f Celle am 24. August 1942 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Samstag, 24. August 2013

Celle am 24. August 1942




Bild: CZ am 24. August 1942. 



24. August 1942


Vor 71 Jahren, mitten im Sommer 1942 tobte der Zweite Weltkrieg an allen Fronten. Etwa ein halbes Jahr zuvor, am 7. Dezember 1941, war das Kaiserreich Japan in den internationalen Konflikt eingetreten. 

In Europa hatten die Alliierten Flächenbombardements und die Deportationen in die KZ eingesetzt. So verließ am 24. August 1942 Deportationszug Nr. 23 Frankreich in Richtung Deutschland. 

Im Osten tobte der Krieg gegen Russland. Die anfänglichen großen Landgewinne aus den Blitzkriegen konnten zwar nicht mehr erzielt werden, dennoch ging es im Sommer 1942 noch immer voran. Erst Ende 1942 / Anfang 1943 kamen die deutschen Truppen in der Winteroffensive Stalins zum Stehen, bzw. wurden empfindlich getroffen. 

Wie an jedem anderen Tag, so erschien auch am 24. August 1942 in Celle die Cellesche Zeitung und berichtete über das Weltgeschehen wie auch lokale Ereignisse. Einen kurzen Abriss davon wollen wir im Folgenden näher betrachten: 



*** Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden ***



Bild: "Vorwärts im Kaukasus"
Quelle: CZ am 24. August 1942. 


Am 28. Juni 1942 startete die deutsche Sommeroffensive. Die deutschen Verbände sollten dabei unter Anderem bis Grosny und Baku vorstoßen, um die dortigen Ölfelder zu besetzen. In einem kürzlich erschienen Beitrag wurde die Import-Abhängigkeit von ausländischem Öl bereits thematisiert (Erdölbohrungen bei Wienhausen). 

Was in der Theorie gut als strategisches Kriegsziel verkauft werden konnte, mussten in der Praxis viele tausend Soldaten fern ab der Heimat mit dem Leben bezahlen. Zwar gelangte das deutsche Reich durch diese Offensive zu seiner größten Ausdehnung, jedoch wurden die Frontabschnitte in vielen Bereichen löchrig und konnten kaum ausreichend überwacht werden. Zudem kam der Nachschub nicht hinterher und es entstanden erhebliche Versorgungsengpässe. 

Auch ein Mitglied meiner Familie ließ im Kaukasus sein Leben: mein Großonkel Heini (Krohne) aus Schwachhausen (Mehr dazu). 


Bild: "vergangene Woche an der Ostfront"
Quelle: CZ am 24. August 1942. 


Bild: "122 Sowjet-Flugzeuge abgeschossen". 
Quelle: CZ am 24. August 1942. 


Entsprechend der kriegerischen Unternehmungen im Osten wurde selbstverständlich auch die Heimatfront mit den neusten Erfolgsmeldungen versorgt. 

Die Ausgabe der CZ hätte wohl nicht ausgereicht, um alle Kriegsschauplätze zu würdigen. Am 24. August begann die Seeschlacht um die Solomon-Inseln. Am 22. August war Brasilien in der Krieg eingetreten. Japanische Truppen landeten auf Guinea, in Nordafrika kämpfte die Wehrmacht unter General Rommel gegen die vorrückenden Briten und Amerikaner und in den Niederlanden begann die SS Juden aus Maastricht zu deportieren. 


Bild: "Mitteilungen" 
Quelle:  CZ am 24. August 1942. 


Das gesellschaftliche Leben in Celle selbst kann zu diesem Zeitpunkt weitgehend als "normal" bezeichnet werden. Viele glaubten in diesen Tagen nicht, dass der Krieg auf deutscher Seite verloren werden könnte. 


Bild: "die Roten, sie wurden geschlagen" 
Quelle:  CZ am 24. August 1942. 


Das belegt unter Anderem ein Bericht über das "Großgeländespiel" im Neustädter Holz bei Celle (siehe vorstehendes Bild). Ausgerichtet wurde dieses Ereignis von den "Pimpfen" bzw. dem Deutschen Jungvolk, einer Jugendorganisation der Hitler Jugend. Dabei spielten die Kleinen regelmäßig das nach, was für ihre Eltern täglich harter Ernst war. Die Geländespiele beinhalteten unter Anderem Orientierungsübungen. 


Bild: "Aus der Stadt Celle"
Quelle: CZ am 24. August 1942. 


Auch der Lokal-Teil zum Parteigeschehen in der Stadt Celle sollte nicht zu kurz kommen. 


Bild: "KDF-Lehrgang"
Quelle: CZ am 24. August 1942. 



Bild: "Anzeigenteil"
Quelle: CZ am 24. August 1942. 



Gemessen am Weltgeschehen scheint der 24. August vor 71 Jahren in Celle nicht weiter ins Gewicht gefallen sein. Interessant ist es trotzdem sich anhand dieses Tages die Geschehnisse vor Augen zu führen und dabei die lokalen Entwicklungen zu verfolgen. Viele waren zu diesem Zeitpunkt mehr als jemals zuvor vom nationalsozialistischen Regime überzeugt. Die teils überhebliche Propaganda an der Heimatfront macht deutlich, wie sicher für viele der Sieg des Krieges schien. Dass sich die Lage im fernen Russland schon ein halbes Jahr später dramatisch verschlechtern würde und der Rückzug aus Afrika bevorstand, ahnte sicherlich kaum jemand. 



Hendrik Altmann
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