f Filme in der Heimat: Wege im Zwielicht (1948) ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 11. September 2012

Filme in der Heimat: Wege im Zwielicht (1948)

Wege im Zwielicht

Arbeitstitel: "Solange das Herz schlägt; Ein besseres Leben"
Produktion: Junge-Film-Union, Rolf Meyer, Hamburg

Buch: Robert A. Stemmle

Regie: Gustav Fröhlich

Regieassistenz: Walter Fredersdorf

Kamera: Franz Weihmayr

Kameraassistenz: Heinz Pehlke, Walter Schenk

Bauten: Erich Grave

Schnitt: Walter Fredersdorf

Ton: Werner Kobold

Musik: Werner Eisbrenner



Darsteller: 

Gustav Fröhlich (Otto Lukas)
Johanna Lepski (Edith Siems)
Sonja Ziemann (Lissy Stenzel)
Benno Sterzenbach (Stefan Kolb)
Gert Schäfer (Peter Wille)
Und: 
Alfred Laufütte
Axel Scholz
Hubert Endlein
Peter A. Korn
Drehzeit: August bis Oktober 1947
Aufnahmeort: Hannover und Umgebung von Celle


Zum Inhalt

"Wie Wanderer zwischen den Welten sind sie entwurzelt und haltlos im Sturm der Zeit. In einem Bahnhofsbunker, unter Verbrechern und Schwarzhändlern beginnt die Odyssee dreier junger Menschen - von der Not dem moralischen Gesetz entfremdet. Sie fliehen von Dorf zu Dorf, denn die Polizei verdächtigt sie wegen eines Mordes. Mit jugendlichem Trotz und Unverstand begegnen sie hilfsbereiten  Menschen. Doch die Liebe einer Frau und eine wunderbare Lüge einer älteren Person könnte es ihnen ermöglichen, den Weg aus dem Zwielicht zu finden..." 

- So romantisch liest man es auf der Verpackung des Filmes. Um es mal mit mit zeitgemäßeren Worten zu beschreiben: 

Die jugendlichen Stefan, Sepp und Peter halten sich im Untergrund der Stadt Hannover mit kleineren Gaunereien über Wasser. In den Ruinen Hannovers blüht der Schwarzhandel. Durch einen Unfall geraten die Drei unter Mordverdacht. Hals über Kopf türmen sie zusammen mit dem kleinen Jungen Alfred aus Hannover. Herr Otto Lukas, der im Krieg wohl am rechten Auge und am rechten Bein verwundet wurde hatte tags zuvor mit einem der Jungen ein Zigarettengeschäft abschließen wollen. Nun reißt er im selben Zug ausgerechnet in dasselbe Dorf in dem auch die Jungen nach tagelanger Landstreicherei unterkommen. Was die Jungen nicht wissen: Lukas ist hier Bürgermeister. Er verbirgt sie vor der Polizei so gut er kann und bietet ihnen Unterschlupf. Zumal die Dorfbrücke während des Krieges zerstört wurde, bekommen die Jungen die Chance auf einen Neubeginn indem sie die Brücke wieder aufbauen. Stefan verliebt sich ausgerechnet in dieselbe Frau wie Lukas - Ärger ist vorprogrammiert. 


Der Hintergrund


Der Film entstand während der alliierten Filmzensur in der britischen Zone. Aufgrund von Entnazifizierungsbestrebungen war es nicht leicht einen deutschen Film in die Kinos zu bringen. Studios standen zu dieser Notstandszeit nicht zur Verfügung und so musste auf andere Örtlichkeiten ausgewichen werden. Im Film wurde daher der Tanzsaal einer Dorfgaststätte genutzt. Auch das Kloster Wienhausen bot sich für Innen- wie Außenaufnahmen an. Natürlich konnte damals niemand das Internet nutzen - und so boten Filme eine wirkliche Art der Ablenkung. Der Film entstand in der Zeit der sogenannten "Trümmerfilme". Da er jedoch in einer sehr ländlichen Umgebung spielt, entsteht recht schnell der Eindruck von Neubeginn und Aufbau. 

Drehort


Den Älteren aus Schwachhausen, Offensen, Wienhausen und Oppershausen ist "Wege im Zwielicht" sicherlich noch ein Begriff. Ein Teil der Aufnahmen stammt direkt aus Oppershausen. Andere lassen deutlich das Kloster Wienhausen (Innenhof, Kreuzgang) erkennen. Im Vordergrund steht jedoch bei einem Großteil der Außenaufnahmen die Brücke. Bei dieser handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Allerbrücke zwischen Wienhausen und Oppershausen. Da es kein Dokumentarfilm ist, ist es manchmal etwas schwierig zwischen Kulisse und Wirklichkeit zu unterscheiden. So kann man nicht sagen, ob die Trümmerteile der alten Brücke wirklich noch so dort vorhanden waren, oder ob es sich um "Requisiten" handelt. Wie in diesem Beitrag beschrieben, wurde die Allerbrücke bei Wienhausen am 13. April 1945 in Folge der Kampfhandlungen, mit der Kampfgruppe Wiking, zerstört. Es ist also gut möglich, dass eben diese Brücke zwei Jahre später für die Filmaufnahmen herhalten musste. 


Aus heutiger Sicht...

Natürlich sind viele der Themen des Films heute nicht mehr zeitgemäß. Es fällt sehr schwer sich in die Lage der Charaktere zu versetzen, da wir heute einen gänzlich anderen Hintergrund haben. Dennoch ist es sehr interessant zu sehen wie damals versucht wurde vor der Ohnmacht des Krieges einen Spielfilm zu drehen. Nicht immer kann man hinter die (teilweise) kommentarlosen Aktionen der handelnden Personen steigen, bzw. ihr Handeln verstehen. Nachdem der Film in die Kinos kam herrsche eine gespaltene Meinung über ihn. Die einen fanden er würde die Situation und den Hintergrund zu harmlos und romantisch darstellen. Die anderen fanden er zeigte die Realität. - Scheinbar war der Geschmack eben immer schon verschieden. Fakt ist, dass die Frage des Krieges - alleine schon wegen der Zerstörung (Brücke) - nicht ausgeblendet wird. Während Filme der 60er und 70er häufig nur "Wirtschaftswunder-Zeiten" betonten, setzte man sich in diesem Film schon sehr bald mit dem Trauma des Krieges auseinander. Sehr anschaulich wird das besonders, da die drei Jungen einer Generation angehören, die sich schon nicht mehr als unmittelbar schuldig für den Krieg ansieht. Es taucht die Frage auf "ja - wer hat uns denn in den Krieg geführt...". Natürlich vermag der Film darauf noch nicht das Allheilmittel und die Lösung zu liefern. Aber die Antwort des allseits weisen Otto Lukas (Gustav Fröhlich) lautet, dass es an der Zeit sei nach Vorne zu blicken. 
Die Brücke wird zum Symbol des Neubeginns. Und es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Film damit endet, dass Bauern und Bürger wieder frohen Mutes über die Brücke fahren/laufen. 

Die neue Brücke ist keine Beton- sondern eine Holzkonstruktion von Stefan. Dieser wollte schon vor dem Krieg Brücken bauen. Die Brücke drückt damit - wie in so vielen anderen werken aus - ein Zeichen der Verbindung aus. Eine "Brücke bauen" - das soll hier mehr bedeuten, als nur Infrastruktur! Materialtechnisch stößt der Film laufend an Grenzen. Es wird deutlich, dass die Filmindustrie nach dem Krieg um einige Jahre zurückgeworfen war. 

Auswahl einiger Motive...

Die Jungen fliehen mit dem Zug aus Hannover. Wie es bei Zügen damals war - die dritte Klasse saß auf Trittbrettern...













Verschiedene Bilder. Oben: Edith und Stefan. Mitte: Sepp will Lukas Zigaretten verkaufen. Unten: Stefan und Lukas planen die Brücke.


















Oben: Lukas versperrt Stefan den Weg. Mitte: Die drei Jungen bei einem Schmied. Unten: Erste Begegnung zwischen Stefan und Lukas. 
Aufnahmen vom Drehort. 
Einrichten einer Kamera. 


















Sepp und Peter bei Herrn Lukas.













Stefan und Edith.













Herr Lukas entdeckt die Jungen im Glockenturm.














Fazit

Der Film ist in jedem Fall sehenswert. Klar - Explosionen und Special Effects sucht man hier vergebens, aber für die Zeit ist der Film schon alleine der Dialoge wegen sehr gelungen. Gerade wenn man in der Region lebt und die Gegend kennt versucht man doch immer wieder zu erkennen wo gerade gedreht wird.


Bezugsquellen: 


Hier eine Liste der Bezugsquellen. Der Film ist für gute 10,00 € zu haben - ein absolut fairer Preis. Dazu gibt es auch noch eine Menge tolles Bonusmaterial.



Beste Grüße,
S.t.a.l.k.e.r.



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Quellen:
Film: Wege im Zwielicht (JFU, Rolf Meyer)
Bilder aus dem Flyer der DVD-Ausgabe, Dr. Peter Stettner, FH Hannover, Kulturarchiv.
Link: http://kulturarchiv.fh-hannover.de/

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