f "Zum süßen Turme" und die Hofkrämerei zu Celle ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 8. August 2013

"Zum süßen Turme" und die Hofkrämerei zu Celle




Bild: Konditorei Wolde am Celler Schlossplatz.
Quelle: C. Cassel.


Verschwunden aus dem Stadtbild...


Vor einiger Zeit berichtete Found Places über die neue Hauptwache am Schlossplatz, die schon seit vielen Jahren aus dem Stadtbild verschwunden ist. Ähnlich ist es bei dem Gebäude um das es nun gehen wird.

Am 5. August veröffentlichte das Celler Bomann-Museum auf seiner Facebook-Seite ein "Objekt der Woche" (hier zu sehen: Bild Bomann-Museum ). Es handelte sich dabei um ein Aquarell aus dem Jahre 1835, welches die Celler Stechbahn mit Blick in Richtung Schloss zeigt. Zur Linken auf dem Bild befindet sich ein seltsam anmutendes Gebäude mit zwei auffälligen Türmchen (im Volksmund liebevoll "Steckeltürmchen" genannt). Was hat es damit auf sich?



Bild: Blick aus der Stechbahn auf das Schloss. Leider nicht so schön farbig, wie die Darstellung im Bomann-Museum. 
Quelle: C. Cassel.


Es handelt sich um ein altes Gebäude des Celler Schlossbezirks: die sogenannte Hofkrämerei. Sie lag seitlich zur Stechbahn ausgerichtet direkt neben der Hofkornschreiberei. Ihr gegenüber, auf der anderen Seite der Stechbahn lag die Schlosspförtnerei. Der Begriff "Steckel" hängt mit der Celler Stechbahn zusammen. Früher fanden dort Rittertuniere und Wettkämpfe statt, die der späteren Straße den Namen gaben.


Erbaut wurde die Hofkrämerei, oder auch "Hofkrambude" im Jahr 1682. Sie besaß zwei Türme im Weserrenaissance-Stil. Im Jahr 1785 stürzte der Torbogen, welcher zwischen der Hofkrämerei und der Schlosspförtnerei die Stechbahn überquerte, ein. Er wurde nicht wieder aufgebaut und ist daher auf dem Aquarell des Bomann-Museums (s.o.) aus dem Jahr 1835 nicht mehr zu sehen.

Bild: Zwei Türme ("Steckeltürmchen") an der Hofkrämerei an der Stechbahn.
Quelle: C. Cassel. Zeichnungen im Original v. J.H. Steffens/Völker.



In diesem und im vorstehenden Bild sieht man den alten Torbogen noch.



Bild: Blick vom Schloss aus. Links befindet sich die alte Schlosspförtnerei und rechts im Bild sieht man die Hofkrämerbude mit den beiden Türmen. Verbunden werden die beiden Teile der Stechbahn durch einen Torbogen, sodass sich dahinter ein freier Platz in Richtung der Stadtkirche eröffnet.

Quelle: C. Cassel. Zeichnungen im Original v. J.H. Steffens/Völker.



Bild: Lage der ehemaligen Hofkrambude.
Quelle: Google Earth.


Später befand sich in der alten Hofkrämerei die Konditorei Wolde. Scherzhaft nannte man sie auch "Zum süßen Turme".


Im Jahr 1885 wurde das Gebäude abgerissen. Allerdings galten die beiden niedrigen Türme als ein unverkennbares Wahrzeichen für die Stadt Celle, die ansonsten kaum über Türme verfügte. So baute man sie kurzerhand in der ehemaligen Fockengasse 2a, der heutigen Spangenbergstraße 5, wieder auf. Ein dort angelegter Verbindungsgang zwischen beiden Türmen wurde frei hinzugefügt.

Bild: Seitenansicht der ehem. Hofkrämerei.
Quelle: C. Cassel.



In den Jahren 1886 und 1887 wurde an der Stelle der ehemaligen Hofkrämerei am Schlossplatz das Postgebäude errichtet, so wie man es heute kennt.

Im Jahr 1967 wurden die "Steckeltürmchen" in der Spangenbergstraße abgebaut und Teile davon eingelagert (siehe u.a.: Zeitsprünge Celle, Webermann, Knieriem, Schmidt, S. 51). Immer wieder gab es Bestrebungen die Türme wieder in das Stadtbild zu integrieren. Im Rahmen eines Planspiels zur Stadterneuerung im Jahr 2001 (Informationen dazu: hier) konnten die Celler Bürger über verschiedene Varianten mittels einer Computersimulation abstimmen. Die Variante "Steckeltürme" bekam am wenigsten Zulauf und wurde dementsprechend nicht weiter verfolgt…


Bild: "Steckeltürmchen" - im Vordergrund die neue Hauptwache am Schlossplatz (siehe auch: Neue Hauptwache).
Quelle: Celler Soldatenbuch.



Fazit...


Die ehemalige Hofkrämerei mag vielleicht aufgrund ihrer einzigartigen Türme am meisten ins Auge fallen, jedoch war sie bei Weitem nicht das einzige Gebäude, welches gegen Ende des 19. Jahrhunderts weichen musste. Besonders im Bereich des Schlossbezirkes kam es in den Jahren nach 1866 (Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen) zu vielen baulichen Veränderungen.

Schade eigentlich - so betrachtet sind die Türmchen doch ganz ansehnlich...




Viele Grüße,  

Hendrik. 


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