f Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 13. Januar 2021

Spektakulärer Waffenfund bei Bokel im Landkreis Gifhorn


Was ein spektakulärer Fund von Waffen und Ausrüstungsgegenständen über die letzten Kriegstage in den Landkreisen Celle und Gifhorn verrät. 

Es ist eher ungewöhnlich aber nicht gänzlich ausgeschlossen, dass 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch Relikte auftauchen, die mehr sind als nur bloße Fundstücke. Als im Jahr 2004 zwölf Aktenordner mit Dokumenten – dem schriftlichen Nachlass der 4. Armee – in einem Waldstück im Grenzbereich der russischen Exklave Kaliningrad (ehem. Königsberg) und Polen gefunden wurden, war dies eine Sensation. Vielleicht etwas weniger ungewöhnlich aber nicht weniger geschichtsträchtig ist nun der Fund von rund 90 Stahlhelmen und mehreren Waffen im beschaulichen Bokel im nördlichen Landkreis Gifhorn. Spektakulär ist, dass diese militärischen Überbleibsel offenbar weitere Erkenntnisse zum Kriegsende liefern. 

Am 7. Januar 2021 berichtete zuerst das Isenhagener Kreisblatt, wie ein Bokeler bei der Suche mit einem Metalldetektor auf dem eigenen Grundstück auf die Kriegsrelikte gestoßen war. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst rückte aus und entfernte die teilweise scharfen Kriegsrelikte. Es handelte sich um mehrere Maschinengewehre, Panzerfäuste, Handgranaten sowie um besagte rund 90 deutsche Stahlhelme. 

Insbesondere die Anzahl der Helme lässt aufhorchen, da man schließlich annehmen kann, dass in jedem dieser Helme damals ein Kopf gesteckt haben könnte – es also eine größere Ansammlung von Soldaten vor Ort gegeben haben müsste. In welchem Zusammenhang die Waffen und Ausrüstungsgegenstände auf das Grundstück gelangten, war bislang jedoch unklar. Im Ort konnte sich bisher niemand an entsprechende Ereignisse aus jener Zeit erinnern. Was war damals geschehen? 

Bild: Panzerfäuste in einer Kiste. Quelle: US Military Intelligence Service, War Department, German Infantry Weapons, 1943. 

Am Morgen des 12. April 1945 waren britische Einheiten in Celle einmarschiert und hatten es geschafft, an diversen Stellen die Fuhse und die Aller zu überqueren. Zwar hatte Generalmajor Paul Tzschökell die Sprengung der wichtigen Allerbrücken im Stadtgebiet veranlasst[1] – den alliierten Vorstoß konnte dies aber nur für einige Stunden bremsen. Der Zeitgewinn sollte dazu dienen, eine mutmaßliche Verteidigungslinie in Höhe Unterlüß-Weyhausen aufzubauen, berichtete der Generalmajor später nach Kriegsende. 

Trotz mehrerer Straßensprengungen der ehemaligen Reichsstraße (heute: B191) zwischen Celle und Weyhausen, gelang es britischen Verbänden, die deutsche Verteidigung auszuhebeln und in nordöstliche Richtung vorzustoßen. Generalmajor Tzschökell konnte einer Vereinnahmung durch britische Einheiten nur noch knapp entkommen – ein schwerer britischer Panzer stand bereits vor dem Haus in dem er Quartier bezogen hatte.[2] Schon am 14. April 1945 standen die Briten kurz vor Uelzen. 

Bild: Maschinengewehr 42. Quelle: US Military Intelligence Service, War Department, German Infantry Weapons, 1943. 

Ohnehin war die militärische Lage für die Reichsführung mehr als aussichtslos geworden. Im Osten gab es kein Halten für die Rote Armee. Im Westen waren britische und US Truppen seit Überschreiten des Rheins weit ins Landesinnere vorgedrungen und hatten dabei nahezu die gesamte Heeresgruppe B im sogenannten „Ruhrkessel“ vom Nachschub und Anschluss an die eigene Truppen abgeschnitten. 

In dieser, an sich ausweglosen, Situation wurde vom Generalstab des Heeres am 4. April 1945 mit dem Befehl „Zeppelin 2648“ die Aufstellung der 45. Panzerdivision „Clausewitz“ befohlen. Zusammen mit der ebenfalls neu aufzustellenden RAD-Infanteriedivision „Schlageter“ sowie Resten der zuvor bei Wesel aufgeriebenen 84. Infanteriedivision sollte die Pz.Div. Clausewitz das XXXIX. Panzer-Korps bilden, dass eigentlich zusammen mit der 12. Armee unter General Walther Wenck östlich der Elbe operieren sollte.[3] 

Durch den schnellen Vormarsch – insbesondere der 5. US Panzerdivision – bis an die Elbe, wurde vom ursprünglichen Vorhaben abgelassen. Stattdessen sollte die Pz.Div. Clausewitz nun aus dem Raum Uelzen in südliche Richtung vorstoßen, dabei den britischen sowie den US Vormarschkorridor durchqueren und sich im Harz mit der dort stehenden 11. Armee vereinigen. [4] Tatsächlich waren die erforderlichen Einheiten bis Mitte April noch nicht vollständig aufgestellt und befanden sich noch in Entstehung, als die Briten die Stadt Celle bereits hinter sich gelassen hatten. 

Bild: Bokel im Jahr 1944, die britischen Truppen trafen aus südwestlicher Richtung ein. Quelle: War Office, G.S.G.S. Map 1:25.000, sheet 3129 Wieren, published 1944, public license. 

Was damals in Bokel, Luftlinie ca. 15 km südlich von Uelzen geschah, lässt sich anhand der britischen Militärberichte gut nachvollziehen. So heißt es im War Diary des 4th Tank Battalion „The Coldstream Guards“ für den 14. April 1945, dass sich die Panzer und Infanterie bei Sprakensehl neu formierten und anschließend in nordöstliche Richtung auf Bokel vorgingen.[5] Weiter heißt es darin, die Einheiten seien in Bokel nicht auf Widerstand gestoßen, jedoch habe sich eine Anzahl deutscher Soldaten kampflos ergeben. Der Vormarsch des 4th Tank Battalion führte weiter in nördliche Richtung auf Nienwohlde / Nettelkamp / Stadensen, wo sich in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 ein schweres Nachtgefecht mit gepanzerten Einheiten der in Aufstellung befindlichen 45. Pz.Div. Clausewitz zutrug. 

Im War Diary des 15th Scottish Reconnaissance Regiment (Aufklärung) heißt es für den Nachmittag des 14. April 1945, dass Bokel gegen 16:10 Uhr feindfrei erklärt wurde und 170 PW ( = Prisoners of War, Kriegsgefangene) gemacht worden waren.[6] Die deutschen Soldaten wurden laut Bericht offenbar vollkommen durch die britischen Einheiten überrascht. 

Bild: Blick auf Bokel aus Richtung Behren. Der Ort Bokel befindet sich in einer Tallage, tiefer als das Umland. Quelle: H. Altmann, 2021. 

Dieser Ablauf des 14. April 1945 wird gestützt durch Aussagen von Zeitzeugen, die sich in der Bokeler Ortschronik finden. So berichtete Irene Plieth, dass am 14. April 1945 deutsche Soldaten mit LKW-Kolonnen aus Richtung Behren angekommen waren, die im Ort mit Nahrungsmitteln versorgt wurden.[7] Aus Richtung Behren/Sprakensehl anrückende britische Einheiten nahmen die Ansammlung deutscher Soldaten unter Feuer, wobei zwei deutsche Soldaten tödlich getroffen wurden. 

Bei den Toten handelte es sich um den Obergefreiten Hans Hahn, geb. 15.08.1902 und den RAD-Mann Werner Schmetjen, geb. 24.09.1927 – letzterer war also gerade einmal 17 Jahre alt. Beide wurden auf dem Bokeler Friedhof bestattet. 

Die restlichen gefangengenommenen deutschen Soldaten wurden über Nacht in einer Scheune in Bokel eingesperrt und am 15. April 1945 abtransportiert, so Irene Plieth. 

Bild: Soldatengräber auf dem Friedhof Bokel. Quelle: H. Altmann, 2021. 

Vor diesem Hintergrund scheint naheliegend, dass die gefundenen Waffen und Ausrüstungsgegenstände von jenen deutschen Soldaten stammen dürften, die am 14. April 1945 durch britische Truppen in Bokel überrascht und gefangen genommen worden sind. Insbesondere die große Anzahl gefundener Stahlhelme spricht dafür, dass hier ein Zusammenhang vorliegen könnte. Auch die Fundumstände legen nahe, dass das Kriegsmaterial „entsorgt“ werden sollte. Ob dies vor oder nach Eintreffen der britischen Truppen geschah, bleibt ungewiss. 

Im Regelfall wurden Waffen und andere militärisch relevante Gegenstände unmittelbar nach Ankunft der Alliierten unbrauchbar gemacht. Man fürchtete Partisanen- bzw. sogenannte „Werwolf-“Angriffe. Es wäre daher ungewöhnlich, dass die britischen Truppen ein derart großes Waffenarsenal offen zurückgelassen hätten. Nicht auszuschließen ist, dass die Waffen und Ausrüstungsgegenstände auf anderen Wegen nach Bokel gelangten. Möglicherweise könnten die nun aufgefundenen militärischen Gegenstände von den schweren Gefechten bei Nettelkamp / Stadensen stammen. Die Zusammenstellung der Funde spricht aber eher dafür, dass sich im Ort deutsche Truppen abgerüstet haben und erscheint vor dem Hintergrund der militärischen Berichterstattung durchweg plausibel. 

Im Ergebnis bleibt die Erkenntnis, dass auch 76 Jahre nach Kriegsende noch Funde gemacht werden, die Aufschluss über die Abläufe jener Zeit geben können. Vermutlich wäre die Geschichte um das Kriegsende in Bokel ohne diesen beachtlichen Fund noch länger im Dunkeln geblieben. 

Nichtsdestotrotz zeigt der Fund auch, dass die Nutzung von Metalldetektoren berechtigterweise einigen Vorgaben unterliegt. In Niedersachsen ist für die Suche nach im Boden verborgenen Objekten mithilfe eines Metalldetektors eine sogenannte Nachforschungsgenehmigung (NFG) erforderlich - hierauf verweis ebenfalls der Gifhorner Kreisarchäologe, Dr. Eichfeld (Braunschweiger Zeitung v. 13.01.2021). Die NFG kann bei der örtlich zuständigen unteren Denkmalbehörde beantragt werden und ist an weitere Voraussetzungen geknüpft. Weitere Informationen hierzu sind beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege verfügbar. 

H. Altmann 


Weitere Informationen:


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[1] U. Saft, Krieg in der Heimat, S. 79f. 


[2] U. Saft, Krieg in der Heimat, S. 241. 


[3] Unrein, Bericht über Einsatz der Panzerdivision „Clausewitz“. 


[4] Gellermann, Die Armee Wenck – Hitlers letzte Hoffnung, S. 32ff. 


[5] War Diary 4th Tank Battalion „The Coldstream Guards“ für den 14. April 1945. 


[6] War Diary 15th Scottish Reconnaissance Regiment für den 14. April 1945. 


[7] Irene Plieth, in: Karfeld/Wagner/Cohrs/Cohrs/Helms/Karfeld/Plieth/Schulenburg: Bokel – ein Dorf, wie es im Buche steht. 



Freitag, 25. Dezember 2020

Mühlenkanal, Mühlengraben und der „Dove See“ bei Wienhausen



Als historischer Klosterort verfügt Wienhausen über ein unverwechselbares Ensemble geschichtsträchtiger Gebäude. Hierzu zählt insbesondere die alte Mühle, die durch das Wasser des Mühlenkanals angetrieben wird. Neben dessen offizieller Bezeichnung hat sich für dieses Gewässer auch der Name „Mühlengraben“ umgangssprachlich etabliert. In alten Karten findet man häufiger die Bezeichnung „Dove See“ für das Gewässer. Welcher Name der „richtige“ ist, lässt sich nur durch eine Betrachtung der historischen Gegebenheiten eingrenzen. 

Der Lauf des Mühlenkanals /-grabens beginnt heute einige hundert Meter oberhalb der Langlinger Allerschleuse. Nach mehreren Windungen und Schleifen erreicht der Flusslauf nach etwa sechs Kilometern Wienhausen, wo er schließlich wieder in die Aller einmündet. Sein Name deutet auf eine enge Verbindung zur Wienhäuser Mühle. Seltsam ist jedoch, dass der Fluss zwei recht ähnlich klingende und doch von ihrer Bedeutung her verschiedene Namen trägt. 

In heutigen Karten wird er als „Mühlenkanal“ bezeichnet – in der mündlichen Überlieferung ist er aber auch als „Mühlengraben“ anzutreffen und historische Karten bezeichnen das Gewässer als „(Dove) See“ oder „Rinne“.[1]

Bild: Mühlenkanal unterhalb der Wienhäuser Mühle. Quelle: H. Altmann, 2019. 

Die Spurensuche beginnt beim funktionalen Zweck des Gewässers – der Wienhäuser Mühle. Erstmals wird diese bereits im Jahr 1352 urkundlich erwähnt.[2] Erst 1446 wird die Mühle als Besitz des Klosters genannt.[3] Die Klosterchronik benennt die Mühle ebenfalls: am Dienstag nach Rogate (fünfter Sonntag nach Ostern) im Jahr 1501 verstarb die Äbtissin Susanne Potstock auf einer Reise zum Kloster Medingen – ihr Leichnam wurde zurück nach Wienhausen überführt. „Von da brachte ihn des folgenden Tages der Probst von Wienhausen H. Simon Reinecke bis Wienhausen mit ihren Pferden. Wie er an die Mühle gekommen am Himmelfahrt Abend ging ihm die gantze Jungfrl. Versammlung in einer Procession entgegen, und begleitete den Leichnam bis in die Kirche.[4] 

Die herausragende Bedeutung der Mühle rechtfertigte ihre frühe Erwähnung in schriftlichen Überlieferungen. Es scheint naheliegend, dass die Wienhäuser Mühle und ihre Mühlräder auf eine gesicherte Wasserzufuhr angewiesen waren. Doch rechtfertigt es der quellenmäßige Nachweis der Mühle für den Mühlenkanal ein ebenso hohes Alter zu unterstellen? 

Bild: Wienhäuser Mühle. Quelle: H. Altmann, 2019. 

Im dritten Teil seiner Reihe zur „Heimathskunde der Kirchengemeinde Wienhausen“ hielt Pastor W. Bettinghaus im Jahr 1901 bereits fest, dass „der Mühlenkanal von Langlingen bis zur hiesigen Mühle, früher wohl ein tauber Strang, vor etwa 130 Jahren gebaut worden (ist)...[5] Mit dieser Annahme lag Bettinghaus ungefähr richtig – historische Karten belegen, dass der heute als „Mühlenkanal“ bekannte Verlauf des Gewässers bis ins Jahr 1795 als „Dove See“ („Dove / Dobe See“ = Tauber See) bezeichnet wurde.[6] 

Die Entwicklung des Doven Sees lässt sich kartografisch bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts nachvollziehen. Eine Karte aus dem Nachlass des Marquis de Paulmy (Antoine René de Voyer de Paulmy d'Argenson, 12.11.1722 – 13.08.1787) zeigt die „Environs“ (Umgebung) von der Stadt Celle im Jahr 1732. Die Karte zeigt den Verlauf des Mühlenkanals östlich von Wienhausen mit der Bezeichnung „See“. Eine weitere historische Karte zeigt den „Grundriss des Langlinger Holtzes“ im Jahr 1753 und bezeichnet den Verlauf des Mühlenkanals als den „See oder die Rinne“.[7] 

Bild: Lage des "See oder der Rinne" sowie der "Seebrücke", der "massiven" und der "hölzernen" Schleuse bei Wienhausen im Jahr 1753. Quelle: Karte der Gegend südlich der Aller zwischen Wienhausen und Flettmar, NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/26m, public domain. 

Erstmals wird in dieser Karte von 1753 der Übergang des Weges von Wienhausen in Richtung Offensen als „See Brücke“ bezeichnet. Dieser „See oder die Rinne“ verfügte laut der Karte von 1753 flussaufwärts noch nicht über eine Verbindung zur Aller – es handelte sich bis dato um einen toten Flussarm, dessen Ausläufer sich bis in die Feldflur der Langlinger „Dorflage“ erstreckt haben mögen.[8] 

Bild: die "Seebrücke" bei Wienhausen heute. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Bei Wienhausen, ein kleines Stück flussabwärts der sogenannten See Brücke, mündete der „See oder die Rinne“ in die Aller – etwa in Höhe der gegenüberliegenden Feldflur der „Bock Marsch“. Noch im Jahr 1766 zeigen zeitgenössische Karten die Situation des späteren Mühlenkanals dementsprechend.[9]

Bild: Verlauf des "Doven Sees" um 1766. Quelle: NLA HA Kartensammlung Nr. 41f./43kKarte von dem Laufe des Allerflusses oberhalb Celle bis Wolfsburg nebst dem Einflusse der Oker von Meinersen bis Müden, wie solche bei dem im Jahre 1766 genommenden Niveau von dem natürlichen Falle dieser Flüsse aufgemessen, public domain. 

Ein Schreiben des damaligen Müllers, Christoph Düwel, an die Churfürstliche Kammer vom 4. September 1784 berichtet davon, dass die einstige Mühle in Wienhausen unter Wassermangel litt.[10] Dies lag offenbar in baulichen Maßnahmen begründet, die zu dieser Zeit im Bereich der Aller bzw. des Mühlenkanals bei Wienhausen durchgeführt worden waren. 

Vor dem Jahr 1775 befand sich in der Aller oberhalb von Wienhausen ein Stauwerk, das allgemein auch als „hölzerne Schleuse“ bezeichnet wurde.[11] Diese Schleuse diente dazu einen Teil des Allerwassers in einen gegrabenen Kanal umzuleiten, der zur Wienhäuser Mühle führte. Noch vor Wienhausen, jedoch unterhalb der hölzernen Schleuse, traf der taube Wasserarm, „Dove See“ genannt auf den Mühlenkanal und durchschnitt diesen.[12] 

Bild: Einmündung des "Doven Sees" um 1795 in den Mühlenkanal bei Wienhausen. Ebenfalls erkennbar: die massive Schleuse, die einst verhinderte, dass der Mühlenkanal zurück in die Aller floss. Quelle: NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31mLauf der Aller und des Doven Sees von Wienhausen bis Langlingen, mit Lage des Klosters Wienhausen und mit Profilen, public domain. 

Damit das Wasser, das zuvor durch die hölzerne Schleuse in den Mühlenkanal geleitet worden war, nicht einfach durch den unteren Teil des Doven Sees in die Aller zurückfloss, wurde der untere Teil des Dove-Sees ebenfalls mit einem Damm versehen. Eine historische Karte vom „Lauf der Aller und des Doven Sees von Wienhausen bis Langlingen (...)“ aus dem Jahr 1795 verdeutlicht die Situation.[13]

Bild: Reste der alten Schleuse bei Wienhausen - einst befand sich in diesem Bereich bereits die sogenannte "massive Schleuse". Quelle: H. Altmann, 2020. 

Doch die Mühle war längst nicht der einzige Grund dafür, dass dem Lauf der Aller flussaufwärts Wasser entnommen werden musste. Wienhausen war in herzoglicher Zeit der Standort eines herrschaftlichen Jagdschlosses, das mindestens ab 1668 quellenmäßig nachweisbar ist.[14] Herzog Georg Wilhelm verstarb auf diesem Jagdschloss am 28. August 1705.[15] 

Bild: heute deutet nur noch die Ortsbezeichnung auf den alten Schloßgarten hin. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Die Gartenanlage des Jagdschlosses wurde noch bis ins 18. Jahrhundert gepflegt.[16] Sie war eingefasst von einem nördlichen und einem südlichen Arm des Mühlenkanals, die sich kurz vor der Mühle wieder vereinigten. Vom nördlichen Arm zweigte der sogenannte Küchen- bzw. Klostergraben ab, der dem Wienhäuser Kloster einen eigenen Brauchwasserzufluss sicherte. 

Bild: Schloßinsel in Wienhausen - hier vereinigten sich der nördliche und der südliche Arm des Mühlenkanals wieder - kurz vor der Mühle. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Durch das sogenannte „Kloster Schütt“ konnte die abgezweigte Wassermenge je nach Wasserstand und -bedarf reguliert werden. Der Mühlenkanal diente somit nicht nur um das Mühlrad am Laufen zu halten, sondern war auch notwendig für die Wasserzufuhr des Klosters und versorgte unterwegs auch noch den herrschaftlichen Schlossgarten mit frischem Nass. 

Bild: Reste des alten "Küchen-" bzw. Klostergrabens sind noch heute zu erkennen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Bei gewöhnlichem Wasserstand hatte die wasserbauliche Konstruktion des Staudammes in Höhe der Bockmarsch ihren Zweck offenbar zufriedenstellend erfüllt. Bei Hochwasser gelangten jedoch größere Wassermengen in den Doven See, von dort aus in den Mühlenkanal und schließlich zur Wienhäuser Mühle, die mit den gestiegenen Wassermengen ihre Probleme hatte. Deswegen wurde bereits im Jahr 1738 der Damm an der südlichen Bockmarsch durch eine „massive Schleuse“ ersetzt, wodurch das überflüssige Wasser von der Mühle abgeleitet werden konnte.[17]

Bild: hier mündete der "Dove See" einst in den Mühlenkanal. Der alte "Obere Mühlenkanal" ist in der Mitte des Bildes noch erkennbar. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Bis zum Jahr 1774 war die hölzerne Schleuse, die am Eingang des Mühlenkanals für die Wasserzufuhr aus der Aller verantwortlich war, so marode geworden, dass weitere wasserbauliche Maßnahmen erforderlich wurden.[18] Aus Kostengründen entschied man sich, den oberen Teil des Mühlenkanals zuzudämmen und stattdessen den Dove See als Zufluss zu nutzen. 

Bild: Zusammenfluss von Aller und Mühlenkanal heute. Früher war der Zulauf durch die sogenannte "Massive Schleuse" gehindert. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Nicht ganz geklärt ist, wer den ersten Durchstich des Doven Sees in Höhe der heutigen Langlinger Schleuse veranlasste. Eine zeitgenössische Karte zeigt diese Verbindung mit der Bezeichnung „von General Duplat ausgeführter Durchstich“.[19] Name und Zeitstellung deuten auf den kurhannoverschen Generalleutnant und Kartografen Johann Wilhelm du Plat (04.10.1735 – 16.06.1806). Der neu entstandene Einfluss mündete fast rechtwinklig in die Aller ein und brachte zunächst auch das gewünschte Ergebnis für die Wienhäuser Interessenten. 

Bild: Durchstich des "Doven Sees" zur die Aller im Bereich der heutigen Langlinger Schleuse. Quelle: NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31mLauf der Aller und des Doven Sees von Wienhausen bis Langlingen, mit Lage des Klosters Wienhausen und mit Profilen, public domain. 

Nach und nach begann jedoch der Dove See – bzw. der nun „obere Mühlenkanal“ – zu versanden. In den Sommermonaten lieferte die Aller überhaupt kein Wasser mehr für diesen Zulauf, sodass die Mühle in Wienhausen stillstand und sich das Kloster über einen „Mangel an Wasser zum Waschen und zur Reinigung“ beklagte.[20] Der veranlasste Oberlandbaumeister Ziegler kam zusammen mit den Oberdeichgrafen Martens und Meier zu dem Schluss, dass es des „zweckmäßigste und zuverlässigste Mittel“ wäre, die ursprüngliche hölzerne Schleuse bei Wienhausen wiederherzustellen, die im Jahr 1775 entfernt worden war.[21] 

Bild: Verlauf des Mühlenkanal (Dove See) bei Wienhausen heute. Im Vordergrund erkennbar: die Seebrücke. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Dieses Vorhaben stieß jedoch auf den Widerstand der umliegenden Gutsbesitzer die bei einer Wiederherstellung der ursprünglichen hölzernen Schleuse offenbar Überschwemmungen ihrer angrenzenden Flächen befürchteten. Eine eigens hierfür eingesetzte Kommission der königlichen Kammer konnte die Unstimmigkeiten klären – fand in diesem Zuge jedoch auch heraus, dass die Versandung des Doven Sees keineswegs von der Aller, sondern vielmehr vom Einsturz der sandigen Ufer herrührte. Um die Versandung zu beseitigen, sollten nun die Uferböschungen mit Buschwerk befestigt werden. 

Bild: Verlauf des Mühlenkanal zwischen Wienhausen und der Langlinger Schleuse heute. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Darüber hinaus kam man zu dem Schluss, dass die Einmündung des Doven Sees (in Höhe der heutigen Langlinger Schleuse) weiter flussaufwärts zu verlegen sei und unterhalb der Einmündung eine Bohlenwand quer durch die Aller gezogen werden müsste. Durch diese Maßnahmen sollte ein gleichbleibender Pegelstand im Doven See gewährleistet werden – gleichzeitig war es wohl auch die Geburtsstunde der Langlinger Schleuse.[22]

Bild: Einmündung des Mühlenkanal bei der Langlinger Schleuse heute. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Um den Wasserfluss des Doven Sees zukünftig zu sichern, sollte das Gewässer gründlich ausgeräumt werden und die markantesten Flussschleifen begradigt werden. Die Karte aus dem Jahr 1795 verdeutlicht an welchen Stellen diese Begradigungen durchgeführt werden sollten.[23] Insgesamt wies dieser Plan ganz entschiedene Vorteile gegenüber einer einfachen Neuerrichtung der alten hölzernen Schleuse auf. Auf diese Weise konnten Kosten in Höhe von rund 9.000 Talern gespart werden, Überschwemmungen konnten besser verhindert werden und für die Allerschifffahrt wurden keine größeren Hindernisse geschaffen. 

Die königliche Kammer wich daher vom Plan einer Wiederherstellung der hölzernen Schleuse ab – ab dem 30. Mai 1796 wurde stattdessen das neue wasserbauliche Projekt verfolgt. Obwohl dieses neue Projekt viele Vorteile aufwies, stieß es jedoch auf noch größeren Widerstand der Gutsbesitzer. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte darin gelegen haben, dass das Allerwasser nicht nur zur Bewässerung der Ländereien erforderlich war – die darin gelösten Nährstoffe waren unerlässlich zur Düngung. Eine Verminderung der verfügbaren Wassermenge ging daher stets unmittelbar mit wirtschaftlichen Verlusten einher. 

Bild: Verlauf des Mühlenkanal zwischen Wienhausen und der Langlinger Schleuse heute. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Die juristischen Auseinandersetzungen währten ab Mitte 1796 noch einige Zeit – der Lauf der Geschichte belegt, wie sie ausgegangen sind. Der ehemalige Dove See wurde zum „neuen“ oberen Mühlenkanal ausgebaut und ersetzte damit den alten Teil des Kanals funktional und namentlich. Seine Einmündung befindet sich noch heute oberhalb der Langlinger Schleuse, deren Ursprünge somit unmittelbar mit der Entstehung des heutigen Mühlenkanals verbunden sind. 

Bild: Verlauf des Mühlenkanal bei Wienhausen heute. Quelle: H. Altmann, 2020. 

In Wienhausen ist von den wasserbaulichen Entwicklungen nur noch bei genauem Hinsehen etwas zu erkennen. Ein Teilstück des ehemaligen oberen Mühlenkanals dient heute als Fischteich. Fundamente der alten Wienhäuser Schleuse, die eins als „massive Schleuse“ errichtet worden war, ragen noch heute aus dem Lauf des unteren Doven Sees. Dessen Name geriet allerdings inzwischen so stark in Vergessenheit, dass meistens nur noch vom Mühlenkanal die Rede ist. 

Bild: eine Aufnahme vom 1. Spatenstich vom Mühlengraben - Begradigung am See. Quelle: Sammlung H. Altmann. 

Während der Dove See zumindest durch schriftliche Quellen belegt werden kann, spiegelt sich die Bezeichnung „Mühlengraben“ ausschließlich in der mündlichen Überlieferung wider. Sie stammt sehr wahrscheinlich vom „gegrabenen“ Durchstich des Doven Sees in die Aller. Es überrascht daher wenig, dass der Name „Mühlengraben“ vor allem im Raum Schwachhausen und Langlingen verwendet wird. 


Hendrik Altmann 



[1] So u.a.: Heinemann, Wienhausen – Erinnerungen eines Bürgermeisters, S. 4. 


[2] Fueß, Duth molenhus is uth bevel des Heren Wilhelm gebawet, in: Heimatkalender der Lüneburger Heide, Jg. 1958. 


[3] Fueß, Duth molenhus is uth bevel des Heren Wilhelm gebawet, in: Heimatkalender der Lüneburger Heide, Jg. 1958. 


[4] Leister/Ricklefs, Chronik des Klosters Wienhausen mit Totenbuch, Rn. 30. 


[5] Bettinghaus, Heimathskunde der Kirchengemeinde Wienhausen, S. 6. 


[6] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31 m. 


[7] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/26 m. 


[8] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/26 m. 


[9] NLA HA Kartensammlung Nr. 31f/37 k. 


[10] Fueß, Duth molenhus is uth bevel des Heren Wilhelm gebawet, in: Heimatkalender der Lüneburger Heide, Jg. 1958. 


[11] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[12] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[13] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31 m. 


[14] Steinau, Die Hofjagd im Fürstentum Lüneburg im 17. Und 18. Jahrhundert, in: Jagd in der Lüneburger Heide, S. 104. 


[15] Fueß, Duth molenhus is uth bevel des Heren Wilhelm gebawet, in: Heimatkalender der Lüneburger Heide, Jg. 1958. 


[16] Steinau, Die Hofjagd im Fürstentum Lüneburg im 17. Und 18. Jahrhundert, in: Jagd in der Lüneburger Heide, S. 104. 


[17] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[18] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[19] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31 m. 


[20] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[21] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[22] Schreiben vom 5. Januar 1797 an den geheimen Kanzleisekretär Köster den Wienhäuser Schleusen- und Mühlenbach betreffend, NLA HA Hann. 95 Nr. 2154. 


[23] NLA HA Kartensammlung Nr. 31c/31 m.




Dienstag, 8. Dezember 2020

Der Volkssturm im Raum Celle


Bezeichnet als „das letzte Aufgebot“ oder eine Armee von „Kindern und Greisen“, stellte der Volkssturm einen verzweifelten Versuch dar, das Kriegsende weiter hinauszuzögern. Archivalien, Chroniken und Zeitzeugenaussagen berichten im Raum Celle teilweise vom militärischen Eingreifen dieser rasch ausgehobenen Truppe. Was ist über die Entstehung, Organisation und den Einsatz des Volkssturms bekannt? Eine chronologische Auswertung der anspruchsvollen Quellenlage. 

Der Entstehung des Volkssturms ging eine Phase militärischer Niederlagen voraus. Die Invasion westalliierter Streitkräfte am 6. Juni 1944 in der Normandie, die verlustreichen Kämpfe gegen die Rote Armee in der Ukraine und in Rumänien, die Einkesselung der Heeresgruppe Nord in Kurland und schlussendlich das Zurückweichen der deutschen Truppen nach Ostpreußen im Oktober 1944 markierten den fortschreitenden Niedergang des Dritte Reiches. Angesichts der erheblichen Einbußen an Soldaten und Kriegsgerät steigerte sich der Einsatz der gesamtgesellschaftlichen Ressourcen zum „totalen Kriegseinsatz“, den Adolf Hitler schließlich per Erlass vom 25. Juli 1944 verkündete.[1] Mittels politischer Instrumente setzte das faschistische Regime in den folgenden Wochen einschneidende Maßnahmen durch, um Kräfte für die Wehrmacht und die Rüstungsindustrie freizusetzen.[2]

Schon in den Vormonaten waren im Rahmen sogenannter „Auskämmaktionen“ bereits in den hunderttausende UK-Stellungen[3] Wehrpflichtiger aufgehoben worden und weniger kriegswichtige Betriebe stillgelegt worden, um deren Beschäftigte in den Schlüsselindustrien für die Rüstungswirtschaft einzusetzen. Der Erlass vom 25. Juli schuf vor allem für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels weitreichende Entscheidungskompetenzen. Ein Tag vor der Veröffentlichung des Erlasses erschien in allen Zeitungen des Gaues Ost-Hannover die Schlagzeile „Das Volk verlangt den totalsten Krieg“.[4] Insbesondere in staatlichen Einrichtungen wurden nun personelle Kräfte freigesetzt und die Ausrichtung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten auf den Kriegseinsatz fokussiert. 

Bild: Fiktion und Wirklichkeit - der Volkssturm in Propaganda und Realität. Quelle: US Intelligence Bulletin Vol. III, 1945. 

Der, auf den 25. September 1944 datierte, „Erlass des Führers über die Bildung des Deutschen Volkssturms“[5] wurde aufgrund bis in die Nacht andauernder Besprechungen im ostpreußischen Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ zwar erst am darauffolgenden Tag vorgelegt – dafür wurde der Erlass jedoch unverzüglich von Adolf Hitler unterzeichnet.[6] Propagandawirksam wurde der 18. Oktober 1944 als Verkündungstermin ausgewählt – es war der 131. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. 

Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler nahm am 18. Oktober den ersten Apell von Volkssturmeinheiten in Königsberg (Ostpreußen) ab. In seiner Rede verklärte Himmler den „mutigen Kampf aller deutschen Freiheitskämpfer“ in der Leipziger Völkerschlacht zu einem Sieg ungedienter, schlecht ausgerüsteter und mangelhaft bewaffneter Truppen über einen überlegenen Feind. Um dem Volkssturm eine gewisse historische Legitimation zu verschaffen, nahm der Reichsführer SS in Kauf, dass der Vergleich mit der Völkerschlacht freilich zugleich an mehreren Füßen hinkte. Obwohl sich in der frühesten Phase des Volkssturmes durchaus auch kritische Meinungen in historischen Stimmungsberichten widerspiegeln, schritt die Erfassung und Aufstellung der Truppe in den Wochen nach der Verkündung relativ rasch voran. 

Bild: allgemeines Schreiben der NSDAP Kreisleitung Celle zur Vereidigung des Volkssturms. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 199. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Am 2. November 1944 ergingen durch die Kreisleitung der NSDAP in Celle Bestätigungsschreiben an die Bataillonsführer der jeweiligen Ortschaften.[7] Insgesamt vierzehn Bataillone umfasste das Celler Kreisgebiet.[8] Ein Bataillon setzte sich aus vier Kompanien (einige fünf), eine Kompanie aus drei bis vier Zügen, ein Zug aus 3 bis vier Gruppen und eine Gruppe aus 10 Volkssturmsoldaten zusammen.[9] Später kamen noch sogenannte Alarmkompanien hinzu. Unter vollständiger Heranziehung aller Kräfte wären im Kreis Celle demzufolge knapp 10.000 Volkssturmleute verfügbar gewesen. 

Bild: Einberufungsbefehl zum Volkssturm. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 162. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Die Führung des Volkssturms lag bei der Gauleitung sowie der Kreisleitung der NSDAP. Von ihr waren „zuverlässige und standhafte Nationalsozialisten auszuwählen“, von denen „eine restlose Erfüllung ihrer Führungsaufgaben im Deutschen Volkssturm erwartet werden“ konnte.“[10] Als Kreisstabsführer wurde der SA-Hauptsturmführer Kohnert und als Sachbearbeiter für Ausbildung und Sonderaufgaben der SA-Hauptsturmführer Thies bestellt.[11] Zu dessen Aufgaben gehörte unter anderem die regelmäßige Überprüfung des Dienstes bei den Einheiten im Celler Kreis.[12] 

Die Hierarchien der Organisation waren flach angelegt. Volkssturmsoldaten war es dementsprechend untersagt, sich mit Anliegen direkt an die Kreisleitung zu wenden.[13] Auch ohne konkret angeordnete Disziplinarmaßnahmen höherer Führungsebenen, wurde den jeweiligen Bataillonsführern außerdem ein großzügiger Spielraum für Sanktionen eingeräumt.[14]

Bild: Vereidigung des Volkssturms in Unterlüß am 12.11.1944. Quelle: Gemeindearchiv Unterlüß. 

Anfang November ging es zunächst an die feierliche Vereidigung der Truppe – diese sollte am 12. November 1944 „nach Möglichkeit um 10.00 Uhr stattfinden.“[15] Die Orte waren durch die Bataillonsführer – im Einvernehmen mit der jeweiligen Ortsgruppenleitung selbstständig zu bestimmen. Am Vortag, dem 11. November 1944, fand für die Bataillons- und Kompanieführer eine weitere Vorbereitungsveranstaltung beim Gauleiter in Lüneburg statt – die Anreise hierzu erfolgte gemeinschaftlich mit dem Autobus.[16] 

Die Vereidigung der Volkssturmbataillone fand planmäßig statt – beispielsweise wurde in Unterlüß hierzu um am am 12. November 1944 um 10:00 Uhr auf dem Sportplatz Hohenrieth angetreten und die Vereidigung vorschriftsgemäß abgehalten. In Beedenbostel fand die Vereidigung des Volkssturmes unter den Eichen statt – zuvor wurde ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt.[17]

Bild: Vereidigung des Volkssturms in Unterlüß am 12.11.1944. Quelle: Gemeindearchiv Unterlüß. 

Der erste offizielle Volkssturmbefehl 1/44 erging nur einen Tag nach der Vereidigung an die Volkssturmleute im Celler Kreis.[18] Darin wurden die Führung, die Erfassung, der Aufbau, die Gliederung und die Bekleidung geregelt. In seinem Aufbau setzte sich der Volkssturm aus vier sogenannten „Aufgeboten“ zusammen, die alle Wehrtauglichen der Jahrgänge zwischen 1884 bis 1928 erfassten. Die jüngsten Volkssturmmänner waren demzufolge im Zeitpunkt Ihrer Erfassung 16 und die ältesten 60 Jahre alt. 

Ihre Bekleidung und Ausrüstung hatten alle Volkssturmsoldaten, ohne Unterscheidung ihres Dienstgrades, selbstständig zu beschaffen.[19] Als Bekleidung waren alle Uniformen sowie wetterfeste Sport- und Arbeitskleidung zugelassen. Zu der notwendigen Ausrüstung zählten ein Rucksack, eine Decke, Kochgeschirr, Brotbeutel, Feldflasche, Trinkbecher und Essbesteck. Wo die notwendigen Ausrüstungsgegenstände nicht aus eigenen Beständen beschafft werden konnten, sollten sie im Wege der Nachbarschaftshilfe organisiert werden. 

Bild: Auszug Volkssturmbefehl 26/45. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 51. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Der zweite offizielle Volkssturmbefehl 2/44 erging ebenfalls am 13. November 1944 und beinhaltete Anweisungen zur vorläufigen Ausbildung. Diese sollte schwerpunktmäßig den Kampfeinsatz gewährleisten.[20] Eine „gründliche“ Schießausbildung, eine infanteristische Ausbildung sowie die Panzerabwehr sollten in den Vordergrund treten – wohingegen der formale Dienst und Exerzierübungen auf ein unerlässliches Mindestmaß beschränkt werden sollten.[21] Für die Gelände- und Gefechtsausbildung waren laut Volkssturmbefehl 2/44 eine ganze Reihe von grundlegenden Dienstvorschriften vorgesehen – laut Befehlsschreiben waren diese Vorschriften und Bücher jedoch zur damaligen Zeit nicht lieferbar.[22]

Vom 24. Bis zum 30. November 1944 fand für die Bataillonsführer der Kreise Celle, Burgdorf, Gifhorn und Fallingbostel ein Lehrgang bei der Lehrtruppe der Panzertruppenschule im Lager Fallingbostel statt.[23] Derweil die Führungsebene ihre Unterweisung in das militärische Handwerkszeug erhielt, fanden für die Volkssturmsoldaten die ärztlichen Untersuchungen hinsichtlich ihrer Tauglichkeit statt, wobei die Volkssturmärzte bei den Untersuchungen „den Strengen Maßstab anzulegen“ hatten.[24] UK-Stellungen[25], wie es sie bei den Wehrmachtsverbänden gab, existierten im Volkssturm nicht. Die Möglichkeiten sich dem Einberufungsbefehl zu widersetzen waren begrenzt. 

Teile der Bevölkerung waren von dieser Tatsache offenbar wenig begeistert, wie beispielsweise ein Stimmungsbericht des einstigen Bürgermeisters Schulze aus Winsen (Aller) vom 22. November 1944 belegt.[26] In seinem Lagebericht an den Regierungspräsidenten hielt der Celler Landrat dagegen fest: „Der Aufruf des Volkssturmes ist auf dem Lande im ganzen durchaus sympathisch aufgenommen. Auch für die Notwendigkeit von Schanzarbeiten besteht im allgemeinen Verständnis. Nur wäre hier zu wünschen, dass bei Einsätzen, wie z.B. dem jetzt im linken Rheingebiet laufenden, die Auswahl sorgfältiger durchgeführt wird. Der landarbeitende Mensch ist bei schwerer Arbeit in nicht wenigen Fällen in den Jahren zwischen 60 und 65 schon verbraucht und in seiner Anpassungsfähigkeit an fremde Verhältnisse schwerfällig geworden. (...)“.[27]

Die in der zweiten Novemberhälfte 1944 ergangenen Volkssturmbefehle und allgemeinen Rundschreiben beinhalteten im Wesentlichen Maßnahmen zur weiteren Organisation und Ausbildung der Truppe. Es handelte sich insbesondere um Anweisungen zu sogenannten Nacherfassungen und dazu, welche Personengruppen im Detail zum Volkssturm einberufen werden sollten. Flakhelfer waren beispielsweise vom Volkssturm ausgeschlossen.[28] Dagegen zählten Arbeiter und Angestellte der Zeugämter, Munitionsanstalten und aller Instandsetzungseinrichtungen grundsätzlich zum Volkssturm.[29]

Bild: Volkssturmsoldaten mit geschulterten Panzerfäusten - Propagandabild. Quelle: US Intelligence Bulletin Vol. III, 1945. 

Während die Leitungsebene durch Nacherfassungen die Personalstärke des Volkssturmes zu steigern versuchte, hatten die bereits aufgestellten Bataillone im Kreis Celle ganz andere Probleme – es fehlte am nötigen Übungsgerät. Vielerorts mangelte es im Dezember 1944 an Schusswaffen, die zu Übungszwecken erforderlich gewesen wären. In Unterlüß verfügte ein gesamtes Bataillon zeitweise lediglich über acht Kleinkalibergewehre, die von der örtlichen SA zur Verfügung gestellt worden waren.[30] 

Da keine Munition für die Gewehre vorhanden war, bat der Bataillonsführer, Oberstleutnant Paul Guse, die NSDAP Kreisleitung ihm 100.000 Schuss Munition zur Verfügung zu stellen, um die Ausbildung sofort beginnen zu können.[31] Als ehemaliger Kommandant der Luftmunitionsanstalt 4/XI Höfer[32] und in Ausübung seiner Tätigkeit als Betriebsführer in Unterlüß, musste Oberstleutnant Guse wissen, dass solch eine Bestellung aufgrund der damals herrschenden Materialknappheit kaum zu bedienen war. Möglicherweise veranlasste ihn diese Kenntnis auch dazu, die benötigten Patronen kurzerhand selbst zu bestellen.[33] Später bestellte Guse in seiner Eigenschaft als Bataillonsführer auch noch Handgranaten bei der Firma Rinker in Menden – als diese nicht geliefert wurden, erbat er um eine Zuweisung von 120 scharfen Handgranaten durch die Kreisleitung der NSDAP in Celle.[34]

Bild: Aufbau des Unterlüßer Volkssturmbataillons. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 4. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Die Engpässe bei der Bewaffnung sind ebenfalls aus dem Volkssturmbefehl 16/45 vom 15. Januar 1945 abzuleiten. Laut dem Befehl sollten die Bataillone des Kreises Celle bis zum 20. Januar 1945 die Zahl und Art der Waffen melden, die dem Deutschen Volkssturm zur Verfügung standen.[35] Hierbei waren solche Waffen aufzuführen, die von den Volkssturmsoldaten selber oder von Privatpersonen zur Verfügung gestellt worden waren. 

Die mangelhafte Ausstattung mit Waffen und Munition wurde in den ersten Wochen des Jahres 1945 bereits mehrmals schriftlich dokumentiert. Im Volkssturmbefehl 17/45 heißt es hierzu: „Einigen Bataillonen ist inzwischen scharfe Infanteriemunition in bescheidenem Umfange zugeteilt worden. Die hierher gelangenden Anfragen wegen weiterer Munitionsbeschaffung sind zwecklos. Alle in dieser Hinsicht unternommenen Schritte der direkten Munitionsbeschaffung für den Kreis sind gescheitert. Der Volkssturm ist daher auf die regelmäßig vom Gau in Aussicht gestellten Zuteilungen angewiesen und wird nach Eingang die Munition weiter verteilen.“[36] 

Trotz des Mangels an Waffen und Munition wurden die Bataillonsführer dazu angehalten, dass der Dienst im Volkssturm ordnungsgemäß abgeleistet wird und sich die Soldaten „in ihrer Dienstzeit nicht langweilen“.[37]

Das II. Bataillon des Celler Volkssturms gehörte offenbar zu denjenigen Bataillonen, denen „in bescheidenem Umfange“ scharfe Infanteriemunition zugeteilt worden war. Ein Schreiben des Celler Landrats an den SA Hauptsturmführer Thies vom 14. Dezember 1944 belegt, dass dem, in Nienhagen ansässigen II. Bataillon, für den 17. Dezember 1944 das Schießen mit scharfer Munition zwischen 8:00 und 12:00 Uhr, mit Karabiner Modell 98, in der Schießrichtung Langlingen - Groß Eicklingen bzw. Fernhavekost - Wiedenrode genehmigt wurde.[38]

Bild: Schriftwechsel zu Schießübungen des 2. Volkssturmbataillons. Quelle: Archiv Altmann. 

Vom 4. Bis zum 11. Februar 1945 fand ein achttägiger Lehrgang für die Unterführer in der Celler Heidekaserne statt.[39] Hierfür wurden aus jeder Kompanie vier Unterführer, d.h. Zug- oder Gruppenführer abgestellt. Vom 24. Februar bis zum 03. März fanden in Celle und Westercelle nochmals Lehrgänge für Führer und Unterführer des Volkssturms im Celler Kreis statt.[40] Vom 11. März bis zum 17. März folgte ein Lehrgang für Unterführer in Bergen. Neben der praktischen Ausbildung wurden vermehrt auch theoretische Schulungen durchgeführt. Thematisch reihten sich diese Schulungen in die nationalsozialistische Propaganda und versuchten dem Kampf des Volksturms eine historisch-ideologische Legitimation zu verschaffen. Beispielsweise ergingen Anfang Februar 1945 Schreiben der Kreisleitung der Celler NSDAP, die den „Bolschewismus“ zum Thema hatten und seine Bekämpfung als „Krieg der Weltanschauungen“ betitelten.[41] Im Kern waren diese propagandistischen Schulungen allerdings stark antisemitisch ausgerichtet.[42]

Mitte Februar 1945 wurden den Volkssturmbataillonen jeweils Bataillonsärzte zugeteilt.[43] Die vierzehn Celler Volkssturmbataillone waren außerdem Anfang 1945 um Alarmkompanien z.b.V.[44] ergänzt worden. Mit Volkssturmbefehl 23/45 wurden im Kreisgebiet „für einen etwaigen Soforteinsatz“ wurden in Unterlüß und Belsen zwei weitere Alarmkompanien aufgestellt.[45] Diese sollten möglichst rasch mit Waffen und Ausrüstung versorgt werden. Allerdings zeigten bereits im Zeitpunkt der Aufstellung eklatante Mängel. 

Jeder Volkssturmführer hatte mithilfe der Partei-Organisation der NSDAP in seinem Zuständigkeitsbereich alle brauchbaren Waffen mit dazugehöriger Munition für die Alarmeinheiten zu beschaffen.[46] Dies umfasste unter anderem auch die vorhandenen Jagdwaffen. Hierzu schrieb Volkssturmbefehl 23/45 vor: „Wo Jäger auch unter Belehrung über die vaterländische Pflicht zur Hergabe ihrer Waffen nicht zu bewegen sein sollten, wird die Beschlagnahme durch den Oberbürgermeister bzw. Landrat erwirkt werden. Solche Fälle sind sofort zwecks Erlangung der Beschlagnahme-Verfügung zu melden.“ 

Bild: Auszug Volkssturmbefehl 23/45. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 86. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Ab Anfang Februar 1945 wurden Soldaten der Celler Volkssturmbataillone zur Ablösung von Landesschützen als Wachmänner bei Arbeitskommandos Kriegsgefangener eingesetzt. Ihre Hauptaufgaben lagen darin, die Kriegsgefangenen zu kontrollieren – insbesondere bei Arbeitsbeginn und –ende sowie mehrmals in der Nacht.[47] Durch die Ablösungen sollten zusätzliche Kapazitäten für die kämpfende Truppe freigemacht werden. 

Bild: Schreiben der NSDAP Kreisleitung Celle zur Ablösung von Landesschützen durch Volkssturmmänner. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 81. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Auffallend ist, wie bürokratisch die Aufstellung des Volkssturmes vonstatten ging. Trotz des vorangeschrittenen Kriegsverlaufes ergingen noch zahlreiche allgemeine Anweisungen und Verlautbarungen zu Fragen der Besoldung der Volkssturmsoldaten (1 RM pro Tag), Fürsorge und Versorgung in Krankheitsfällen – bis hin zur künstlerischen Gestaltung der Ortsgruppenfahnen. 

Einen knappen Monat vor Eintreffen der Alliierten wurde eine vorherige Anordnung für den Volkssturm im Celler Kreis, die zunächst eine Heranziehung zum Bau von Panzersperren vorsah, kurzfristig wieder zurückgenommen.[48] Dies geschah offenbar auf Anweisung von Wehrmachtsdienststellen und offenbarte ein Problem, dass sich in den folgenden Tagen verstärkt in den Schriftwechseln niederschlug. Der Mitte März 1945 ergangene Volkssturmbefehl 31/45 belegt, dass die Zuständigkeiten und Aufgaben innerhalb des Volkssturms allmählich von der militärischen Realität eingeholt wurden. Laut dem Befehl vom 17. März 1945 wurden die „Einsatzmöglichkeiten des Volkssturms“ neu definiert – dreieinhalb Wochen vor Kriegsende.[49] 

Auf Weisung des Leiters der Parteikanzlei, Martin Bormann, erging die schriftliche Klarstellung, dass der Volkssturm nur bei „größter Gefahr für das Heimatgebiet“ eingesetzt werden sollte – die Bewachung von Kriegsgefangenen dagegen sei zu unterlassen, so der Befehl. Mit Blick auf den möglichen „Kampfeinsatz des Volkssturms durch Wehrmachtsdienststellen“ wurde laut Befehl festgehalten, dass nach einer Vereinbarung zwischen Martin Bormann und dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler, nur die Gauleiter über den Kampfeinsatz zu entscheiden hätten.[50] Sicherlich ging es hierbei weniger um die Frage einer möglichst effizienten militärischen Verteidigung – für Bormann und Himmler stand vielmehr die persönliche Machtsicherung im Fokus. Vor diesem Hintergrund sollte die Wehrmacht auch nur im Falle vorheriger Abstimmung auf Volkssturmsoldaten zurückgreifen. 

Bild: Auszug Volkssturmbefehl 31/45. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 21. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Trotz der Unstimmigkeiten zwischen Wehrmachtsführung, SS Führung und Parteikanzlei kam es im Kreis Celle zu Abstimmungen zwischen Volkssturm und Wehrmachtsführung. Am 29. März 1945 – keine Zwei Wochen vor Kriegsende – berichtete der Bataillonsführer Guse aus Unterlüß über die Erkundung und Vorbereitung von Panzersperren.[51] 

Rund um Unterlüß wurden demnach mögliche Standorte erkundet – in Abstimmung mit dem Wehrmachtsstandortältesten in Celle, Generalmajor Tzschöckell wurde das Werksgelände der Rheinmetall-Borsig AG als „Kernwerk“ bei der Verteidigung des Ortes bestimmt.[52] Zusätzlich sollten Sperren durch das Fällen von straßennahen Bäumen hergestellt werden, bei Lutterloh sollte ein Verteidigungsnest in Zugstärke eingerichtet werden. Die ausgewählten Stellungen sollten als Gruppennester besetzt und je nach Bedarf mit Panzerfäusten ausgestattet werden. 

Bild: Schreiben des Volkssturmbataillons 24/29 (Unterlüß) an die NSDAP Kreisleitung Celle. Quelle: NLA Hannover Hann. 310 Nr. 326, Blatt 3. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden. 

Es waren die Bilder der nationalsozialistischen Propaganda, die dafür sorgten, dass der Volkssturm von Seiten der Alliierten zunächst als durchaus ernste Bedrohung eingestuft wurde. In internen Handreichungen der US Truppen wurde der Volkssturm als äußerst gefährlich eingeschätzt – „Menschen die ihre Heimat unter solchen Bedingungen verteidigen, sind in der Lage eine sehr gezielte Verteidigung aufzubauen (...)“, heißt es im US Intelligence Bulletin des Monats Februar 1945.[53] Zu diesem Zeitpunkt fehlte den US Truppen noch die eingehende Erfahrung mit dieser potentiellen Bedrohung. 

Bild: Bericht zum Volkssturm in zeitgenössischen US-Quellen. Quelle: US Intelligence Bulletin Vol. III, 1945. 

Die mögliche Gefahr durch einen wehrhaften Volkssturm wurde jedoch schon bald von der militärischen Wirklichkeit eingeholt. Was sich tatsächlich bei Eintreffen der US Truppen bzw. der britischen Streitkräfte ereignete, ist in keinem offiziellen Schriftwechseln festgehalten worden. Häufig sind daher die Berichte von Zeitzeugen die einzig verfügbaren Quellen, die noch über den tatsächlichen Einsatz der Volkssturmeinheiten berichten. 

Aus Adelheiddorf berichtete der Dorfschullehrer Alfred Schlüter nach Kriegsende, dass zum Volkssturm aufgerufen worden war – aber die meisten seien nicht hingegangen, weil sie fanden, dass sie ihren Häusern und Höfen besser mutzen konnten.[54] Schlüter führte aus: „Die Brücken sollten gesprengt werden. Aber der Volkssturm tat es nicht.“ 

In Wathlingen sollte der Volkssturm ebenfalls noch zum Einsatz kommen. Rektor Schröder und Lehrer Seffer erzählten hiervon im Gespräch mit Hanna Fueß nach Kriegsende wie folgt: „Er (Anm.: der Volkssturm) sollte das Dorf verteidigen und die Fuhsebrücke auf die Eisenbahnbrücke sprengen. Zuerst musste der Volkssturm die Brücken bewachen aber es war so, dass zum Volkssturmführer gesagt wurde: „Die stell da man hin, dann geht die Brücke bestimmt nicht in die Luft!“ Das hat die Wehrmacht aus herausgekriegt. Die letzten Tage übernahm die Wehrmacht die Brückenwache.“[55] Die Brücken bei Wathlingen wurden schließlich durch die Wehrmacht gesprengt. Seffer war selber Zugführer des Volkssturms in Wathlingen[56] und wurde nach Eintreffen der US Truppen zum Verhör mitgenommen. 

In Eicklingen hielt sich nach Kriegsende das Gerücht, der Volkssturm habe Brückensprengungen sogar aktiv verhindert.[57]

In Bröckel erzählte Pastor Gellermann im Gespräch mit Hanna Fueß über das Auftreten des Volkssturmes wie folgt: „Einige Tage vorher haben wir in Bröckel Panzersperren durch den Volkssturm gebaut. Sie wurden außerhalb des Dorfes errichtet, wurden aber nur halb fertig. Wir sind dann einfach nach Hause gegangen.“[58]

Lehrer Müller aus Lachendorf in seinem Tagebuch fest: „3. April: Vom Volkssturm aus haben wir oft Brückenwache. Oft wissen wir nicht, was wir (tun) sollen. Soldaten und Zivilisten müssen wir anhalten, ob sie keine Deserteure sind. Und dann arbeiten die Volkssturmmänner an allen drei Brücken und bereiten sie zur Sprengung vor. (...). 9. April: Nachts stehen wir Wache an den Brücken und müssen, wenn Befehl von Celle kommt, (...), die Brücken sprengen.“[59] Die Blaue Brücke[60] in der Sprache wurde schließlich am 12. April 1945 noch durch die Wehrmacht gesprengt[61] – von den verlegten Fliegerbomben explodierte jedoch nur eine, sodass nur eine Hälfte der Brücke beschädigt wurde und diese auf der anderen Seite noch befahrbar war.[62]

Bild: Bedienungsanleitung einer Panzerfaust 60. Quelle: Cellesche Zeitung vom 04.04.1945. 

Für den Ort Lachtehausen war der Celler Volkssturm zuständig. Wie sich der Lachtehäuser Müller Walther Fricke im Gespräch mit Hanna Fueß nach Kriegsende erinnerte, hatte die der dortige Volkssturm „sein Arsenal in der Metallwarenfabrik“.[63] Hierbei handelte es sich um die Metallwaren Altona-Celle AG, die ihren Firmensitz damals in der Wittinger Straße Nr. 98 hatte. Ein paar Nächte „ehe der Feind kam“ versenkte der Volkssturm seine Waffen in der Aller, erinnerte sich Fricke nach Kriegsende.[64]

Vielerorts finden sich überhaupt keine Hinweise in Zeitzeugenberichten, die eine militärische Präsenz des Volkssturmes belegen. Ein ernstzunehmendes Eingreifen konnte wohl auch weder erwartet noch geleistet werden. Die Einheiten des Celler Volkssturmes waren schlecht bis überhaupt nicht ausgebildet, ihre Bewaffnung war für den Kampfeinsatz unzureichend und sie verfügten teilweise nur über notdürftige zusammengestellte Ausrüstungsgegenstände sowie eine unvollständige Uniformierung – ja, sogar die einheitlichen Volkssturmarmbinden waren auch noch vier Monate nach Gründung nicht verfügbar.[65]

Es waren wohl unterschiedliche Gründe dafür verantwortlich, dass der Volkssturm im Raum Celle nicht mehr wie eigentlich geplant eingesetzt worden ist. Ein maßgeblicher Grund hierfür lag in der Machtverschiebung zwischen Wehrmachtsführung, SS und Partei-Kanzlei. Die Reibereien führten letztlich dazu, dass die Aufgaben und Zuständigkeiten trotz ausufernder Bürokratie bis zuletzt nicht effizient organisiert werden konnten. 

Im Raum Celle kam hinzu, dass die Volkssturmsoldaten in den allermeisten Fällen nicht direkt zur Landesverteidigung eingesetzt wurden. Regelmäßig waren sie mit der Bewachung Kriegsgefangener beauftragt, als Brückenwachen und Sprengkommandos abgestellt oder verrichteten Schanzarbeiten. Zwar stand der Volkssturm theoretisch gesehen unter Waffen – praktisch betrachtet war diese Bewaffnung für den Kriegseinsatz aber nur eingeschränkt geeignet. Der Einsatz von Jagdgewehren gegen halb- und vollautomatische Kriegswaffen der herannahenden alliierten Truppen verdeutlicht dies. 


Bild: Derartige Waffen - wie das leichte MG 34 - waren beim Volkssturm rar. Quelle: US Military Intelligence Service, German Infantry Weapons, 1944. 

Auch die geplanten Einsatzmöglichkeiten des Volkssturms kamen nicht zu Tragen. Brückensprengungen erfolgten in den meisten Fällen nicht durch den Volkssturm selbst, sondern durch Soldaten der Wehrmacht. Viele der lokal beheimateten Volkssturmsoldaten hatten wohl überhaupt kein persönliches Interesse daran, Brücken zu zerstören, die sie nach Kriegsende wieder mit Gespannen und Fuhrwerken benutzen mussten. 

Hinzu kam, dass die Wehrmacht die Brücken möglichst lange offen halten wollte, um diese für den eigenen Rückzug nutzen zu können. Wenn die Konvois und Truppen der Wehrmacht allerdings weitergezogen waren blieb der Volkssturm sprichwörtlich auf verlorenem Posten zurück, wie auch die Erinnerungen des Elektromeisters Heinrich Höltershinken aus Wietze bestätigen: „Je näher die Engländer kamen, desto ruhiger wurde es auf der Chaussee. Wir sagten uns: „Unsere Soldaten gehen zurück, und nun soll es der Volkssturm schaffen! Das ist ja eine Unmöglichkeit!“[66]

Im Volkssturm bestätigte sich die Rücksichtslosigkeit des faschistischen Systems. Wer nicht mitmachen wollte, war dagegen und wurde zum Systemfeind deklariert. Auch im Raum Celle sind Fälle dokumentiert, die belegen, dass die Kreisleitung der NSDAP mit aller Macht gegen sogenannte „Drückeberger“ vorging. Aus Machtinteressen scheuten sich Partei- und Reichsführung nicht, Kinder und Alte in einen aussichtslosen Kampf zu schicken. In Anbetracht der ausweglosen Situation zeichnete sich im Raum Celle jedoch vielerorts ein ähnliches Bild ab. Statt einer Aufopferung „bis zur letzten Patronenhülse“, streckten die Volkssturmeinheiten in letzter Minute die Waffen. Es ist bislang kein Fall dokumentiert, wonach es dem Volkssturm zuzuschreiben wäre, dass sich der Vorstoß der alliierten Truppen im Raum Celle verzögert hätte. 


H. Altmann 



[1] Erlass des Führers über den Totalen Kriegseinsatz vom 25. Juli 1944, RGBl Teil I, Nr. 34, ausgegeben am 27.07.1944.

[2] Mammach, Der Volkssturm- Das letzte Aufgebot 1944/45, S. 13.

[3] UK-Stellung, d.h. „unabkömmlich“ und somit bis dahin nicht zum Kriegseinsatz herangezogen.

[4] Mammach, Der Volkssturm- Das letzte Aufgebot 1944/45, S. 15.

[5] Erlass des Führers über die Bildung des Deutschen Volkssturms vom 25. September 1944, RGBl Teil I, Nr. 53, ausgegeben am 20.10.1944.

[6] Mammach, Der Volkssturm- Das letzte Aufgebot 1944/45, S. 33.

[7] Schreiben der Kreisleitung der NSDAP in Celle an die Bataillonsführer des Volkssturms, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 180.

[8] Zusammenstellung der Bataillone und Kompanien im Deutschen Volkssturm, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 174.

[9] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 167.

[10] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 165.

[11] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 165.

[12] Volkssturmbefehl Nr. 27/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 165.

[13] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 168.

[14] Volkssturmbefehl Nr. 4/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 159.

[15] Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Celle an die Bataillione I bis IX vom 07.11.1944, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 179.

[16] Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Celle vom 08.11.1944, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 178.

[17] Schulchronik Beedenbostel, KrA Celle.

[18] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 165.

[19] Volkssturmbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 168.

[20] Volkssturmbefehl Nr. 2/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 162.

[21] Volkssturmbefehl Nr. 2/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 162.

[22] Volkssturmbefehl Nr. 2/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 163.

[23] Schreiben des Kreisleiters vom 14. November 1944, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 159.

[24] Volkssturmbefehl Nr. 5/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 157.

[25] S. Fußnote 3.

[26] Bericht des Bürgermeisters von Winsen/A vom 22. November 1944, KRA Celle Dokument 420, Nr. 8c/2 in: Wegener, Die Bevölkerung hat vollstes Vertrauen zum Führer..., S. 481.

[27] Lagebericht vom 26. November 1944, KRA Celle Dokument 425, Nr. 8c/2; in: Wegener, Die Bevölkerung hat vollstes Vertrauen zum Führer..., S. 481.

[28] Schreiben des OKW, Nr. 6494/44 vom 23. November 1944; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 163.

[29] Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Celle vom 14. Dezember 1944; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 145.

[30] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 19. Dezember 1944; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 145.

[31] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 19. Dezember 1944; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 145.

[32] Altmann, Die Luftmunitionsanstalt 4/XI und die Untertageverlagerung Löwe, S. 20 f.

[33] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 17. Januar 1945; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 122.

[34] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 19. Februar 1945; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 61.

[35] Volkssturmbefehl Nr. 16/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 119.

[36] Volkssturmbefehl Nr. 17/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[37] Volkssturmbefehl Nr. 17/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[38] Schreiben des Landrats an den SA Hauptsturmführer Thies vom 14.12.1944, Archiv Altmann.

[39] Volkssturmbefehl Nr. 20/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[40] Volkssturmbefehl Nr. 29/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 36.

[41] Schreiben der Kreisleitung der Celler NSDAP vom 08.02.1945, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 66.

[42] Schreiben der Kreisleitung der Celler NSDAP vom 14.02.1945, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 66.

[43] Volkssturm-Personalbefehl Nr. 7/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[44] Z.b.V., d.h. „zur besonderen Verfügung“.

[45] Volkssturmbefehl Nr. 23/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[46] Volkssturmbefehl Nr. 23/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[47] Schreiben der Kreisleitung der Celler NSDAP vom 08.02.1945, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 80.

[48] Volkssturmbefehl Nr. 29/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 115.

[49] Volkssturmbefehl Nr. 31/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 23.

[50] Volkssturmbefehl Nr. 31/45, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 23.

[51] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 29. März 1945; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 2.

[52] Schreiben Oberst Guse, Bataillonsführer des VIII. Volkssturmbataillons Unterlüß an die Kreisleitung der NSDAP Celle, vom 29. März 1945; Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 2.

[53] US Intelligence Bulletin Vol. III, No. 6, February 1945, S. 36.

[54] Aussage Lehrer Alfred Schlüter im Gespräch mit Hanna Fueß am 22.04.1947, KrA Celle.

[55] Aussage Rektor Schröder und Lehrer Seffer im Gespräch mit Hanna Fueß am 04.11.1947, KrA Celle.

[56] Volkssturm-Personalbefehl Nr. 1/44, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 172.

[57] Aussage Bäckermeister August Wiedenroth im Gespräch mit Hanna Fueß am 28.01.1947, KrA Celle.

[58] Aussage Pastor Gellermann, Bröckel, im Gespräch mit Hanna Fueß am 25.10.1946, KrA Celle.

[59] Tagebuch Lehrer Müller, Lachendorf, KrA Celle.

[60] Die „Blaue Brücke“ trug damals noch die Bezeichnung „Grüne Brücke“. Der Anstrich wechselte erst in der Nachkriegszeit.

[61] Aussage Walther Fricke, Müller in Lachtehausen, im Gespräch mit Hanna Fueß am 20.05.1947, KrA Celle.

[62] Aussage Lehrer Kruse, Gockenholz, im Gespräch mit Hanna Fueß am 11.09.1946, KrA Celle.

[63] Aussage Walther Fricke, Müller in Lachtehausen, im Gespräch mit Hanna Fueß am 20.05.1947, KrA Celle.

[64] Aussage Walther Fricke, Müller in Lachtehausen, im Gespräch mit Hanna Fueß am 20.05.1947, KrA Celle.

[65] Schreiben der Kreisleitung der Celler NSDAP vom 08.02.1945, Hann. 31 I Nr. 326, Bl. 80.

[66] Aussage Heinrich Höltershinken, Elektromeister aus Wietze, im Gespräch mit Hanna Fueß am 28.11.1946, KrA Celle.