f 2018 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 15. November 2018

DWH Unterlüß


Während des Zweiten Weltkriegs wuchs Unterlüß von einem beschaulichen Dorf zu einer beträchtlichen Siedlung heran. Bis heute finden sich aus dieser Zeit noch zahlreiche Spuren und Relikte - gelegentlich fallen diese auf den ersten Blick gar nicht mehr so sehr auf, wie beispielsweise das ehemalige Siedlungsgelände des einzigen "Deutschen Wohnungshilfswerks"... 

In unmittelbarer Nähe der Siedlung "am Hochwald", die sich heute gegenüber vom Allwetterbad in Unterlüß befindet, soll es noch Reste von Fundamenten geben, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Ehemalige Anwohner erinnert sich, dass die gesamte Siedlung früher einmal eingezäunt gewesen sei. Darüber hinaus habe es Schächte zu einer Kanalisation gegeben, die allerdings kurz nach Kriegsende zugeschüttet wurden, weil Kinder sie immer wieder als Spielgelände nutzten. Worum handelte es sich bei diesen Anlagen? Eine Spurensuche. 

Bild: Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Auf den ersten Blick wirkt die Siedlung am Rande von Unterlüß sehr beschaulich. Man trifft hier auf kleinere, einstöckige Gebäude mit kleinen Anbauten umgeben von überschaubaren  Gartenparzellen. Hinter der ersten Hausreihe schließt sich eine weitere an - dahinter beginnt der Wald. Zunächst scheint es, als würde es sich um eine ganz normale Wohnsiedlung zu handeln. 

Historische Luftbilder, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von alliierten Aufklärungsflugzeugen aufgenommen wurden, belegen jedoch, dass die heute beschauliche Wohnsiedlung ursprünglich offenbar viel größer angelegt werden sollte. Die Straßen, die diese Siedlung damals begrenzen sollten, umfassen ein ca. 12 ha großes Areal. 

Bild: Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: Luftbild 1945; Google Earth. 

Die Siedlung am Hochwald befand sich gegen Ende des Krieges offenbar im Aufbau - sie in Karten allerdings nur in Teilen verzeichnet. Die in der Nachkriegszeit erschienenen Flächennutzungspläne geben wenig Aufschluss zur historischen Nutzung. Topografische Karten zeigen ebenfalls nur den erhalten gebliebenen Bebauungszustand. Gesonderte Karten weisen diesen Bereich lediglich als "D.W.H." aus. 

Bild: Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: Messtischblatt 1952; Google Earth. 

Das Deutsche Wohnungshilfswerk (DWH) war 1943 ins Leben gerufen worden, um dem immer stärker werdenden Wohnungsnotstand zu begegnen. Zu dieser Zeit waren bereits zahlreiche Städte durch alliierte Bombardierungen betroffen - hunderttausende Gebäude waren zerstört, etliche Menschen hatten kein festes Dach mehr über dem Kopf. 

Um dem ansteigenden Notstand Einhalt zu gebieten wurde das DWH gegründet. Örtliche Gauleiter der NSDAP wurden zu sogenannten Gauwohnungskommissaren erklärt und mit der Lenkung der Aktion beauftragt. Der Schwerpunkt lag auf der örtlichen Instanz - Ortsgruppenleiter und Bürgermeister waren für eine rasche und erfolgreiche Durchführung der Maßnahmen verantwortlich. 

In einem am 22.09.1943 ergangenen Schreiben zur "Errichtung von Behelfswohnheimen für Luftkriegsbetroffene" benannte der Reichswohnungskommissar Dr. Ley konkrete Punkte der Durchführung des Behelfswohnheimprogramms. 

Bild: Briefkopf, DWH. Quelle: Schreiben zur Errichtung von Behelfsheimen für Luftkriegsbetroffene, 22.09.1943. 

Das vorliegende Schreiben umfasst allgemeine Hinweise zur Organisation, den Bauherren sowie zur Bauwortwahl, Geländefragen und zu verschiedenen Typen der Behelfsheime. Es sollte insbesondere Wert auf möglichst weitgehende luftschutzmäßige Sicherung der künftigen Bewohner gelegt werden. Das Hauptaugenmerk wurde daher auf Dörfer und Kleinstädte gelegt, die "durch aufgelockerte Bauweise von vornherein gegen Luftangriffe unempfindlicher sind als die Großstädte." 

     

Bild: Schreiben zur Errichtung von Behelfsheimen für Luftkriegsbetroffene, 22.09.1943. 


Für den Bau der Behelfsheime wurden allerdings lediglich Vorlagen ausgehändigt und sogenannte "Baufibeln" in Umlauf gebracht. Es gab bei der konkreten Umsetzung somit gewisse Spielräume und Unterschiede. Dies wird auch darin deutlich, dass es sich beim DWH und "namentlich bei der Errichtung der Behelfsheime um Aufgaben handelt, die nicht mit den üblichen Methoden des sogenannten Geschäftsganges gemeistert werden können, sondern ein völlig unbürokratisches (...) Handeln erfordern." 

Die Weisungen des Reichswohnungskommissars waren daher insoweit bewusst "elastisch gefasst, dass sie für ein initiatives und selbstverantwortliches Handeln genügend Raum" ließen. 

Rechtlich wurde der entsprechende Raum insbesondere dadurch geschaffen, indem für den Bau der Behelfsheime die bestehenden baubehördlichen Genehmigungsverfahren weitgehend außer Kraft gesetzt wurden. 

Bild: Schreiben zur Errichtung von Behelfsheimen für Luftkriegsbetroffene, 22.09.1943. 

Auch an die Gemeinden im Kreis Celle wurde dieses Schreiben des Reichswohnungskommissars nebst einer beiliegenden Broschüre des DWH zum Behelfsheimbau versendet. 

Die Broschüre beinhaltet unter anderem den Aufbau, Grundriss und die Raum- bzw. Grundstücksaufteilung eines mustermäßigen Behelfsheims. 

Bild: Broschüre Behelfsheimbau, DWH. Quelle: Archiv H. Altmann. Hinweis: Symbole nach § 86a StGB entfernt. 

Bild: Broschüre Behelfsheimbau, DWH. Quelle: Archiv H. Altmann. Hinweis: Symbole nach § 86a StGB entfernt. 

Die Fensterwand sollte demnach nach Süden oder Südwesten ausgerichtet werden. Dies ist in der Siedlung am Hochwald in Unterlüß der Fall. An die Eingangsseite sollte sich ein kleiner Wirtschaftshof mit Garten anschließen. 

Die Ausführung des Grundmauerwerks, der Wände und des Daches konnte in verschiedensten Werkstoffen und Bauweisen erfolgen. Gleiches galt ebenfalls für den Fußboden. 

                
Bild: Broschüre Behelfsheimbau, DWH. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Hinsichtlich des Grundrisses bestanden ebenfalls einige allgemeine Vorgaben. Als Ausstattung sollte das Behelfsheim zumindest einen Windfang, eine Wohnküche mit Schlafgelegenheit für die Eltern und eine Kammer für die Kinder umfassen. Die Ausstattung war laut vorliegender Broschüre "mit alten und neuen Möbeln möglich." 

Bild: Broschüre Behelfsheimbau, DWH. Quelle: Archiv H. Altmann.

Die Aufteilung des Grundstücks war recht einfach, platzsparend und wirtschaftlich gehalten. Während das eigentliche Behelfsheim rund ein Drittel der Grundstücksfläche einnehmen sollte, bot das verbleibende Areal Platz für Beerensträucher, einen Gemüse- und Obstgarten sowie eine kleine Rasenfläche. 

Die Toilette war in einem kleinen Schuppen außerhalb des Behelfsheims zu finden. Dieser diente ansonsten zur Aufbewahrung von Geräten. Auch ein Kleintierstall fand auf dem begrenzten Anwesen Platz. 

Bild: Broschüre Behelfsheimbau, DWH. Quelle: Archiv H. Altmann.

Die Siedlung am Hochwald in Unterlüß wurde ab 1943 errichtet, wie zeitgenössische Karten belegen. Diesen zufolge war ursprünglich eine Fläche von ca. 12 ha für die Anlage der Behelfsheime vorgesehen. Historische Luftbilder legen nahe, dass bereits umfangreiche Baumaßnahmen angestrengt wurden, um das Areal möglichst weitläufig zu erschließen. 

Allerdings kam es bis April 1945 nicht mehr zur Errichtung der DAW Siedlung. Lediglich ein kleiner Teil - ca. ein Fünftel - der angestrebten Behelfsheime wurden bis Kriegsende  auf der Fläche im Jagen 361 in Unterlüß fertiggestellt. 

Bild: Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Auch wenn nur ein Bruchteil der geplanten Fläche bebaut wurde, bestand bereits die Infrastruktur für weitere Behelfsheime. Ehemalige Anwohner erinnerten sich, dass im nordwestlichen Teil der Anlage außerdem ein Findling aufgestellt worden war, in den ein Hakenkreuz eingraviert war. 

Mittlerweile ist hiervon nichts mehr zu finden - auch der ursprüngliche Baubestand ist nur noch teilweise erkennbar. Einige Gebäude wurden inzwischen neu errichtet bzw. äußerlich stark verändert. 

Bild: Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Im rückwärtigen Teil der Siedlung zeugen noch eingelassene Betonfundamente von der Zeit in der die Gebäude errichtet worden sind. Offenbar befand sich hier einst eine Umzäunung. 

Bild: Zaunfundament, Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Die einstigen Begrenzungswege der Anlage sind ebenfalls nur noch bei genauem Hinsehen erkennbar. Sie verlaufen heute noch genau so, wie auf den historischen Luftaufnahmen. Die Wege wurden früher offenbar grob im Gelände abgeschoben und verfügen heute noch über auffällige Böschungen. 

Bild: Begrenzungsweg, Siedlung am Hochwald, Unterlüß. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Insgesamt zeigt sich in der Siedlung am Hochwald in Unterlüß, wie unscheinbar die Relikte aus jener Zeit mittlerweile geworden sind. Nach Kriegsende wurden die Gebäude vielfach von Flüchtlingsfamilien belegt. Selbst deren Nachfahren ist heute der historische Hintergrund der einstigen DWH Siedlung regelmäßig nicht mehr geläufig. 

Unterlüß verfügt noch heute über einen erheblichen Gebäudebestand aus der Zeit des Dritten Reiches. Wie in diesem Beitrag gezeigt werden konnte, war vor Ort ebenfalls das Deutsche Wohnungshilfswerk anzutreffen. 

H. Altmann




Montag, 12. November 2018

Blickwinkel #7 - Celle, Altes Rathaus


Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

Heute - wie auch früher - befindet es sich im Herzen der Stadt: das alte Rathaus. Aus dem Stadtbild ist das traditionsreiche Gebäude selbstverständlich nicht fortzudenken. Eine alte Postkarte aus den späten 40er Jahren gewährt eine schöne Sicht auf das alte Rathaus. Die komplette Historie würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen - daher nur einige interessante Fakten zu diesem Gebäude. 

Bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts finden sich Quellen, die vom alten Rathaus berichten. Zumindest indirekt, denn eigentlich ist vielmehr lediglich vom Schankrecht im Stadtkeller unter dem Rathaus die Rede. Die entsprechende Urkunde vom 8. Juni 1378 erlaube den Celler Ratsherren fremden Wein und fremd Biere im Ratskeller feilzuhalten, auszuschenken und zu verzapfen. 

Da zu dieser Zeit bereits ein Keller vorhanden war, dürfte das aufstehende Rathaus bereits einige Zeit existiert haben. Eine wesentliche Erweiterung des Gebäudes fand im 16. Jahrhundert statt. Zur Unterbringung einer Waage und zweier Bierkeller wurden zunächst Nachbarhäuser angemietet. Zudem wurden zwei weitere Gebäude Wohngebäude, die zwischen der Stechbahn und dem ersten rathausmau lagen, angekauft und abgerissen. 

Bild: Altes Rathaus, Celle, Postkarte 40er Jahre. Quelle: Archiv H. Altmann. 

In den Jahren 1577 - 1579 erhielt der nördliche Rathausteil die bis heute bestehende Weser-Renaissance-Fassade nach Hamelner Vorbild. Die ursprüngliche Raumaufteilung wurde zur Mitte des 19. Jahrhunderts neu gestaltet, sodass der Celler Stadtchronist Clemens Cassel später konstatierte: "Jetzt ist die innere Raumaufteilung, namentlich in neuerer Zeit, so umgestaltet worden, dass die ursprüngliche Anlage kaum mehr erkennbar ist.

Bild: Altes Rathaus, Celle, heute. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1884 und 1885 wurde an der Fassade ein auffälliger Diamantquaderanstrich entdeckt, der auf das Jahr 1697 datiert werden konnte. Trotz erheblichen öffentlichen Widerstands kam es daraufhin zur Restaurierung und dem heutigen Erscheinungsbild der Rathausfassade. 

Bild: Altes Rathaus, Celle, Bildmontage. Quelle: H. Altmann. 

Wie eh und je findet direkt vor dem alten Rathaus der Wochenmarkt statt. Auch wenn dieser nicht mehr auf die offizielle Rathaus-Waage angewiesen ist, trägt er dazu bei, dass dieses historische Gebäude jede Woche in seinem traditionellen Umfeld in Erscheinung tritt. 

H. Altmann



Donnerstag, 25. Oktober 2018

Verschanzung zwischen Queloh und Eschede


Angeblich soll sich zwischen Queloh und Eschede eine "große Verschanzung" befinden. Untersucht wurde das Gelände bislang offenbar nicht. Dieser Beitrag liefert eine Zusammenfassung zum bisherigen Stand der Forschung. 

In seinem 1893 erschienenen Werk "Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover" listete der Studienrat J. H. Müller eine Vielzahl von verschiedensten Befestigungen, Bestattungsplätzen und sonstigen - heute denkmalrechtlich relevanten - Plätzen auf. 

Im Erscheinungsjahr(hundert) herrschte freilich noch ein völlig anderes Verständnis in Sachen Denkmälern. Bei vielen der Orte handelte es sich um Deutungen und Beobachtungen. Nur in einigen Fällen lagen der Auswertung bereits fundierte archäologische Erkenntnisse zugrunde. 

Umso spannender erscheint das Werk, wenn es darum geht möglicherweise bislang unbekannte historische Spuren zu entdecken. Diverse Orte, die Müller in seiner Arbeit erwähnte, fanden später Eingang in die Forschung. Manche jedoch scheinen "unter den Tisch gefallen" zu sein. 

So auch ein Eintrag, der im Regierungsbezirk Lüneburg für den Kreis Celle im Bereich des Fußwegs vom Forsthaus Queloh nach Eschede "eine große Verschanzung" nahe legt. 

Quelle: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover, Müller, 1893, S. 331. 

Es gibt bislang offenbar keine Quellen, die das Gebiet näher eingrenzen oder entsprechende Untersuchungen für diese Annahme bestätigen. Daher stellt sich zunächst die Frage wo sich diese angebliche Verschanzung überhaupt befunden haben könnte. 

Das preußische Messtischblatt vom Jahr 1899 liefert hierzu einen guten Anhaltspunkt. Zwischen Queloh und Starkshorn - und somit in Richtung Eschede gelegen - findet sich in der Karte ein deutlich verzeichneter Erdwall im Bereich der Flur des sogenannten "Sandgeheges". 

Bild: Lage der möglichen Verschanzung. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899. 

Vor Ort trifft man auf hügeliges Gelände. Durch Einmessung und Übertragung des in der Karte verzeichneten Erdwalls im aktuellen Satellitenbild lässt sich seine genaue Lage recht einfach aufspüren. 

Tatsächlich findet man eine vergleichsweise ebene Fläche vor, die von Norden und Süden durch beträchtliche Sandanhäufungen gesäumt wird. 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Die Ränder der Wälle verlaufen recht gleichmäßig und gerade. Es scheint daher nachvollziehbar, dass man früher glaubte, es handle sich bei der vorliegenden Bodenstruktur um eine "Verschanzung". 

Doch wer sollte in diesem Bereich derart mächtige Wälle errichtet haben - und zu welchem Zweck? 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Auffällig ist, dass der Boden aus feinem Sand besteht. Alleine dies spräche grundsätzlich gegen eine fortifikatorische Anlage, d.h. eine solche, die einst Verteidigungszwecken diente. Beim Aufschichten der Wälle hätte man logischerweise auf Material aus der näheren Umgebung bzw. tieferen Erdschichten zurückgreifen müssen. Spätestens hierbei wären Steine und gröberes Material, das sich im Spätglazial an Ort und Stelle ablagerte, an die Oberfläche befördert worden und wäre heute dort anzutreffen. 

Die Tatsache, dass nur feiner Sand vorzufinden ist, schließt einen menschlichen Eingriff bereits fast aus. 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Darüber hinaus finden sich weitere Hinweise auf eine natürliche Entstehung der angeblichen Verschanzung. 

Bereits im preußischen Messtischblatt ist die Flurbezeichnung "Sandgehege" vermerkt. Wie stark sich die Umgebung im Naturraum der ehemaligen Heideflächen wandeln konnte zeigen unter anderem die Zusammenhänge bei Hambühren (Sandwüste bei Hambühren). 

Wenn die feinen Sandmassen auf Grund von Erosion und der Zerstörung der oberflächlichen Vegetation in Bewegung gerieten, konnten Wanderdünen entstehen und meterhohe Sandberge anwachsen. Um die Flächen zu schützen wurden mancherorts Fuhren gepflanzt und Sandzäune eingesetzt um weitere Verwehungen zu verhindern. In diesem Zusammenhang scheint sich auch die Bezeichnung "Sandgehege" zu erklären. 

Bild: Lage der möglichen Verschanzung. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899. 

Im Ergebnis konnte eine "Verschanzung" im untersuchten Gebiet nicht bestätigt werden. Es liegen deutliche Anzeichen vor, dass die angetroffen Erdwälle natürlichen Ursprungs sind. Vermutlich handelt es sich um Sandverwehungen. 

Fortifikatorische Hintergründe sind dagegen bis auf weiteres auszuschließen. Weder historisch noch geografisch lässt sich die Annahme einer menschengemachten Verschanzung aufrecht erhalten. 

Damit wird deutlich, wie schnell die Archäologie und Forschung auf Abwege geraten kann. Die historischen Beobachtungen müssen somit unbedingt einer detaillierten Prüfung unterzogen werden. Für diese Überprüfung sind Kenntnisse zur Entwicklung des Kulturraums und allgemein des Geländes unerlässlich... 

H. Altmann 



Mittwoch, 24. Oktober 2018

Blickwinkel #6 - Celle, Bomann-Museum


Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

Diesen Ort kennt jeder - er befindet sich mitten in Celle.  Die zeitgenössische Postkarte aus dem Jahr 1918 zeigt zugleich mehrere Wahrzeichen der Stadt. Bereits vor 100 Jahren war die Stechbahn wohl scheinbar bereits ein beliebtes Fotomotiv. 

Neben vielen Details, die bis heute erhalten geblieben sind, fällt am Rande (links) auf, dass damals noch der hohe Turm des Bomann-Museums erhalten war. 

Bild: Zöllnerstraße, Celle, Postkarte gel. 07.10.1943. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Die Szene stellt sich heute nach fast genauso dar wie einst. Der Turm des Bomann-Museums ist mittlerweile aus dem Stadtbild entschwunden. 

Bild: Zöllnerstraße, Celle, Postkarte gel. 07.10.1943. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Allerdings fällt im direkten Vergleich der Bilder auf, dass sich  ansonsten gar nicht so viel verändert hat. Die maßgeblichen Veränderungen im Bereich der Stechbahn lagen zum Aufnahmezeitpunkt des Bildes auch bereits einige Zeit zurück. Einst hatten sich hier unter anderem die sogenannten "Steckeltürmchen" (click) befunden sowie die "neue Hauptwache" (click). 

Bild: Zöllnerstraße, Celle, Bildmontage. Quelle: H. Altmann. 

Insgesamt ein schöner Blickwinkel aus dem Herzen Celles - und gleichermaßen ein spannender vorher/nachher Vergleich über immerhin 100 Jahre. 

H. Altmann



Freitag, 19. Oktober 2018

Serumsforschung bei Unterlüß

        

Am Ortsausgang von Unterlüß stehen alte Backsteingebäude. Das Gelände wirkt verlassen - darf jedoch nicht betreten werden. Was hat es damit auf sich? 

Aus heutiger Sicht ist kaum vorstellbar, dass hier ein Pharmaunternehmen versuchte unmittelbar nach Kriegsende einen großen Produktions- und Vertriebsbetrieb einzurichten. 

Aber von Anfang an. Im Raum Celle existierten im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Rüstungsanlagen. Bei Kriegsende wurden diese Einrichtungen teilweise gesprengt - mancherorts blieben sie erhalten und wurden später zu anderen Zwecken verwendet. Da von den Anlagen in vielen Fällen noch Gefahr ausging, wurden sie meistens zunächst für einige Zeit von der alliierten Militärregierung verwaltet. In Bezug auf einige der leerstehenden Rüstungseinrichtungen fanden sich allerdings relativ schnell neue Verwendungsmöglichkeiten. So auch im Fall der ehemaligen Munitionsanstalt "Eschengrund" bei Unterlüß. 

Unterlüß wurde zu Kriegszeiten als Rüstungsstandort erweitert. Über den Schießplatz der Rheinmetall-Borsig AG hinaus gab es zahlreiche weitere Rüstungseinrichtungen, Barackenlager und entsprechende Infrastruktur. Am nördlichen Ortsausgang war die Munitionsanstalt "Eschengrund" entstanden, deren genauer Zweck bis heute nicht ganz geklärt ist. In zeitgenössischen Quellen wird berichtet dort sei "Sondermunition" hergestellt worden. 

Am 04.04.1945 wurde Unterlüß von einem schweren Bombenangriff durch amerikanische Bomberverbände getroffen. Der Ort war für die Bomberstaffeln eigentlich nur ein Ausweichziel, denn der Angriff hatte ursprünglich dem Fliegerhorst Fußberg gegolten.

Luftbilder vom 07.04.1945 zeigen die rauchenden Trümmer im nördlichen Bereich de Ortes. Beim Angriff wurden die Werksanlagen der Rheinmetall-Borsig AG getroffen - die angrenzende Munitionsanstalt Eschengrund wurde dabei aber kaum in Mitleidenschaft gezogen. 

Bild: Luftangriff am 04.04.1945 auf Unterlüß. Quelle: http://www.303rdbg.com/missionreports/351.pdf 

Bereits wenige Tage später - am 13.04.1945 - trafen britische Truppen in Unterlüß ein. Der Ort war überfüllt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft - die meisten von ihnen waren während des Krieges zu Arbeitseinsatz zwangsverpflichtet worden und durch den Einmarsch der Alliierten nun befreit. Es ereigneten sich chaotische Szenen im Ort, da einige der ehemaligen Zwangsarbeiter plündernd durch die Straßen zogen, berichtete unter anderem der Unterlüßer Pfarrer Leibfeld am 13.11.1947 im Gespräch mit der ehemaligen CZ-Redakteurin Hannah Fueß. 

Mit dem alliierten Einmarsch fiel Unterlüß und die dort befindlichen Rüstungsanlagen in den Zuständigkeitsbereich der Militärregierung der westlichen Alliierten. Bereits am 14.07.1945 trat das Gesetz Nr. 52 in Kraft - gefolgt vom entsprechenden Befehl Nr. 124 der Militäradministration vom 30.10.1945. Das Gesetz ermöglichte staatlichen Unternehmen unter - bestimmten Umständen - ihre normale Geschäftstätigkeit weiter auszuüben. 


Für die Rheinmetall-Borsig AG als Rüstungsunternehmen traf dies jedoch nicht zu. Das Unternehmen wurde explizit aus dem Anwendungsbereich der Ausnahmeregelungen ausgeklammert. Damit stand das Unternehmen vor gravierenden Problemen. Produziert werden konnte und durfte nicht. Ein Zugriff auf die Firmenkonten war nicht mehr möglich. Eine Wiederaufnahme der geschäftlichen Tätigkeit blieb damit zunächst ungewiss. 


Es liegen Belege vor, dass bereits in Spätsommer / Herbst 1945 eine anderweitige Nutzung von Teilen des Rheinmetall-Borsig Firmengeländes in Erwägung gezogen wurde. Ein entsprechender Vermerk vom 11.09.1945, der dem Regierungspräsidium in Lüneburg vorlag, beinhaltet detaillierte Pläne in Unterlüß ein Institut zur Gewinnung von Seren - unter anderem gegen Maul- und Klauenseuche einzurichten. 


Die Verhandlungen wurden zunächst mit der ASID-Serumsinstitut GmbH geführt, die einen vorübergehenden Firmensitz in der Hannoverschen Straße Nr. 41 in Celle eingerichtet hatte. Das Unternehmen hatte konkrete Vorstellungen zu den Anforderungen an das mögliche Firmengelände. 


Die angestrebten Arbeitsgebiete gehen aus einem Schreiben an den Regierungspräsidenten in Lüneburg vom 08.10.1945 hervor



  • Herstellung von Sera, Impfstoffen, pharmazeutischen und biologischen Heilmitteln, Desinfektionsmitteln, chirurgischem Nahtmaterial (Catgut)
  • Anbau von Heilpflanzen
  • Herstellung von Bekämpfungsmitteln gegen pflanzliche und tierische Schädlinge 
Es wurden unterschiedliche Möglichkeiten geprüft für die Pläne der ASID-Seruminstitut GmbH eine passenden Standort zu finden. Im Gespräch war unter anderem die Ansiedlung des Werksgeländes in der Domäne Trauen, in Unterlüß sowie im Bereich von Altensothrieth. 


Bild: Hof Altensothrieth heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Was hatte es mit der ASID-Seruminstitut GmbH auf sich? 


Die Anhaltische Serum-Institut Dessau GmbH (ASID GmbH)   entstand in den Zwanzigerjahren in Dessau und diente der Herstellung von Impfstoffen, Seren und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Insbesondere wurden zu Beginn der Dreißigerjahre Impfstoffe und Seren gegen Tierkrankheiten erzeugt und entsprechende Krankheiten erforscht. 


Ab dem 01.05.1938 wurden die Gesellschaften des ASID unter staatliche Kontrolle gestellt. Es entstand die ASID-Werksgemeinschaft - ein "NS-Musterbetrieb". Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Betriebe in den besetzten Gebieten Osteuropas in die ASID-Werksgemeinschaft integriert. So unter anderem in Wien, Prag und in der Ukraine. Der Betrieb war mittlerweile als "kriegswichtig" eingestuft, da er die Kriegswirtschaft mit pharmazeutischen Produkten wie Impfstoffen, Seren und sterilem Nahtmaterial (Catgut) versorgte. 


Anfang der 1940er Jahre beschäftigte die ASID-Werksgemeinschaft rund 3.000 Arbeitskräfte in 25 Unternehmen. Ab 1942 bandelte die ASID-Werksgemeinschaft auch mit der SS an, um mit inländischen Wettbewerbern mithalten zu können. Wie detailliert die Kooperation verlief ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Allerdings belegen die Protokolle des Nürnberger Ärzteprozesses, dass durch SS-Ärzte unter anderem am 27.08.1943 Impfversuche an KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Buchenwald durchgeführt wurden - unter Leitung des SS-Arztes und Sturmbannführers Dr. Ding. Die Versuche fanden unter Einsatz von Typhus- und Fleckfiebererregern statt - gegen diese wurden verschiedene Impfstoffe verabreicht - so auch "ASID" und "ASID Adsorbat". 


Kurz vor Kriegsende waren die östlichen Standorte des ASID von der vorrückenden Roten Armee bedroht - sie mussten mehrfach verlagert werden. Es konnte allerdings nicht verhindert werden, dass Betriebe in der sowjetischen Besatzungszone verstaatlicht wurden. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Auflösungserscheinungen versuchten einige leitende Angestellte und wissenschaftliche Mitarbeiter der ASID in den westlichen Besatzungszonen eigene Unternehmen zu gründen. 


Entsprechendes geht aus dem Schreiben an den Regierungspräsidenten in Lüneburg vom 08.10.1945 hervor. Darin heißt es unter anderem "der Ausfall unserer sämtlichen in der russisch besetzten Zone befindlichen Produktionsstätten für die übrigen Gebiete Deutschlands veranlasst uns, für die britische Zone ein selbstständiges Institut einzurichten." 


Ein Vermerk des Regierungspräsidiums in Lüneburg vom 06.10.1945 berichtet über die am Vortag geführten Verhandlungen zu einem möglichen Standort der "ASID-Serumsinstitut GmbH", die auf dem Gut Trauen bei Faßberg stattfanden. Danach beabsichtigte die Firma ASID ihren Betrieb geschlossen neu aufzubauen und suchte dafür geeignete Standorte im Regierungsbezirk Lüneburg. Augenblicklich sei die Firma in verschieden Teilniederlassungen zerspalten, so heißt es im Vermerk weiter. Die Firma ging davon aus, dass künftig Liefermöglichkeiten in die amerikanische Zone vorhanden wären. 


Fast zur selben Zeit wurden Verhandlungen für eine entsprechende Nutzung des ehemaligen Guts Altensothrieth geführt. 


Bild: Hof Altensothrieth heute. Quelle: Google Earth, 2018. 


Für die Bestrebungen der Vertreter der ASID war es von großer Wichtigkeit möglichst mit Besitzern größerer Ländereien zu verhandeln. Das Ziel war ein großes zusammenhängendes Territorium zu erwerben. Schon im o.g. Schreiben vom 06.10.1945 werden die ehemaligen Werksanlagen der Firma Rheinmetall-Borsig in Unterlüß als "gut geeignet" erwähnt. 

Am 01.11.1945 kam es zu Verhandlungen der ASID-Serumsinstitut GmbH mit der Rheinmetall-Borsig AG, um eine Unterbringung auf dem Gelände des Schießplatzes zu sondieren. Am 12.11.1945 unterbreitete die Rheinmetall-Borsig AG einen Vorschlag wonach eine Unterbringung in der sogenannten "Y-Anlage", d.h. der ehemaligen Munitionsfabrik Neulüß erfolgen könnte. 


Besprechungsprotokolle vom 15.11.1945 und 17.11.1945 belegen die Verhandlungen zwischen dem Regierungspräsidium in Lüneburg und Vertretern der ASID-Serumsinstitut GmbH. Darin heißt es unter anderem, dass die Lage des alten Guts Altensothrieth sei für die Zwecke der Gesellschaft günstig und einige der vorhandenen Gebäude wären für "den chemischen Betrieb außerordentlich geeignet."  



Bild: Hof Altensothrieth heute. Quelle: Altmann, 2018. 

In Kartenskizzen vom 06.12.1945 wurden die Flächen verzeichnet, die der ASID-Serumsinstitut GmbH im Bereich des Guts Altensothrieth übereignet werden sollten. 


Verzeichnet sind unter anderem Wohn- und Stallgebäude sowie Laboratorien, die nördlich der Landstraße 280 eingerichtet werden sollten. Die vorgesehenen Nutzungen der einzelnen Gebäude wurden in die nachfolgende Karte übertragen: 


Bild: Hof Altensothrieth - vorgesehene Nutzung für die ASID-Serumsinstitut GmbH. Quelle: War Office Map 1945. 

Tatsächlich waren die Verkaufsverhandlungen zum Ende des Jahres 1945 offenbar weitgehend abgeschlossen.

Am 06.12.1945 ging in der provisorischen Niederlassung der ASID-Serumsinstitut GmbH in der Hannoverschen Straße 45 in Celle ein entsprechendes Angebotsschreiben der Rheinmetall-Borsig AG ein. Darin wurde einerseits das Gut Altensothrieth zum Verkauf angeboten und andererseits die ehemalige Munitionsfabrikationsanlage Neulüß zur Verpachtung offeriert. 

Die vorliegende Aktenlage gibt allerdings keine Hinweise auf den Verlauf der Verkaufsverhandlungen. 


Im Sommer des Folgejahrs wurde allerdings die SERAG Süddeutsches Serum- und Arzneimittelwerk GmbH aus Neuherberg bei Schleißheim beim Regierungspräsidenten in Lüneburg vorstellig. Es wurde beabsichtigt eine, vom Hauptsitz bei München unabhängige, Gesellschaft in Niedersachsen zu gründen. Die Unterbringung der "Niedersächsischen Serum- und Arzneimittelwerk GmbH" sollte ebenfalls in Unterlüß erfolgen. Hierfür wurde eine Verwendung des Guts Altensothrieth sowie der ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund angestrebt. 

Entsprechende Baupläne aus dem Jahr 1947 zeigen das Vorhaben im Bereich der ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund. Hier sollten umfangreiche Stallungen zur Serumgewinnung, Fabrikation und sogar ein Quarantänegebiet entstehen. 


Bild: Ehemalige Munitionsanstalt Eschengrund bei Unterlüß. Quelle: Karte War Office 1945, Google Earth. 

Diesem Vorhaben stand scheinbar allerdings die Veräußerung bzw. Verpachtung des Guts Altensothrieth sowie der Munitionsfabrikation Neulüß im Wege. Daher berief man sich darauf, dass das vermögen der Rheinmetall-Borsig AG zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen unter bereits unter Kontrolle der alliierten Militärregierung stand. Die Verhandlungen mit der ursprünglich interessierten ASID-Serumsinstitut GmbH zogen sich wohl einige Zeit hin. 

Ein Schreiben der SERAG vom 20.06.1949 belegt, dass die Arbeiten in der Anlage Eschengrund bei Unterlüß nur unwesentlich vorangekommen waren. Es ist dahingehend von "wirtschaftlichen Schwierigkeiten" die Rede, die einen Ausbau der Serumproduktion in der ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund zunächst verhinderten. 

Erschwerend hinzu kam, dass der Gleisanschluss, der vom Firmengelände der Rheinmetall-Borsig AG zur ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund verlief, Anfang Juni 1949 abgebrochen worden war. 

Neben den genannten umständen dürfte vor allem die veränderte Marktlage nach Kriegsende dazu beigetragen haben, das die geplante Serumproduktion in Unterlüß nicht anlief. Neue Impfstoffe waren zwischenzeitlich entwickelt worden und nicht zuletzt die Erfindung des Antibiotikums brachte maßgebliche Veränderungen mit sich. 

Allerdings brachte die Nachkriegszeit viele Veränderungen mit sich. Insbesondere durfte Rheinmetall den Betrieb in Unterlüß wieder aufnehmen und konnte einen Teil der Gebäude folglich selber nutzen. Teile der ehemaligen Munitionsanstalt wurden von einem Landwirt als Abstellt- und Lagerflächen genutzt. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Mittlerweile sind viele Gebäude der ehemaligen Munitionsanstalt abgerissen worden. Insbesondere der ehemalige Lagerbereich, in dem sich zahlreiche Munitionsbunker befanden, existiert heute nicht mehr. 

Von den ehemaligen Produktionshäusern, die nach Kriegsende auch die Laboratorien der Serumproduktion hätten beherbergen sollen, stehen heute nur noch wenige. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Entlang der Landstraße 280 befinden sich allerdings noch einige intakte Gebäude, die offenbar zeitweise als Scheunen verwendet wurden. Gemäß den entsprechenden Karten hätten auch diese Gebäude für die Unterstellung von Tieren im Rahmen der Serumproduktion diesen sollen. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Das Areal macht insgesamt einen recht verlassenen Eidruck. Das Betreten ist allerdings ohnehin nicht gestattet - die Bereiche der ehemaligen Munitionsanstalt Eschendrund befinden sich heute auf dem Gelände der Firma Rheinmetall. Schranken und Schilder weisen auf das Betretungsverbot hin. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Auf älteren Satellitenbildern sind noch weitere Gebäude im Bereich der ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund erkennbar - allerdings fielen diese scheinbar im Laufe der Zeit in sich zusammen und wurden später abgetragen. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Über die Munitionsanstalt Eschengrund sowie die geplante Serumproduktion in Unterlüß finden sich heute so gut wie keine Informationen mehr. Auch die Ortschronik lässt die Zusammenhänge unerwähnt. 

Bild: Munitionsanstalt Eschengrund heute. Quelle: Altmann, 2018. 

Sicherlich hat sich der ein oder andere bereits gefragt, was es mit den leerstehenden Gebäuden am Ortsausgang von Unterlüß auf sich gehabt haben mag. Dahingehend konnte dieser Beitrag sicherlich etwas Licht ins Dunkel bringen. 

Insgesamt ist es dem Zufall geschuldet, dass sich im Hauptstaatsarchiv in Hannover eine Akte befand, die Informationen zu der geplanten Serumproduktion enthielt. Es ist ein interessantes Stück Zeitgeschichte und allemal bemerkenswert, das ein solches Vorhaben im Raum Celle umgesetzt werden sollte. 

H. Altmann