f Ein vergessener Weg zwischen Beedenbostel und Luttern ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 16. April 2014

Ein vergessener Weg zwischen Beedenbostel und Luttern

Die meisten Felder sind heute im Vergleich zu Früher riesig. Wenn man durch die Landschaft fährt, reihen sich große Ackerflächen aneinander. Das war natürlich nicht immer so. Anders als heute gab es noch vor 100 Jahren keine großen Maschinen, die eine einheitliche Feldbearbeitung ermöglicht hätten. 

Eine erhebliche Veränderung der Landschaft brachte der Prozess der Verkoppelung mit sich. Im Grunde war dies eine Flurbereinigung - Feldflächen wurden zusammen gelegt und es entstanden erstmals große Feldflächen. Der Prozess der Verkoppelung vollzog sich bereits gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber auch in den Jahren danach veränderte sich unsere Umgebung stärker, als jemals zuvor. Wälder wurden neu angepflanzt, andere wurden abgeholzt für neue Ackerflächen und Weiden. 

Nicht selten mussten alte Strukturen für neue Entwicklungen in der Kulturlandschaft weichen. Wenn man sich mit dem Thema Heimatgeschichte beschäftigt, kann man teilweise aus Bildern lesen, wie aus einem Buch. Bodenstrukturen geben jede Menge Aufschluss darüber, welche Geschichte sich vor Ort verbirgt. 

Ein anschauliches Beispiel dafür findet sich zwischen den Ortschaften Beedenbostel und Luttern. Heute fährt man auf der ausgebauten Kreisstraße, aber noch vor 200 Jahren war der Wegverlauf völlig anders. Das Spannende: man erkennt den alten Weg noch heute auf Satellitenbildern. 

Bild: Rot: heutige Kreisstraße. Blau: Alter Wegverlauf. 
Quelle: Kurhannnoversche Landesaufnahme 1780. 


Auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme folgt der Weg zwischen Beedenbostel und Luttern den Flusslauf der Lutter. Noch auf dem Preußischen Messtischblatt von 1899 ist ein deutlicher, wenn auch begradigter Wegverlauf in dieser Richtung eingezeichnet. 

Bild: Kartenoverlay des Messtischblatts von 1899. Grader Wegverlauf. 
Quelle: Google Earth, Messtichblatt 1899. 


Aus dem direkten Vergleich wird deutlich, dass der Weg früher nicht in Richtung der heutigen Kreisstraße abknickte, sondern weiter gradeaus verlief. Das "Ansatzstück" existiert auch noch - in der rechten oberen Bildhälfte ist der ursprüngliche Wegverlauf sichtbar. Auf aktuellen Satellitenbildern erkennt man auch noch die Spuren des Weges im Boden. 

Bild: aktuelles Satellitenbild (2009) - rote Pfeile markieren den einstigen Wegverlauf. 
Quelle: Google Earth. 


Bild: aktuelles Satellitenbild (2014) - rote Pfeile markieren den einstigen Wegverlauf. 
Quelle: Google Earth. 


Das geübte Auge erkennt auch vor Ort, in der Bodenansicht, dass der Weg hinter Beedenbostel ungewöhnlich scharf abknickt. 

Bild: Rot markiert - ursprünglicher Wegverlauf. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: "Ansatzstück" des noch existierenden Wegverlaufs mit Blick in Richtung Luttern. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Rot markiert - ursprünglicher Wegverlauf. Blick in Richtung Beedenbostel. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Heute kann man keine Spuren des alten Weges mehr finden - außer auf den gezeigten Satellitenbildern. Und doch hat dieser Weg früher sicher eine Bedeutung gehabt. Natürlich ist er mittlerweile überflüssig geworden, untergepflügt und weitgehend vergessen. Heute fährt man auf der abseits gelegenen Kreisstraße zwischen den Ortschaften Beedenbostel und Luttern und man macht sich keine Gedanken darüber, dass der Weg einen noch vor 150 Jahren woanders entlang geführt hätte...


Viele Grüße, 
Hendrik


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