f B-17 Bomber stürzte zwischen Langlingen und Hohnebostel ab ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Samstag, 28. Mai 2016

B-17 Bomber stürzte zwischen Langlingen und Hohnebostel ab



Hohnebostel / Langlingen. Es ist der 7. Mai 1944. Ein warmer Frühlingsmontag im vorletzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkrieges. Erwin Klingenspor aus Hohnebostel hat diesen Tag in Erinnerung behalten. Es war gegen Mittag als ein schwerer US Bomber des Typs B-17 "Flying Fortress" (Fliegende Festung) über dem Ort abstürzte. 


Am Morgen dieses schicksalhaften Tages startete gegen 5:30 Uhr das 612th Sq. der 401st Bomb Group der 8th US Air Force. Das Ziel ihres Angriffs: die Reichshauptstadt Berlin. Der angepeilte Abwurfpunkt liegt heute im Bereich der S-Bahnstation Friedrichstraße. Dort befanden sich zu dieser Zeit massiv ausgebaute Luftschutzanlagen. 

39 "Flying Fortress" starteten im britischen Deenethrope auf die Mission. Zu allen Seiten mit überschweren Maschinengewehren bestückt und in Formation fliegend, waren die Bomber quasi unangreifbar für deutsche Jagdflugzeuge. 

42-39943 lautete die Seriennummer einer der Bomber, besetzt mit einer erfahrenen Crew aus 10 Airforce-Soldaten. 2nd.Lieutenant Glen Grimmet Browning steuerte als Pilot das kampferprobte Flugzeug, welches den Spitznamen "Lassie come home" auf seiner Nase trug. Aufgezeichnete Bomben belegen die zahlreichen Einsätze des B-17 Bombers. 

Es war der erste Einsatz der Crew von Grimmet Browning an Bord dieses Bombers. 

Bild: B-17 Bomber "Lassie come home". 


Nach Abwurf der tödlichen Bombenlast drehte die B-17 Formation eine Schleife über der Reichshauptstadt und steuerte wieder in Richtung Westen. Gegen 11:25 Uhr erhielt die Crew von Grimmet Browning einen Flaktreffer. 1st. Lieutenant George F. Bingham war der letzte US Airforce Soldat, des 612th Sq. der "Lassie come home" sah. Wo genau diese letzte Sichtung erfolgte ist nicht sicher belegt. 

Bild: B-17 Bomber im Flug. 


Auf Hohnebostel zusteuernd ging der B-17 Bomber in einen steilen Sinkflug über, erinnerte sich Erwin Klingenspor. Er beobachtete den Absturz vor mehr als 72 Jahren und war einer der ersten an der Absturzstelle. Die Ereignisse sind ihm präsent. Auf einer Karte vermerkte er die genauen Stellen an denen Trümmerteile zu Boden gingen. 

Klingenspor erinnert sich, dass das Flugzeug aus großer Höhe in einen steilen Sinkflug überging. Einem Besatzungsmitglied gelang der Absprung mit dem Fallschirm. Pilot und Copilot steuerten gegen - das Höhenruder wurde so stark gezogen, dass es einen unglaublichen Lärm verursachte, bemerkt Klingenspor. Tatsächlich fing sich der abstürzende Bomber wieder. 

Aber dann brach eines der Leitwerke ab - es hat den hohen Kräften vermutlich nicht standgehalten. Es stürzte zu Boden und lag später am Ortsrand von Hohnebostel, weiß Klingenspor. Eine kleine weiße Nadel markiert den genauen Absturzort des Leitwerks auf seiner Karte. 

Damit war das Schicksal des Bombers und seiner Besatzung besiegelt. Der Stabilitätsverlust und die große Krafteinwirkung ließen den Rumpf in der Luft auseinanderbrechen. Der hintere Teil stürzte etwa dort zu Boden, wo sich heute der Hohnebostler Friedhof befindet. Die Tragflächen mit den vier schweren Motoren flogen noch ein Stück weiter. 

Bild: Absturzstellen des B-17 Bombers bei Langlingen / Hohnebostel. 


Kurz vor der ehemaligen Bahnstrecke Celle - Gifhorn ging der Vorderteil des B-17 Bombers schließlich zu Boden. Wie ein Segelflugzeug setzte er auf, erinnert sich Klingenspor, der sich aufmachte und die Absturzstelle in Augenschein nahm. Er entdeckte das abgebrochene Leitwerk, welches wenige hundert Meter vom heutigen Wohnhaus Klingenspors niederging. Es war etwa so groß, wie die komplette Tragfläche eines Jagdflugzeuges, erinnert sich der alteingesessene Hohnebostler. 

Durch ein kleines Waldstück erreichte Klingenspor schließlich die Absturzstelle. Er fand keine Hoheitszeichen auf den Teilen und wusste zunächst nicht welcher nation dieses Flugzeug zuzuordnen war. Dann entdeckte er eine kleine Banderole. Auf dieser stand: 

"Made in Buffalo, USA." 

Bild: Etwa hier stürzte der hintere Rumpfteil des B-17 Bombers ab. 


Der Navigator des Bombers, Raymond Kenneth Haines, war mit dem Fallschirm abgesprungen. Er landete unverletzt unmittelbar am südlichen Ortsrand Hohnebostels und wurde sogleich gefangen genommen. Klingenspor erinnert sich, dass es ein "großer langer Kerl" gewesen ist. Wo Haines verblieb ist ungeklärt. Vermutlich wurde er von Angehörigen des Volkssturmes oder Wehrmachtseinheiten in ein Gefangenenlager gebracht. 

Am vorderen Teil des Flugzeuges angekommen bemerkte Klingenspor keine Einschüsse. Auch roch es nicht nach Benzin. Das aufgerissene Wrack war so flach aufgeschlagen, dass es sich mit sand gefüllt hatte. Wehrmachtssoldaten bargen die Leichen der Airforce-Soldaten und legten sie in Särge, erinnert sich Klingenspor. 

Bild: Etwa hier stürzte der vordere Rumpfteil des B-17 Bombers ab. 


Durch den flachen Winkel, in welchem der B-17 Bomber schließlich zu Boden kam, war das Flugzeug äußerlich kaum zerstört. Innen war jedoch alles kaputt, da sich der Rumpf mit Sand gefüllt hatte. Die Wrackteile wurden später durch Wehrmachtssoldaten geborgen und auf einen Güterzug am Langlinger Bahnhof verfrachtet. Da es sich um Metalle handelte, die zu diesem Zeitpunkt im Reich Mangelware darstellten, wurden die Überreste des B-17 Bombers sehr wahrscheinlich abtransportiert und weiter verwertet. 

Alle Teile wurden jedoch nicht geborgen. So konnten bei der Oberflächensuche mit dem Metalldetektor noch eindeutige Beweise für den Absturz sichergestellt werden. Auffällig ist die große Anzahl an Aluminiumteilen, die für die Flugzeugproduktion sprechen. Auch die auffällige Lackierung einiger Teile belegt recht deutlich, dass es Flugzeugtrümmer sind. Die Konstrukteure strichen die Bomber von Außen mit einem speziellen Lack an. Wenn ein Flugzeug getroffen wurde, waren die beschädigten Stellen somit schnell erkennbar. 

Bild: Teile des B-17 Bombers "Lassie Come home", gefunden bei Hohnebostel. 


Insgesamt ist die Geschichte des B-17 Bombers "Lassie come home" und seiner Crew tragisch. Nur einer der 10 Crewmitglieder überlebte. Die restlichen liegen heute auf unterschiedlichen Friedhöfen im westlichen Europa. 

Nur wenige Abstürze lassen sich so lückenlos belegen wie dieser. Durch die Beobachtungen Erwin Klingenspors schließt sich der Kreis. Festzuhalten ist, dass es absolut nicht selbstverständlich ist heute noch Augenzeugen zu finden, denen die einstigen Ereignisse noch so präsent sind. Erwin Klingenspor hat die Geschichte des Absturzes am Leben gehalten. Neben der kartografischen Erfassung seiner Beobachtungen vor immerhin mehr als 72 Jahren, fertigte er ein Modell des entsprechenden B-17 Bombers an. An diesem sehr detaillierten Modell erklärte er mir genau, wo Teile des Flugzeuges zu Boden gingen. 

Am Anfang dieses Beitrags wurde nicht erwähnt, dass es die Familie eines Crewmitglieds des B-17 Bombers war, die diese Suche in Auftrag gegeben hatte. Letztlich konnte der genaue Absturzort von "Lassie come home" eindeutig belegt werden. Trotz des tragischen Schicksals welches die Besatzungsmitglieder erlitt, ist damit immerhin abschließende Gewissheit für die Angehörigen geschaffen. 


Hendrik




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