f Altenhagen ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Samstag, 11. Oktober 2014

Altenhagen


Altenhagen. Heute ist dieser Ort mit der Stadt Celle verwachsen und grenzt sich nur noch durch eine schmale Feldflur ab. Das war jedoch nicht immer so. Altenhagen ist ein Ort mit Geschichte. Im folgenden Beitrag soll diese gewürdigt werden. 

Wann ist der Ort entstanden? Diese Frage konnte in den zahlreichen Chroniken und Aufzeichnungen bislang nicht eindeutig geklärt werden. Eine erste Erwähnung findet sich möglicherweise in einer Schnedebeschreibung (Grenzbeschreibung) des Bistums Hildesheim aus dem Jahre 1007. Darin wird ein Ort "Hainanblic", unmittelbar nach Celle genannt. Dieser muss zwischen Celle und dem sogenannten "Ekkrikesweg" - einer alten Heerstraße, deren ungefährer Verlauf der heutigen B 191 gelegen haben. 

Bereits Johann Heinrich Steffens stellte im Jahr 1763 fest, dass das Dorf Altenhagen, zu welcher Zeit es auch entstanden sein mag, nicht immer die damals aktuelle Feldflur aufwies. Steffens mutmaßte, dass sich dort, wo später der Ort Altenhagen entstand, einst Wald befand. Mächtige Eichen sollen dort gewachsen sein und einige Häuser der Stadt Celle sollen sogar aus dem Holz jener Bäume erbaut worden sein. Steffens vermutete, dass die Sprache, also der Wald, welcher sich östlich Lachtehausens erstreckt, sich einst noch weiter nördlich fortsetzte. Die Feldflur Altenhagens, das sogenannte Roland, deutete Steffens als "gerodetes Feld", also als ehemalige Waldflächen, die abgeholzt wurden. Als Indiz führt er unter anderem an, dass hier die alte Hagensprake gelegen haben soll. 

Dementsprechend wäre der Name Hainanblic möglicherweise ebenfalls in Richtung "Wald" zu deuten (Hain = Waldfläche). 

Dass der Ort bereits aus so früher Zeit stammen könnte scheint plausibel - schließlich verlief hier, nördlich von Altencelle einst die Grenze zwischen zwei alten sächsischen Gauen - dem Loingau und dem Gretingau. Die Grenze, oder auch Schnede, verlief weiter in Richtung Norden auf den Ort Garßen zu. Dort ist noch heute die Straße "Gersnethe" nach dem Schnedeverlauf benannt. 

Ab 1377 ist der Ort unter dem Namen "Oldenhagen" im Schatzregister der Vogtei Celle genannt. Ebenfalls im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 ist der Ort mit "Oldenhagen" bezeichnet. 

Bereits Steffens zog in seinem Werk "Celle im Lüneburgischen 1763" den Schluss, dass Altenhagen und Neuenhagen (Nienhagen) in Zusammenhang stehen. Ausgerechnet die Schulchronik Nienhagens vermittelt einen interessanten geschichtlichen Einblick. Demnach bezeichnete Altenhagen "den zwecks Hegung des Wildes umzäunten Wald". Dieser hieß früher allgemein "Hagen" - im Sinne von Einfriedung bzw. geschützter Ansiedlung. Auch die Schulchronik erwähnt erhebliche Waldungen im Umkreis Altenhagens. Allerdings scheint sich die Nienhagener Schulchronik in wesentlichen Teilen an dieser Stelle den Ausführungen Steffens aus dem Jahre 1763 bedient zu haben. 

Ob der Ort nun bereits um 1000 existierte, oder nicht - spätestens 1377 tauchte er in den Schatzregesten auf. Die dort verlaufende Grenze würde sicherlich dafür sprechen, dass Altenhagen um einiges älter ist, als die schriftlichen Überlieferungen belegen. 

Zwischen dem 9. August 1376 und dem 24. Juni 1377 kam es zur Brandschatzung des Ortes durch Abgesandte Heinrichs von Veltheim. 

Um 1600 taucht der Ort erstmals in Karten auf. 

Bild: Altenhagen. Quelle: Johann Mellinger, um 1600. 


Besondere Bedeutung erfuhr Altenhagen, als Ort an dem die herzögliche Reiherbeize ausgetragen wurde. Diese galt als "fürstliches Handwerk" und wurde vornehmlich von adeligen ausgetragen. Unter der Reiherbeize wird die Jagd auf Fischreiher mit Edel-Falken verstanden. Die Falken wurden vom Falkner auf der Faust getragen. Dieser ließ den abgerichteten Jagdvogel los, wenn sich ein Reiher zeigte. Die Jagdvögel hatten einst hohes Ansehen und waren äußerst wertvoll. 


Allerdings waren ausreichend Reiher nötig - deswegen wurden diese Tiere gezüchtet. In Groß Hehlen befanden sich große angelegte Nistplätze für die Vögel. Einer Beschwerde des Hans Jürgen Gärtner aus dem Jahre 1691 nach, vernichteten diese Vögel ihm fast seinen gesamten Waldbestand. 

Auf den freien Flächen vor Celle, zwischen Garßen, Vorwerk und Altenhagen fanden des Öfteren Jagten auf Reiher statt. Die Reihersäule, auch als Reiherpfal bezeichnet, zeugt von dieser Zeit. 



Bild: Reiherstein bei Altenhagen. Quelle: Speicher. 

Die Säule, bestehend aus sieben einzelnen Teilen, misst eine Höhe von etwa 12 Fuss (3m) und eine Breite von ca. 1,5 Fuss (0,5m). Sie trägt die Inschrift: 

Im Monath
Juni 1650 ist
der Anfang des 
Reyer Hauses zo 
Havwen gemacht
Ao 1653 haben sie 
zum ersten ge-
hecket als das 
Jahr 7 Fsahr. 

Am 12. marthy 
Ao 1660 haben
ihr füstl: 
Durchl. auf 
dieser Stete 
den ersten 
Reyer gefangen 



Bild: Reiherstein bei Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut. 


Bild: Reiherstein bei Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut. 


Bild: Reiherstein bei Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut. 


Bild: Reiherstein bei Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut. 


Die Inschrift stammt aus einer Aufzeichnung von Schaumann, Liebenburg aus dem Jahr 1842. Heute ist sie nicht mehr so zu gut zu entziffern. Mit dem Tode Georg Wilhelms am 28. August des Jahres 1705 wurde die Residenz nach Hannover verlegt. Zwar blieb die Reiherzucht bei Altenhagen zunächst erhalten - geriet jedoch in den nachfolgenden Jahren immer stärker in Vergessenheit. Aus Berichten des Burgvogtes Brüggemann aus dem Jahr 1734 ist zu ersehen, dass der Reiherbestand bereits stark gelitten hatte. 

Eine erste kartografisch genaue Darstellung des Ortes stammt aus dem Jahr 1732. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Environs von der Stadt Zelle. 


Zwischen der nächsten kartografischen Erfassung im Jahr 1780, nämlich der Kurhannoverschen Landesaufnahme, kam es zum Siebenjährigen Krieg. Im verlauf der Auseinandersetzung kam es bei und in Celle zu bedrohlichen Situationen, als sich im Jahr 1757/1758 französische und alliierte Truppen an der Aller gegenüber standen. 


Bild:  Altenhagen im Siebenjährigen Krieg. Quelle: Found Places


Auf alliierter Seite stand Herzog Ferdinand von Braunschweig dem französischen Heer unter dem Marshall de Richelieu gegenüber. Zu einem Zusammentreffen der Heere kam es nicht. Herzog Ferdinand von Braunschweig schlug unweit des Ortes sein Quartier auf. Weitere Informationen: Siebenjähriger Krieg bei Celle (Klick). 

Mitte des 17. Jahrhunderts schloss sich die Kirchengemeinde Altenhagen an die Stadtkirchengemeinde Celle an. 

Der erste genauere kartografische Nachweis Altenhagens stammt aus dem Jahr 1780. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780. 


Die Karte zeigt den Ort südöstlich der alten Straße, welche von Celle nördlich nach Uelzen und weiter nach Lüneburg verlief (siehe: alte Wege bei Celle (I)). Der Reiherpfahl ist hier ebenfalls eingezeichnet. Er lag vergleichsweise recht weit ab des alten Dorfes Altenhagen - inmitten der Feldmark. 

Der Atlas von Papen aus dem Jahr 1839 zeigt bereits die ausgebaute Chaussee nach Uelzen. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Papenatlas 1839. 


Noch das Preußische Messtichblatt aus dem Jahr 1899/1901 zeigt Altenhagen im ursprünglichen Zustand. Die Straße nach Lachtehausen war bereits ausgebaut. Gut erkennbar sind auch die Kiesgruben im Nordosten des Dorfes. 

Im Jahr 1858 bestand Altenhagen noch aus 15 pflichtigen Hausstellen. Es war ein Schulhaus vorhanden, sowie ein nicht-landtagsfähiger Sattelhof. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Preußisches Messtichblatt 1899/1901. 


Diesen Stand gibt ebenfalls die 1904 erschienene Aufnahme des Deutschen Reiches wider. In dieser Karte war die Bahnstrecke Celle-Wittingen noch nicht verzeichnet. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Aufnahme des Deutschen Reiches 1904. 


Einst wurde im Norden des Ortes massiver Abbau von Kies betrieben. Bei den Abtragungen wurden u.a. frühzeitliche Relikte geborgen. Auf karten sind die Kiesabbaugebiete noch erkennbar. 

Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: War Office 1945. 


Erst in der Nachkriegszeit wurden die einstigen Kiesabbauflächen geebnet und neu bebaut. Von den einstigen Feldern rund um den Ort ist heute kaum noch etwas zu sehen. 


Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: Messtichblatt 1960.  


Mit der Zeit verwuchs der Ort immer stärker mit den Ausläufern der Stadt Celle. Am 1. Januar 1973 erfolgte schließlich die Eingemeindung Altenhagens in die Kreisstadt Celle. Heute trennen nur noch einige Felder Altenhagen von Celle. 


Bild: Karte von Altenhagen. Quelle: TK 1:25.000 1971. 


Im Nordosten Altenhagens wurden große Flächen für Industriegebiete erschlossen. Das  aktuelle Satellitenbild zeigt daher einen krassen Kontrast zu den älteren Karten des Ortes auf. 

Bild: Altenhagen heute. Quelle: Google Earth.  



Heutige Ansichten...

Bild: Dorfstraße Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut 2014. 



Bild: Dorfstraße Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut 2014. 



Bild: Dorfstraße Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut 2014. 



Bild: Dorfstraße Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut 2014. 



Bild: Dorfstraße Altenhagen. Quelle: Simon Blahaut 2014. 


Ob Altenhagen wirklich einer der ältesten Orte im Landkreis ist, bleibt ungewiss. Die Quellen sprechen zumindest dafür, dass hier einst eine alte Grenze verlief und der Ort in der Geschichte fortlaufend eine gewisse herausragende Bedeutung innehatte. Es ist letztlich unerheblich, ob der Ort nun "alt" oder "sehr alt" ist. Am Ende ist festzuhalten, dass Altenhagen auf eine einzigartige Geschichte voller Höhen und tiefen zurückblicken kann. Diese Geschichte lässt sich eindrucksvoll anhand alter Karten verdeutlichen. 

Vielen Dank noch einmal an Simon Blahaut für das aktuelle Bildmaterial. 

Dieser Beitrag wird, wie andere Einträge im Ortsverzeichnis ebenfalls, laufend ergänzt und erweitert.  


Hendrik. 







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