f Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 18. August 2015

Der letzte Husar - Generalfeldmarschall von Mackensen in Burghorn


Als sich im April 1945 der Zweite Weltkrieg seinem Ende neigte, stießen britische und amerikanische Verbände recht schnell auf Celle vor. Die Stadt wurde am 12. April 1945 durch britische Truppen eingenommen. Als das 15. schottische Aufklärungsregiment entlang der heutigen Bundesstraße 191 in Richtung Eschede vorging, erreichten Teile der Einheiten das einsam liegende Burghorn bei Habighorst. Hier fiel den alliierten Soldaten der 96 Jahre alte Generalfeldmarschall August von Mackensen in die Hände...


Von Mackensen hatte eine steile Karriere als Militär hingelegt. Kurt Tucholsky bezeichnete ihn sogar als "Militärstar". Der Werdegang von Mackensens reichte bis ins Kaiserreich zurück - seine militärischen Fähigkeiten hatten dem deutschen Heer wichtige Siege im Ersten Weltkrieg beschert. Seine Rolle im Dritten Reich ist zwiegespalten. 

Bild: August v. Mackensen. 
Quelle: n.a. 
Der Lebenslauf August von Mackensens findet sich heute noch vielfach im Internet. Von Mackensen, geboren im Jahr 1849, stieg bis 1880 in den deutschen Generalstab auf. Um die Jahrhundertwende beschleunigte sich seine Karriere nochmals - er stieg zum Flügeladjudanten Kaiser Wilhelms II. und 1903 zum Generaladjudanten auf. 

Im Ersten Weltkrieg bewies von Mackensen sein militärisches Geschick. Er durchbrach die russische Front, wurde zu einem populären Heerführer und zum Generalfeldmarschall ernannt. Bis zum Ende des Krieges entschied von Mackensen zahlreiche Schlachten siegreich. Bei Kriegsende wurde er dann in Ungarn und Griechenland interniert. 

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schied er aus dem aktiven Militärdienst aus. Als treuer Diener des Kaiserreiches konnte er sich nicht mit der neuen Staatsform der Demokratie anfreunden. Mit dieser Ansicht war von Mackensen in der Weimarer Republik freilich nicht alleine. Die Nationalsozialisten, allen voran Adolf Hitler, erkannten schnell das propagandistische Potential in von Mackensen. 

Nach der Machtergreifung 1933 wurde von Mackensen zum preußischen Staatsrat ernannt. 1935 schenkte Adolf Hitler ihm die Domäne Brüssow. Hier lebte von Mackensen fortan mit seiner zweiten Frau Leonie von der Osten. Noch im Februar 1940 verurteilte von Mackensen die Kriegsverbrechen, welche beim Einmarsch der Wehrmacht in Polen geschehen waren. Sein Erkennungsmerkmal war die Uniform des I. Leibhusarenregiments, welche er seit 1911 als Ehrenzeichen auf Lebenszeit tragen durfte. 


General Tzschoekell zu Gast...

Bereits im Herbst 1944 hatte H.H. v. Gersdorff-Cunersdorf, der bis 1945 zehn Jahre lang Adjutant von Mackensens gewesen war, erste Schritte zur Evakuierung des einstigen Generalfeldmarschalls unternommen. Die Rote Armee rückte dem Anwesen der von Mackensens in Brüssow immer näher - die aussichtslose Kriegslage sorgte schließlich dafür, dass auch August von Mackensen einer Umsiedlung zustimmte. 

Zunächst war ein Gebäude in Achterberg, auf dem Truppenübungsplatz Munster,  als neue Unterkunft ausgewählt worden. Dieses wurde dann jedoch von Generalfeldmarschall von Manstein bezogen, sodass eine andere Bleibe gefunden werden musste. Als Ausweichquartier wählte das Generalkommando das Gutshaus in Burghorn aus. Dieses gehörte ursprünglich einem Fabrikbesitzer namens Beisse aus Osnabrück und war zuvor beschlagnahmt worden. Zwischenzeitlich wurde das Haus durch einen Wehrmachtsstab genutzt. Am 1. Februar 1945 gelangte August von Mackensen schließlich mit dem PKW und einem kleinen Gefolge nach Burghorn. 

Scheinbar war Burghorn bis dahin für die Alliierten nur von nachmaliger Bedeutung gewesen, denn Karten aus dieser Zeit zeigen den Ort nur wenig detailreich. 

Bild: Burghorn im Jahr 1945. 
Quelle: War Office Map 1945, 1. Edition.  


Viele persönliche Dinge mussten bei der Umsiedlung in Brüssow verbleiben - das schmerzte den ehemaligen Generalfeldmarschall sehr. Laut seinem Adjutanten wurde von Mackensen in Burghorn nicht heimisch - er unternahm allerdings ausgiebige Spaziergänge in die nähere Umgebung. 

Das Anwesen in Burghorn befand sich abseits der nördlich verlaufenden Bundesstraße und war ohnehin recht einsam gelegen. Es war mit einer Vielzahl französischer Möbel ausgestattet, die ein General zuvor aus Frankreich mitgebracht hatte. Schon bald kamen Freunde und Verwandte und zogen mit in das Haus - viele waren ebenfalls auf der Flucht vor der Roten Armee. 

Leonie von der Osten, die zweite Frau des Generalfeldmarschalls, berichtete nach dem Krieg, dass oft Besuch auf das Anwesen in Burghorn kam. Unter den Gästen waren unter anderem der Herzog von Braunschweig, der Landrat Heinichen, General Tzschoeckell aus Celle und General Lichel aus Hannover. 

Bereits als britische Verbände auf Celle vorstießen kam der kommandierende General Tzschoekell nochmals auf dem Anwesen in Burghorn vorbei. Als Celle bereits eingenommen war, zog sich die Wehrmacht in nordöstliche Richtung zurück. General Tzschoekell kam ein letztes Mal zu den von Mackensens nach Burghorn und brachte einige "schöne Sachen", wie Leonie v. Mackensen später berichtete, vorbei. Darunter waren auch einige Flaschen Sekt. 


Einmarsch der Briten...

Am 13. April 1945 rückte das 15. schottische Aufklärungsregiment von Celle in Richtung Eschede vor. Das "B" Bataillon gelangte ohne Zwischenfälle bis an den Durchfluss des Quarmbaches an der Bundesstraße 191. Als die schottischen Soldaten auf der linken Seite der Straße vorgehen wollten, wurden Sie von einem deutschen Sturmgeschütz beschossen. Erst als die Schotten eine Flankierung von rechts unternahmen, gelangten sie einige Zeit später nach Eschede. Während das 15. schottische Aufklärungsregiment weiter der Bundesstraße folgte, wurde das Anwesen des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Burghorn entdeckt. 

Leonie v. Mackensen erzählte nach dem Krieg, wie der Einmarsch vonstatten ging. Zunächst durchsuchten die britischen/schottischen Soldaten das Gebäude nach Waffen und Munition. Wenig später veranlassten sie den 96 jährigen August von Mackensen eine Petition an Adolf Hitler zu schicken - das Blutvergießen sollte aufhören. Leonie v. Mackensen erinnerte sich, dass ihr Mann in dieser Aktion keinen Sinn sah, zumal niemand von ihnen annahm die Petition könnte Hitler zur Aufgabe bewegen. Nachdem sie dennoch unterzeichnet war trugen sich die britischen Offiziere noch höflich ins Gästebuch ein. 

Von Mackensens Adjutant H.H. v. Gersdorff-Cunersdorf erinnerte sich später, dass der Einmarsch nicht so reibungslos verlief. So wussten die Briten / Schotten scheinbar nicht sofort mit wem sie es hier zu tun hatten. Bei der Hausdurchsuchung verschwanden eine Nachtuhr, eine Schreibmaschine, ein Füllfederhalter und weitere persönliche Gegenstände des Generalfeldmarschalls. Erst später wurden diese teilweise auf Bitten von Gersdorff-Cunersdorfs zurückgegeben. Von Mackensen legte für die Tage nach dem Einmarsch die Uniform ab und trug Zivil. Der Niedergang des Dritten Reiches schien ihm sehr zu schaffen zu machen, so von Gersdorff-Cunersdorf später. 

In den ersten Tagen nach Kriegsende kam es immer wieder zu Plünderungen und Übergriffen durch umherstreifende Fremdarbeiter. Besonders russische Zivilgefangene waren es, die wiederholt über die Gegend herfielen und sich an vielen Dingen bedienten. Später wurde eine Wache aus alliierten Soldaten für das Anwesen in Burghorn abgestellt. 

Am 8. November 1945  um 14:55 Uhr starb August von Mackensen in Burghorn. Die Beisetzung fand am 12. November auf dem Celler Stadtfriedhof statt. Obwohl die Post- und Bahnverbindungen zu dieser Zeit aufgrund der Kriegsauswirkungen äußerst schlecht waren, kamen zahlreiche Trauergäste. Die alliierten Besatzungstruppen verboten allerdings eine Beisetzung unter militärischen Ehren. 

Leonie von Mackensen blieb noch bis in den Februar 1946 auf dem Anwesen in Burghorn wohnen. Später wurde ihr eine Wohnung bei Hoppes in Wienhausen zugewiesen. 


Das Anwesen heute...

Wenig erinnert noch an jene Tage von einst. Burghorn ist inzwischen zu einem kleinen Ort geworden - einige Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Bauernhöfe haben sich angesiedelt. Das Anwesen, in welchem einst der Generalfeldmarschall unterkam, steht noch und auch das umliegende Gelände hat sich erhalten. 

Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: Google Earth. 


Etwas zurückgesetzt von der schmalen asphaltierten Straße liegt das rot gestrichene Gebäude hinter Wachholdersträuchern und meterhohen Rhododendren verborgen. Über die Geschichte des Hauses nach dem Krieg ist wenig bekannt. 

Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: H. Altmann. 


Bild: Burghorn im heute. 
Quelle: H. Altmann. 


In einem Interview mit der Heimatforscherin Hannah Fueß am 18. August 1949 spekulierte Leonie von Mackensen, dass der Osnabrücker Fabrikbesitzer Beisse möglicherweise Geld anlegen wollte, als er das Anwesen in Burghorn bauen ließ. Während Burghorn heute mit dem Auto relativ gut erreichbar ist, lag es einst sicherlich recht fern ab. 

August von Mackensen hatte sich bereits im Kaiserreich zu einer herausragenden Person des öffentlichen Lebens entwickelt. Durch zahlreiche siegreiche Schlachten im Ersten Welt erlangte er Ruhm und Ansehen. Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus war sicher nicht eindeutig. Mit Adolf Hitler verband er zunächst zumindest eine tiefe Verbundenheit. 

Die Totenkopfverbände der Waffen-SS beriefen sich traditionsgemäß auf das Motto bis zum Letzten zu kämpfen - der Totenkopf stand dabei seit jeher für den Grundsatz "Pardon wird nicht gegeben!" Der Feind konnte sich somit selbst bei einer Gefangennahme seines Lebens nicht sicher sein. Auch die Leibhusarenuniform, welche August von Mackensen bis zu seinem Tod trug, beinhaltete den Totenkopf als sichtbares Mützenzeichen. Doch die Welt hatte sich nach der aktiven Dienstzeit Mackensens verändert. Militärische Traditionen waren  vielfach der totalen Vernichtung um jeden Preis gewichen. Es ist an dieser Stelle fraglich, wie von Mackensen über diese Entwicklung geurteilt haben mag. Dies wird sich aus heutiger Sich kaum noch klären lassen.


Hendrik Altmann



Samstag, 25. Juli 2015

Ein interessanter Termin für Sondengänger...


Vom 3. bis zum 5. September 2015 findet in Hannover die 82. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung statt. Interessante Punkte stehen auf der Tagesordnung. Den Link zum Programm gibt es hier: Klick


Unter anderem hält Manuel Zeiler (aus Olpe) einen Vortrag über die "Eisenzeitliche Höhenbefestigungen Westfalens im Spiegel systematischer Detektorprospektion“. Jan Schuster (aus Lodz): referiert über „Masse, Klasse, Seltenheiten – Acht Jahre Detektor-Archäologie zur römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit in Schleswig-Holstein“. Thorsten Lemm (aus Schleswig) erörtert das Thema „Auf der Suche nach dem königlichen Hof – systematische Detektorprospektionen in Husby, Kreis Schleswig-Flensburg“. 

Weiterhin soll eine öffentlich zugängliche Diskussion zum Thema Sondengehen und Detektorarchäologie statt (Quelle). Auch soll einer der jüngsten Funde, der sogenannte "Barbarenschatz" in einem Vortrag von Axel von Berg (aus Koblenz) vorgestellt werden. Das Vortragsthema lautet "Seiner Geschichte beraubt - der spätantike Schatz von Rülzheim". 

Neben den Vorträgen sind Exkursionen in die Kreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont geplant. Weitere Informationen finden sich im Programmflyer. Auch das Anmeldeformular steht auf der Seite des NLD bereit. 





Dienstag, 21. Juli 2015

Das Aus in Altencelle



Das Aus in Altencelle...


Wie die Cellesche Zeitung am 20.07.2015 berichtet stehen die archäologischen Forschungen in Altencelle vor dem Aus. Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) teilte auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Thomas Adasch (CDU) mit, dass Seitens des Landes keine Mittel aufgewendet werden können um die Ausgrabungen in Altencelle fortzuführen. 

Laut CZ-Bericht verwies die Ministerin darauf, dass ein Verbleib der Funde im Boden verantwortet werden könne - neue Forschungsmethoden wären eventuell später in der Lage diese ohnehin besser zu sichten. Allerdings ist fraglich inwiefern diese Methoden überhaupt noch zum Einsatz kommen können, denn die nächsten Bauabschnitte der geplanten Ostumgehung verlaufen durch das archäologische Forschungsgebiet. 


Bild: Magnetometermessungen in Altencelle
Quelle: Dr. Lohwasser. 


Was bisher erreicht wurde...

Dr. Cornelia Lohwasser (Uni Göttingen) widmete sich in den letzten Jahren den archäologischen Untersuchungen rund um Altencelle. In 17 Grabungsschnitten konnten unter Mithilfe Studierender und freiwilliger Helfer bisher unbekannte Bodendenkmäler untersucht werden. Darüber hinaus wurden umfassende Magnetometer-Prospektionen durchgeführt, welche eindrucksvolle Ergebnisse verborgener Bodenstrukturen lieferten. Die anschließenden Grabungen erbrachten teils neue Erkenntnisse zur Bedeutung der untersuchten Bodendenkmale und zur Geschichte Altencelles. 

Unter anderem wurde die Gertrudenkirche mehrfach untersucht, der Burgwall in Burg, die Nienburg, und der heutige Pfarrgarten. Dabei lagen ein möglicher Hafen östlich der Gertrudenkirche und die Umgebung der einstigen Brunonenburg im Fokus der Archäologen.  Es kamen zahlreiche neue Erkenntnisse ans Licht. So konnte erstmals die hochmittelalterliche Besiedlung des Niemarktes erforscht werden - eine Schmiedehütte mit etlichen Beifunden wurde entdeckt. Als besonders eindrucksvoller Fund der einstigen Schmiede wurde eine Gewandschnalle identifiziert, die ins 13. Jahrhundert datiert. 

Bild: Gewandschnalle des 13. Jh. aus Altencelle. 


Die Kooperationen...

Bei den Untersuchungen in Altencelle zeigte sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Heimatforschern und Sondengängern. Damit dürften die Forschungen in Altencelle nach den Vorstellungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege erfolgt sein. Hier steht seit einiger Zeit die Kooperation mit Sondengängern in einem guten Licht - Kurse und Hilfestellungen werden angeboten. 

So unterstützte die Sondengängergemeinschaft Allertal einige Male die Nachforschungen in Altencelle. Aber auch alteingesessene Heimatforscher, wie der im vergangenen Jahr verstorbene Dieter Reinebeck von der Gemeinschaft "Historisches Altencelle" widmeten sich leidenschaftlich der Untersuchungen in und um Altencelle. So wurden - neben den hauptsächlichen Forschungen in Altencelle - auch der Finkenherd und eine Verdachtsfläche bei Wienhausen unter die Lupe genommen. 


Warum geht es nicht weiter? 

Es stellt sich die Frage woran die weiteren Nachforschungen momentan scheitern. Sowohl von Seiten der eingesetzten Archäologen als auch der beteiligten Helfer wurde viel geleistet. Diese Leistungen stehen vergleichbaren Projekten in anderen Städten keineswegs nach. 

Liegt es an den Behörden der Stadt Celle? Bereits mehrfach wurden diese dafür kritisiert der Archäologie kein eigenständiges Ressort zukommen zu lassen. In Gifhorn beispielsweise ist die Regionalarchäologie präsent - warum nicht auch in Celle? Gerade die Stadt Celle müsste für Archäologen eine historische Fundgrube sein. Ständige Überbauung, keine Kriegseinwirkungen im Stadtkern und ein erhaltenes Stadtbild seit mehreren hundert Jahren - alles Faktoren die sich in der Begründung für archäologische Untersuchungen finden ließen. Und doch erfolgen solche nur sporadisch. 

Das Problem liegt allerdings noch tiefgreifender als nur in der Abwesenheit  forschungsbegeisterter Regionalarchäologen. Es fehlt an der Substanz. Während anderen Ortes Hinweisschilder und Prospekte Heimatgeschichte schmackhaft machen, herrscht in Celle reine Ödnis. Hier wurde vor allem eines falsch gemacht: der Anschluss verpasst. 

Grundsätzlich begeistern sich vor allem Ältere für das Thema Heimatgeschichte. Das ist so - und lässt sich auch nur bedingt beeinflussen. Trotzdem ist es wichtig, dass ältere Generationen den Jüngeren ihr Wissen übermitteln können. Im Bereich der Heimatgeschichte gibt es in Celle aber nur nur wenige Anknüpfungspunkte. Es mangelt an Hinweisschildern, Verweisen auf Ansprechpartner und konkreten Ansprechpartnern auf Seiten der Stadt/des Landkreises. Weiterhin fehlt es in der Stadt selbst an Hinweisen auf die frühmittelalterliche Geschichte - während andere Epochen, etwa die Entwicklung Celles im Barrock, hervorgehoben werden. 

Im CZ-Bericht vom 20.07.2015 wird das Scheitern der Forschungen um Altencelle dem Land Niedersachsen zugeschrieben. Liegt es alleine an der Bewilligung von Geldern? Nein - sicherlich nicht. Vielmehr müssten lokale Strukturen geschaffen werden, um die regionale Forschung voranzutreiben. 


Welche Perspektive gibt es? 

Auf dem jetzigen Stand verliert Celle seine eigene Geschichte. Diese zu vermitteln bedarf es neuer Konzepte. Traditionell erfolgt die Heimatforschung durch Privatpersonen - keinem ist geholfen, wenn Seitens der Stadt eine Geschichtspolitik betrieben wird, die kostenintensiv ist und in der private Heimatforscher kaum eine Rolle spielen. 

Die weitere Erforschung des historischen Altencelles ist notwendig. 

Im Dialog mit dem Celler Oberbürgermeister und Vertretern des Denkmalschutzes muss ein Konzept ausgearbeitet werden wie es in Altencelle weitergeht.  

Es muss endlich Klartext gesprochen werden und notwendige Umstrukturierungen erfolgen. So sollte die Stadt Celle um Stellen im Bereich der Archäologie bereichert werden. Weiterhin müsste ein offener Dialog zwischen Denkmalbehörde, Heimatforschern und Archäologen erfolgen. Dazu sollten entsprechende Termine und Treffen angesetzt werden. 

Es kommt nun darauf an das Eingesetzte nicht zu verspielen und die historischen Forschungen in Altencelle weiterzuführen! 


Hendrik Altmann

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Weitere Beiträge zum Thema: 




Freitag, 10. Juli 2015

LGLN stellt historische Karten zum Download bereit



Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) stellt seit Kurzem eine Vielzahl historischer Karten als kostenlose Downloadversionen zur Verfügung. 

Insgesamt wurden acht historische Kartenwerke mit rund 900 Blättern digitalisiert. Sie können als Vorschau geladen werden und auch heruntergeladen werden. Allerdings ist die Auflösung der einzelnen Karten begrenzt. Kleinste Details sind somit nicht sichtbar. 

Bild: Download-Hinweis des LGLN. Quelle: LGLN (Klick)


Ich habe den Test gemacht - die Karten sind trotz der verringerten Auflösung noch immer gut verwendbar. Wer die Karten für Zwecke der Heimatforschung nutzen möchte, kann mit den freien Download-Karten bereits gut arbeiten. Zumal sie bereits digital vorliegen, eignen sie sich gut zur Verwendung in Google Earth. Ansonsten bleibt immer noch die Option die Karten käuflich als Digitalisat oder Ausdruck zu erwerben. 

Die Download-Funktion ist leider nicht auf den ersten Blick sichtbar. Daher ist in den nachfolgenden Schritten kurz erklärt, wie man zur gewünschten Karte kommt: 

1. Historisches Kartenwerk auswählen über folgenden Link: Historische Kartenwerke

2. In der Blattübersicht das gewünschte Kartenblatt auswählen 

3. Kartenblatt anklicken (Auswahl wird rot angezeigt)

4. Unten auf "In den Warenkorb legen" klicken

5. Auf die Schaltfläche "Zum Download" klicken

6. Auf die Schaltfläche "Download in reduzierter Auflösung" klicken

7. Karte per Rechtsklick ("Datei speichern unter") herunterladen. 





Mittwoch, 8. Juli 2015

Neue "Aushängeschilder"

Erklärtes Ziel dieses Blogs ist es seit seiner Entstehung Heimatgeschichte greifbar zu machen. Und genau da liegt eine Schwäche des Mediums "Internet". Zwar erreicht man mit einem Blog Menschen, die auf Facebook vernetzt sind, oder bei Google die passenden Suchbegriffe eingeben - man verfehlt jedoch Interessierte, die diese Medien nicht nutzen. 

Bei "Found Places" geht es um Orte. Diese Orte sind nicht nur im Internet zu finden - sie sind real. Man kann sie aufsuchen, anschauen und reinbeißen - wobei Letzteres nur bei Lebkuchenhäusern zu empfehlen wäre. 

Die Idee war es Geschichte greifbar zu machen. Wie ließe sich dies besser umsetzen, als mit spannenden Hinweisen in der Nähe der "Found Places" selbst? 

Demnächst werden also sechs neue Hinweistafeln an Orten aufgehängt, die auf den Blog verweisen. Radfahrer, Wanderer und andere Interessierte können auf diese Weise recht schnell an spannende und noch kaum bekannte Informationen über Heimatgeschichte im Landkreis Celle gelangen. 

Passend zu ihrer Funktion wurden die Hinweistafeln auf den Namen "Aushängeschilder" getauft. 

Bild: Aushängeschilder. Quelle: Hendrik Altmann. 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die falschen Funktürme bei Eicklingen



Auf der Höhe des Zweiten Weltkriegs nutzen die Alliierten alle verfügbaren Mittel, um das Dritte Reich in die Knie zu zwingen. Die Briten hatten durch die Zerstörung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde bewiesen, wie wirkungsvoll die Luftaufklärung eingesetzt werden konnte. So wurden spezielle Maschinen mit Kameras ausgerüstet und überflogen fast jeden Winkel Deutschlands. Amerikaner und Briten fotografierten auf diese Weise etliche Einrichtungen der Wehrmacht, rüstungswichtige Betriebe, Städte, Straßen und alles sonst, was für anschließende Bombardierungen relevant sein konnte. Die Briten schufen eine spezielle Einheit, welche sich ausschließlich mit der Auswertung dieser Luftbilder befasste. 

Den Bodentruppen kamen diese Erkenntnisse später zugute. Die Im Raum Celle aufgenommenen Bilder stammen unter anderem vom 9. April - also wurden sie nur zwei bis drei Tage vor dem Einmarsch aufgenommen. 

Die Erkenntnisse, welche aus den Luftbildern gewonnen werden konnten, wurden in topografische Karten übernommen. So verfügten die Briten über deutsche topografische Karten, welche auf den Messtischblättern der Jahre 1933-1937 beruhten. Diese Karten im Massstab 1:25.000 wurden nun um Objekte ergänzt, welche auf den Luftbildern identifiziert worden waren. 

So zeigt das entsprechende Kartenblatt Bröckel eine ungewöhnliche Ansammlung von eingezeichneten Objekten westlich von Eicklingen. 

Bild: Objekte östlich von Eicklingen. Quelle: War Office Map 1945. 


Die Objekte sind als schwarze Punkte mit einem nach oben gerichteten Blitz eingezeichnet. In der Legende sind sie als "W/T Station - Tower over 200 feet" (Funkstation) verzeichnet. 

Bild: Kartenlegende: Funkstation. Quelle: War Office Map 1945. 


In den deutschen Kartenwerken waren derartige Funktürme und Funkstellen ähnlich verzeichnet. So ist in der Kartenfibel aus dem Jahr 1941 eine identische Symbolik enthalten.  

Bild: Funktürme in den deutschen Karten Quelle: Kartenfibel 1941, D. Luft. 


Aber hat es derartige Funkmasten bzw. Funkstationen je bei Eicklingen gegeben? Zunächst sei nochmals auf die Lage der angeblichen Funktürme hingewiesen. Durch Einbindung der britischen Karte in ein aktuelles Satellitenbild lässt sich feststellen, dass die vermeintlichen Funktürme südlich der heutigen Siedlung Schepelse und östlich von Eicklingen verzeichnet sind. Die Siedlung Schepelse gab es einst noch nicht. 

Bild: mutmaßliche Funktürme östlich von Eicklingen. Quelle: War Office map 1945 / Google Earth. 


Tatsächlich ist der alliierten Luftaufklärung wohl ein kleines Missgeschick unterlaufen. In Eicklingen gab es nie eine derartige Funkstation oder entsprechende Funktürme. Vielmehr haben die Alliierten die Bohrtürme des Eicklinger und Sandlinger Erdölfeldes mit Funkmasten verwechselt. 

Im Raum der heutigen Samtgemeinde gab es verschiedene Erdölbohrungen. In einem anderen Beitrag wurden bereits solche Bohrungen behandelt, die sich auf dem Gebiet der Gemeinde Wienhausen befunden haben (siehe: Erdölbohrungen Wienhausen). Im Feld Eicklingen wurden etwa 45 Bohrungen abgeteuft, von denen rund 35% fündig wurden. 

Die erste fand im Jahr 1935 statt und wurde von der Haniel&Lueg gebohrt und wies eine Tiefe von 750m auf. Noch lange über das Kriegsende hinaus wurde das Ölfeld Eicklingen betrieben. Die ertragreichste Bohrung war das Loch Nummer 12, welches eine Gesamtmenge von ca. 150.000L Öl zutage brachte. 

Noch im Jahr 1986 wurden im Eicklinger Feld etwa 2.500 Tonnen Erdöl gefördert. Zum Ende der 80er Jahre waren die meisten Bohrlöcher aber bereits verfüllt, da sie im Vergleich zu anderen Bohrungen zu wenig ertragreich waren. 

Eine Karte des Landesamtes für Bergbau zeigt die Standorte der einstigen Bohrungen an. 

Bild: Erdölbohrungen östlich von Eicklingen. Quelle: LBEG, Bibis Kartenserver. 


Vergleicht man die Standorte der Bohrtürme mit denen der mutmaßlichen Funktürme, wird schnell klar, dass es hier zu einer Verwechslung gekommen sein muss. Eine mögliche Erklärung für diesen Fehler der alliierten Luftaufklärung wäre die schlechte Qualität der Luftbilder. 

Noch heute sind die einstigen Bohrstellen auf Satellitenbildern als Bodenverfärbungen erkennbar. 

Bild: Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Google Earth. 


Vom Boden aus ist jedoch nichts mehr von den Bohrstellen zu sehen. Dort wo einst mehrere hundert Tonnen Erdöl aus der Tiefe gepumpt wurden, befinden sich heute landwirtschaftliche Nutzflächen. 

Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Hier standen einst mehrere Bohrtürme. Im Hintergrund ist der östliche Ortseingang von Eicklingen zu sehen. 


Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Herausragende militärische Bedeutung wurde den "Funkanlagen" scheinbar ohnehin nicht zugeschrieben. Zumindest wurden sie nach bisherigem Kenntnisstand nicht zum Ziel einem gezielten Bombardements. 

Bereits in den nachfolgenden Ausgaben der britischen Karte im Maßstab 1:25.000 waren die angeblichen Funkanlagen verschwunden. 


Hendrik Altmann




Donnerstag, 25. Juni 2015

Attraktionen früher...



Von Zeit zu Zeit kommt es auch heute noch vor, dass ein Zirkus in Celle gastiert. In der jüngeren Vergangenheit gab es in diesem Zusammenhang immer wieder Diskussionen darüber inwiefern Wildtiere im Zirkus überhaupt artgerecht gehalten werden können. Diese Frage kann hier sicher nicht abschließend beantwortet werden. Vielmehr soll bei dieser Gelegenheit kurz auf die historische Komponente eingegangen werden. 

Neben dem modernen Unterhaltungsangebot wirkt der Zirkus wie ein Fossil aus vergangenen Tagen. Tatsächlich erlebte der Zirkus im ausgehenden 19. Jahrhundert seine Blütezeit. Nachdem schon im 18. Jahrhundert in England bereits erste Zirkusmanegen von Artistenfamilien betrieben wurden, gelangte die Idee schließlich nach Deutschland. Hier waren es vor allem die Familien Rentz und Busch, die große Zirkusse in verschiedenen Städten unterhielten. Die meisten Betriebe waren und blieben in Familienhand. Zunehmend erfreuten sich auch sogenannte "Freakshows" im 19. Jahrhundert gesteigerter Beliebtheit. 

Bild: Zirkus in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


Neben fest installierten Zirkushäusern, die sich eigentlich ausschließlich in größeren Städten hielten, entwickelten sich im 19. Jahrhundert auch zunehmend Wanderzirkusse, die über die Dörfer zogen. In einem Beitrag für das Lüneburger Heimatbuch (1904) schrieb Friedrich Freudenthal über "fahrende Leute im Heidedorfe". Neben Siebmachern und Kesselflickern waren auch Künstler, Seiltänzer, Akrobaten, Kunstreiter, Taschen- und Puppenspieler sowie Bärenzieher unter diesen Leuten. 

Bild: Fahrendes Volk in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


Die umherziehenden Künstler waren im Normalfall nicht besonders hoch angesehen. Gegen einige Pfennige führten sie ihr begrenztes Repertoire auf. Als Attraktion lies sich alles verkaufen, wozu die Bevölkerung bereit war Geld zu geben. So wurden wilde Tiere schnell ein beliebtes Mittel, um den teilweise recht einfach Menschen auf dem Lande etwas aus der großen weiten Welt zu präsentieren. 

Über Bärenzieher gibt es ebenfalls aus der Harzregion verschiedene Berichte. Sie standen scheinbar nicht sehr hoch im Kurs - wohl auch, weil es nicht selten zu Unfällen mit den Bären kam. 
Bild: Bärenzieher in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


In einer Verfügung des Königreiches Hannover aus dem Jahr 1825 wurde Bärenziehern sogar per Gesetz verboten das Land zu betreten.  Noch im preußischen Wörterbuch wird der Beruf des Bärenziehers als offizielle Zunft angegeben. 
 Bild: Verfügung gegen Bärenzieher. Quelle: Landesgesetze und Verordnungen des Königreichs Hannover insbesondere der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, F.C. Willich, Bd. 1, Göttingen 1825. 


Scheinbar zogen die "Bärentrecker", wie die Bärenzieher auf Plattdeutsch genannt wurden, noch bis ins 20. Jahrhundert durch die Lande. Leider ist nicht bekannt wann die Tradition der Bärenzieher im Raum Celle endete. 

Geblieben sind vom Fahrenden Volk, welches Freudenthal noch vor rund 100 Jahren im Lüneburger Heimatbuch auflistete, nur die Wanderzirkusse. 


Hendrik Altmann




Montag, 22. Juni 2015

Die alte Oppershäuser Schleuse



Die Allerschleuse zwischen Oppershausen und Offensen ist vielen bekannt. Sie ist ein beliebter Anlaufpunkt für Angler und Paddler. Unterhalb des Stauwehres gibt es außerdem einige Badestellen. Oberhalb des Wehres steht das Vereinsheim des Flotwedeler Kanu-Klubs. 

Was vielen weniger bekannt sein dürfte ist der Umstand, dass sich die Allerschleuse noch gar nicht lange an Ort und Stelle befindet. 

Bild: die heutige Allerschleuse aus der Luft fotografiert. Quelle: Hendrik Altmann. 


Durch mehrere Begradigungen der Aller entstand im 20. Jahrhundert der heutige Flusslauf. Besonders deutlich werden die massiven Eingriffe in das ursprüngliche Landschaftsbild im Bereich nördlich des Ortes Offensen. Hier wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jh. das Schwarzwasser komplett umgebettet. 

Während dieses Gewässer einst bei Schwachhausen in die Aller mündete, wurde es nun weiter nördlich entlang geführt und fließt seitdem unterhalb der neu gebauten Oppershäuser Schleuse in die Aller. 

Übrigens - warum heißt diese Schleuse, die heute näher an Offensen liegt eigentlich "Opernhäuser Schleuse"? Nun die Antwort ist ganz einfach: früher lag die Schleuse näher an Oppershausen. 

Legt man eine topografische Karte aus dem Jahr 1945 über das heutige Satellitenbild, erkennt man wie sich der Flusslauf der Aller änderte. Diese machte einst oberhalb Offensens mehrere große Bögen. Am nördlichsten davon befand sich einst die alte Schleuse - deutlich auf der Gemarkung Oppershausens. Die neue Schleuse wurde weiter südwestlich errichtet. 

Bild: Allerschleusen bei Opershausen / Offensen. Quelle: Hendrik Altmann / Google Earth. 


In der Vergrößerung wird das ganze deutlicher. Der Arm der Aller, an welchem sich die alte Oppershäuser Schleuse befand, existiert noch heute. Allerdings ist er vom Fluss abgeschnitten und somit kein Fließgewässer mehr. 

Einst führte der Weg zur Schleuse über die Wiesen, welche westlich der heutigen Schleuse liegen. 

Bild: Allerschleusen bei Opershausen / Offensen. Quelle: Hendrik Altmann / Google Earth.


Allerdings konnte man früher nicht mit dem Auto über die Schleuse gelangen. Diese bestand nämlich aus einer Holzkonstruktion, die lediglich zu Fuss überquert werden konnte. 

Ein altes Foto zeigt das Opernhäuser Allerwehr als "Ort für viele Zeltner und Paddler". Am linken Bildrand erkennt man einen kleinen Schuppen. In diesem wurden die alten Eisbrecher aufbewahrt. Die Konstruktion der Schleuse ist ähnlich wie jene der Langlinger Schleuse weiter flussaufwärts. Diese wurde in den Jahren 1860/1861 erbaut und bestand ebenfalls aus massiven Eichenwänden. 

Im Jahr 1935 brach die Langlinger Schleuse bei niedrigem Wasserstand ein und wurde durch eine neue Konstruktion ersetzt. Die Opernhäuser Schleuse hielt bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Bild: alte Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.


Heute ist von der alten Schleuse kaum noch etwas zu erkennen. Bis auf den toten Allerarm, welcher sich noch immer bei Oppershausen durch die Landschaft schlängelt, sind keine sichtbaren Spuren erhalten. 

Bild: Allerschleuse bei Opernhauses heute. Quelle: Hendrik Altmann.


Im einstigen Staubecken stapelt sich heute jede Menge Äste und Gestrüpp, das von den umstehenden alten Weidenbäumen stammt. Die hölzerne Konstruktion des alten Stauwehres ist verschwunden. 

Bild: Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.


Es scheint fast als wäre die Zeit stehen geblieben - in manchen Abschnitten sieht der alte Alleearm aus, wie der heutige Fluss. Aber der Schein trügt: es gibt keinen Zulauf mehr - das Wasser ist kaum in Bewegung. 

Bild: Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.

Hinter dem einstigen Wehr sieht man Oppershausen liegen. Hier machte die Aller einst einen weiten Bogen an welchem die alte Schleuse lag. Möglicherweise sind noch alte Pfähle im Boden - äußerlich sind zumindest keine Spuren zu erkennen. 

Damit ist die Oppershäuser Schleuse nur ein Bestandteil, der sich im Laufe der Jahre in diesem Raum veränderte. Nur an wenigen Stellen hat sich das Landschaftsbild in den letzten 100 Jahren so stark gewandelt wie im Bereich der Aller und der angrenzenden Wiesen und Felder. Oft lassen sich diese drastischen Veränderungen heute noch mithilfe historischer Karten nachvollziehen. 

Hendrik Altmann


Donnerstag, 28. Mai 2015

Das ehemalige Jagdschloss in Wienhausen

Von diesem herrschaftlichen Gebäude fehlt heute jede Spur. Wo hat es sich einst befunden? Was hatte es überhaupt damit auf sich? 

Nur noch einige Straßennamen erinnern an das alte Schloss, welches einst in Wienhausen gestanden haben soll. So gibt es die Straße "Schlossgarten" welche in Richtung Oppershausen führt und die Straße Hofgarten, welche sich unweit entlang des Mühlenkanals entlangzieht. Gab es tatsächlich ein Schloss in Wienhausen? 

Regelmäßig finden in Wienhausen Garten-Events statt. Dabei wird oft auf den "alten Wienhäuser Gutshof" oder das "Wienhäuser Landgut" verwiesen. Allerdings hat es einen solches Gut in Wienhausen nie gegeben - das entsprechende Gebäude wurde in Schwachhausen abgebaut und ein Teil davon wieder in Wienhausen aufgestellt. Die Werbung mit dem angeblichen Wienhäuser Gut ist somit falsch und irreführend (weitere Informationen). 

Trotzdem gab es in Wienhausen einst nicht nur das wunderschöne Kloster. So zeigt die Kurhannoversche Landesaufnahme aus dem Jahr 1781 eine große Gartenanlage, welche ebenfalls ein kleines Schlossgebäude beinhaltete. Was hatte es hiermit auf sich? 

Bild: Jagdschloss in Wienhausen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1781. 

Das Schloss besaß eine Zufahrt aus nordwestlicher Richtung und eine Brücke über den Mühlenkanal. Vor dem Anwesen erstreckten sich zwei Zierteiche und dahinter eine Gartenanlage, welche von einem Nebenlauf des Mühlenkanals umgeben war. So lag das kleine Jagdschloss zentral in Wienhausen und das vermutlich über mehrere Jahrhunderte. 

Wann das Schloss erbaut wurde ist bislang nicht gewiss. Es ist überliefert, dass Herzog Heinrich der Mittlere  im Jahr 1532 in Wienhausen verstarb. Allerdings findet sich kein Hinweis auf das Jagdschloss.  Kammerrechnungen belegen das Jagdschloss ab 1668. Herzog Georg Wilhelm verschied im Jahr 1705 nach einer ausgiebigen Rebhuhnjagd auf dem Jagdschloss. Es spricht somit vieles dafür, dass die Celler Herzöge das Schloss regelmäßig und durchgehend für ihre Jagdausflüge nutzten. 

Wann das Wienhäuser Schloss abgerissen wurde ist nicht bekannt. Noch im Jahr 1858 taucht es in der Beschreibung der Städte, Ämter und adelichen Gerichte des Fürstentums Lüneburg auf. Detaillierte Berichte oder Fotos des alten Schlosses gibt es nicht. In seinem Werk "Zur Heimatkunde des Lüneburger Landes" berichtete der Pastor Bettinghaus im Jahr 1897 über das Jagdschloss in Wienhausen. 

Seinen Ausführungen nach besaßen die Celler Herzöge seit "uralter Zeit" ein Jagdschloss in Wienhausen. Im Jahr 1611 wurde an der Stelle des alten Schlosses ein neues erbaut. Später besuchte Herzog Georg Wilhelm dieses regelmäßig - der Falkenbeize wegen. Den Aufzeichnungen des Pastors Bettinghaus zufolge wurde das Schloss im Siebenjährigen Krieg von französischen Truppen als Lazarett benutzt. Die Verstorbenen sollen angeblich noch im Schlossgarten vergraben sein. Das Schloss wurde abgebrochen und soll zu Teilen wieder als Gärtnerwohnung im Französischen Garten in Celle  wieder aufgebaut worden sein (Laut Bettinghaus). 

Nach der Nienhagener Schulchronik wurde das Wienhäuser Jagdschloss nicht im Französischen Garten wieder aufgebaut. Wohl aber soll das steinerne Tor, welches gegenüber der katholischen Kirche in Celle am Eingang zum Französischen Garten steht, einst in der Einfahrt des Wienhäuser Jagdschlosses gestanden haben. 

In seiner Chronik berichtet der Celler Stadtchronist Clemens Cassel, dass das Gärtnerwohnhaus im Französischen Garten im Jahr 1611 an Ort und Stelle erbaut worden sei. Es könne also nicht aus Teilen des Wienhäuser Schlosses bestehen. Allerdings gab Bettinghaus in seinen Ausführungen ebenfalls das Jahr 1611 als Erbauungsjahr des neuen Schlosses in Wienhausen an. Seinen Aufzeichnungen zufolge soll die Jahreszahl 1611 an drei verschiedenen Stellen im Schloss in den Stein geschlagen worden sein. Es wäre also durchaus möglich, dass die entsprechenden Bauteile beim Bau der Gärtnerwohnung im Französischen Garten in Celle wieder verwendet worden sind - Clemens Cassel hätte im 20. Jahrhundert kaum feststellen können, ob die Teile bereits 1611 an Ort und Stelle verbaut wurden, oder einige hundert Jahre später erst nach Celle gelangten. 

Bis ins 19. Jahrhundert hat es das Jagdschloss in Wienhausen noch gegeben. Aus welchen Gründen es schließlich abgebrochen wurde und die zugehörigen Flächen anderweitige Verwendungen fanden, ist ungeklärt. Sehr wahrscheinlich sind die politischen Veränderungen des 19. Jahrhunderts der schlussendliche Grund für den Abbau des Jagdschlosses. 

Lange stellte sich die Frage wo genau sich das Anwesen befunden haben könnte. Der Straßenname "Schlossgarten" sorgte bislang für Verwirrung unter den ansässigen Heimatforschern - es wurde angenommen das Jagdschloss habe sich auf dem Gelände der heutigen Volksbank, bzw. unweit dahinter befunden. Diese Annahme ist jedoch nur zu Teilen korrekt. Mittels historischer Karten konnte nun die Lage des einstigen Jagdschlosses verblüffend exakt bestimmt werden. 

Im nachfolgenden Video ist dies nachzuvollziehen: https://vimeo.com/129095983 (Klick) 

Bild: Jagdschloss in Wienhausen. Quelle: Google Earth / Hendrik Altmann. 

Demzufolge stand das einstige Wienhäuser Jagdschloss genau dort, wo heute die Straße in Richtung Oppershausen verläuft - unmittelbar hinter der Volksbank. Es stand nicht - wie bislang angenommen - östlich der Straße. Dort erstreckte sich einst zwar die Gartenanlage, jedoch nicht das Schloss selber. 

Erstaunlicherweise finden sich noch heute offensichtliche Zeugen des einstigen Schlosses: die beiden Zierteiche, welche sich westlich vor dem Anwesen befanden. Die beiden Teiche existieren noch heute - die historischen Karten belegen, dass die Teiche seit 1781 an Ort und Stelle geblieben sind. 

Wer also heute auf der Straße zwischen Wienhausen und Oppershausen unterwegs ist, kann sich darauf besinnen, dass dort einst das alte Wienhäuser Jagdschloss gestanden hat. 

H. Altmann