f Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 15. August 2018

Blickwinkel #3: Am Markt Celle


Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

Die am 25.01.1915 verschickten Postkarte zeigt eine Straßenszene "Am Markt" in Celle. Pferdefuhrwerke sind zu erkennen und zumeist dunkel gekleidete Personen vor einem Hauseingang. Im Vordergrund sind die Gleise der einstigen Straßenbahn schwach zu erkennen. 

Auf den ersten Blick scheint ansonsten alles sehr vertraut - die Fassaden, der Straßenverlauf und das  auffällige Eckhaus (heute: Deutsche Bank). Tatsächlich hat dieses Bild jedoch noch einige Informationen mehr zu bieten... 

Bild: Am Markt, Celle, Postkarte gel. 25.01.1915. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Auf der linken Bildseite ist eine Menschenansammlung vor einem Gebäudeeingang mit der Inschrift "C.C. Lauenstein Söhne" zu sehen. Worum handelte es sich hierbei? 

Der Name "Lauenstein" dürfte vielen Cellern bis heute noch geläufig sein - insbesondere von der Lauensteinstraße und dem Lauensteinplatz. Die Namensgebung geht zurück auf den einstigen Bürgermeister Carl Christian Lauestein (1764 - 1853). Die Familie Lauenstein gehörte über Jahrzehnte zu einer der bekanntesten Celler Kaufmannsfamilien. 

Bereits im Jahr 1799 hatte Carl Christian Lauenstein mit seinem Mitstreiter Heinrich Conrad Bierwirth die Material- und spätere Kolonialwarenfirma gegründet. Bierwirth schied aus der Firma im Jahre 1896 aus und gründete ein eigenes Geschäft am Großen Plan 3. Die Lauenstein'sche Kolonialwarenhandlung verblieb am Markt. 

Bild: Kolonialwarenhandlung Lauenstein. Quelle: Adressbuch der Stadt Celle, 1898, Archiv H. Altmann.

Im Jahre 1830 übernahmen die beiden Söhne Lauensteins, Ernst und Burkhard das Geschäft am Markt. Bereits 1839 machte sich Ernst Lauenstein durch die Gründung einer Seifenfabrik in der ehemaligen Gastwirtschaft "Schumla" in der Harburger Straße selbstständig. Die dort hergestellten Haushalts- und Toilettenartikel wurden wiederum im Geschäft am Markt verkauft. Auch die im Volksmund als "Lauenstein-Seife" betitelte Seife war hier erhältlich. 

Bild: Fabrik Lauesten, Briefkopf 1894. Quelle: Archiv H. Altmann.

Das Geschäft am Markt blieb bis 1966 erhalten und wurde schließlich von der Stadt Celle erworben, die darin städtische Ämter unterbrachte und den Hof als Parkplatz umfunktionierte. 

Im Bild (s.o.) aus dem Jahr 1915 fällt auch das Eckgebäude in der Kanzleistraße 9/10 ins Auge des Betrachters. Heute ist dieses den meisten Cellern als Sitz der Filiale der Deutschen Bank bekannt. 

Bild: Markt heute, gleiche Perspektive. Quelle: Archiv H. Altmann, 2018.

Auf dem historischen Bild ist am Gebäude der Schriftzug "Hannoversche Bank - vorm. David Daniel" zu lesen. Dies rührt daher, dass die Hannoversche Bank im Jahr 1901  an Ort und Stelle das Bankgeschäft des jüdischen Bankiers David Daniel übernommen hatte. 

An eben dieser Stelle hatte bis 1904 ein Fachwerkhaus (erbaut: 1603) gestanden, in dem zuvor die Firma Naesemann & Schultz einen Großhandel mit Wolle, Wachs und Honig betrieben hatte. 1904 bezog die Hannoversche Bank schließlich das neu errichtete Gebäude an der Ecke Kanzleistraße / Hehlentorstraße. 

Bild: Werbeanzeige Hannoversche Bank, 1898. Quelle: Archiv H. Altmann.

Im Jahr 1921 wurde die Filiale der Hannoverschen Bank von der Deutschen Bank übernommen. Im Jahr 1984 / 1985 erfolgte ein Umbau der im Jugendstil errichteten Fassade der Deutschen Bank. Diese war ursprünglich als Keramikfassade erbaut worden. 

Im direkten Vergleich der historischen Aufnahmen mit heute erstellten Fotos wird einem klar, wie viel Geschichte sich alleine in den letzten 200 Jahren "Am Markt" ereignet hat. 

Bild: Am Markt, Celle, Bildmontage. Quelle: H. Altmann. 

In mancher Hinsicht hat sich die Straße "Am Markt" verändert - ihr Gesicht grundsätzlich gewandelt hat sie jedoch nicht. 


H. Altmann

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Freitag, 10. August 2018

Blickwinkel #2: Großer Plan Celle


Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

Über den Großen Plan fuhr früher einmal die Straßenbahn? Ja - so war es damals!  

Die Aufnahme muss zwischen 1920 und 1930 entstanden sein. Zu erkennen ist der Große Plan mit Blick in Richtung Osten. Dort wo der Große Plan in die Bergstraße übergeht - in etwa in Höhe der Einmündung der Poststraße - ist ein Wagen der Celler Straßenbahn zu erkennen. Das Karstadtgebäude dagegen ist noch nicht vorhanden (Weitere Informationen zu Celler Kaufhäusern - klick).

Der Platz ist fast völlig menschenleer. Die Fassaden der historischen Fachwerkhäuser haben sich seit dem Aufnahmezeitpunkt kaum verändert. 

Bild: Großer Plan, Celle. Quelle: Postkarte, Archiv H. Altmann. 

Zur Rechten ist eine Werbetafel an einem Gebäude erkennbar. Die Beschriftung "Gasthof zur Post" passt in die eingangs genannte Zeitstellung (1920 - 1930). Im Adressbuch der Stadt Celle aus dem Jahr 1917 findet sich eine Werbeanzeige des einstigen Inhabers, Otto Lüder. 

Bild: Inserat, Gasthof zur Post. Quelle: Adressbuch der Stadt Celle 1917, Archiv H. Altmann. 

Seit damals hat sich das Bild des Großen Plan nur geringfügig gewandelt. Während der Platz in den 60er und 70er Jahren für den PKW-Verkehr geöffnet war, ist er mittlerweile nur noch auf einer schmalen Fahrbahn befahrbar. Die Parkflächen der Nachkriegszeit sind längst verschwunden - ebenso wie die Schienen der Straßenbahn. Vermutlich können sich nur noch wenige daran erinnern bzw. haben selbst miterlebt, dass man damals mit der Straßenbahn aus der Innenstadt in Richtung Bahnhof fahren konnte. 

Bild: Großer Plan heute, Celle. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Die Übereinstimmungen zur historischen Aufnahme werden umso deutlicher, wenn man diese in ein aktuelles Bild einbindet, das aus demselben Blickwinkel aufgenommen wurde. 

Bild: Großer Plan, Bildmontage. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Die historische Aufnahme belegt, dass sich das Gesicht der Fachwerkstatt im Bereich des Großen Plans hinsichtlich der Gebäudefassaden kaum gewandelt hat. Die größten Veränderungen zu damals bestehen somit wohl im Verschwinden der Straßenbahn. Dafür scheint der Platz heute verstärkt in den touristischen Fokus gerückt zu sein... 

H. Altmann

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Donnerstag, 9. August 2018

Blickwinkel Celle

Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

Die folgenden Blickwinkel wurden bereits erfasst: 


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#2: Großer Plan, Celle: 
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#3: Am Markt Celle:


Dienstag, 7. August 2018

Rüstungs- und Militäreinrichtungen

Im der Zeit des Dritten Reiches entstanden im Raum Celle diverse Rüstung- und Militäreinrichtungen. Es handelte sich vorwiegend um Produktionsstandorte- und Lagereinrichtungen für Waffen und Munition. 

Die meisten dieser Anlagen sind heute bekannt und erforscht. Allerdings kommen immer wieder Hinweise auf bislang wenig bekannte Einrichtungen ans Tageslicht. Die Quellenlage ist leider mager - nur in wenigen Fällen kann die Recherche mithilfe von historischen Dokumenten erfolgen. Oftmals müssen die Informationen anhand von Karten und Luftbildern erschlossen werden. 

Etliche der einstigen Rüstungs- und Militäreinrichtungen im Raum Celle konnten in den vergangenen Jahren aufgespürt, quellenmäßig recherchiert und im Rahmen von Ortsbegehungen erforscht werden. 

In diesem Beitrag werden die bisherigen Forschungen zusammengefasst. Weitere Hinweise sind stets willkommen! 


Insbesondere konnten die folgenden Objekte / Orte bislang erforscht werden (Auszug)*: 

Heeresmunitionsanstalt Hänigsen (Waldlager): 


Marinesperrzeugamt: 


Flugplatz Hustedt: 


Bombenkrater Elwerath, Nienhagen: 


Luftmunitionsanstalt Aschenberg, Höfer: 


Heeresmunitionsanstalt Scheuen: 


Flugplatz Scheuen: 


Flugfeld Dedelstorf: 


Schieß- und Sprengplatz, Tiefental: 


Abstellfläche Zahrenholz: 


Scheinflugplatz Bokel: 


Funkstation / Funkfeuer Lutterloh: 


Schießstand / Bunker Hohe Wende, Celle, Vorwerk: 


Schießstand Wietzenbruch: 


Celler Kasernen


Rüstungsanlagen bei Unterlüß: 


KZ-Außenlager, Tannenberg, Unterlüß: 



Über weitere Hinweise / Ergänzungen würde ich mich sehr freuen (Kontakt - klick

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* Hinweis: 

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zum Betreten einzelner Orte / Objekte Genehmigungen erforderlich sein können, da sich einige der gezeigten Orte / Objekte z.B. im militärischen Sicherheitsbereich befinden! 




Sonntag, 5. August 2018

Blickwinkel #1: Bahnhofsplatz Celle


Schon in früheren Zeiten entstanden in Stadt und Landkreis herrliche Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen und alltäglichen Begebenheiten. Manchmal sticht erst beim direkten Vergleich mit heutigen Aufnahmen ins Auge, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. In der Serie Blickwinkel werden alte Fotografien im historischen und lokalen Kontext vorgestellt. 

"12. März 1922" wurde handschriftlich mit Bleistift auf der Postkarte vermerkt. Verschickt wurde diese zwar nie - und folglich auch nicht mit einem Datum abgestempelt. Allerdings zeigt sich im Abgleich mit historischen Karten, dass die Aufnahme ins Jahr 1922 fallen müsste. 

Ortskundige erkennen schnell, dass das Bild auf dem Bahnhofsplatz mit Blick in Richtung Bahnhofsstraße aufgenommen wurde. Das Augenmerk richtet sich auf das Gebäude in der Bildmitte (Bahnhofsstraße Nr. 1). Zur Linken befindet sich das Gebäude Bahnhofsplatz Nr. 12. Dahinter ist an der Ecke Bahnhofsstraße / Kirchstraße das Eckhaus mit dem auffälligen Zwiebeltürmchen erkennbar. Vor der Häuserfront an der gegenüberliegenden Seite der Bahnhofstraße verlaufen die Schienen der Straßenbahn. Ein Wagen derselbigen ist im Bild ebenfalls zu sehen...

Bild: Bahnhofsplatz. Quelle: Postkarte 1922.  

Im Vergleich zur heutigen Aufnahme - aus demselben Blickwinkel - zeigen sich einige Abweichungen. Unter anderem ist das Zwiebeltürmchen am Eckhaus verschwunden. Das Gebäude in der Bahnhofsstraße Nr. 1 (Bildmitte rechts) wurde im Obergeschoss offenbar aufgestockt. Die Straßenbahn ist - wie im Rest der Stadt - natürlich auch hier längst verschwunden. 

Bild: Bahnhofsplatz. Quelle: H. Altmann, 2018.  

Ein Grund für die baulichen Veränderungen war der Bombenangriff vom 08.04.1945. Die Gebäude in der Bahnhofsgegend wurden dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen. In unmittelbarer Nähe des Gebäudes Bahnhofsstraße Nr. 1 ereignete sich ein Einschlag - so belegen es Luftbilder aus dem April 1945. Es steht zu vermuten, dass ebenfalls die Dächer umliegender Gebäude neu eingedeckt werden mussten...

Trotz einigen Unterschieden lässt sich die historische - immerhin fast 100 Jahre alte  -Aufnahme in das aktuelle Foto einbinden. 

Bild: Bahnhofsplatz - Vergleich. Quelle: Postkarte 1922; H. Altmann, 2018. 

Aufgenommen wurde das Bild aus Richtung des Bahnhofsgebäudes. Die genaue Aufnahmeposition befindet sich unmittelbar bei den heute an der Vorderseite aufgestellten Fahrradständern. 

Bild: Bahnhofsplatz - Aufnahmewinkel. Quelle: Google Earth. 

Das Bild vermittelt anschaulich, wie es am Celler Bahnhofsplatz früher einmal ausgeschaut hat und gibt somit einen Einblick in das damalige Geschehen - vor fast 100 Jahren. 

H. Altmann



Montag, 16. Juli 2018

Ein vergessener Rüstungskomplex bei Unterlüß?


In Unterlüß konzentrierte sich während des Zweiten Weltkriegs kriegswichtige Rüstungsindustrie. Bis heute sind aus dieser Zeit Relikte erhalten - manche davon sind mehr, andere jedoch bis heute weniger bekannt... 

Es ist der 04.04.1945 - nur wenige Tage vor dem Einmarsch der alliierten Truppen. Mit mehreren Geschwadern griffen amerikanische Bomberverbände tagsüber Unterlüß an. In 13 Angriffswellen entluden die Geschwader hunderte Tonnen Spreng- und Brandbomben über dem nordwestlichen Bereich von Unterlüß. 

Im Protokoll der 351. Combat Mission der 303rd. Bomb Group heißt es, dass 39 Flugzeuge des Typs B-17 304 t schwere Sprengbomben sowie 157 t Brandbomben über Unterlüß abwarfen. Da mehrere Gruppen am Angriff beteiligt waren, handelte es sich hierbei nur um einen Bruchteil der insgesamt auf Unterlüß abgeworfenen Bombenlast von diesem Tag. 

Der Angriff traf die Produktions- und Forschungseinrichtungen der Firma Rheinmetall-Borsig schwer. Ebenfalls die angrenzende Munitionsanstalt "Eschengrund" wurde in Mitleidenschaft gezogen. Alliierte Luftbilder vom 07.04.1945 zeigen das Ausmaß des Luftangriffs eindrucksvoll. 

Bild: Luftangriff am 04.04.1945 auf Unterlüß. Quelle: http://www.303rdbg.com/missionreports/351.pdf 

Neben der Bombardierung zeigen die Luftaufnahmen Anlagen, die heute längst in Vergessenheit geraten sind. Es handelt sich hierbei offenbar um Rüstungsanlagen bzw. diesen zugehörige Einrichtungen. 

Im Raum Unterlüß waren bis April 1945 neben den Werksanlagen der Firma Rheinmetall-Borsig und der angrenzenden Munitionsanstalt Eschengrund noch eine Vielzahl weiterer Rüstungsanlagen entstanden. Für die Arbeiter wurden mehrere (Baracken-)lager errichtet, die mit unterschiedlichen Personengruppen belegt wurden. 

Noch heute sind in Unterlüß die baulichen Entwicklungen aus dieser Zeit gut erkennbar - allerdings sind die meisten direkt im Ort befindlichen Rüstungsanlagen, wie insbesondere Verladerampen, Barackensiedlungen sowie Fertigungs- und Lagerhallen, mittlerweile verschwunden. Schon zu Kriegszeiten konzentrierten sich die Anlagen der Firma Rheinmetall-Borsig auf den nördlichen sowie - mit dem Werk Neulüß - auf den nordöstlichen Bereich von Unterlüß. 

Die nun aufgefundenen Relikte belegen jedoch, dass es auch westlich von Unterlüß entsprechende Entrichtungen gegeben haben muss - beziehungsweise, dass sich solche in ihrer Entstehung befanden. 

Rund 600 m westlich verläuft parallel zum Altensothriethweg eine auffällige Trasse im Wald. Sie misst ungefähr eine Breite von 6 m und wird seitlich durch Böschungen begrenzt. 

Bild: Trasse westlich von Unterlüß. Quelle: H. Altmann. 

In nördlicher Richtung folgend, quert die Trasse mehrere Forstwege. Es handelt sich bei dieser Trasse offenbar nicht um einen Forstweg - auch wenn Teile davon zeitweise und in manchen Abschnitten als Weg genutzt wurden. 

Bild: Trasse westlich von Unterlüß. Quelle: H. Altmann. 

Im Abschnitt, der zwischen der westlichen Verlängerung der Magdeburger Straße und der Burgstraße liegt, befinden sich entlang der Trasse deutlich erkennbare Reste von drei größeren Gebäudefundamenten. 

Die massiven quadratischen Grundrisse messen eine Länge von ca. 60 m und eine Breite von rund 15 m. Die Gebäude wiesen somit eine Grundfläche von etwa 900 Quadratmetern auf. 

Bild: Gebäudereste westlich von Unterlüß. Quelle: H. Altmann. 

Es dürfte sich um recht massive - vermutlich mehrstöckige - Gebäude gehandelt haben, denn die Fundamente weisen eine Stärke von etwa 30 - 50 cm auf. Während sich die im Boden befindlichen Relikte recht gut erhalten haben, ist von den aufstehenden Gebäuden nichts mehr erhalten. 

Die drei Gebäude standen auf einer Fläche von ca. 4,3 Ha versetzt zueinander. Mitten durch das Gelände verlief die o.g. Trasse. 

Bild: Fundamente - Schrägsicht. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Fundamente - Schrägsicht. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Fundamente - Schrägsicht. Quelle: H. Altmann. 

Erhalten geblieben sind u.a. die Bodenplatten der Gebäude. Diese bestanden aus gegossenem Stahlbeton, der nur an wenigen Stellen aufgebrochen ist. In einigen Bereichen haben Tiere die Bodenplatten unterhöhlt. 

Bild: Fundamente - Bodenplatte. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Fundamente - Bodenplatte. Quelle: H. Altmann. 

Es finden sich keine Anzeichen darauf, dass die Gebäude unterkellert waren. In einigen Bereichen haben umgestützte Bäume Teile der Bodenplatten aufgebrochen - unter diesen befindet sich lediglich sandiger Boden. Offenbar wurden die Gebäude somit nur oberirdisch genutzt bzw. als solche errichtet. 

Bild: aufgebrochenes Fundament - Bodenplatte. Quelle: H. Altmann. 

Im ganzen Bereich verstreut finden sich Reste von kaputten Ziegel- und Dachsteinen sowie Mörtelreste. Ähnlich wie bei anderen Relikten von Rüstungsanlagen im Raum Celle scheint auch hier brauchbares Baumaterial entnommen worden zu sein. Zurück blieben offensichtlich nur noch Trümmer der einstigen Einrichtungen. 

Bild: Trümmerreste. Quelle: H. Altmann. 

Luftbilder vom 07.04.1945 zeigen die drei Gebäude westlich von Unterlüß und legen nahe, dass sich die Anlagen noch im Bau befanden. Das größte der drei Gebäude misst entsprechend dem alliierten Luftbild eine Länge von ca. 80 m und erstreckte sich direkt längs der gradlinig durch das Gelände verlaufenden Trasse. 

Dieses Gebäude war offenbar bei Kriegsende noch nicht fertiggestellt, denn es weist heute keinerlei Relikte bzw. Fundamente auf. Lediglich Vertiefungen und Umrisse im Boden geben Hinweis auf seine Lage. Die Vertiefungen sind ebenfalls auf den historischen Luftbildern erkennbar, sodass der Schluss nahe liegt, dass hier möglicherweise weitere Fundamente gegossen werden sollten. Die unmittelbare Nähe zur einstigen Trasse lässt vermuten, dass es sich eventuell um eine Verladerampe gehandelt haben könnte. 

Bild: Vertiefungen - möglicherweise einstige Baustelle. Quelle: H. Altmann. 

Darüber hinaus finden sich im Bereich der drei Gebäude weitere Erdböschungen und Reste kleinerer Fundamente. Worum es sich hierbei im Einzelnen handelte ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. 

Bild: Weitere Fundamente. Quelle: H. Altmann. 

In Richtung des heutigen Forstwegs ist weiterhin eine auffällige Vertiefung erkennbar. In dieser befindet sich ein gegossenes Fundament, das drei massive Gewindeeisen aufweist. Die einbetonierten Eisen sind dreiecksförmig angeordnet und besitzen eine Stärke von etwa   3,5 cm. Möglicherweise handelt es sich hierbei um das Fundament eines alten Mastes - vielleicht ein ehemaliger Funkmast (?) ... 

Bild: Fundament mit Gewindeeisen. Quelle: H. Altmann. 

An der äußeren Ecke des südlich liegenden Gebäudes befindet sich ein ehemaliger Schachteingang. Eisentritte wurden darin einbetoniert. Zunächst war unklar worum es sich bei diesem Eingang gehandelt haben könnte, da der Zugang bis auf einen halben Meter verschüttet war. 

Bild: Schachteingang. Quelle: H. Altmann. 

Nach Räumung des im Schacht befindlichen Schutts konnten weitere Rückschlüsse auf die umliegenden Gebäude(-fundamente) gezogen werden. Der Schacht ist quadratisch (ca. 80 x 80 cm) und reicht in eine Tiefe von rund 2,5 m unter die Erdoberfläche. 

Bild: Schachteingang. Quelle: H. Altmann. 

Es handelt sich bei diesem Schacht allerdings nicht um einen Keller- oder Stollenzugang, wie anfänglich nicht ausgeschlossen werden konnte. Vielmehr dürfte es sich um einen Teil der ehemaligen Kanalisation handeln, denn in der Tiefe von 2,5 m befindet sich eine massive Bodenplatte aus Gussbeton. An einer Seite öffnet sich der Schacht - hier lagen früher vermutlich Rohre. Aufgefundene Kabelreste lassen darüber hinaus darauf schließen, dass hier ebenfalls Elektroinstallationen verlegt gewesen sein können. 

Bild: Schachteingang. Quelle: H. Altmann. 

Bei der Beräumung wurden Lederreste mit erkennbarem Nahtmuster sowie ein alter Deckel einer Bügelflasche aufgefunden. Weitere Hinweise fanden sich im Schacht leider nicht. 

Bild: Lederrest. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Deckel, Bügelflasche. Quelle: H. Altmann. 

Es stellt sich insofern die Frage welchem Zweck diese alten Gebäude gedient haben. Neben dem Nachweis in historischen Luftaufnahmen finden sich kaum Hinweise auf diese Anlagen. Die Karte des britischen War Office aus dem Jahr 1945 zeigt die Gebäude interessanterweise nicht. 

Erst im Messtischblatt aus dem Jahr 1950 (ergänzt um Nachträge) sind die Gebäude verzeichnet. Das ist durchaus spannend, denn die Anlagen wurden zweifelsohne währen des Zweiten Weltkriegs erbaut - offenbar jedoch nur in späteren Karten verzeichnet. Im genannten Messtischblatt ist allerdings in diesem Bereich nur ein Gebäude verzeichnet. Es ist mit der Bezeichnung "Werkstatt" versehen. 

Bild: Gebäudekomplex westlich von Unterlüß. Quelle: Messtischblatt 1950, Google Earth. 

Auch im Messtischblatt aus dem Jahr 1957 sind an Ort und Stelle Gebäude verzeichnet. In dieser Karte wurden jedoch drei Gebäude eingetragen, die mit der Bezeichnung "Schuppen" versehen wurden. 

Bild: Gebäudekomplex westlich von Unterlüß. Quelle: Messtischblatt 1957, Google Earth. 

Offenbar blieben die Gebäude - um welche Art es sich dabei auch gehandelt haben mag - bis nach Kriegsende bestehen. Dies legen ebenfalls die weitaus detaillierteren Flächenutzungspläne der ehemaligen Gemeinde Unterlüß nahe. In diesen ist vor Ort ebenfalls ein Gebäude verzeichnet - allerdings legt der eingezeichnete Baumbewuchs nahe, dass das Gelände nicht mehr genutzt wurde - scheinbar lag das Areal nach Kriegsende brach. 

Auch die gradlinig verlaufende Trasse wirft nach wie vor Fragen auf. Den historischen Luftbildern zufolge begann diese Trasse im Bereich der heute noch vorhandenen Gebäudereste und endete in der Munitionsanstalt Eschengrund. Dies legt den Schluss nahe, dass die Gebäude in direktem Zusammenhang zur einstigen Munitionsanstalt bzw. der angrenzenden Rüstungsbetriebe standen. 

In aktuellen Karten ist die Trasse in einigen Abschnitten noch als Waldweg verzeichnet. Im Rahmen von Ortsbegehungen konnten jedoch Erkenntnisse gewonnen werden, die andere Schlüsse nahe legen. Zwar werden einige Bereiche der einstigen Trasse heute als Forstweg genutzt - damals jedoch scheint sich hier eine Bahnstrecke befunden zu haben. 

Bild: Tief eingeschnittene Böschung der ehemaligen Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann. 

Entlang des heutigen Weges in nördlicher Richtung finden sich noch heute auffällig hohe Seitenböschungen. In manchen Abschnitten sind tiefe Mulden und Spuren der einstigen Bauarbeiten anzutreffen. Offenbar wurde die Bahnstrecke damals nicht fertiggestellt und blieb eine Zeit unvollendet bestehen - bis die Natur das Gelände zurück eroberte. 

Bild: Baugruben entlang der ehemaligen Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Rund 1,2 km nördlich der Gebäudereste befindet sich ein Streckenabschnitt der ehemaligen Bahnstrecke der künstlich erhöht wurde. Der angeschüttete Bahndamm weist auf einer Länge  von ca. 200 m eine Höhe von etwa 15 m auf. 

Im Gelände befand sich eine natürlich Mulde, die scheinbar mittels des Bahndamms überwunden werden sollte. Heute liegt die einstige Bahntrasse überwachsen und vergessen im Wald...

Bild: Vertiefung - ehemalige Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Bild: ehemalige Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Bild: ehemalige Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Bild: ehemalige Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Bild: ehemalige Bahnstrecke. Quelle: H. Altmann.

Es stellt sich die Frage, wie eine ca. 2 km lange Bahnstrecke nach Kriegsende in Vergessenheit geraten konnte. Eine mögliche Erklärung: Teile der einstigen Bahntrasse wurden als Forstweg genutzt - die ursprüngliche Verwendung war schon nach wenigen Jahren nicht mehr zu erkennen. Im Bereich der aufgefundenen Gebäudereste gab es bereits einen Forstweg der unmittelbar neben der Bahntrasse verlief. Es war in diesem Bereich somit nicht nötig zwei Wege zu unterhalten - die Bahnstrecke wuchs mit der Zeit zu. 

Hinzu kommt außerdem, dass die Bahntrasse bei Kriegsende offenbar nicht vollständig fertiggestellt worden war. Andernfalls wäre sie in Karten zumindest in der Nachkriegszeit als Bahnstrecke eingetragen worden. Es finden sich allerdings keinerlei kartografische Belege für die Bahntrasse. Die legt nahe, dass sich der Bahnkörper noch im Bau befand und nicht fertiggestellt wurde. 

Bild: ehemalige Bahnstrecke. Quelle: Messtischblatt 1957; Google Earth; H. Altmann.

Im nördlichen Abschnitt mündet die ehemalige Bahntrasse in das heutige Firmengelände von Rheinmetall (ehem. Rheinmetall-Borsig). Direkt auf dem einstigen Verlauf befindet sich heute ein Schießstand für Kurzwaffen. Bis Kriegsende war hier die Munitionsanstalt Eschengrund untergebracht. Karten und Luftbilder zeigen eindeutig den geschwungenen Verlauf der einstigen Bahntrasse der sich innerhalb der ehemaligen Munitionsanstalt verzweigte. 

Bild: ehemalige Bahnstrecke - Übergang zur einstigen Munitionsanstalt Eschengrund. Quelle: H. Altmann.

Heute ist von der ehemaligen Bahnstrecke in diesem Bereich so gut wie nichts mehr erkennbar. Ein Forstweg, der in die Straße "Im Grunde" (Unterlüß) mündet quert die alte Bahntrasse. Im nachfolgenden Bild würde die Bahnstrecke von links nach rechts verlaufen. Links befindet sich das Gelände der einstigen Munitionsanstalt Eschengrund (heute: Rheinmetall) - rechts ist der Verlauf der Bahnstrecke durch einen aufgeschobenen Haufen Torholz verdeckt. 

Bild: ehemalige Bahnstrecke - Übergang zur einstigen Munitionsanstalt Eschengrund. Quelle: H. Altmann.

Im Ergebnis ergaben die bisherigen Nachforschungen, dass bis Kriegsende westlich von Unterlüß massive, große Gebäude im Wald erbaut wurden. Diese wurden allerdings offenbar nicht fertiggestellt. Ein Teil dieser Gebäude wurde auch noch nach Ende des Zweiten Weltkriegs als mögliche Lagerhalle (Schuppen / Werkstatt) genutzt. Dies legen entsprechende Karten aus der Nachkriegszeit nahe. 

Verbunden waren die die Gebäude offenbar mit der ehemaligen Munitionsanstalt Eschengrund über eine Bahnstrecke, die allerdings ebenfalls nicht fertiggestellt wurde. Anwohner konnten die Existenz einer alten Bahnstrecke belegen - an alte Gebäude in diesem Bereich erinnerte sich allerdings keiner mehr. 

Bild: Gebäudekomplex westlich von Unterlüß. Quelle: H. Altmann.

Insgesamt stellt sich die Frage welchem Zweck die Gebäude gedient haben und warum ein so erheblicher Aufwand betrieben wurde, um diesen Gebäudekomplex mit der Munitionsanstalt zu verbinden. Die unvollendete Eisenbahntrasse lässt jedenfalls den Schluss nahe, dass in den Gebäuden, die jeweils über eine erhebliche Grundfläche verfügten, möglicherweise Produktionen stattfanden, die direkt mit der Munitionsanstalt in Verbindung standen. Lagerkomplexe scheinen dagegen eher unwahrscheinlich, denn die aufgefundenen Fundamente sprechen im Vergleich mit ähnlichen Einrichtungen eher für Fertigung als Einlagerung. Offenbar wurden die Einrichtungen nicht mehr fertiggestellt. In keinem der bekannten Protokolle finden sie Erwähnung. Auch finden sich keine Hinweise auf die Demontage. 

Über weitere Hinweise zu diesen Gebäuden, der Bahnstrecke und der Unterlüßer Geschichte würde ich mich sehr freuen! 

H. Altmann