f Das Klageweib in der Heide (Sage) ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 28. Januar 2014

Das Klageweib in der Heide (Sage)






Die Sage...


In der Lüneburger Heide lässt sich das Klageweib sehen. In besonders einsamen Gegenden trifft man diese Erscheinung an. In stürmischen Nächten beim Mondschein wankt sie riesengroß, mit todbleichem Gesichte und schwarzen Augenhöhlen alleine über die Heide. 

Ihr Leichengewand flattert im Winde. Sie streckt ihre Arme über das einsame Bauernhaus, ein grauenvolles Wimmern in die Nacht heulend. Unter dem Dache, über welches das Klageweg sich hat gestreckt, muss noch im Laufe des Monats einer der Hausgenossen sterben. 

Einst herrschten in einer Familie Seuchen und Krankheiten unter Menschen und Vieh, selbst der alte Bauer lag schwach und elend im Bette. In einer schlaflosen Nacht hörte er es draußen klagen und heulen. Er raffte sich auf, um nachzusehen, was das bedeute. Da kam er mit dem Licht dem Strohdache zu nahe, und sein Besitztum wurde eingeäschert. Über die Heidehöhen zog das Klageweib von dannen. 

Als der Bauer seinen Hof wieder aufbauen wollte, gab eine kluge Frau ihm den Rat, seinen Lieblingshund zu töten und in eine Wand des Hauses einmauern zu lassen. Den Rat befolgte er, und seitdem getraute sich das Klageweib nicht mehr auf seinen Besitz. 






Hintergründe…


Diese Geschichte scheint so fremd und gruselig, dass man sie nicht glauben möchte. Doch ist es die einzige sage, die vom Klageweg berichtet. Die Sage ist nur mündlich überliefert worden. Es fehlen daher leider Ortsangaben und auch die Zeit ihrer Entstehung ist unbekannt. Möglicherweise handelt es sich um eine schon sehr alte Geschichte. 

Was hat es mit dem Einmauern auf sich? 

Geschichten vom "Einmauern" findet man überall im Norden. Eine bekannte Sage aus der Celler Gegend berichtet sogar von einem eingemauertem Kind in Altencelle (Klick). Die Geschichte ist unmittelbar mit der fürchterlichen Brandkatastrophe verbunden, die fast ganz Altencelle zerstörte. 

Auch auf den Bauernhöfen war das Einmauern eine gängige Tradition. So wurden Hühner, Hähne und auch Hunde unter tragenden Wänden eingemauert. Diese Sitte hielt sich ziemlich lange. man nahm an, dass böse Geister und schlechte Einflüsse von einem Gebäude und seinen Bewohnern fernblieben, wenn etwas Lebendiges in die Mauern gebracht wurde. 

Ich weiß, dass auch auf unserem Hof davon berichtet wurde, dass beim Haus- und Stallbau "etwas Lebendiges" mit eingemauert werden musste. Meine Urgroßmutter erzählte beispielsweise, dass beim Bau unseres Schweinestalls extra jemand kam um etwas Lebendiges einzumauern. Was es war? Keiner weiß es. 

Vielleicht hatte man Angst vor dem Klageweib. Aber diese Erscheinung wurde schon seit langer zeit nicht mehr gesehen...



Viele Grüße, 
Hendrik



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