f Panzerwracks bei Müden... ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 19. Mai 2016

Panzerwracks bei Müden...




Von dieser Geschichte hat sicher der ein oder andere bereits gehört. Angeblich sollen im Hahnenmoor bei Müden noch zwei alte Panzer liegen. Versenkt in den letzten Kriegstagen von der Waffen SS. Ins Moor gefahren und nie wieder aufgetaucht. So schreibt es auch U. Saft in seinem Buch "Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe". Saft dürfte damit sogar der Urheber dieser Legende sein, die seither viele zum träumen angeregt hat. Könnte man die versenkten Panzer nicht finden...und aus dem Moor ziehen? 

Die Sache hat einen gravierenden Haken. Leider ist die Geschichte der versenkten SS-Panzer frei erfunden. U. Saft erwähnte die Panzer in Zusammenhang zur SS-Kampfgruppe Wiking, die tatsächlich auch in dieser Gegend noch operierte. Allerdings gehörten die Panzer, welche ihr Ende am Rande des Hahnenmoores fanden, nicht zu der Kampfgruppe. Zeitzeugen belegen, dass Saft später sogar zugegeben haben soll, dass sein Buch fertig werden sollte - also wurden die Panzer, deren Verbleib man sich nicht erklären konnte, kurzerhand im Moor versenkt. Das Ende der Kampfgruppe Wiking fand anderenorts statt. 


Vorweg empfehle ich für die weitere Lektüre mein Buch "Die letzten Kriegstage im Flohwedel" welches eben jene Geschichte in völlig neuem Licht aufrollt: 




Im After Action Report (Kampfbericht) des 638th Tank Destroyer Battalion der US Truppen findet sich am 14. April 1945 ein Nachtrag für den 12. April 1945. Unter der Überschrift "not previously reportet" (vorher nicht berichtet) findet sich der folgende Eintrag im Militärbericht: 

Bild: AAR des 638th TDBN, Report of operations, 14.04.1945. 


Handschriftlich wurde vermerkt: 

"Um 20:30 führten Sgt. Osborne und Private Remanszka des 1. Platoon eine Gruppe von 6 Infanteristenin den Wald (Koordinate: x828383) und nahmen 14 Jerrys und zwei SP 88 Panzer gefangen. Sie zerstörten die Panzer mit zwei Bazookas, Phosphor Granaten und Benzin". 

"Jerrys" war die in den Berichten übliche Bezeichnung für die Deutschen Soldaten. 
"SP 88" steht für "Self propelled gun" = Selbstfahrlafette, d.h. Panzerhaubitze des Kalibers 8,8cm. 

Mit dieser Beschreibung waren Panzer des Typs Jagdpanther SdKfz. 173 gemeint. Diese schweren Geschütze kamen in der Gegend gegen Kriegsende vermehrt zu Einsatz. Unter anderem hatte die Kampfgruppe Wiking ähnliche Geschütze in den Hanomag-Werken in Hannover übernommen. 

Bild: Jagdpanther Sonderkraftfahrzeug (SdKfz.) Nr. 173. 


Allerdings kann es sich bei den Panzern, welche östlich von Müden (Bokelberge) abgestellt wurden, nicht um Teile der Kampfgruppe Wiking handeln. Wie der After Action Report des 638th TDBN belegt, wurden die Panzer am am Abend des 12. April 1945 aufgefunden und zerstört. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Kampfgruppe Wiking in einem Waldgebiet zwischen Wienhausen und Langlingen. 

Es muss sich somit um eine andere deutsche Einheit handeln, welche am 12. April 1945 die zwei Panzer am Rande des Hahnenmoores verlor. Die 14 gefangen genommenen deutschen Soldaten, die der Militärbericht erwähnt, passen zahlenmäßig zumindest zur Besatzungsstärke der aufgefundenen Jagdpanther. 

Bild: In diesem Bereich befindet sich die Koordinate des Militärberichtes. 


Es handelte sich um Teile des 130. Panzer-Lehr-Regiments, welches in Braunschweig ein große Zahl Jagdpanther übernommen hatte. Was genau dazu führte, dass sich die Panzerbesatzungen  am 12. April zwischen Bokelberge und Wilsche aufhielten ist bislang nicht geklärt. Vermutlich wollten sie in Deckung vor feindlichen Tieffliegern bleiben und wurden durch die US Einheiten überrascht. 

Bild: Entlang des alten Postweges wurden die Jagdpanther abgestellt. 


Ein Zusammenhang zu den Panzern der Kampfgruppe Wiking unter dem SS-Hauptsturmführer Nikolussi-Leck kann allerdings ausgeschlossen werden. Seine Einheiten befanden sich am 12. April noch weiter westlich bei Wienhausen / Langlingen. Ein Vorgehen in diesen Raum wäre ohnehin nicht möglich gewesen, da die Langfinger Alleebrücke  bereits durch Einheiten der SS gesprengt worden war. Durch den Beleg der US Militärberichte kann eine Verbindung zur SS-Wiking somit ausgeschlossen werden. 


Weitere Informationen rund um das Thema Kriegsende in der Region finden sich im Buch "Die letzten Kriegstage im Flotwedel und angrenzenden Gebieten" 

Darin u.a. Augenzeugenberichte von den Panzerwracks am Rand des Hahnenmoors...





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