f Die Schwedenschanze bei Rebberlah ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 5. August 2013

Die Schwedenschanze bei Rebberlah



Einleitung


Nördlich von Celle, zwischen Scheuen und dem kleinen Ort Rebberlah bei Eschede, erstrecken sich die weiten Ausläufer des Lüßwaldes. Südlich von Rebberlah beginnen einige Wander-, Rad- und Reitwege die sich teilweise bis Hermannsburg ziehen. Heute gehört diese Region zum Naturpark Südheide und stellt eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Norddeutschlands dar.

Auf den Wegschildern in Rebberlah werden unter anderem Wandertouren vorgeschlagen, die an der so genannten "Schwedenschanze" vorbeiführen sollen. Nachzulesen ist die Tour übrigens hier: Wander-Tour.

Was hat es mit dieser "Schwedenschanze" auf sich?

In der vorgeschlagenen Wandertour wird dieser Ort mit dem Punkt Nr. 10 angegeben und als "eine alte Befestigungsanlage" erklärt. Nun ja - erklärt ist eigentlich zu viel gesagt. Im Grunde bleibt es dem Wanderer überlassen sich den ganzen Weg über zu fragen worum es sich dabei wohl handeln könnte.

Warum Schanze? Gut, eine Schanze lässt sich noch gerade eben so mit Militär in Verbindung bringen, auch wenn Jüngere damit sicher eher einen beliebten Hamburger Stadtteil assoziieren.

Warum Schweden? Nun, die Haftanstalt Salinenmoor ist nicht weit weg. Aber sollte das ein Hinweis aus "schwedische Gardinen" sein...? Und was tut so eine Befestigungsanlage mitten im Nirgendwo im Wald?

Einen Überblick, mögliche Erklärungsansätze und viele Bilder, die zeigen was es dort wirklich heute noch zu sehen gibt sollen im nachstehenden Beitrag folgen.



Karten


Wenn man das Messtichblatt der preußischen Landesaufnahme (1899/1901) betrachtet, ist die Schwedenschanze deutlich verzeichnet.


Bild: Schwedenschanze.
Quelle: preußisches Messtichblatt 1901.


Man erkennt, dass die Schanze durch einen leicht geknickten, von Süd-Westen kommenden Weg geteilt wird. Der Weg verläuft Richtung Nordosten - in Richtung Rebberlah. Die Wälle sind für die Gegend untypisch. Es finden sich dort keine sonstigen natürlichen Erscheinungen solcher gradlinig verlaufenden Wälle.

Es spricht einiges dafür, dass es den Weg bei der Errichtung dieser Anlage schon gab. Zwar teilt der Weg scheinbar die Anlage, aber bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es sich um zwei separate Anlagen handelt. die südliche ist leicht vorgelagert und deutlich von der nördlichen abgetrennt.



Bild: Satellitenbild Schwedenschanze.
Quelle: Google Earth.


Auf dem aktuellen Satellitenbild kann man die Anlage quasi überhaupt nicht erkennen (beachte den geknickten Wegverlauf!).



Bild: Karte & Satellitenbild Schwedenschanze.
Quelle: preuß. Messtichblatt 1901 und Google Earth.


In Kombination mit dem preußischen Messtichblatt lässt sich die Lage der Schwedenschanze erahnen. Das hilf erheblich bei der Lokalisierung der Anlage.

Sehr interessant wird es aber erst, wenn man sich vor Ort umsieht und die gemachten Beobachtungen in die Karte einfließen lässt.



Bild: Ortsbegehung Schwedenschanze.
Quelle: Google Earth.


Mithilfe eines GPS-Tracks kann man den Verlauf der Anlagen sichtbar machen. Dazu habe ich ein GPS-Gerät eingeschaltet und bin dem im Gelände sichtbaren Verlauf der Anlage gefolgt. Die Messergebnisse habe ich dann in Google Earth importiert (Blau). Das ist keineswegs die vollständige Anlage - es sind die Strukturen, die mir im Gelände ins Auge fielen. Diesen konnte ich dann folgen.



Bild: Schwedenschanze - Messergebnisse.
Quelle: preuß. Messtichblatt 1901 und Google Earth.


Nun kann man in Google Earth auch das Messtichblatt der preußischen Landesaufnahme (1901) als Layer zuschalten. Die Ergebnisse sind verblüffend. Genau an Strecke, an der ich entlanggelaufen bin, ist in der Karte die Wallgrenze der Schwedenschanze eingezeichnet.

Somit ist bewiesen, dass die Karte stimmt, denn an der bezeichneten Stelle befindet sich tatsächlich ein Wall.


Sichtbares


In der Wegbeschreibung des Naturpark Südheide Wanderweges ist der Punkt Nr. 10 klar als Schwedenschanze vermerkt. Das Problem ist nur: so klar ist der Punkt in Wirklichkeit nicht auffindbar.

Möglicherweise läuft ein ahnungsloser Wanderer einfach über die Schwedenschanze hinweg ohne es zu merken. Das hat man wohl auch seitens des Naturparks erkannt und einfach einen kleinen Pfahl mit dem Punkt Nr. 10 in den Boden gerammt. Schön...

Schöner wäre es doch aber für den Wanderer, wenn er nicht nur den "Punkt Nr. 10" finden würde, sondern vielleicht auch das sehen könnte was dahintersteht. Er ist wohl kaum 5 km durch den Wald gelaufen, um nun ein Plastikschild mit der Nr. 10 zu sehen, oder?


Was ich vorfand...

Ich habe möglicherweise mittlerweile etwas Übung im Auffinden von versteckten Orten, aber dieser macht es auch mir nicht leicht. Zuerst dachte ich, dass es dort tatsächlich gar nichts mehr von der mutmaßlichen Schwedenschanze zu sehen gäbe. Leider ist der Wald an dieser Stelle zu 100% aufgeforstet worden. Die jungen Kiefern stehen dicht an dicht.



Bild: Im "Knick" in der Schwedenschanze. Blick in Richtung Rebberlah.
Quelle: eigenes Bild.


Vom Weg aus sieht man eigentlich nichts auffälliges. Weder Erdhügel, noch Gräben sind erkennbar.



Bild:  Im "Knick" in der Schwedenschanze. Blick in Richtung Scheuen.
Quelle: eigenes Bild.


Mit Mühe und Not erkennt man beim Blick in Richtung Scheuen, dass der Weg einen kleinen gleichmäßigen "Huckel" überquert. Es bedarf schon sehr viel Phantasie daraus eine alte Befestigungsanlage zu machen...

Aber dafür ist Found Places schließlich da. Wäre ja lächerlich, wenn man gleich wieder nach Hause marschiert, nur weil man vom Weg aus nichts sieht.

Also ab ins Unterholz. Das ist übrigens in den Monaten April bis Oktober keine wirkliche Freude. Es warten jede Menge Zecken, Blinde Fliegen, Mücken und undurchdringliche Sträucher. Aber auch das kann einen Heimatforscher nicht abhalten. Abseits des Weges wurde ich dann auch endlich fündig.



Bild: Schwedenschanze. Nördlicher Wall.
Quelle: eigenes Bild.


Als ich auf diesen Wall stieß, war mir klar, dass ich die Schwedenschanze gefunden hatte. Dem Verlauf folgend konnte ich weitere Bilder der Anlage machen und den oben erwähnten GPS-Track erstellen.




Bild: Schwedenschanze. Nördlicher Wall. 
Quelle: eigenes Bild. 





Bild: Schwedenschanze. Findling am nördlichen Wall. 
Quelle: eigenes Bild. 






Bild: Schwedenschanze. Westlicher Wall längsseits.
Quelle: eigenes Bild. 


Bild: Schwedenschanze. Westlicher Wall längsseits.
Quelle: eigenes Bild. 


Bild: Schwedenschanze. Westlicher Wall längsseits.
Quelle: eigenes Bild.



Bild: Schwedenschanze. Westlicher Wall längsseits.
Quelle: eigenes Bild.







Bild: Schwedenschanze. Westlicher Wall längsseits.
Quelle: eigenes Bild.



Zur anderen Seite des abgeknickten Weges (siehe oben) kann man ebenfalls noch Teile der Anlage erkennern...




Bild: Schwedenschanze. Südlicher Wall.
Quelle: eigenes Bild.





Bild: Schwedenschanze. Südlicher Wall.
Quelle: eigenes Bild.




 

Bild: Schwedenschanze. Südlicher Wall.
Quelle: eigenes Bild.


Es lassen sich somit im Gelände eindeutige Belege dafür finden, dass es dort einmal eine von Menschenhand errichtete Anlage gab. Die Form und die Lage der Anlage deuten darauf hin, dass es sich um eine Verteidigungsanlage gehandelt haben könnte. 

Es ist auszuschließen, dass es sich um eine ausschließlich zivile Anlage handelte. Wenn es sich um eine zivile Anlage handelte, dann müsste sie schon zu zivilen Verteidigungszwecken errichtet worden sein. 

Mögliche zivile Zwecke wäre ein Bienenzaun (Bienenkästen, die mit einem Erdall umgeben sind). Aufgrund der Walldicke und Größe der Anlage scheidet diese Erklärung aus. Zum anderen wäre ein Bienenzaun als solcher in der preußischen Landesaufnahme vermerkt gewesen. 

Eine weitere Erklärung wäre ein ziviles Viehgehege. Zu Kriegszeiten (z.B. oft im Dreißigjährigen Krieg) kam es vor, dass die Dorfbewohner ihr Vieh vor Überfällen in fernab gelegene Viehgatter brachten. Damit sollte verhindert werden, dass die Plünderer das Vieh an sich nahmen. Diese Erklärung scheidet aber ebenfalls aus, da die Anlage dafür einfach zu groß ist. 

Viel plausibler dagegen erscheint die Erklärung, dass es sich um ein Verteidigungsbauwerk handelte. Dafür spricht sowohl die Größe, als auch die Lage und die Ausrichtung der Anlage. In welcher Epoche die Anlage ursprünglich entstanden ist, kann man nur vermuten. 


Geschichtliches


Der Name "Schwedenschanze" legt nahe, dass es sich um ein Schanzbauwerk schwedischer Truppen gehandelt haben könnte. 

Eine Schanze ist im allgemeinen ein Verteidigungsbauwerk, welches sich durch Wallanlagen bzw. Grabenanlagen auszeichnet. Eine Schanze ist somit eine altertümliche Bezeichnung für eine provisorische bzw. vorübergehende Befestigungsanlage. 

Die Schweden standen im Dreißigjährigen Krieg auf protestantischer Seite gegen die Katholische Liga mit den Kaiserlichen Truppen unter Tilly und später Wallenstein. 

Celle wurde zwar nicht selber Kriegsschauplatz, hatte aber unter Einquartierungen und hohen Repressalien in Form von Abgaben und Zahlungen an die Krieg führenden Mächte zu leiden. Es soll an dieser Stelle aber nicht auf das Kriegsgeschehen selbst eingegangen werden. Vielmehr soll die Frage nach den schwedischen Truppen nach welchen die besagte Anlage benannt sein könnte verfolgt werden. 

Im Jahr 1635 sollen ca. 20.000 schwedische Soldaten im Celler Land gelagert haben. Sie versorgten sich vornehmlich mit dem was sie von der Zivilbevölkerung bekommen konnten. Was sie nicht bekommen konnten nahmen sie sich einfach. So wird berichtet, dass Bauern aus Wohlde und Wietzendorf ihre gestohlenen Pferde zurückkaufen mussten. Die Landbevölkerung hatte unter der Quasi-Belagerung aufs Ärgste zu leiden. Zum Einen mussten hohe Abgaben entrichtet werden. Zum anderen nahmen sich die schwedischen Soldaten, was sie an Lebensmitteln und sonstigen Dingen gebrauchen konnten. 

Zahlreiche Dörfer blieben im Rückstand mit den Leistungen, da sie nicht in der Lage waren die Forderungen zu erfüllen. 

Im November 1641 kam der schwedische General Torstensson und lagerte unter anderem bei Winsen. Am 2. Januar 1642 brach Torstensson mit seiner Armee von Bergen in Richtung Hermannsburg auf und richtete dort sein vorübergehendes Hauptquartier ein. Von Hermannsburg aus zog er weiter in Richtung Wittingen und Knesebeck. Es sind etliche Beispiele für den rüden Umgang seitens der schwedischen Soldaten mit der Zivilbevölkerung überliefert. Sie nahmen Bauern das Vieh und auch sonst alles Hab und Gut. Zurück blieben oft mittellose Familien, die weder Haus noch Hof halten konnten. Auch kam es vor, dass die Schweden das Vieh mitnahmen und erst gegen ein enormes Lösegeld wieder herausgaben. 

Mit den schwedischen Soldaden kamen auch Räuber, Deserteure, Landstreicher und alles andere Gesinde, welches den ortsansässigen Bauern das Laben schwer mache. Schließlich kam fast alles Leben zum Erliegen. Die Straßen waren nicht mehr sicher, die Pest wütete, die hohen Forderungen der Obrigkeit konnten nicht beglichen werden. In dieser Situation starben ganze Landstriche aus. Den Dörfern wurden zudem viele junge kräftige Leute entzogen, da Kriegswerber umher zogen um immer neue Heere zusammenzutragen. 

Im Norden des Celler Kreises kam es zu einer Wolfsplage. Sicherlich nicht zuletzt in dieser liegt einer der Ursprünge für das Werk "der Werwolf" von Hermann Löns. 



Fazit


Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich bei der so genannten "Schwedenschanze" tatsächlich um eine Verteidigungsanlage der schwedischen Truppen im Dreißigjährigen Krieg handeln könnte. 

Zumal sich schwedische Truppen nachweislich in der besagten Gegend aufhielten, spricht einiges für diese Theorie. In welcher Situation und zu welchem Zweck die Schanze errichtet wurde, kann nur gemutmaßt werden. Die Schweden hielten sich recht lange im Celleschen auf - es ist davon auszugehen, dass Vorkehrungen getroffen wurden, um strategisch wichtige Straßenverbindungen zu sichern. Da die Orte Bergen und Hermansburg wichtige Orte für die Schweden waren, könnte man schlussfolgern, dass man diese durch bestimmte Verteidigungsanlagen an den Flanken schützen wollte. 

Interessant ist, dass sich ausgerechnet der Name Schwedenschanze erhalten hat. Weit und breit gibt es keine Siedlung in der Nähe. Bei all den damaligen Kriegswirren ist es doch sehr verwunderlich, dass ausgerechnet den Schweden diese Anlage zugeschrieben wird. Wie weiter oben bereits ausgeführt, hatte die Zivilbevölkerung größte Not zu leiden. Es besteht außerdem der gute Grund zu der Annahme, dass sich niemand von seinem Hof/Dorf entfernt hat. Wenn nun also mitten im nirgendwo solch eine Anlage entstanden ist, dann hätte es der gewöhnliche Bauer sicherlich gar nicht mitbekommen. 

Andererseits das auch ein guter Beweis für die Wirksamkeit mündlicher Überlieferungen sein. 


Insgesamt frage ich mich, wer die schlaue Idee hatte die Schwedenschanze in die Wandertour aufzunehmen. Mal ehrlich - wen soll das vom Hocker reißen?! 

Ältere Herrschaften werden sich zum größten Teil damit abgefunden haben das Geschichte eben etwas langweilig ist und häufig wenig anschaulich. Jüngere Herrschaften werden völlig verdutzt dastehen und ihren Eltern ein Loch nach dem anderen in den Bauch fragen wo dort jetzt wie welche Verteidigungsanlage von wem steht. Nun, da man dort schlichtweg nichts sehen kann, werden Eltern in so einer Situation wohl auf den Mangel ihrer eigenen Geschichtskenntnisse zurückgreifen müssen und sagen: "das wurde wohl abgerissen..." 

Es ist echt schade, dass interessante, geschichtsträchtige Orte so behandelt werden. Es wäre doch viel sinnvoller wenigstens darauf hinzuweisen, was es einmal gewesen sein könnte und eine kleine Karte zu zeigen. Aber nein. Stattdessen dürfen Forstmaschinen gnadenlos den Boden umfräsen bis am Ende nichts mehr von der Geschichte übrig ist. Schade eigentlich...

Da besteht sicherlich Verbesserungsbedarf! 



Viele Grüße & viel Spaß bei einem Ausflug zur Schwedenschanze, 

Hendrik. 














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