f Das Franzosengrab bei Lachendorf / Gockenholz ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Sonntag, 26. Januar 2014

Das Franzosengrab bei Lachendorf / Gockenholz


Bild: Baumgruppe in mitten eines Feldes am Heideeck bei Lachendorf - ein altes Grab?
Quelle: eigenes Bild. 



Das Franzosengrab


Folgt man der Landstraße 282 von Celle über Lachtehausen in Richtung Beedenbostel / Lachendorf, durchquert man zunächst das ausgedehnte Waldstück "die Sprache". Hinter dem Wald gelangt man zum Kreisel von Gockenholz, am so genannten Heideeck. Den Namen trägt diese alte Kreuzung übrigens von den einstigen Heideflächen, die nach dem Verkopplungsprozeß im 19. Jahrhundert in Ackerland umgewandelt wurden. 

Noch vor dem Bahnübergang der Osthannoverschen Eisenbahn, etwa 300m vor dem Kreisel, liegt zur Linken eine auffällige kleine Baumgruppe inmitten eines Feldes. Ortskundige kennen diesen Ort: er trägt im Volksmund die Bezeichnung "Franzosengrab". 

Was hat es mit dem Franzosengrab auf sich? Aus welcher Epoche mag es stammen und woher bekam es seinen Namen? 


Bild: Franzosengrab (rot eingekreist) am Heideeck bei Lachendorf. 
Quelle: Google Earth. 


Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem Grab um ein Relikt des Siebenjährigen Krieges handeln könnte, zumal im Dezember 1757 bei Celle die französischen und preußischen Truppen aufeinander trafen. Zur Schlacht war es damals nicht gekommen, da sich keine der beiden Parteien über die Aller wagte. Erst nachdem Celle mehrere Tage belagert worden war und die Franzosen immer neue Truppen herangeführt hatten, kam es am 25.12.1757 zum entscheidenden Übergang der Franzosen über die Aller. Die Truppen überschritten den Fluss an mehreren, strategisch wichtigen Punkten und wollten die preußischen Truppen im Nordosten der Stadt einkesseln. Diese hatten sich jedoch bereits zurückgezogen, da es zuvor Versorgungsengpässe gegeben hatte. Die Franzosen hatten mit diesem Schritt anscheinend nicht gerechnet und mussten die Verfolgung schließlich abbrechen, zumal der Winter im Jahr 1757 äußerst streng gewesen sein soll. 

(Weitere Informationen zum Siebenjährigen Krieg bei Celle finden sich im entsprechenden Beitrag: hier. Dabei: Lageentwicklungen, Lagekarten etc.)

Aber stammt das Grab überhaupt aus dieser Zeit? 



Bild: Römerweg in Richtung Lachendorf. 
Quelle: eigenes Bild. 


Bild: Eiche auf dem Franzosengrab. 
Quelle: eigenes Bild. 


Bild: Franzosengrab. 
Quelle: eigenes Bild. 




Karten


Anhand von Karten lässt sich das Franzosengrab bis in das Jahr 1780 zurückverfolgen. Es wurde konsequent auf den Folgekarten verzeichnet. Das ist ein Anzeichen dafür, dass dieser Ort tatsächlich mindestens seit 1780 so erhalten ist, wie heute. Ansonsten hätte ein Bauer ja auch einfach die Stelle umpflügen können. Die Karten belegen, dass dies nicht geschehen ist. 


Bild: Franzosengrab in der Kurhannoverschen Landesaufnahme. 
Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme von 1780. 


Bild: Franzosengrab im Papen-Atlas. 
Quelle: Papen-Atlas 1832. 



Bild: Franzosengrab im preußischen Messtischblatt. 
Quelle: Preußisches Messtischblatt 1901. 



Bild: Franzosengrab in alliierter Kriegskarte. 
Quelle: Karte War Office 1945. 


Offensichtlich stand bereits 1780 ein Baum auf dem Franzosengrab. Dieser ist auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme ganz klein eingezeichnet. Obgleich die Karte in vielen Bereichen längst nicht so genau ist, wie heutige Karten, waren solche herausstechenden Geländemarken immer schon wichtig in der frühen Kartografie. Es ist also davon auszugehen, dass die Karte an dieser Stelle die Wahrheit sagt. 



Hintergründe

Bereits eingangs wurde die These aufgeworfen das Franzosengrab könnte aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges stammen. Georg Breling beschreibt die Situation des Abzuges der Preußen in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1757 in seinem Beitrag zum Siebenjährigen Krieg im Heimatbuch "der Speicher". 

Demnach war beim eiligen Abzug der Offizier v. Wettern vergessen worden. Er stand mit einer 40 Mann starken Truppe auf der linken Flanke (links aus der Sicht der Preußen). Von Wettern stand also östlich von Celle. Sicherlich sollte die Einheit die Flanke schützen, zumal die Preußen damit rechnen mussten, das die Franzosen im Süden irgendwann die strategischen Allerübergänge nutzen würden. 

Breling schreibt weiterhin, dass es von Wettern durch seine entschlossene Haltung gelang den Franzosen zu entgehen. Das Franzosengrab könnte also mit diesem Ereignis in Verbindung stehen, da die Franzosen bei Wienhausen und Schwachhausen die Aller überschritten und in Richtung Norden vorstießen. Irgendwo in der linken Flanke trafen sie auf von Wetterns Einheit, die nicht mit einem Angriff rechnete, da sie keinerlei Verbindung zu den sich bereits im Rückzug befindlichen Preußen haben konnte. 




Bild: Preußische Einheit bei Lachendorf - waren es von Wetternd 40 Mann?
Quelle: Karte der Stellungen der Franzosen am 24. Dezember 1757.


Es wird angenommen, dass im Franzosengrab am Heideeck französische Offiziere und Mannschaften ruhen sollen. Archäologische Untersuchungen hierzu sind noch nicht erfolgt. 



Viele Grüße, 

Hendrik






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