f Recht und Pflicht zur Erinnerung ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 6. Februar 2020

Recht und Pflicht zur Erinnerung


Im Rahmen ihres ersten Besuches der KZ-Gedenkstätte Auschwitz im Dezember 2019 betonte die Bundeskanzlerin die Verpflichtung, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Wie gestaltet sich Erinnerungskultur mit Blick auf heutige Generationen, die für den – durch ihre Vorfahren verübten – Holocaust persönlich nicht verantwortlich sind? 

Wer das Kriegsende im Alter von 15 Jahren erlebte, ist inzwischen 90 Jahre alt. Was als biologisch-mathematischer Fakt nüchtern daherkommt, entfaltet mit Blick auf das historische Bewusstsein einer Gesellschaft 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine immense Tragweite. In den kommenden Jahren werden immer weniger Menschen die Möglichkeit haben, mit ihren nächsten Angehörigen über die Zeit des Dritten Reiches und den Holocaust zu sprechen. Der direkte Bezug zur Geschichte geht damit nachhaltig verloren. 

Es zeigt sich, dass seit dem Untergang des Dritten Reiches bis in die heutige Zeit viele Zusammenhänge noch nicht vollständig aufgearbeitet worden sind. So ist das Kriegsende vielerorts nur durch einzelne Zeitzeugenaussagen festgehalten worden – eine kritische Auseinandersetzung mit weiteren Quellen ist jedoch nur selten anzutreffen. Ohnehin blenden viele Chroniken dieses Thema völlig aus, enden irgendwo um das Jahr 1930 und setzen mit dem Einmarsch alliierter Truppen bzw. erst danach wieder ein. Die Objektivität etlicher Dorfchroniken kann somit in Frage gestellt werden. Doch wer soll die entsprechenden Fragen stellen? Schließlich haben die Nachkriegsgenerationen von ihren Eltern und Großeltern meistens nur das erfahren, was heute ohnehin in den besagten Chroniken geschrieben steht. 


Bild: Cover, Krieg bei uns, Kriegserinnerungen von Mitbürgern aus dem Celler Raum, die hier ihre Heimat hatten oder sie hier gefunden haben. Quelle: Heidern / Biermann. 

In Gesprächen hört man häufig, dass die Zeit des Dritten Reiches in den Nachkriegsjahren hierzulande ein Tabuthema war. Man sprach darüber allerhöchstens auszugsweise – und oftmals eben gar nicht. Während beispielsweise in den USA oder in Großbritannien ehemalige Soldaten in Veteranenverbindungen ungehemmt die Geschichten aus Kriegszeiten mit einer breiten Öffentlichkeit teilen konnten, blieben vergleichbare Zusammenkünfte und Verlautbarungen ehemaliger Wehrmachtsangehöriger oft im Verborgenen und genossen zudem einen höchst zwielichtigen Ruf. Im Ergebnis ist der Wissensverlust bis heute spürbar, denn die Kinder der einstigen Kriegsteilnehmer – unsere Eltern und Großeltern – erhielten schlichtweg kaum Antworten auf ihre Fragen. Ein heute 20 Jähriger, der sich für die Erlebnisse seines Großvaters im Zweiten Weltkrieg interessiert, bekommt von seinen Eltern somit nicht selten zu hören „darüber hat Opa nie gesprochen“. Und Opa selber fragen? Oft nicht mehr möglich. 

Dem Vorwurf, dass bestimmte Themen im familiären Umfeld keinen Niederschlag fanden, ließe sich bequem entgegenhalten, dass man schließlich spätestens in der Schule erfährt, was es mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust auf sich hatte. Die Verantwortung von sich schieben ist ein Modell das Schule machen könnte – wäre es nicht das Modell, was Schule bereits macht. Natürlich steht die Geschichte des Dritten Reiches heute in jedem Lehrplan – allerdings werden dabei viel zu selten die damaligen Ereignisse unmittelbar vor der eigenen Haustür problematisiert. 

Ein Schüler aus Celle erfährt somit einiges über Reichsparteitage in Nürnberg, den deutschen Überfall auf die Sowjetunion, jüdische Ghettos in Polen und die Landung alliierter Truppen am 6. Juni 1944 in der Normandie. Vielleicht wird das Thema Bergen-Belsen behandelt. Allerdings erfährt er jedoch wohl kaum etwas über das Arbeitserziehungslager der Gestapo in Unterlüß, die KZ-Außenlager „Waldeslust“ bei Hambühren oder „Tannenberg“ bei Altensothrieth, die Relikte der vielen Rüstungseinrichtungen im Raum Celle – in denen vielfach Zwangsarbeiter beschäftigt wurden – und ebenfalls erhält er keine Informationen über die letzten Abwehrkämpfe deutscher Truppen an den Allerübergängen. Dabei sind es genau diese Ereignisse und Zusammenhänge, die ein Interesse und einen Zugang zu überregionalen und internationalen Kontexten eröffnen und festigen könnten. 


Bild: Bombenkrater vom Angriff am 04.04.1945 im Wald bei Unterlüß. Quelle: Altmann, 2020. 

So kommt es, dass bis heute viele Zusammenhänge weitgehend unbekannt sind. Beispiel: Unterlüß. 

Der Ort wies die höchste Anzahl lagermäßig untergebrachter, ausländischer Arbeitskräfte während des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Celle auf. Laut der fortgeschriebenen Einwohnerzahl nach der Einwohnerkartei am 01.04.1944 lebten 7.999 Menschen in Unterlüß – davon 2.338 lagermäßig untergebrachte Ausländer. Die Konstellation der einzelnen Lager war vielschichtig und es lässt sich aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehen, wie viele Personen zu bestimmten Zeitpunkten innerhalb der unterschiedlichen Lagerkomplexe untergebracht waren. Laut Aktenlage wurde die entsprechende Meldekartei beim Bombenangriff auf den Ort am 04.04.1945 vernichtet. Aus heutiger Sicht gleicht die Ortsgeschichte diesbezüglich einem Puzzle mit ungewisser Anzahl an Einzelteilen. 


Bild: Unruhige Zeiten; Erlebnisberichte aus dem LK Celle 1945-1949, Grundlage waren die Zeitzeugenprotokolle der Heimatforscherin Hanna Fueß. Quelle: Schulze. 

Als die Celler Heimatforscherin und Redakteurin der Celleschen Zeitung, Hanna Fueß, in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine Chronik der Kriegserlebnisse der Bevölkerung zu Protokoll nahm, fielen deren Aussagen in den meisten Fällen recht einseitig aus. So berichtete man auch in Unterlüß einhellig von den Plünderungen, Zerstörungen und Gefahren durch vagabundierende Ausländer, "Displaced Persons",  in den ersten Tagen und Wochen nach Kriegsende. 

Von der Zwangsarbeit in den Monaten und Jahren zuvor ist in den Erzählungen jedoch allerhöchstens beiläufig die Rede. Konnte der Unterlüßer Bevölkerung der massive Einsatz von Fremdarbeitern im eigenen Ort verborgen geblieben sein? Wohl kaum. Möglicherweise war die Anwesenheit von ausländischen Arbeitskräften zu Kriegszeiten bereits so sehr ins Alltagsgeschehen übergegangen, dass man sie schlichtweg nicht für erwähnenswert erachtete. 


Bild: Ausschnitt Zeitzeugenbericht. Quelle: H. Fueß, es berichteten Lehrer Kröger / Lehrer Busse am 02.06.1948. 

Darüber, das es in der Gemeinde ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen gab, wollen allerdings viele tatsächlich nichts gewusst haben. Laut einer Meldung über Transporte (Konzentrationslagerhäftlinge, Kriegsgefangene, Zivilarbeiter usw.), die den Bezirk der Gemeinde Unterlüß während der Kriegszeit berührt haben, erklärte der damalige Gemeindedirektor Erich Müller (1945-1948), dass Konzentrationslagerhäftlinge seines Wissens nicht die Gemeinde Unterlüß berührt hätten. 

Aktuelle Recherchen zum KZ-Außenlager Tannenberg legen jedoch nahe, dass dieses Lager in Unterlüß seinerzeit bekannt gewesen sein muss. Schließlich fanden die Ereignisse im unmittelbaren und alltäglichen Umfeld der Einwohner statt – per Fußmarsch gelangten insbesondere jüdische Frauen zu ihren Arbeitsplätzen im Ort und der direkten Umgebung. In der bürokratischen Ordnung fanden die Ereignisse bereits in Zeiten des NS-Staates ihren Niederschlag. Schriftwechsel zwischen örtlichen Unternehmen und Gemeindeverwaltung im Januar 1944 behandeln unter anderem die Erfassung jüdischer Häftlinge im Rahmen der Lohnsummensteuer. Vor diesem Hintergrund ist undenkbar, dass das Gesehen irgendjemandem vor Ort verborgen blieb. Warum geriet dieses geschichtliche Kapitel also so stark in Vergessenheit? 


Bild: Protokoll Unterlüß, Tannenberglager. Quelle: DEGOB, 24.07.1945. 

Die Gründe – speziell in Unterlüß – sind vielschichtig; einen allumfassenden Erklärungsansatz dürfte man wohl vergeblich suchen. Abgesehen davon, dass man sich an die Zeit des Dritten Reiches grundsätzlich nicht besonders gerne erinnerte, treten in Unterlüß offenbar noch weitere Gründe hinzu, die eine offene Erinnerungskultur zumindest erschwert haben könnten. 

Mit Blick auf die geschichtliche Entstehung dürfte feststehen, dass Unterlüß kein besonders alter Ort ist. Anders als die historisch gewachsenen Bauerndörfer der Umgebung, blickt Unterlüß auf eine vergleichsweise junge Geschichte zurück. Dies alleine muss noch kein Grund für eine fehlende Identifikation mit der lokalen Geschichte sein – im Fall von Unterlüß tritt allerdings noch der Umstand hinzu, dass der Ort einer erheblichen Fluktuation, d.h. Zu- und Abwanderung unterlag. Besonders deutlich wird dies auch durch die Erweiterungen des Ortes in der Nachkriegszeit als zahlreiche neue Siedler aus ehemals deutschen Gebieten im Osten nach Unterlüß kamen und dort sesshaft wurden. Straßennamen wie „Breslauer Straße“, „Königsberger Straße“, „Posener Straße“ uvm. zeigen diesen Zusammenhang auf. Es erscheint nicht abwegig, dass einige der heutigen Ortsbewohner keine unmittelbare Verknüpfung zur früheren Ortsgeschichte haben. 


Bild: Hof Altensothrieth heute - unmittelbar südlich befand sich das Tannenberglager. Quelle: Altmann, 2020. 

Die große Anzahl von Arbeitskräften war damals ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Etliche Unternehmen zogen hieraus ihren Nutzen. In Rechnungen von Hoch-, Tief- und Straßenbaufirmen, Elektroinstallationsbetrieben, Maschinenbauunternehmen uvm. finden sich Hinweise auf den Einsatz von Arbeitskräften aus den Unterlüßer Lagern. Durch entsprechende Baumaßnahmen – die in Unterlüß meist in direktem oder indirektem Zusammenhang zur einst kriegswichtigen Rüstungsindustrie standen – war die Auftragslage örtlicher Handwerksbetriebe offensichtlich äußerst lukrativ. Wer hätte also ein Interesse gehabt über solche Zusammenhänge in der Nachkriegszeit zu sprechen? – Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Betriebe unmittelbar nach Kriegsende fortbestanden. 

Sicher lassen sich noch weitere Gründe anführen, die dazu führten, dass es in Unterlüß zu einem Bruch in der Geschichte kam. Eine andere Umschreibung kann es wohl nicht geben, wenn Informationen zwischen den Generationen verloren gehen. Aus heutiger Sicht scheinen die zugrundeliegenden Ereignisse bereits so weit entfernt, dass für heutige Generationen kaum mehr zu begreifen ist, wie nah das alles einmal gewesen ist. Dabei ist allerdings auch zu beobachten, dass ein Interesse an der Zeit zwischen 1933 – 1945 besteht – es scheint, als fehle oftmals nur der entsprechende Zugang zu dieser Epoche. 


Bild: Holocaust-Gedenktag, 26.01.2020, Hermannsburg. Quelle: Rusitschka, 2020. 

Das große gesellschaftliche Interesse an der Aufarbeitung der Unterlüßer Lager zeigte sich zuletzt im Rahmen einer Veranstaltung zum Holocaust Gedenktag in Hermannsburg. Es hat sich allerdings in den vergangenen Wochen und Monaten auch schon einiges getan. Derzeit finden Abstimmungen zwischen der Rheinmetall AG, der Gemeinde Südheide sowie einer örtlichen Bürgerinitiative statt, die das Ziel verfolgen eine Gedenkstätte zu errichten, an der die respektvolle Erinnerung an die Insassen der Unterlüßer Lager gepflegt werden soll. Hierfür werden derzeit Informationen zusammengetragen und Umsetzungskonzepte erarbeitet. Die Aufarbeitung stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar, zumal im Bereich der Gemeinde Unterlüß rund 21 Lager existierten. 

Unterlüß ist bei weitem nicht der einzige Ort, der sich mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit seiner Geschichte auseinandersetzen muss. Dabei ist es wohl genau dieses „Muss“ das es heute vielfach so schwer macht, den passenden Zugang zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu finden. Ist es eine Pflicht sich mit diesen Ereignissen zu beschäftigen? Inwieweit kann die Auseinandersetzung mit der örtlichen Geschichte verpflichtend sein? 


Bild: Fundamente des Lagers "Grunewald" in Unterlüß" - in unmittelbarer Nachbarschaft zu neuen Siedlungsflächen. Quelle: Altmann, 2020. 

In heutiger Zeit tritt die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich äußerst selten in den alltäglichen Lebensbereich – rein rechtlich betrachtet kann heute niemand gezwungen werden sich mit dieser Zeit zu beschäftigen. Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus immer wieder Bestrebungen dies zu ändern – so hatte sich beispielsweise in einer kürzlich erfolgten Umfrage die Mehrheit der Befragten für verpflichtende Besuche von Schulklassen in Gedenkstätten ehemaliger Konzertrationslager ausgesprochen. Unabhängig vom ungewissen Erfolg verpflichtender Gedenkstättenbesuche wären diese ein wichtiges und deutliches Signal, dass dieser Teil der Geschichte nicht vergessen werden darf. 

Für eine moderne Erinnerungskultur reicht das allerdings noch nicht aus. 

Insbesondere für Menschen, die sich bislang kaum oder noch gar nicht mit dem Thema Holocaust beschäftigt haben, entsteht in Gedenkstätten häufig der Eindruck, die dort gezeigte Geschichte sei bereits vollumfänglich erforscht. Das Augenmerk fällt somit auf die Menge der bereits bekannten Informationen – was jedoch dazu führt, dass den bislang unbekannten Informationen weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei spielte sich der Holocaust nicht ausschließlich in Konzentrationslagern ab – diese bildeten lediglich eine von vielen Facetten. 

Überspitzt formuliert, ergibt sich fast eine umgekehrte Situation zu damals. Unmittelbar nach Kriegsende sagten viele, sie hätten nicht gewusst was in den Lagern passierte, weil sie weit entfernt davon wohnten. Heute weiß fast jeder, was sich in den Konzentrationslagern ereignete. Aber nur wenige wissen, was dort geschah, wo sie heute wohnen. 

Genau hier muss eine moderne Erinnerungskultur ansetzen. 


Bild: Rüstungsrelikte bei Unterlüß. Quelle: Altmann, 2020. 

Mit Blick auf heutige Generationen stellt die Vermittlung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, des Dritten Reiches sowie des Holocaust eine Herausforderung dar, die sich ohne eigenes Interesse der Adressaten nur schwer bewältigen lassen wird. Um das Eigeninteresse, d.h. die Bereitschaft sich mit dem Thema eigenständig zu befassen, zu fördern, ist es notwendig Anreize zu schaffen, Ressourcen bereitzustellen und Hürden aus dem Weg zu räumen. 

Konkrete Maßnahmen in dieser Hinsicht wären unter anderem: 

  • In Schulen sollten regionalhistorische Zusammenhänge stärkere Beachtung erfahren. Dabei sollte auch die Geschichte im unmittelbaren Umfeld – vor der eigenen Haustür – thematisiert werden. 
  • Historische Unterlagen und Dokumente aus Archiven, Bibliotheken und Museen sollten digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. 
  • Archive, die im Regelfall an Wochentagen zwischen 8:00 Uhr und 16:00 Uhr geöffnet haben, sollten eine Öffnungszeit an Sonnabenden einrichten, um für die arbeitende Bevölkerung erreichbar zu sein. 
  • Gemeinden sollten freiwillige bzw. ehrenamtliche Ortsdenkmalpfleger fördern und entsprechende Kontakte benennen können (z.B. auf der Website / im Mitteilungsblatt). In vielen Orten beschäftigen sich bereits Ortskundige mit derartigen Themen – Kommunen sollten hier stärker vernetzen. 

Es gibt auch durchaus bereits positive Beispiele in dieser Hinsicht. So benennt die Gemeinde Hambühren beispielsweise Heimatpfleger als Ansprechpartner auf ihrer Website. 

In einigen Orten hat eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Dritten Reiches und des Holocaust auch bereits stattgefunden. Insbesondere hat die Gemeinde Wienhausen umgehend reagiert, nachdem bekannt wurde, dass im April 1945 ein Zug mit KZ-Häftlingen den Ort die nahegelegene Bahnstrecke passierte. 


Bild: Drei Gräber bei Wienhausen. Quelle: Der Spiegel, 24.05.1947. 

In der Nähe der einstigen Massengräber wurde eine Gedenktafel an einer Sitzbank installiert, die auf die Zusammenhänge hinweist. Auf diese Weise wurde ein zeitgemäßer Umgang mit den historischen Zusammenhängen bewiesen, der nicht auf Vorwürfen gegenüber heutigen Generationen basierte, sondern vielmehr an deren Verantwortungsbewusstsein appelliert. 


Bild: Gedenken an tote KZ-Häftlinge. Quelle: CZ vom 25.05.2013. 

Neben diesen Beispielen gibt es jedoch noch eine Vielzahl von Sachverhalten im Raum Celle, die es aufzuarbeiten gilt. 

Häufig wird heute davon gesprochen, dass die Erinnerung an den Holocaust wachgehalten werden muss. Allerdings ohne dabei konkrete Konzepte und Maßnahmen zu nennen. Die Praxis zeigt aber, dass an einigen Orten ein Bruch der Geschichte schon längst stattgefunden hat, weil eine Weitergabe von Informationen nicht erfolgte. Heutigen Generationen ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge der damaligen Zeit abzuverlangen setzt voraus, dass man für junge Menschen attraktive Anreize schafft, sich mit diesen Zusammenhängen zu beschäftigen. Das funktioniert aber nur, wenn man Geschichte in allen Facetten, objektiv und nachvollziehbar verfügbar macht. 

Aus der hohlen Hand kann Erinnerungskultur nicht entstehen – und da die naheliegenden Dinge oft greifbarer sind, als die weit entfernten, sollte künftig viel stärker auf eine Auseinandersetzung mit der Geschichte im unmittelbaren Einzugsbereich gesetzt werden. 


H. Altmann


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