f Der graue Page - ein vergessener Grenzstein aus alter Zeit? ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Sonntag, 19. Januar 2014

Der graue Page - ein vergessener Grenzstein aus alter Zeit?


Die Geschichte...


In einer 1841 erschienen Ausgabe der "heidnischen Denkmäler" des damaligen Königreiches Hannover findet sich ein Eintrag aus der alten Amtsvogtei Beedenbostel. Darin ist von einer sagenumwobenen "besonderen Antiquität" die Rede, welche sich einst auf der nördlichen Grenze der Vogtei befunden haben soll. 

Es handelte sich, der Beschreibung nach, um einen großen Granitfelsen - auch als "der graue Page" oder weißer Stein bezeichnet (auch "Grise Page"). Es war ein einzelner, auf der Grenze der einstigen Amtsvogtei Hermannsburg, der Amtsvogtei Bodenteich und der Amtsvogtei Beedenbostel ruhender Fels. Laut Beschreibung lag er einst (1841) nördlich des Lüßwaldes, an der Straße Richtung Lüneburg. 

Der beachtlich große Stein war zwar unbearbeitet, hatte aber die natürliche Form eines Tieres (Pfoten erkennbar - angeblich ein Löwe). Der Felsbrocken sei so gewaltig und schwer, dass es unmöglich ist, ihn leicht zu bewegen, so der Bericht. Er muss wohl aus der letzten Eiszeit stammen. 

Der Autor der Denkmalsbeschreibung, Johann Karl Wächter, legt nahe, dass es sich um einen sehr alten Platz handeln muss, zumal der Stein wohl älter ist, als die menschliche Grenzziehung in der Gegend. Auch die Tatsache, dass der Stein eine eigene Benennung hatte, zeugt für Wächter dafür, dass der Graue Page ein alter Ort sein muss. 



Die Hintergründe...


Einst trafen sich etwa beim heutigen Breitenhees wirklich alte Grenzen. Es handelte sich um alte Gaue, Grafschaftsgrenzen - alte Verwaltungsbezirke. Diese Grenzen stammten aus ältester Zeit. Selbst namenhafte Heimatforscher können nicht genau datieren, wie alt diese einstigen Gaue wirklich sind. Cassel schrieb die Gaue habe es bereits um 803 n. Chr. gegeben. In dieser Zeit bekehrte der Frankenkaiser Karl der Große das Sachsenvolk mit dem Schwert. Die Sachsenkriege gingen als blutiges Kapitel in die Geschichte ein. 

Mit Karl dem Großen gelangte das Christentum in die bislang heidnische Gegend. Zwar verloren die alten Grenzen (Gaugrenzen) damit ihren bislang völkertrennenden Einfluss, aber sie blieben weiterhin bestehen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: es handelte sich um uralte Grenzen, die seit vielen Generationen geachtet und respektiert wurden. Es liegt also nahe, dass sie später als Verwaltungsgrenzen erhalten blieben. 


Bild: Gaugrenzen im Norden Celles. 
Quelle: G. Schnath, Geschichtlicher Handatlas Nds., Berlin 1939. 


Wie sich aus alten Gau-Beschreibungen ergibt, folgten diese Grenzen meist natürlichen markanten Punkten in der Landschaft. So bildeten Flüsse und Orte recht einfache Grenzen. Ein Fels, welcher sich nicht bewegen ließe wäre auch ein geeigneter Grenzpunkt gewesen. 

Bis weit in die Neuzeit existierten diese Grenzverläufe und wurden erst in den letzten 350 Jahren entscheidend verändert bzw. aufgehoben. 


Bild: Grenzen um 1701. 
Quelle: Ducatus Lunenburgensis. 


Sogar, als Wächter 1841 über den Grauen Pagen als möglichen Grenzstein berichtete, existierten noch immer die einstigen Gaugrenzen. Sie bildeten die Grundlage für die späteren Ämter. Beispielsweise war das Amt Beedenbostel aus dem ehemaligen Gau Gretin (Gretingau) entstanden. 


Was hat es nun mit diesem Stein auf sich? 


Diese Frage kann heute nicht mehr mit Sicherheit beantwortet werden. Fest steht, dass die Gegend immer schon eine große Bedeutung in der Geschichte hatte. Der Landtagsplatz bei Hösseringen war einst der wichtigste Ort im gesamten Gebiet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass schon der Verlauf der alten Gaugrenzen für Versammlungen in diesem Gebiet förderlich war. 

Auch Wächter legt den Schluss nahe, dass der Graue Page ein solcher Grenz- und Treffpunkt gewesen sein kann. "Page" stammt für Wächter aus dem wendisch/slawischen Sprachraum und bedeutet "Pferd". Der Graue Page wäre demnach als graues Pferd zu interpretieren. Wenn der Stein wirklich die ungefähre Form eines Tieres hatte, ergibt dies durchaus Sinn. 

Auch Barenscheer deutet den Flurnamen Grauer / Grise Page als Hinweis auf ein Pferd. Große Steinblöcke sind für ihn ein Indiz für den Glauben der Menschen die einst lebten. Laut seiner Flurnamendeutung muss es sich beim Grauen / Grise Page um einen alten Findling handeln, welcher eine geschichtlich wichtige Bedeutung haben wird. 

Wo der Graue Page nun hin ist, ist ungewiss. Laut Barenscheer soll aus dem Grauen Page bzw. dem Felsen der gemeinhin nur als "weißer Stein" bezeichnet wurde, später das Beedenbosteler Bäckerhaus entstanden sein. 


Viele Grüße, 
Hendrik



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