f Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 24. August 2015

Woher die Sprache ihren Namen hat



Kaum eine Gegend im Landkreis Celle ist so von Mythen umrankt wie das Waldgebiet "die Sprache" zwischen Lachtehausen und Beedenbostel. Schon ihr Name ist besonders - woher er kommt - das ist bislang ungeklärt. In diesem Beitrag werden mögliche Erklärungen vorgestellt. 

Vor allem Jüngeren ist sie bekannt - die Sage der "weißen Frau aus der Sprache". Ob diese tatsächlich stimmt? Moderatoren des Radiosenders ffn nahmen die Geschichte kürzlich ein wenig auf die Schippe. Eine abschließende Erklärung der Sage wird es vermutlich nicht geben. Doch die Sprache bietet weitere spannende Geschichten, Sagen und Mythen. Bis heute ist der Name dieses Waldgebietes ungeklärt. 

Bild: mystisch schlängelt sich die Lachte durch die Sprache. 
Quelle: H. Altmann. 


Ein alter Versammlungsplatz? 

Der Rektor der lateinischen Schule in Celle, Johann Heinrich Steffens, erwähnte die Sprache bereits 1763 in seiner "historischen und diplomatischen Abhandlungen in Briefen". Laut Steffens war die Sprache einst wesentlich ausgedehnter als die es heute ist. So sollen sich ausgedehnte Eichenwälder bis hinter das heutige Altenhagen erstreckt haben. Dies scheint durchaus plausibel zu sein, denn auch in alten Karten finden sich Hinweise darauf, dass die Sprache einst um einiges größer gewesen ist. 

Bild: Celle und die Sprache um 1640. 
Quelle: Marchiae Brandenburgensis 1640. 


Auch alte Flurnamen im Raum Altenhagen deuten auf einstige Waldungen in diesem Bereich hin - das sogenannte "Roland" zwischen Altenhagen und Garssen sei nur ein Beispiel. Steffens gab in seinem 1763 erschienenen Werk an, dass einige alte Gebäude in Celle aus den starken Eichenstämmen von dort errichtet worden seien. 

Im Zusammenhang zu Altenhagen deutete Steffens den Namen Sprache als einst "Sprake" bzw. "Hagesprake". Dahingehend wertete Steffens die Sprache als alten Versammlungs- und Gerichtsplatz. Der deutsche Hauslehrer, Archäologe und Schriftsteller, Johann Georg Keyßler hatte in seiner Abhandlung über das Leben der alten sächsischen und keltischen Stämme bereits um 1720 berichtet, dass Wälder und Flüsse als traditionelle Versammlungsplätze genutzt wurden. 

Steffens sah die Sprache somit als einen traditionellen Versammlungsplatz der sächsischen Vorfahren an. Allerdings soll es sich nicht um einen Landtagsplatz, sondern vielmehr um einen Versammlungsort für untergeordnete, die einzelnen Gaue betreffende Angelegenheiten gehandelt haben. 


Was hatte es mit den Gauen auf sich?

In der Tat scheint die Sprache einst eine Rolle bei der Grenzziehung gespielt zu haben. Noch nachdem Karl der Große um 803 die Sachsenstämme mit dem Schwert zum Christentum zwang, existierten die alten Gaugrenzen fort. Diese dienten einst, um die Stammesgebiete zu unterteilen und waren sozusagen Verwaltungsbezirke in denen der jeweilige Stammesfürst seine Macht ausübte. Es kann nicht genau beziffert werden wie alt diese alten Gaue waren - vermutlich reicht ihre Existenz allerdings weit in die Geschichte zurück.  

Celle gehörte einst zum Gau Flotwedel (= Flutwidde), welches sich heute noch als Namen für die politische Samtgemeinde Flotwedel erhalten hat. Früher war dieser Gau allerdings um einiges größer. Celle befand sich in einem Untergau des Flotwedel - dem sogenannten "Mulbeki" oder auch "Mulbeze". Die Aller trennte den Gau Flotwdel bei Celle vom sogenannten Lohengau, bzw. dem Muthwidi (="Schutzwald"). Weiter östlich schloss sich der Gretingau ("Gred" = Weide) an. 

Eine nachfolgende Karte zeigt die einstige geografische Lage der drei Gaue. 


Bild: Gaugrenzen um Celle.  
Quelle: aus Clemens Cassel, Geschichte der Stadt Celle. 


Der einzige Treffpunkt der drei alten sächsischen Gaue war ein Ort im Norden der Sprache - hier trafen Lohengau, Flotwedel und Gretingau zusammen. In diesem Bereich befindet sich die sogenannte "Hohe Warte". Die alten Gaugrenzen stimmten regelmäßig mit den späteren Grenzen der kirchlichen Diözesen überein. So finden sich die Grenzen der alten Gaue in den Grenzbeschreibungen der späteren Diözesen wieder. 

Die "Hohe Warte" wäre ein möglicher Punkt, der für das Zusammentreffen der alten Gaugrenzen geeignet scheint. Hier befinden sich einige höher gelegene Dünenhügel, die bereits vor hunderten Jahren existiert haben müssen. Clemens Cassel gibt in seiner geschichtlichen Betrachtung Celles das Jahr 1447 als erste Erwähnung an - leider ohne eine Quelle zu benennen. Ob die Hohe Warte der einstige Treffpunkt der Gaugrenzen war, bleibt dahingestellt. Vieles spricht dafür, dass hier eine traditionelle Grenze verlief, denn Grenzen wurden früher über lange Zeit beibehalten. 


Bild: Hohe Warte in der Sprache.  
Quelle: H. Altmann. 


Die Hohe Warte scheint als nördlichste Grenze Celles bestens geeignet gewesen zu sein, um vorbeiziehendes Kriegsvolk zu beobachten. Noch heute finden sich in dieser Gegend zahlreiche alte Grenzsteine, welche die Forstgrenzen markieren. Natürlich sind diese Steine neuzeitlicher Herkunft - jedoch wurden Grenzen nicht selten seit jeher beibehalten. 


Bild: Grenzstein an der Hohen Warte.  
Quelle: H. Altmann. 


An der Sache mit den Gaugrenzen scheint zumindest einiges dran zu sein. Die Hohe Warte als markante Flurbezeichnung eines Dünenzuges im nördlichen Bereich der Sprache kommt scheint auf einen möglichen Versammlungsort, bzw. einen Ausguck hinzudeuten. Leider gibt es keine schriftlichen Belege, die diese Theorie stützen. 



Was alte Karten verraten...

Blickt man in historische Karten, so findet man zahlreiche Belege für den Waldnamen "die Sprache". Bereits um 1650 gab es kartografische Belege für den Namen. Allerdings sind Karten aus dieser Zeit recht ungenau. Straßen und Wege sind nur grob erkennbar und haben kaum etwas mit der heutigen Topografie gemeinsam. Vielmehr zählt daher der Erkennbare Name "Sprache, welcher in der Karte östlich von Lachtehausen verzeichnet ist. 

Hier wurde die heutige "Sprache" noch als "Sprake" bezeichnet. 

Bild: Die Sprache 1650.  
Quelle: Archiv Altmann. 


Der Name dauerte fort - auch im Jahr 1706 wurde das Waldgebiet als "die Sprake" bezeichnet. 

Bild: Die Sprache 1706.  
Quelle: Ducatus Luneburgensis. 


Es stellt sich die Frage wann die heutige Straße durch die Sprache entstand. Im Jahr 1727 entstand die Karte der "Environs der Statt Zell" - also eine Umgebungskarte der Stadt Celle. Sie zeigt den Waldnamen der Sprache und einen Weg der sich in östliche Richtung von Lachtehausen durch den Wald schlängelt. Aber auch dieser Weg ist aufgrund der Ungenauigkeiten des Kartenwegs noch nicht mit der heutigen Straße gleichzusetzen. 

Bild: Die Sprache 1727.  
Quelle: Environs von der Statt Zell.


Erst 1780 zeigt eine Karte einen nachvollziehbaren Wegverlauf durch die Sprache. So führte die Straße einst nördlich der heutigen L 282 entlang der Lachte durch den Wald. Die Kurhannoversche Landesaufnahme zeigt sowohl den Verlauf dieses Weges, als auch eine angelegte Allee in welche die Straße bei Lachtehausen mündete. 

Bild: Die Sprache 1780.  
Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme.


Noch bis ins 19. Jahrhundert musste man einige Wegschlenker beim Passieren der Sprache in Kauf nehmen. So zeigt die topografische Spezialkarte aus dem Jahr 1822 "die Spracke" noch mit dem alten Wegverlauf entlang der Lachte. 

Bild: Die Sprache 1822.  
Quelle: Topografische Spezialkarte.


Noch 1839 war dieser Wegverlauf üblich und wurde genutzt. Die heutige schnurgerade Straße gab es noch nicht. Allerdings findet sich in den entsprechenden Kartenwerken bereits der heute übliche Name des Waldgebietes "Sprache". 

Bild: Die Sprache 1839.  
Quelle: Papen Atlas.


Erst im preußischen Messtischblatt von 1899 ist die heutige L 282 in ihrem geraden Verlauf verzeichnet. Die alte Straße in der Sprache ist allerdings heute noch erkennbar - zum Beispiel auf einem aktuellen Satellitenbild. Hier ist ebenfalls die Hohe Warte verzeichnet. Sie liegt hart nördlich der alten Straße. 

Bild: Die Sprache- alte Wegverläufe und Hohe Warte.  
Quelle: Google Earth.


Zusammenfassung...

Die Sprache hat ihren Namen über die Jahrhunderte beibehalten. Es ist schwer zu sagen woher dieser rührt. Möglicherweise gab es in diesem Waldgebiet einst tatsächlich einen Versammlungsort der angrenzenden Gaue. Stimmen die alten Grenzbeschreibungen trafen am nördlichen Rand der Sprache der Lohengau, der Gretinggau und der Flotwedel aneinander. Hier befindet sich ebenfalls die "Hohe Warte" - eine Dünenerhebung, die einst den alten Grenzverlauf markiert haben soll. 

Einst war die Sprache vermutlich ein schwer passierbares Gebiet. Einige Heimatforscher gehen deshalb davon aus, dass größere Heereszüge die Sprache einst nicht passieren konnten und in südliche- bzw. nördliche Richtung ausweichen mussten. Ohne Frage - vor der Anlegung zahlreicher Abwassergräben war der Wald sicher noch morastiger als heute. Der Heimatforscher Hans-Günther Michels aus Suderwittingen vermutet sogar, dass einst Karl der Große bei seinen Eroberungszügen bei Altencelle über die Aller ging. Allerdings geht Michels davon aus, dass Karl der Große nicht durch die Sprache gehen konnte, sondern südlich in Richtung Ahnsbeck auswich. 

Bild: Morastiges Gelände.  
Quelle: H. Altmann.


Inwiefern diese Vermutungen stimmen ist ungewiss. Es gibt weder Belege für einen Durchmarsch Karls des Großen, noch für die Existenz eines alten Versammlungsplatzes im Waldgebiet der Sprache. Allerdings scheinen einige der Annahmen nicht mal so abwegig zu sein, denn eines kann man dem Namen "Sprache" nun wirklich nicht absprechen: dass er durchaus langlebig ist. 

Eben dies deutet tatsächlich auf einen Zusammenhang zu alten Grenzen hin. Die einstigen Gaugrenzen waren über lange Zeit die wichtigsten Gebietseinteilungen. An ihnen wurden nicht selten spätere Ämter-, Kirchen- Landkreis- und Gerichtsgrenzen festgemacht. Somit besaßen die Grenzen der früheren Gaue oft einen Bezug zu späteren Verwaltungsgrenzen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sich in der Sprache eine solche Grenze befunden hat. 

Da sich der Name zumindest über die letzten Jahrhunderte erhalten hat, kann man zweifellos davon ausgehen, dass der Wald einen markanten historischen Bezug besitzt. Dafür stehen ebenfalls die Sagen und Legenden, welche von Begebenheiten im Zusammenhang mit der Sprache erzählen. 


H. Altmann



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Quellen:
- Johann Heinrich Steffens, Celle im Lüneburgischen, 1763
- Schulchronik Nienhagen
- Clemens Cassel, Geschichte der Stadt Celle, 1930.
- Bettinghaus, Zur Heimatkunde des Lüneburger Landes, 1897. 



Samstag, 22. August 2015

Wie kam die Munition nach Ahnsbeck?


Nachdem am vergangenen Mittwoch drei schwere 105 cm Sprenggranaten und diverse Infanteriemunition in Ahnsbeck gefunden wurden, war unklar in welchem Zusammenhang diese Rückstände in den Boden geraten sind. Mittlerweile hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst die Munition entfernt. Wie kamen diese schweren Geschosse nach Ahnsbeck? Hier eine mögliche Erklärung...

Die älteren Dorfbewohner mögen sich vielleicht noch an jene Tage im Frühjahr 1945 erinnern, als in Ahnsbeck zu Kriegsende mit schweren Kalibern geschossen wurde. Am 14. April gegen 13:00 Uhr Mittag befanden sich verschiedene Kompanien des 771. US Tank-Destroyer-Bataillon in Ahnsbeck. Diese Einheiten verfügten über Panzer des Typs M36 Jackson und M10 Wolverine. Die US Truppen hatten sich auf einen schnellen Vormarsch eingerichtet – Gefechte waren in dieser Phase des Krieges bereits zur Seltenheit geworden. Somit sicherten die Einheiten vermutlich vor allem in nördliche Richtung. 

Gegen Mittag des 14. April geschah allerdings das unvorstellbare – eine schwere deutsche Panzereinheit näherte sich aus der südlich gelegenen Allerheide bei Lachendorf. Die deutschen Panzer des Typs „Jagdpanther“ waren ausgerüstet mit der schweren 8,8 cm Kanone. Es handelte sich um Einheiten der SS-Kampfgruppe Wiking unter dem SS-Hauptsturmführer Nicolussi-Leck. Die deutsche Kampfgruppe hatte es bislang geschafft quasi unentdeckt hinter feindlichen Linien in östliche Richtung vorzugehen. Als die schweren deutschen Panzer sich Ahnsbeck näherten, überrumpelten sie die US Truppen vermutlich völlig. 

Bild: Ahnsbeck heute. 
Quelle: H. Altmann. 


Zwei US Panzer waren durch Treffer ausgeschaltet, bevor auch nur ein einziges amerikanisches Geschütz in Richtung der Angreifer ausgerichtet werden konnte. Umherfliegende Splitter trafen einen amerikanischen LKW, der mit Munition beladen war. Mindestens zwei US Soldaten wurden getötet – weitere mussten mit Verletzungen evakuiert werden. Ein Kind wurde schwer verletzt und von den US Truppen ins Lazarett nach Bückeburg gebracht. 

Auch die deutschen Angreifer hatten Verluste. Ein Panzer wurde getroffen und blieb am Weg nach Bunkenburg stehen – mindes zwei Soldaten starben. Einige erlitten schwere Verwundungen und wurden in einem Behelfslazarett in Lachendorf behandelt. Die SS-Kampfgruppe konnte das Gefecht für sich entscheiden und verzichtete dennoch auf die Einnahme Ahnsbecks. Stattdessen rückten die Deutschen weiter in östliche Richtung ab. 



Mittwoch, 19. August 2015

Woher das Heideeck seinen Namen hat


Folgt man der L 282 aus Lachtehausen in Richtung Beedenbostel, so erreicht man kurz hinter dem Waldgebiet "die Sprache" das sogenannte Heideeck. Heute befindet sich hier ein Kreisel, an dem sich die L 282 mit der Straße zwischen Gockenholz und Lachendorf kreuzt. Weit und breit ist hier allerdings keine Heidefläche zu sehen. Woher stammt also dieser Name, der eigentlich jedem in der Umgebung bekannt sein dürfte? 

Wie so häufig fußt der Name auf historischen Wurzeln. Allerdings scheint es sehr unwahrscheinlich, dass heute noch Zeitzeugen berichten können, denn das "Heideeck" ist deutlich älter als Menschen es jemals werden können. 

Bild: Heideeck heute - Luftbild 2014 - Blick in Richtung Lachendorf. 
Quelle: H. Altmann. 


Geht man in der Geschichte zurück, so fällt zunächst auf, dass die Straßenkreuzung am Heideeck recht alt sein muss. Die entsprechende Karte aus dem Jahr 1945 zeigt bereits das X-förmige Heideeck und die, parallel zur Straße in Richtung Lachendorf, verlaufende Bahntrasse. Auch ist in dieser Karte ein Wirtshaus verzeichnet. Die Bereiche westlich des Heideecks sind in der Karte als Weide- bzw. Grasland verzeichnet. 

Bild: Heideeck 1945. 
Quelle: War Office Map 1945. 


Blickt man etwas weiter auf der Zeitachse zurück, so lässt sich die Verkopplungskarte aus dem Jahr 1860 heranziehen. Das Heideeck ist als Straßenkreuzung bereits in dieser Karte erkennbar. Es liegt zwischen dem Dürskamp, welcher zur Gockenholzer Gemarkung gehörte und dem Lachenkamp, der zur Lachendorfer Gemarkung zählte. Die Karte verrät außerdem einiges über die Entwicklung der Straßen und Felder rund ums Heideeck. Die Straße nach Beedenbostel, in der Karte rot verzeichnet, verlief einst ein Stück südlich der heutigen L 282. Die Äcker bestanden aus schmalen Flurstücken, die - anders als heute - von einzelnen Höfen bewirtschaftet wurden. 

Bild: Heideeck 1860. 
Quelle: Verkopplungskarte Lachendorf.  


Das Heideeck ist allerdings noch einige Jahre älter. Bereits die Kurhannoversche Landesaufnahme aus dem Jahr 1780 gibt Hinweise darauf. Eine wichtige Flurbezeichnung ist in den späteren Kartenwerken abhanden gekommen: die Lachteheide. Diese Heidefläche lag einst entlang der heutigen L 282, nördlich der Lachte und westlich des heutigen Heideecks. Dieses bildete quasi den östlichen Rand - also gewissermaßen eine "Ecke" - der einstigen Heidefläche. Sehr wahrscheinlich rührt der Name somit aus diesen Tagen. Doch ohne eine Straße zwischen Gockenholz und Lachendorf hätte es logischerweise keine solche "Ecke" gegeben. Daher scheint es naheliegend, dass die Wegverbindung zwischen diesen beiden Orten schon damals relevant gewesen sein muss. 

Bei der Urbarmachung der einstigen Lachteheide wurden bronzezeitliche Grabhügel entdeckt. Sie stammen aus einer Zeit in der es definitiv noch kein Heideeck gab. 

Bild: Heideeck 1780. 
Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, Blatt Beedenbostel.  


Namensgeber für das heutige Heideeck war also die einstige Lachteheide. Heideflächen waren einst Allmendeflächen und konnten somit von allen Höfen gleichermaßen genutzt werden. Mit dem Prozess der Verkopplung verschwanden solche gemeinschaftlich genutzten Flächen aus dem Landschaftsbild. 

Heute hat sich lediglich der Name des Heideeck als letzter Hinweis auf die einstige Lachteheide erhalten. 



H. Altmann




Dienstag, 18. August 2015

Der letzte Husar - Generalfeldmarschall von Mackensen in Burghorn


Als sich im April 1945 der Zweite Weltkrieg seinem Ende neigte, stießen britische und amerikanische Verbände recht schnell auf Celle vor. Die Stadt wurde am 12. April 1945 durch britische Truppen eingenommen. Als das 15. schottische Aufklärungsregiment entlang der heutigen Bundesstraße 191 in Richtung Eschede vorging, erreichten Teile der Einheiten das einsam liegende Burghorn bei Habighorst. Hier fiel den alliierten Soldaten der 96 Jahre alte Generalfeldmarschall August von Mackensen in die Hände...


Von Mackensen hatte eine steile Karriere als Militär hingelegt. Kurt Tucholsky bezeichnete ihn sogar als "Militärstar". Der Werdegang von Mackensens reichte bis ins Kaiserreich zurück - seine militärischen Fähigkeiten hatten dem deutschen Heer wichtige Siege im Ersten Weltkrieg beschert. Seine Rolle im Dritten Reich ist zwiegespalten. 

Bild: August v. Mackensen. 
Quelle: n.a. 
Der Lebenslauf August von Mackensens findet sich heute noch vielfach im Internet. Von Mackensen, geboren im Jahr 1849, stieg bis 1880 in den deutschen Generalstab auf. Um die Jahrhundertwende beschleunigte sich seine Karriere nochmals - er stieg zum Flügeladjudanten Kaiser Wilhelms II. und 1903 zum Generaladjudanten auf. 

Im Ersten Weltkrieg bewies von Mackensen sein militärisches Geschick. Er durchbrach die russische Front, wurde zu einem populären Heerführer und zum Generalfeldmarschall ernannt. Bis zum Ende des Krieges entschied von Mackensen zahlreiche Schlachten siegreich. Bei Kriegsende wurde er dann in Ungarn und Griechenland interniert. 

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schied er aus dem aktiven Militärdienst aus. Als treuer Diener des Kaiserreiches konnte er sich nicht mit der neuen Staatsform der Demokratie anfreunden. Mit dieser Ansicht war von Mackensen in der Weimarer Republik freilich nicht alleine. Die Nationalsozialisten, allen voran Adolf Hitler, erkannten schnell das propagandistische Potential in von Mackensen. 

Nach der Machtergreifung 1933 wurde von Mackensen zum preußischen Staatsrat ernannt. 1935 schenkte Adolf Hitler ihm die Domäne Brüssow. Hier lebte von Mackensen fortan mit seiner zweiten Frau Leonie von der Osten. Noch im Februar 1940 verurteilte von Mackensen die Kriegsverbrechen, welche beim Einmarsch der Wehrmacht in Polen geschehen waren. Sein Erkennungsmerkmal war die Uniform des I. Leibhusarenregiments, welche er seit 1911 als Ehrenzeichen auf Lebenszeit tragen durfte. 


General Tzschoekell zu Gast...

Bereits im Herbst 1944 hatte H.H. v. Gersdorff-Cunersdorf, der bis 1945 zehn Jahre lang Adjutant von Mackensens gewesen war, erste Schritte zur Evakuierung des einstigen Generalfeldmarschalls unternommen. Die Rote Armee rückte dem Anwesen der von Mackensens in Brüssow immer näher - die aussichtslose Kriegslage sorgte schließlich dafür, dass auch August von Mackensen einer Umsiedlung zustimmte. 

Zunächst war ein Gebäude in Achterberg, auf dem Truppenübungsplatz Munster,  als neue Unterkunft ausgewählt worden. Dieses wurde dann jedoch von Generalfeldmarschall von Manstein bezogen, sodass eine andere Bleibe gefunden werden musste. Als Ausweichquartier wählte das Generalkommando das Gutshaus in Burghorn aus. Dieses gehörte ursprünglich einem Fabrikbesitzer namens Beisse aus Osnabrück und war zuvor beschlagnahmt worden. Zwischenzeitlich wurde das Haus durch einen Wehrmachtsstab genutzt. Am 1. Februar 1945 gelangte August von Mackensen schließlich mit dem PKW und einem kleinen Gefolge nach Burghorn. 

Scheinbar war Burghorn bis dahin für die Alliierten nur von nachmaliger Bedeutung gewesen, denn Karten aus dieser Zeit zeigen den Ort nur wenig detailreich. 

Bild: Burghorn im Jahr 1945. 
Quelle: War Office Map 1945, 1. Edition.  


Viele persönliche Dinge mussten bei der Umsiedlung in Brüssow verbleiben - das schmerzte den ehemaligen Generalfeldmarschall sehr. Laut seinem Adjutanten wurde von Mackensen in Burghorn nicht heimisch - er unternahm allerdings ausgiebige Spaziergänge in die nähere Umgebung. 

Das Anwesen in Burghorn befand sich abseits der nördlich verlaufenden Bundesstraße und war ohnehin recht einsam gelegen. Es war mit einer Vielzahl französischer Möbel ausgestattet, die ein General zuvor aus Frankreich mitgebracht hatte. Schon bald kamen Freunde und Verwandte und zogen mit in das Haus - viele waren ebenfalls auf der Flucht vor der Roten Armee. 

Leonie von der Osten, die zweite Frau des Generalfeldmarschalls, berichtete nach dem Krieg, dass oft Besuch auf das Anwesen in Burghorn kam. Unter den Gästen waren unter anderem der Herzog von Braunschweig, der Landrat Heinichen, General Tzschoeckell aus Celle und General Lichel aus Hannover. 

Bereits als britische Verbände auf Celle vorstießen kam der kommandierende General Tzschoekell nochmals auf dem Anwesen in Burghorn vorbei. Als Celle bereits eingenommen war, zog sich die Wehrmacht in nordöstliche Richtung zurück. General Tzschoekell kam ein letztes Mal zu den von Mackensens nach Burghorn und brachte einige "schöne Sachen", wie Leonie v. Mackensen später berichtete, vorbei. Darunter waren auch einige Flaschen Sekt. 


Einmarsch der Briten...

Am 13. April 1945 rückte das 15. schottische Aufklärungsregiment von Celle in Richtung Eschede vor. Das "B" Bataillon gelangte ohne Zwischenfälle bis an den Durchfluss des Quarmbaches an der Bundesstraße 191. Als die schottischen Soldaten auf der linken Seite der Straße vorgehen wollten, wurden Sie von einem deutschen Sturmgeschütz beschossen. Erst als die Schotten eine Flankierung von rechts unternahmen, gelangten sie einige Zeit später nach Eschede. Während das 15. schottische Aufklärungsregiment weiter der Bundesstraße folgte, wurde das Anwesen des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Burghorn entdeckt. 

Leonie v. Mackensen erzählte nach dem Krieg, wie der Einmarsch vonstatten ging. Zunächst durchsuchten die britischen/schottischen Soldaten das Gebäude nach Waffen und Munition. Wenig später veranlassten sie den 96 jährigen August von Mackensen eine Petition an Adolf Hitler zu schicken - das Blutvergießen sollte aufhören. Leonie v. Mackensen erinnerte sich, dass ihr Mann in dieser Aktion keinen Sinn sah, zumal niemand von ihnen annahm die Petition könnte Hitler zur Aufgabe bewegen. Nachdem sie dennoch unterzeichnet war trugen sich die britischen Offiziere noch höflich ins Gästebuch ein. 

Von Mackensens Adjutant H.H. v. Gersdorff-Cunersdorf erinnerte sich später, dass der Einmarsch nicht so reibungslos verlief. So wussten die Briten / Schotten scheinbar nicht sofort mit wem sie es hier zu tun hatten. Bei der Hausdurchsuchung verschwanden eine Nachtuhr, eine Schreibmaschine, ein Füllfederhalter und weitere persönliche Gegenstände des Generalfeldmarschalls. Erst später wurden diese teilweise auf Bitten von Gersdorff-Cunersdorfs zurückgegeben. Von Mackensen legte für die Tage nach dem Einmarsch die Uniform ab und trug Zivil. Der Niedergang des Dritten Reiches schien ihm sehr zu schaffen zu machen, so von Gersdorff-Cunersdorf später. 

In den ersten Tagen nach Kriegsende kam es immer wieder zu Plünderungen und Übergriffen durch umherstreifende Fremdarbeiter. Besonders russische Zivilgefangene waren es, die wiederholt über die Gegend herfielen und sich an vielen Dingen bedienten. Später wurde eine Wache aus alliierten Soldaten für das Anwesen in Burghorn abgestellt. 

Am 8. November 1945  um 14:55 Uhr starb August von Mackensen in Burghorn. Die Beisetzung fand am 12. November auf dem Celler Stadtfriedhof statt. Obwohl die Post- und Bahnverbindungen zu dieser Zeit aufgrund der Kriegsauswirkungen äußerst schlecht waren, kamen zahlreiche Trauergäste. Die alliierten Besatzungstruppen verboten allerdings eine Beisetzung unter militärischen Ehren. 

Leonie von Mackensen blieb noch bis in den Februar 1946 auf dem Anwesen in Burghorn wohnen. Später wurde ihr eine Wohnung bei Hoppes in Wienhausen zugewiesen. 


Das Anwesen heute...

Wenig erinnert noch an jene Tage von einst. Burghorn ist inzwischen zu einem kleinen Ort geworden - einige Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Bauernhöfe haben sich angesiedelt. Das Anwesen, in welchem einst der Generalfeldmarschall unterkam, steht noch und auch das umliegende Gelände hat sich erhalten. 

Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: Google Earth. 


Etwas zurückgesetzt von der schmalen asphaltierten Straße liegt das rot gestrichene Gebäude hinter Wachholdersträuchern und meterhohen Rhododendren verborgen. Über die Geschichte des Hauses nach dem Krieg ist wenig bekannt. 

Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: H. Altmann. 


Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: H. Altmann. 


In einem Interview mit der Heimatforscherin Hannah Fueß am 18. August 1949 spekulierte Leonie von Mackensen, dass der Osnabrücker Fabrikbesitzer Beisse möglicherweise Geld anlegen wollte, als er das Anwesen in Burghorn bauen ließ. Während Burghorn heute mit dem Auto relativ gut erreichbar ist, lag es einst sicherlich recht fern ab. 

August von Mackensen hatte sich bereits im Kaiserreich zu einer herausragenden Person des öffentlichen Lebens entwickelt. Durch zahlreiche siegreiche Schlachten im Ersten Welt erlangte er Ruhm und Ansehen. Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus war sicher nicht eindeutig. Mit Adolf Hitler verband er zunächst zumindest eine tiefe Verbundenheit. 

Die Totenkopfverbände der Waffen-SS beriefen sich traditionsgemäß auf das Motto bis zum Letzten zu kämpfen - der Totenkopf stand dabei seit jeher für den Grundsatz "Pardon wird nicht gegeben!" Der Feind konnte sich somit selbst bei einer Gefangennahme seines Lebens nicht sicher sein. Auch die Leibhusarenuniform, welche August von Mackensen bis zu seinem Tod trug, beinhaltete den Totenkopf als sichtbares Mützenzeichen. Doch die Welt hatte sich nach der aktiven Dienstzeit Mackensens verändert. Militärische Traditionen waren  vielfach der totalen Vernichtung um jeden Preis gewichen. Es ist an dieser Stelle fraglich, wie von Mackensen über diese Entwicklung geurteilt haben mag. Dies wird sich aus heutiger Sich kaum noch klären lassen.


Hendrik Altmann



Samstag, 25. Juli 2015

Ein interessanter Termin für Sondengänger...


Vom 3. bis zum 5. September 2015 findet in Hannover die 82. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung statt. Interessante Punkte stehen auf der TagesordnungDen Link zum Programm gibt es hier: Klick


Unter anderem hält Manuel Zeiler (aus Olpe) einen Vortrag über die "Eisenzeitliche Höhenbefestigungen Westfalens im Spiegel systematischer Detektorprospektion“. Jan Schuster (aus Lodz): referiert über „Masse, Klasse, Seltenheiten – Acht Jahre Detektor-Archäologie zur römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Schleswig-Holstein“. Thorsten Lemm (aus Schleswig) erörtert das Thema „Auf der Suche nach dem königlichen Hof – systematische Detektorprospektionen in Husby, Kreis Schleswig-Flensburg“. 

Weiterhin soll eine öffentlich zugängliche Diskussion zum Thema Sondengehen und Detektorarchäologie statt (Quelle). Auch soll einer der jüngsten Funde, der sogenannte "Barbarenschatz" in einem Vortrag von Axel von Berg (aus Koblenz) vorgestellt werden. Das Vortragsthema lautet "Seiner Geschichte beraubt - der spätantike Schatz von Rülzheim". 

Neben den Vorträgen sind Exkursionen in die Kreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont geplant. Weitere Informationen finden sich im Programmflyer. Auch das Anmeldeformular steht auf der Seite des NLD bereit. 





Dienstag, 21. Juli 2015

Das Aus in Altencelle



Das Aus in Altencelle...


Wie die Cellesche Zeitung am 20.07.2015 berichtet stehen die archäologischen Forschungen in Altencelle vor dem Aus. Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) teilte auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Thomas Adasch (CDU) mit, dass Seitens des Landes keine Mittel aufgewendet werden können um die Ausgrabungen in Altencelle fortzuführen. 

Laut CZ-Bericht verwies die Ministerin darauf, dass ein Verbleib der Funde im Boden verantwortet werden könne - neue Forschungsmethoden wären eventuell später in der Lage diese ohnehin besser zu sichten. Allerdings ist fraglich inwiefern diese Methoden überhaupt noch zum Einsatz kommen können, denn die nächsten Bauabschnitte der geplanten Ostumgehung verlaufen durch das archäologische Forschungsgebiet. 


Bild: Magnetometermessungen in Altencelle
Quelle: Dr. Lohwasser. 


Was bisher erreicht wurde...

Dr. Cornelia Lohwasser (Uni Göttingen) widmete sich in den letzten Jahren den archäologischen Untersuchungen rund um Altencelle. In 17 Grabungsschnitten konnten unter Mithilfe Studierender und freiwilliger Helfer bisher unbekannte Bodendenkmäler untersucht werden. Darüber hinaus wurden umfassende Magnetometer-Prospektionen durchgeführt, welche eindrucksvolle Ergebnisse verborgener Bodenstrukturen lieferten. Die anschließenden Grabungen erbrachten teils neue Erkenntnisse zur Bedeutung der untersuchten Bodendenkmale und zur Geschichte Altencelles. 

Unter anderem wurde die Gertrudenkirche mehrfach untersucht, der Burgwall in Burg, die Nienburg, und der heutige Pfarrgarten. Dabei lagen ein möglicher Hafen östlich der Gertrudenkirche und die Umgebung der einstigen Brunonenburg im Fokus der Archäologen.  Es kamen zahlreiche neue Erkenntnisse ans Licht. So konnte erstmals die hochmittelalterliche Besiedlung des Niemarktes erforscht werden - eine Schmiedehütte mit etlichen Beifunden wurde entdeckt. Als besonders eindrucksvoller Fund der einstigen Schmiede wurde eine Gewandschnalle identifiziert, die ins 13. Jahrhundert datiert. 

Bild: Gewandschnalle des 13. Jh. aus Altencelle. 


Die Kooperationen...

Bei den Untersuchungen in Altencelle zeigte sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Heimatforschern und Sondengängern. Damit dürften die Forschungen in Altencelle nach den Vorstellungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege erfolgt sein. Hier steht seit einiger Zeit die Kooperation mit Sondengängern in einem guten Licht - Kurse und Hilfestellungen werden angeboten. 

So unterstützte die Sondengängergemeinschaft Allertal einige Male die Nachforschungen in Altencelle. Aber auch alteingesessene Heimatforscher, wie der im vergangenen Jahr verstorbene Dieter Reinebeck von der Gemeinschaft "Historisches Altencelle" widmeten sich leidenschaftlich der Untersuchungen in und um Altencelle. So wurden - neben den hauptsächlichen Forschungen in Altencelle - auch der Finkenherd und eine Verdachtsfläche bei Wienhausen unter die Lupe genommen. 


Warum geht es nicht weiter? 

Es stellt sich die Frage woran die weiteren Nachforschungen momentan scheitern. Sowohl von Seiten der eingesetzten Archäologen als auch der beteiligten Helfer wurde viel geleistet. Diese Leistungen stehen vergleichbaren Projekten in anderen Städten keineswegs nach. 

Liegt es an den Behörden der Stadt Celle? Bereits mehrfach wurden diese dafür kritisiert der Archäologie kein eigenständiges Ressort zukommen zu lassen. In Gifhorn beispielsweise ist die Regionalarchäologie präsent - warum nicht auch in Celle? Gerade die Stadt Celle müsste für Archäologen eine historische Fundgrube sein. Ständige Überbauung, keine Kriegseinwirkungen im Stadtkern und ein erhaltenes Stadtbild seit mehreren hundert Jahren - alles Faktoren die sich in der Begründung für archäologische Untersuchungen finden ließen. Und doch erfolgen solche nur sporadisch. 

Das Problem liegt allerdings noch tiefgreifender als nur in der Abwesenheit  forschungsbegeisterter Regionalarchäologen. Es fehlt an der Substanz. Während anderen Ortes Hinweisschilder und Prospekte Heimatgeschichte schmackhaft machen, herrscht in Celle reine Ödnis. Hier wurde vor allem eines falsch gemacht: der Anschluss verpasst. 

Grundsätzlich begeistern sich vor allem Ältere für das Thema Heimatgeschichte. Das ist so - und lässt sich auch nur bedingt beeinflussen. Trotzdem ist es wichtig, dass ältere Generationen den Jüngeren ihr Wissen übermitteln können. Im Bereich der Heimatgeschichte gibt es in Celle aber nur nur wenige Anknüpfungspunkte. Es mangelt an Hinweisschildern, Verweisen auf Ansprechpartner und konkreten Ansprechpartnern auf Seiten der Stadt/des Landkreises. Weiterhin fehlt es in der Stadt selbst an Hinweisen auf die frühmittelalterliche Geschichte - während andere Epochen, etwa die Entwicklung Celles im Barrock, hervorgehoben werden. 

Im CZ-Bericht vom 20.07.2015 wird das Scheitern der Forschungen um Altencelle dem Land Niedersachsen zugeschrieben. Liegt es alleine an der Bewilligung von Geldern? Nein - sicherlich nicht. Vielmehr müssten lokale Strukturen geschaffen werden, um die regionale Forschung voranzutreiben. 


Welche Perspektive gibt es? 

Auf dem jetzigen Stand verliert Celle seine eigene Geschichte. Diese zu vermitteln bedarf es neuer Konzepte. Traditionell erfolgt die Heimatforschung durch Privatpersonen - keinem ist geholfen, wenn Seitens der Stadt eine Geschichtspolitik betrieben wird, die kostenintensiv ist und in der private Heimatforscher kaum eine Rolle spielen. 

Die weitere Erforschung des historischen Altencelles ist notwendig. 

Im Dialog mit dem Celler Oberbürgermeister und Vertretern des Denkmalschutzes muss ein Konzept ausgearbeitet werden wie es in Altencelle weitergeht.  

Es muss endlich Klartext gesprochen werden und notwendige Umstrukturierungen erfolgen. So sollte die Stadt Celle um Stellen im Bereich der Archäologie bereichert werden. Weiterhin müsste ein offener Dialog zwischen Denkmalbehörde, Heimatforschern und Archäologen erfolgen. Dazu sollten entsprechende Termine und Treffen angesetzt werden. 

Es kommt nun darauf an das Eingesetzte nicht zu verspielen und die historischen Forschungen in Altencelle weiterzuführen! 


Hendrik Altmann

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Weitere Beiträge zum Thema: 




Freitag, 10. Juli 2015

LGLN stellt historische Karten zum Download bereit



Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) stellt seit Kurzem eine Vielzahl historischer Karten als kostenlose Downloadversionen zur Verfügung. 

Insgesamt wurden acht historische Kartenwerke mit rund 900 Blättern digitalisiert. Sie können als Vorschau geladen werden und auch heruntergeladen werden. Allerdings ist die Auflösung der einzelnen Karten begrenzt. Kleinste Details sind somit nicht sichtbar. 

Bild: Download-Hinweis des LGLN. Quelle: LGLN (Klick)


Ich habe den Test gemacht - die Karten sind trotz der verringerten Auflösung noch immer gut verwendbar. Wer die Karten für Zwecke der Heimatforschung nutzen möchte, kann mit den freien Download-Karten bereits gut arbeiten. Zumal sie bereits digital vorliegen, eignen sie sich gut zur Verwendung in Google Earth. Ansonsten bleibt immer noch die Option die Karten käuflich als Digitalisat oder Ausdruck zu erwerben. 

Die Download-Funktion ist leider nicht auf den ersten Blick sichtbar. Daher ist in den nachfolgenden Schritten kurz erklärt, wie man zur gewünschten Karte kommt: 

1. Historisches Kartenwerk auswählen über folgenden Link: Historische Kartenwerke

2. In der Blattübersicht das gewünschte Kartenblatt auswählen 

3. Kartenblatt anklicken (Auswahl wird rot angezeigt)

4. Unten auf "In den Warenkorb legen" klicken

5. Auf die Schaltfläche "Zum Download" klicken

6. Auf die Schaltfläche "Download in reduzierter Auflösung" klicken

7. Karte per Rechtsklick ("Datei speichern unter") herunterladen. 





Mittwoch, 8. Juli 2015

Neue "Aushängeschilder"

Erklärtes Ziel dieses Blogs ist es seit seiner Entstehung Heimatgeschichte greifbar zu machen. Und genau da liegt eine Schwäche des Mediums "Internet". Zwar erreicht man mit einem Blog Menschen, die auf Facebook vernetzt sind, oder bei Google die passenden Suchbegriffe eingeben - man verfehlt jedoch Interessierte, die diese Medien nicht nutzen. 

Bei "Found Places" geht es um Orte. Diese Orte sind nicht nur im Internet zu finden - sie sind real. Man kann sie aufsuchen, anschauen und reinbeißen - wobei Letzteres nur bei Lebkuchenhäusern zu empfehlen wäre. 

Die Idee war es Geschichte greifbar zu machen. Wie ließe sich dies besser umsetzen, als mit spannenden Hinweisen in der Nähe der "Found Places" selbst? 

Demnächst werden also sechs neue Hinweistafeln an Orten aufgehängt, die auf den Blog verweisen. Radfahrer, Wanderer und andere Interessierte können auf diese Weise recht schnell an spannende und noch kaum bekannte Informationen über Heimatgeschichte im Landkreis Celle gelangen. 

Passend zu ihrer Funktion wurden die Hinweistafeln auf den Namen "Aushängeschilder" getauft. 

Bild: Aushängeschilder. Quelle: Hendrik Altmann. 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die falschen Funktürme bei Eicklingen



Auf der Höhe des Zweiten Weltkriegs nutzen die Alliierten alle verfügbaren Mittel, um das Dritte Reich in die Knie zu zwingen. Die Briten hatten durch die Zerstörung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde bewiesen, wie wirkungsvoll die Luftaufklärung eingesetzt werden konnte. So wurden spezielle Maschinen mit Kameras ausgerüstet und überflogen fast jeden Winkel Deutschlands. Amerikaner und Briten fotografierten auf diese Weise etliche Einrichtungen der Wehrmacht, rüstungswichtige Betriebe, Städte, Straßen und alles sonst, was für anschließende Bombardierungen relevant sein konnte. Die Briten schufen eine spezielle Einheit, welche sich ausschließlich mit der Auswertung dieser Luftbilder befasste. 

Den Bodentruppen kamen diese Erkenntnisse später zugute. Die Im Raum Celle aufgenommenen Bilder stammen unter anderem vom 9. April - also wurden sie nur zwei bis drei Tage vor dem Einmarsch aufgenommen. 

Die Erkenntnisse, welche aus den Luftbildern gewonnen werden konnten, wurden in topografische Karten übernommen. So verfügten die Briten über deutsche topografische Karten, welche auf den Messtischblättern der Jahre 1933-1937 beruhten. Diese Karten im Massstab 1:25.000 wurden nun um Objekte ergänzt, welche auf den Luftbildern identifiziert worden waren. 

So zeigt das entsprechende Kartenblatt Bröckel eine ungewöhnliche Ansammlung von eingezeichneten Objekten westlich von Eicklingen. 

Bild: Objekte östlich von Eicklingen. Quelle: War Office Map 1945. 


Die Objekte sind als schwarze Punkte mit einem nach oben gerichteten Blitz eingezeichnet. In der Legende sind sie als "W/T Station - Tower over 200 feet" (Funkstation) verzeichnet. 

Bild: Kartenlegende: Funkstation. Quelle: War Office Map 1945. 


In den deutschen Kartenwerken waren derartige Funktürme und Funkstellen ähnlich verzeichnet. So ist in der Kartenfibel aus dem Jahr 1941 eine identische Symbolik enthalten.  

Bild: Funktürme in den deutschen Karten Quelle: Kartenfibel 1941, D. Luft. 


Aber hat es derartige Funkmasten bzw. Funkstationen je bei Eicklingen gegeben? Zunächst sei nochmals auf die Lage der angeblichen Funktürme hingewiesen. Durch Einbindung der britischen Karte in ein aktuelles Satellitenbild lässt sich feststellen, dass die vermeintlichen Funktürme südlich der heutigen Siedlung Schepelse und östlich von Eicklingen verzeichnet sind. Die Siedlung Schepelse gab es einst noch nicht. 

Bild: mutmaßliche Funktürme östlich von Eicklingen. Quelle: War Office map 1945 / Google Earth. 


Tatsächlich ist der alliierten Luftaufklärung wohl ein kleines Missgeschick unterlaufen. In Eicklingen gab es nie eine derartige Funkstation oder entsprechende Funktürme. Vielmehr haben die Alliierten die Bohrtürme des Eicklinger und Sandlinger Erdölfeldes mit Funkmasten verwechselt. 

Im Raum der heutigen Samtgemeinde gab es verschiedene Erdölbohrungen. In einem anderen Beitrag wurden bereits solche Bohrungen behandelt, die sich auf dem Gebiet der Gemeinde Wienhausen befunden haben (siehe: Erdölbohrungen Wienhausen). Im Feld Eicklingen wurden etwa 45 Bohrungen abgeteuft, von denen rund 35% fündig wurden. 

Die erste fand im Jahr 1935 statt und wurde von der Haniel&Lueg gebohrt und wies eine Tiefe von 750m auf. Noch lange über das Kriegsende hinaus wurde das Ölfeld Eicklingen betrieben. Die ertragreichste Bohrung war das Loch Nummer 12, welches eine Gesamtmenge von ca. 150.000L Öl zutage brachte. 

Noch im Jahr 1986 wurden im Eicklinger Feld etwa 2.500 Tonnen Erdöl gefördert. Zum Ende der 80er Jahre waren die meisten Bohrlöcher aber bereits verfüllt, da sie im Vergleich zu anderen Bohrungen zu wenig ertragreich waren. 

Eine Karte des Landesamtes für Bergbau zeigt die Standorte der einstigen Bohrungen an. 

Bild: Erdölbohrungen östlich von Eicklingen. Quelle: LBEG, Bibis Kartenserver. 


Vergleicht man die Standorte der Bohrtürme mit denen der mutmaßlichen Funktürme, wird schnell klar, dass es hier zu einer Verwechslung gekommen sein muss. Eine mögliche Erklärung für diesen Fehler der alliierten Luftaufklärung wäre die schlechte Qualität der Luftbilder. 

Noch heute sind die einstigen Bohrstellen auf Satellitenbildern als Bodenverfärbungen erkennbar. 

Bild: Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Google Earth. 


Vom Boden aus ist jedoch nichts mehr von den Bohrstellen zu sehen. Dort wo einst mehrere hundert Tonnen Erdöl aus der Tiefe gepumpt wurden, befinden sich heute landwirtschaftliche Nutzflächen. 

Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Hier standen einst mehrere Bohrtürme. Im Hintergrund ist der östliche Ortseingang von Eicklingen zu sehen. 


Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Herausragende militärische Bedeutung wurde den "Funkanlagen" scheinbar ohnehin nicht zugeschrieben. Zumindest wurden sie nach bisherigem Kenntnisstand nicht zum Ziel einem gezielten Bombardements. 

Bereits in den nachfolgenden Ausgaben der britischen Karte im Maßstab 1:25.000 waren die angeblichen Funkanlagen verschwunden. 


Hendrik Altmann