen Altencelle und Lachtehausen. 
Quelle: Karte des Deutschen Reiches 1904, Blatt 262 Celle. 


Im Jahr 1732 war der heutige Finkenherd als "Vogelherd" verzeichnet: 

Bild: "Vogelherdt" zwischen Altencelle und Lachtehausen. 
Quelle: Environs von der Statt Zell 1732, BnF.  

Im Heimatbuch "der Speicher" findet sich eine Beschreibung des Beedenbostler Vogelherdes. Darin werden unter anderem auch Fangmethoden und die Organisation dieser Institution beschrieben. In diesem Zusammenhang findet auch der Vogelherd bei Lachtehausen Erwähnung. 

Es sei sehr bedauerlich, dass bisher kaum Nachforschungen zu diesem bedeutenden Celler Kulturdenkmal unternommen wurden, meint Friedrich. Die Suche gestaltet sich jedoch nicht einfach, zumal im Gelände - außer dem Wall - kaum Spuren der Vogeljagd zu finden sind. Gemeinsam mit Dr. Lohwasser, den Heimatforschern und Sondengängern war es nun möglich untersuchungsrelevante Stellen innerhalb des Finkenherdes ausfindig zu machen. 

Technische Geräte kamen dabei noch nicht zum Einsatz. Der nächste Schritt könnte eine Untersuchung mit Metalldetektoren und/oder eine Prospektion mit einem Magnetresonanzgerät sein, um mögliche verborgene Bodenstrukturen zu untersuchen. 


Bild: Feldbegehung im Finkenherd zwischen Altencelle und Lachtehausen. 
Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Ein alter Forst-Grenzstein im Finkenherd. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Feldbegehung im Finkenherd. Quelle: Hendrik Altmann. 



Im Anschluss fand eine Prospektion an der Gertrudenkirche in Altencelle statt. Gemeinsam mit Dr. Lohwasser untersuchten Mitglieder der Sondengänger-Gemeinschaft Allertal eine Fläche zwischen der Kirche und einem Altarm der Aller. 

Bild: Sondengänger-Gemeinschaft Allertal mit Dr. Lohwasser an der Getrudenkirche. 
Quelle: Hendrik Altmann. 

Neben Müll, Metallschrott und „modernen“ Funden, wie verschossenen Patronenhülsen, kamen auch Knöpfe, eine Musketenkugel, ein Teil einer silbernen Gabel und etliche Scherben unterschiedlichster Datierung zu Tage. 

Viele der Metallfunde müssen erst gereinigt und bestimmt werden, bevor man genau sagen kann, in welchem Zusammenhang sie stehen. Dr. Lohwasser plant weitere Untersuchungen, über die sie bereits im Rahmen ihres kürzlich erfolgten Vortrages informierte.

Eine gute Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Denkmalschutzbehörden, Heimatforschern und (genehmigten) Sondengängern ist gerade bei großen Bauvorhaben unverzichtbar. Besonders, wenn Bodeneingriffe das Landschaftsbild nachhaltig und unwiederbringlich verändern, ist es wichtig, dass entsprechende Spuren der Geschichte vorab gesichtet und gesichert werden. 


Bild: Sondengänger-Gemeinschaft Allertal mit Dr. Lohwasser an der Getrudenkirche. 
Quelle: Hendrik Altmann. 





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