f Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 5. Mai 2015

Mal etwas anderes gefunden - Füchse im Wald

Auf einer meiner letzten Entdeckungstouren konnte ich junge Füchse im Wald beobachten. Dank guter Kamera habe ich die Begegnung festgehalten und möchte euch diese schönen Aufnahmen nicht vorenthalten. 

In Tarnkleidung war es mir möglich auf 3-4m an die Tiere heran zu kommen. Ich habe ebenfalls einen Film aufgenommen. Dieser ist unter folgendem Link verfügbar: 




























Montag, 27. April 2015

Heeresmunitionsanstalt Hänigsen II



Hier im Blog wurde bereits zu früherer Zeit über die ehemalige Heeresmuntionsanstalt im Wald zwischen Wathlingen und Hänigsen berichtet (Link - Klick). Zumal dieses Gelände heute zu noch am besten erhaltenen Orten der NS-Zeit im Raum Celle zählt, habe ich mich der Sache erneut gewidmet. 

Im Jahr 1937 bereits war die Heeresmuntionsanstalt Waldlager erbaut worden. Der Komplex bestand aus fünf Produktionsgebäuden, sowie vier dreigeschossigen Lagerhäusern und zwei "Handmunitionshäusern". Weiterhin wurden ein Speisesaal, sowie Sozial- und Sanitärgebäude errichtet. Bereits 1938 trafen 60 dienstverpflichtete Frauen ein, die bald die Arbeit aufnahmen. Wenig später wurden auch zahlreiche Zwangsarbeiter eingesetzt, um Munition herzustellen. 

Durch die ständig wachsende Bedrohung durch Bombenangriffe wurde die Produktion 1944 unter Tage verlegt. In unterirdischen Stollen des Bergwerkes Riedel in Hänigsen wurde weiterhin Munition gefertigt und eingelagert. In die Gebäude zog bald der Wehrkreis-Sanitätspark XI aus Hannover ein. Am 11. April 1945 wurde der Komplex durch Einheiten der 84. US Infanterie Division entdeckt ein eingenommen. 

Nach Kriegsende dienten die oberirdischen Anlagen zur Einlagerung von Sanitätsmaterial. Bereits im Jahr 1949 erwarb die Firma Bahlsen die Gebäude und nutzte sie fortan als Lager für Backzutaten, Maschinen und sonstiges. In dieser Zeit entstand der Name "Waldlager". 

Später ging das Gelände in den Besitz der Lorenz Snackworld GmbH & Co. KG über. Im Jahr 2008 stand ein möglicher Verkauf an einen Investor an, welcher an Ort und Stelle eine Biogasanlage und einen Schweinemast- und Zuchtbetrieb errichten wollte. Dazu kam es nicht und das Gelände blieb im Brachzustand. 

Bodenuntersuchungen ergaben, dass das Gelände teilweise überdurchschnittlich durch die Kampfmittelproduktion belastet ist. Unter anderem wurden Kampfstoffreste wie Phosphor und Arsen beseitigt. Es wurden 973 Kg Chemikalienrückstände mit Erdreich zur Entsorgung nach Munster gebracht. Im Boden fanden Rückstände vom Nasen- und Rachenkampfstoff Adamsit. Die zuständige Behörde sah allerdings keine Gefahr für die Öffentlichkeit da das Gelände eingezäunt ist und regelmäßig überwacht wird. 

Im älteren Beitrag (Link - Klick) finden sich einige Bilder, welche die Gebäude im einstigen Zustand zeigen. Heute ist davon freilich nur noch wenig zu erahnen. Leider war es auch nach erneuter Anfrage nicht möglich das Gelände zu betreten. Allerdings wurde die Anfrage zeitnah von den Verantwortlichen bearbeitet und erklärt weswegen ein Betreten des Geländes ausgeschlossen ist. Die nachfolgenden Bilder sind somit alle außerhalb des Geländes der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt entstanden. 


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Quellen: 
HAZ vom 21.02.2015
HAZ vom 31.01.2015


Bild: ehemaliger Bahnzubringer. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Rückansicht der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Kanalisation. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Kanalisation. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Rückansicht der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt. Quelle: Hendrik Altmann.



Bild: Gleise innerhalb des Geländes - Prellbock. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Relikte. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Relikte. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gleise innerhalb des Geländes - Prellbock. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: ehemaliger Bahnzubringer. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Gebäudekomplex. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: Warnschilder an Gebäuden. Quelle: Hendrik Altmann. 


Etwas Kurioses konnte ebenfalls erspäht werden. In einem der Lagerhäuser scheinen Palmen ein neues Zuhause gefunden zu haben. Ob es sich tatsächlich um tropische Pflanzen handelt, konnte nicht geklärt werden, denn ein Betreten des Geländes ist untersagt. Aber durch die großen Fenster des alten Produktions- und Lagergebäudes der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt konnte man deutlich Palmenblätter erkennen. 

Bild: ehemaliger Bahnzubringer. Quelle: Hendrik Altmann. 



Bild: ehemaliger Bahnzubringer. Quelle: Hendrik Altmann. 




Mittwoch, 1. April 2015

Celle - Ursprünge in römischer Zeit?

Wie schon in Fachkreisen vermutet: APRIL, APRIL! 

Was bereits viele Forscher angenommen haben, scheint sich nun zu bestätigen. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass Celle wohl auf römischen Ursprung zurückgeht. In seinem Werk "Die Römer an der Elbe" hatte der Althistoriker Klaus-Peter Johle  die römischen Exilprovinzen im norddeutschen Raum untersucht. Dass es städtische Siedlungen gegeben hat, war lange umstritten. Nun wurden in Celle ernsthafte Anzeichen für eine ursprüngliche Erschließung in der Zeit des römischen Reiches gefunden. 

Bild: Ausgrabungen im Stadtbereich, Quelle: H. Altmann
Bei Grabungen im Stadtbereich wurden Holzreste und Keramik sichergestellt, die sich ganz eindeutig in die Zeit um 300-400 n. Chr. datieren lassen. Archäologen fanden außerdem Werkzeuge und zeittypische Bearbeitungsspuren an Tongefäßen. Leider wurden viele der historischen Relikte bereits durch Bodeneingriffe zerstört. Die komplette Neuanlage der Stadt im 13. Jh. vernichtete die meisten Hinweise auf die einst stolze römische Siedlung. Im Zetrum Celles befand sich einst ein florierendes Wirtschaftszentrum. Hier entwickelte sich, aufgrund der günstigen geografischen Lage, vermutlich bereits um 25 n. Chr. ein wichtiger Umschlagplatz. Aus den nördlichen Regionen wurde Salz, Bernstein und Wachs angeliefert, während aus den südlichen Provinzen kostbare Stoffe, Gewürze und Werkzeuge angeliefert wurden. 


Bild: Fund aus Celle. Quelle: H. Altmann
Ein aufgefundenes Glasgefäß weißt klassische Spuren römischer Bearbeitung auf. Einst diente dieses kleine Gefäß sicherlich, um einen kostbaren Inhalt zu konservieren. Der Fund ist spektakulär - bereits in anderen Städten, wie Lübeck und Hamburg, dienten die einstigen Kloaken, um gut erhaltene Funde zu bergen. Dass sich dieses, seinem Fundzustand nach, einmalige Glasgefäß derart gut erhalten hat, liegt vor allem daran, dass es in einer solchen Kloake am heutigen Brandplatz landete. Die Archäologen gehen davon aus, es könnten sich unter den Grundmauern der Stadt noch zahlreiche weitere solcher spektakulären Funde ausmachen lassen. Inwiefern die Untersuchungen nun fortgeführt werden müssen, ist zum jetzigen Stand noch unklar. Zumal die Mittel für weitere Ausgrabungen erst sehr niedrig waren, müsse man nun zunächst weitere finanzielle Aspekte klären. Ein wichtiges Indiz, für die Annahme es gäbe einen römischen Stadtursprung, war bislang eine noch undatierte Karte. Sie zeigt das Zentrum der Stadt Celle. Allerdings muss die Karte vor Erbauung des Stadtschlosses entstanden sein, denn dort wo später auf dem Schlossberg das Celler Schloss errichtet wurde, befindet sich laut der Karte ein anderes Bauwerk. 

Bild: Karte zeigt Hinweise auf römischen Ursprung. Quelle: H. Altmann. 


Das fächerartige Gebäude deutet darauf hin, es könne sich um ein altes Amphitheater handeln. Diese Art der Bebauung und Nutzung wäre typisch für eine römische Siedlung gewesen, so die Experten. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Amphitheater bei der Erbauung des Schlosses abgerissen wurde. Auf den Trümmern entstand später das Schloss. Der heutige Schlossberg scheint somit das letzte sichtbare Überbleibsel aus der römischen Zeit zu sein. 

Es werden auf jeden Fall noch weitere Forschungen erforderlich sein, um der Entstehung der Stadt auf den Grund zu gehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei diesen Informationen um solche handelt, welche im Rahmen des gewöhnlichen Brauchtums zu diesem Tag bereitgestellt wurden. 

Hendrik Altmann 


Samstag, 28. März 2015

Umfrage zu Namensänderungen in Celle und Umgebung



Mit den möglichen Straßenumbenennungen in Celle, Klein Hehlen und Scheuen hat die Diskussion um dieses Thema eine neue Dimension erreicht. 

Dabei ist die Resonanz offenbar nicht einheitlich, wenn man die Reaktionen in der Öffentlichkeit und in sozialen Netzwerken verfolgt. Einerseits wird argumentiert es sollten keine Personen mit einem negativen historischen Hintergrund durch einen Straßennamen geehrt werden. Andererseits meinen viele, die Politik wolle mit solchen Maßnahmen lediglich über anderweitige Probleme hinwegtäuschen und es gäbe Wichtigeres zu tun. 

Während die Entscheidungen, über etwaige Umbenennungen, oftmals erst durch die Lokalpresse bei den Bürgern Gehör finden, werden sie zudem regelmäßig nur in Ausschüssen der Stadt, des Landkreises oder der Gemeinden erörtert. Grund genug der öffentlichen Meinung zu diesem Thema nachzuforschen. Dies soll in einer aktuellen, kostenlosen Umfrage geschehen, welche anbei verlinkt ist. Die Ergebnisse werden nach der abgeschlossenen Auswertung bekannt gegeben. 

Ziel ist es die öffentliche Meinung zu diesem Thema zu erforschen, Transparenz zu schaffen und ein mögliches Signal an die Entscheidungsträger zu geben. 






Freitag, 27. Februar 2015

Umbenennung der Werner von Fritsch Straße (Scheuen)

In der Stadt Celle und im umliegenden Landkreis ist die Umbenennung von Straßen ein  gut gepflegter Brauch. Alle Jahre wieder werden Straßennamen, die sich seit Generationen wie selbstverständlich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben, geändert. 

Dieser Brauch dient nicht etwa, um die Lernfähigkeit der Bürger zu fördern - vielmehr  gründen sich diese Maßnahmen darauf, dass den historischen Namensgebern einstige Sünden zum Verhängnis werden. 

Als prominentes Beispiel wäre etwa der "Hannah-Fueß-Weg" in Altencelle zu nennen. Und auch, wenn die "Kanonenstraße" das NS-System nicht unterstützte - auch sie wurde umbenannt. Kanonen haben wohl generell etwas Negatives an sich. Die Umbenennung der "77er-Straße" ist noch nicht gänzlich vom Tisch - da kommt auch schon eine neue Straßenbezeichnung unters Namens-Scharfott: die "Fritschstraße" in Scheuen

Wem diese Straße nun auf Anhieb unbekannt vorkommt - das ist wenig verwunderlich. Sie liegt ganz im Norden von Scheuen - einst führte sie zur ehemaligen Fritsch-Kaserne der Bundeswehr, die allerdings bereits seit einigen Jahren geschlossen wurde. Anlieger gibt es an der Straße nur wenige. 

Bild: Fritschstraße Scheuen. Quelle: Google Earth. 


Verfolgt man die öffentliche Diskussion um diese und andere Umbennungen von Straßennahmen, so liest man häufig Kommentare wie: "Steuerverschwendung", "Schaffen wir doch gleich die ganze deutsche Geschichte ab" oder "Wenn wir sonst keine Sorgen haben..." 

Wird hier wirklich leichtfertig mit der Geschichte umgegangen, oder steht ein sinnvolles Vorhaben hinter einer solchen Umbenennung? 

Es liegt auf der Hand, dass die eine Umbenennungsmaßnahme nur im seltensten Fall mit anderen vergleichbar ist. Alleine schon, weil die Namensgeber regelmäßig aus völlig unterschiedlichen Epochen stammen, kann ein direkter Zusammenhang ausgeschlossen werden. Demnach kann eine Umbenennung in einem Fall ungerechtfertigt sein und in einem anderen Fall durchaus sinnvoll. 

Wie ist es also erklärbar, dass die allgemeine Reaktion auf eine Änderung einzelner Straßennamen meist mit den gleichen Argumenten ablehnend ist? 

Man sollte sich in jedem Fall vor einer pauschalen Ablehnung hüten. Eine umfassende Untersuchung dieses Themas hat bereits der Historiker Bernhard Strebel im Auftrag der Stadt Celle durchgeführt. In seiner Abhandlung lässt Strebel nur wenig Gutes an Werner Freiherr von Fritsch. Eine direkte Handelsempfehlung ist dies zwar noch nicht - wirft jedoch die Frage auf, weswegen seit dem Erscheinen der Untersuchungsarbeit mehr als vier Jahre ins Lang gingen, bis man sich nun der Fritschstraße zuwendet. 

Und überhaupt - was wird dem besagten "Werner Freiherr von Fritsch überhaupt zur Last gelegt? 

Die Cellesche Zeitung bezeichnet Fritsch in einem Artikel als "Nazi, Anti-Demokraten und Judenhasser". Ohne Frage gibt es heute schlagkräftige Belege für diese Aussage in der Literatur. 

Fritsch, der am 4. August 1880 in Benrath bei Düsseldorf geboren wurde, hatte bereits den Ersten Weltkrieg erlebt. Am 1. Februar 1934 wurde er Chef der Heeresleitung. Bereits in einem Brief an seinen Offizier Joachim von Stülpnagel hatte er seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass General Hans von Seeckt eine Diktatur errichten möge. Die Weimarer Republik war Fritsch ein Dorn im Auge. "Schwarz, Rot und Gold" bezeichnete er im besagten Brief sogar als eines seiner Feindbilder - neben Pazifisten, Demokraten und Juden. 

Im Juli 1933 verklärte er die "nationalsozialistische Ideenwelt zum Träger deutschen Geisteslebens schlechthin". Wer gegen die nationalsozialistische Ordnung handle, sei ein Verbrecher, so Fritsch. In einem Brief an Margot von Schutzbar-Michling schrieb Fritsch: 

"Bald nach dem Krieg kam ich zur Ansicht, daß drei Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte: 1. die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche, besser gesagt den Ultramontanismus, und 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste."



Bild: Werner von Fritsch, 1932

Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R16862 / CC-BY-SA



Trotz dieser deutlichen Worte blieb Fritsch auf Distanz zur NSDAP und erhielt den Ruf eines "unpolitischen Soldaten", wobei er mit seiner Meinung im Privaten scheinbar nicht hinterm Berg hielt. Diese Haltung stieß bei einigen NS-Bonzen nicht auf Gegenliebe: in der Blomberg-Fritsch-Krise (Januar 1938) wurde seitens Heinrich Himmels eine Intrige gegen Fritsch geschürt. Ihm wurde Homosexualität unterstellt - zur damaligen Zeit ein gefährlicher Vorwurf. Als Generaloberst starb Fritsch bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im Feuer eines polnischen Maschinengewehrs am 22. September 1939. Jakob Knab sieht Fritsch als "Meisterstück der Verdrängung" an - in seinem Werk "Falsche Glorie, Das Traditionsverständnis der Bundeswehr" zeigt er auf, wie Fritsch im späteren Verständnis zu einem "aufrechten Mann des Widerstandes" wurde, obgleich er dies nie gewesen ist. 

Es wird wohl deutlich, dass Fritsch nicht zu denjenigen Personen zählen kann, die es heute verdienen, dass eine Straße nach ihnen benannt wird. 

Die Umbenennung der Fritschstraße in Scheuen ist verständlich. Und dennoch falsch. Falsch, weil es niemandem hilft einen Straßennamen zu vergessen. Es hilft weder den Menschen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, noch macht es die heutige Welt besser, wenn sie sich nicht an Werner von Fritsch erinnert. Sicher - heute würde man es anders machen. Aber Geschichte lässt sich nicht durch Namensänderungen austricksen. 

Am sinnvollsten wäre es daher die Geschichte aus heutiger Sicht konsequent und weise zu behandeln. Eine kleine Tafel über die Biografie des Werner von Frisch am Straßenschild würde ausreichen, um deutlich zu machen, dass man heute sehr wohl in der Lage ist sich von NS-Persönlichkeiten auf kluge Art und Weise zu distanzieren. 

Es ist wie mit den Monstern im Schrank - sie verschwinden auch dann nicht, wenn man sich die Augen zuhält. 

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Quellen: 

Bernhard Strebel: Es ist nicht ganz einerlei, wie di Straße heißt in der man wohnt, Straßennamen in Celle und personelle Verbindungen mit dem Nationalsozialismus, Hannover 2010. 

Cellesche Zeitung, Scheuen schafft Nazi-Straße ab, 26.02.2015. 

Wolfram Wette, The Wermacht, History, Myth, Reality, Frankfurth/Harvard 2002/2007. 

Jakob Knab, Falsche Glorie, Das Traditionsverständnis der Bundeswehr, Berlin 1995. 

Robert S. Wistrich, Who's Who in Nazi Germany, New York 1982. 


Donnerstag, 26. Februar 2015

Die Lehren aus dem Barbarenschatz-Urteil (Kommentar)


Mit Spannung hatten viele Hobbyforscher und Sondengänger den Prozess um den spektakulären Hortfund von Rülzheim, besser bekannt unter dem Namen "Barbarenschatz"  erwartet. Ein hobbymäßiger Sondengänger hatte den Fund im Frühjahr des Jahres 2014 bei seiner Suche entdeckt und eigenständig geborgen. Archäologen und Denkmalbehörden zeigten sich entsetzt, denn durch die unsachgemäße Bergung des Fundes war eine Rekonstruktion der Fundzusammenhänge nicht mehr möglich. So kam die Sache vor Gericht, denn abgesehen von der eigenmächtigen Bergung wurde dem Finder zusätzlich die Unterschlagung des Fundes vorgeworfen. 

In den folgenden Wochen und Monaten sorgte der Barbarenschatz immer wieder für hitzige Diskussionen in Foren und sozialen Netzwerken. Grund für die gesteigerte Aufmerksamkeit in der Sucher-Szene war meist schlicht und einfach die Frage wie die Sache wohl ausgehen  würde. Ein entsprechendes Urteil könnte Auswirkung auf andere Sondengänger besitzen, obwohl die Umstände des Sachverhalts denkbar schlecht auf andere Sondengänger übertragbar sind. 

Doch die Befürchtungen sind nicht unbegründet. Kaum ein anderer Fall eines privaten Schatzfundes erhielt in der Vergangenheit ein derart starkes mediales Echo. Die Konsequenzen sind offensichtlich: liest die breite Öffentlichkeit etwas über "Raubgräber" und laufen im Fernsehen Beiträge zu diesem Thema, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass solche nicht mehr unbehelligt suchen können. Informierte Spaziergänger werden sich wohl häufiger dazu aufgerufen fühlen einen gesichteten Sondengänger anzusprechen, oder sogar direkt die Polizei zu verständigen. 

Das nun vom Amtsgericht Frankenthal ergangene Urteil birgt, ob man es für zu hart oder zu milde empfindet, nicht nur für den Verurteilten Konsequenzen, sondern auch für viele andere Sondengänger, die ihrem Hobby bislang unbehelligt nachgehen konnten. Oftmals war dies nur aufgrund der Unwissenheit der Öffentlichkeit möglich - damit dürfte nun Schluss sein. 

Diese Entwicklung trifft viele Sondengänger direkt bei ihrer Ehre, zumal der Zwist zwischen Hobbyforschern und Archäologen schon seit Langem brodelt. Die Sucher haben es dabei nicht leicht - ein föderales Denkmalrecht sorgt bislang dafür, dass im Norden völlig andere Regelungen gelten, als im Süden der Bundesrepublik. Sondengänger sehen sich als "kriminalisiert" an und es wurde bereits eine "Sondengänger-Union" ins Leben gerufen, die sich gegen eine Bevormundung von behördlicher Seite zur Wehr setzen will. 

Ist also eine der Lehren aus dem Barbarenschatz-Urteil, dass es nun erst recht an der Zeit ist tiefe Gräben zwischen Sondengängern, Archäologen und Denkmalbehörden zu ziehen? Muss jetzt endlich ein Denkmalrecht nach englischem Vorbild eingeführt werden, welches eine Suche für jedermann ermöglicht? Das kann im Grunde niemand ernsthaft wollen, denn Archäologie eignet nicht nicht für derartige Experimente. 

Dass eine gute Zusammenarbeit dennoch möglich ist, zeigen zahlreiche Beispiele. So bietet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege besondere Kurse für Sondengänger an. Dabei lernen die Teilnehmer elementare Vorschriften zu beachten, aber auch praxisorientiert zu arbeiten. Für diejenigen, die sich also ernsthaft als Sondengänger betätigen möchten, gibt es bereits gute Optionen. Diese sind allerdings noch weiter ausbaubar und weisen an manchen Stellen bislang Defizite auf. 

So herrschen oft, trotz Kooperationsmöglichkeit seitens des jeweiligen Bundeslandes, teilweise gravierende Unterschiede auf Kommunalebene. So kommen manche Sondengänger in den Genuss Vorteile zu nutzen, die bereits im benachbarten Landkreis nicht gegeben sind. 

Letztlich können alle Beteiligten nur von einer Zusammenarbeit profitieren. In diversen anderen Bereichen ist es ebenfalls nötig gewisse Prüfungen und Seminare zu durchlaufen. Niemand käme beispielsweise auf den Gedanken einen Führer- oder Waffenschein in Frage zu stellen. Zertifizierungskurse für ehrenamtliche Sondengänger sind somit der einzige sinnvolle Weg, dieser Thematik zu begegnen. 


Hendrik



Dienstag, 24. Februar 2015

Marinesperrzeugamt Starkshorn III



Es kommt nicht häufig vor, dass neue Erkenntnisse auftauchen, die eine alte Geschichte noch einmal richtig interessant werden lassen. 

Das ehemalige Marinesperrzeugamt Starkshorn im Wald zwischen Eschede und Unterlüss wurde bereits zweimal in diesem Blog behandelt (Links: Teil 1, Teil 2). Dabei blieben immer einige Fragen offen. In der Literatur ist diese Einrichtung zwar behandelt worden - aber auch hier sind nicht alle Details ans Licht gekommen. Wie in vielen der geheimen Produktionsstätten, wurden auch im Marinesperrzeugamt zahlreiche Unterlagen vernichtet. Es ist somit aus heutiger Sicht nicht mehr möglich alles zu rekonstruieren - auch wenn man sich bemüht. Es bleibt also gewissermaßen eine Puzzlearbeit. Das Internet kann dabei kaum helfen - es ist nicht gewiss welche Einheiten einst zum Einsatz kamen. Auch die Zeit der Auflösung der Einrichtung wirft Fragen auf. 

Nun kam kürzlich ein weiteres Puzzleteil ans Licht, das Aufschluss geben kann welche Ausmaße die Einrichtung einst hatte. Es handelt sich um eine Handskizze, die unmittelbar nach Kriegsende angefertigt wurde. Darauf wurden Wege, Gleise, Bunker und weitere Gebäude dieser Anlage verzeichnet. Es handelt sich bislang um die einzige detaillierte Karte der einstigen Munitionsfabrik. 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Stadtarchiv Celle. 


Die Karte zeigt abgeteilte Bereiche (A-P), an denen einzelne Bunker eingezeichnet sind. Diese Bunker sind durchnummeriert und liegen sowohl an Wegen, als auch an einstigen Gleisen der ehemaligen Feldbahn. Nähere Informationen dazu wurden bereits in vorherigen Beiträgen erläutert (Links: Teil 1Teil 2). 

Auf der Karte findet sich der handschriftliche Hinweis "Unter Starkshorn ablegen" - welcher vermutlich erst nachträglich im Archiv vermerkt wurde. Die Ablage könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Karte so lange verborgen blieb - wenn man nicht explizit nach "Starkshorn" sucht, findet man sie nicht. 

Aber sie wurde im Archiv auch nicht direkt unter "Starkshorn" abgelegt, sondern in einer Akte zu den einstigen Munitionsanstalten im Landkreis. Nach Kriegsende gab es viele Firmen, die die restlichen Einrichtungsgegenstände verwerteten. 

Aber wie lässt sich diese abstrakte Karte deuten? Dazu kann man sie als Layer in Google Earth einbinden: 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Stadtarchiv Celle / Google Earth. 


Einige der verzeichneten Objekte werfen Fragen auf. Im Süden ist beispielsweise eine "Werkstatt der Wehrmacht" eingetragen. Daneben finden sich Lagergebäude und zwei ominöse Bunkergebäude, die mit "V1" und "V2" bezeichnet sind - diese Bezeichnung fällt jedoch aus dem Schema der Karte heraus, denn die restlichen Bunker sind jeweils nach den Zonen A-P bezeichnet. So finden sich im Bereich A unter anderem die Lagerbunker A1 bis A13. Eine Zone "V" existiert aber nicht. Die beiden Objekte "V1" und "V2" fallen somit aus dem Schema heraus und stellen eigene, bislang nirgend erläuterte Objekte dar. 

Sollte es sich hier um einen Hinweis auf die V-Waffen (Vergeltungswaffen) befinden? Immerhin scheint es sehr seltsam, dass es kein V3 in der Karte gibt. Entweder es ist purer Zufall, oder hier besteht vielleicht wirklich eine Analogie zu den Raketenwaffen V1 und V2. 

Die Rückschlüsse lassen sich wie folgt in das aktuelle Satellitenbild übernehmen: 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Google Earth. 


Deutlich fallen die gesprengten Bunker in der linken Bildhälfte ins Auge. Eine, und der Karte ebenfalls verzeichnete "Nebenwache" befindet sich im Norden des Geländes. 

Auch das in der Karte als "H-Stand" eingezeichnete Objekt wirft Fragen auf. Es findet sich keine schlüssige Deutung für dieses Objekt. Worum könnte es sich dabei handeln? Scheinbar war es dem Kartenersteller wichtig dieses Objekt gesondert hervorzuheben...

Bild: Lagerbunker im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Aus der entsprechenden Akte geht hervor, dass sich zahlreiche Firmen an der Verwertung der Gegenstände des Marinesperrzeugamtes nach Kriegsende beteiligten. Entsprechende Anfragen umfassen unter anderem Kabeltrommeln und Material, welches noch in den Bunker und Gebäuden lagerte. 

Die britischen Streitkräfte hatten unmittelbar nach Kriegsende mit der Vernichtung der Munition begonnen. Sauber wurde dabei nicht gearbeitet - oft wurden die Bunker mitsamt der Munition gesprengt, sodass bis heute nicht klar ist wie viel nicht detonierte Munition im Bereich liegt. Unbestätigten Quellen zufolge sollen ebenfalls Teile der sagenhafte V2-Rakete im Marinesperrzeugamt gefunden bzw. vernichtet worden sein. Lagen diese Teile bereits dort, oder wurden sie extra dorthin transportiert? 

Kurios: bei der Verwertung von einstigen Beständen des Marinesperrzeugamtes wurden unter anderem Uhren von Minenzündern für Standuhren genutzt. Ein Uhrenhersteller stellte einen Antrag an die zuständige Verwaltungsbehörde, um die Minenzünder-Uhren für den zivilen Gebrauch verwerten zu können. 


Die Masse der Bestände der Einrichtung war bereits kurz nach Kriegsende von der Bevölkerung geplündert worden. Was übrig war, wurde von verschiedenen Firmen ordnungsgemäß verwertet. 

Heute erinnern nur noch wenige Relikte an das ehemalige Marinesperrzeugamt bei Starkshorn. 

Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Trummer im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bereits in zwei vorherigen Berichten wurde über das Marinesperrzeugamt bei Starkshorn berichtet (Links: Teil 1Teil 2). Trotzdem konnten bislang nicht alle offenen Fragen geklärt werden. Fehlende Dokumente und Unterlagen sind ein Grund dafür. 

Die kürzlich entdeckte Karte zeigt das Gelände unmittelbar nach Kriegsende und stellt damit eine wichtige Quelle dar, zumal es die einzige bisher bekannte und hinreichend detaillierte Karte des Areals ist. Darauf sind zahlreiche alte Bunker und ehemalige Gebäude verzeichnet. Teilweise werfen diese Fragen auf, die möglicherweise auch nie abschließend zu klären sind. Dennoch ist es wichtig diese Fragen zu stellen - nur so kann eine Erforschung dieser Einrichtung zu weiteren Erkenntnissen führen. 

Hendrik Altmann


Donnerstag, 19. Februar 2015

Tieffliegerangriff bei Wienhausen am 19. Februar 1945



Am 19.Februar 1945, einem für diese Jahreszeit recht warmen, Wintertag tobte der Zweite Weltkrieg an allen Fronten. Die Rote Armee hatte die Reichsgrenze überschritten* und die westlichen Alliierten rückten auf den Rhein vor. Während an diesem Tage deutsche Truppen die Stadt Breslau erbittert verteidigten, entbrannte im Pazifikkrieg die Schlacht um Iwojima. 


Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, kontaktierte den schwedischen Grafen Folke Bernadotte. Graf Bernadotte sollte, als Vizepräsident des schwedischen Roten Kreuzes, eine Freilassung von KZ-Häftlingen erwirken. Himmler widersprach einer solchen Freilassung stimmte jedoch einer Betreuung durch das schwedische Rote Kreuz zu (Rettungsaktion der Weißen Busse). Bereits während der Gespräche versuchte Himmler einen separaten Frieden mit den westlichen Alliierten zu erwirken - allerdings ohne Erfolg. Auch im Landkreis Celle hinterließ dieser 19. Februar seine Spuren. Bereits häufiger war es in den vergangenen Tagen zu vereinzelten Tieffliegerangriffen gekommen. Von größeren Bombardierungen blieb Celle zumindest bis zum Anlaufen der "Operation Clarionam 22. Februar 1945 verschont. 



Bereits am 22. Januar 1945, also knapp einen Monat zuvor, war es zu einem Tieffliegerangriff auf einen Personenzug bei Winsen (Aller) gekommen. Vier Mädchen starben dabei. 

Am 19. Februar nun, verkehrte ein Personenzug zwischen Celle und Gifhorn. In der Langlinger Chronik erinnerte sich Helmut Siuts an jenen Tag. Er hatte am Morgen gemeinsam mit seinen Mitschülern den Zug von Müden (Aller) nach Celle bestiegen. Licht im Zug gab es keines - schließlich befürchtete man Tieffliegerangriffe. Der weithin sichtbare Dampf der Lokomotiven sorgte ohnehin schon für ausreichend Aufsehen. 

Siuts erinnerte sich, dass der Zug aus drei Personen-, einem Gepäckwaggon und einem Waggon mit einer Flugabwehrkanone (FLAK) bestand. Die FLAK wurde von zwei Soldaten bedient und sollte den Zug im Notfall gegen Flugangriffe schützen. 

Dieses Szenario wurde mehrfach geübt - ärgerlich für die Schüler war es nur, wenn solche Übungen auf dem Heimweg von Celle stattfanden, denn dann verzögerte sich die Ankunft Zuhause und es ging Freizeit verloren. Im Falle einer Luftschutzübung fuhr der Zug durch den Wienhäuser Bahnhof und überquerte die Straße nach Eicklingen, um anschließend im dichten Wald hinter dem Bahnübergang zu halten. Die Bäume sollten einen gewissen Schutz bieten - und dem angreifenden Piloten zumindest kein freies Schussfeld liefern. Im Rahmen der Übung mussten die Insassen den Zug verlassen und in Deckung gehen. Zumal die meisten Männer im Krieg waren, befanden sich vorwiegend Frauen, ältere Männer und Kinder in diesem Zug, der gegen Mittag des 19. Februar 1945 in Celle abfuhr.


Bild: Bahnhof Wienhausen (nach dem Krieg aufgenommen). 


Über Westercelle, Altencelle und Bockelskamp erreichte der Zug schließlich Wienhausen. Und wieder gab es hier Fliegeralarm. Man vermutete es handele sich auch jetzt nur um eine der Übungen. An diesem 19. Februar war es jedoch keine. 

Hermann Strothmann erinnerte sich, dass er sich als Jugendlicher zum Zeitpunkt des Angriffs im Wald hinter dem Wienhäuser Bahnhof aufhielt. Hier lag eine SS-Köhler-Kompanie, die in großen Meilern Holzkohle herstellte. Aufgrund der Benzinknappheit wurden damals einige Fahrzeuge (PKW und LKW), wie beispielsweise der VW Kübelwagen Typ 239 mit einem Holzkohlegemisch angetrieben. 

Es waren zwei englische Jagdflugzeuge - vermutlich Spitfires - die den Zug, nach Verlassen des Wienhäuser Bahnhofs, auf’s Korn nahmen. Strothmann bekam von seinem Standort aus nicht mit, welche Schäden die beiden Flugzeuge anrichten – wohl aber, dass sie mehrere Male kreisten und immer wieder erneut angriffen.


Bild: Bahnstrecke bei Wienhausen. Quelle: Google Earth / Karte 1945 als Overlay (grau schraffiert). 


Siuts erinnerte sich in der Langlinger Chronik, dass die beiden Soldaten, welche eigentlich die FLAK bedienten, zuvor auf dem Wienhäuser Bahnhof ausgestiegen waren. Der Zug fuhr scheinbar jedoch ein Stück weiter - der Fliegeralarm ist somit wohl nach Erreichen des kleinen Waldstückes hinter Wienhausen ausgegeben worden. 

Nun brach aber eine fürchterliche Schießerei los. Nach dem ersten Überflug kehrten die zwei Flugzeuge zurück. Passagiere stürzten auf beiden Seiten aus dem Zug. Siuts lief mit seinen Freunden in südliche Richtung – immer auf Eicklingen zu. Erneut setzten die Flugzeuge zum Angriff an. Die Menschen warfen sich der Länge nach auf den Boden. Jedes Mal, wenn die Flugzeuge den Zug überflogen hatten und in einer Schleife wendeten, konnten die Insassen ein kleines Stück weiter laufen, um aus dem Schussfeld zu entkommen. Dann setzte erneut der Beschuss ein. 

Erst nachdem der Angriff vorüber war, konnten die Überlebenden zum Zug zurückkehren. Karl Niemann, der als Schaffner den Zug begleitete, hatte noch die FLAK bedient und war tödlich verwundet worden. Bald trafen erste Rettungskräfte ein. Auf der linken Seite des Zuges, also nördlich der Bahnstrecke, war der Bewuchs spärlicher. Wegen der unzureichenden Deckung war es hier deutlich gefährlicher gewesen. Verwundete wurden in die Celler Krankenhäuser gebracht. Neben Karl Niemann wurden ebenfalls Margarethe Homann aus Langlingen und der Betriebsführer Robert Alexander Riedel tödlich verwundet.

Bild: Bahnstrecke bei Wienhausen heute. Quelle: Hendrik Altmann. 

Unverständlich bleibt, weswegen die Flugzeuge ein nicht-militärisches Ziel derart schwer attackierten. Es kann nur vermutet werden, dass die Piloten entweder absichtlich einen zivilen Personenzug angriffen, oder ihn für einen militärischen Transport hielten. Im letzteren Fall dürfte die zum Einsatz gekommene FLAK dazu beigetragen haben, dieses Missverständnis zu unterstützen. Das Motiv lässt sich bis heute nicht abschließend klären. Entsprechende Protokolle fehlen. Angriffe wie dieser waren in den letzten Kriegstagen allerdings keine Seltenheit. Den Überlebenden sind sie bis heute in Erinnerung geblieben.

Hendrik Altmann

*Anm.: Korrektur am 02.04.2015: 
Am 19. Februar stand die Rote Armee bereits auf dem deutschen Reichsgebiet. Breslau wurde bereits am 15. Februar von der Roten Armee eingeschlossen, jedoch noch bis um den 6. Mai 1945 durch die deutschen Truppen, welche in der Stadt eingeschlossen waren, verteidigt. 


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Quellen: 
H. Schmidt-Harries; Langlinger Chronik, S. 362 f. 
H.J. Oelker; Familiendatenbank Celle Süd-Ost. 
Mdl. Gespräch mit Hermann Strothmann. 


Dienstag, 17. Februar 2015

Celle - Stadtentwicklung seit 1732 in nur einer Minute



Ihr wohnt schon lange in Celle und könnt euch manchmal immer noch keinen Reim darauf machen in welcher Epoche eure Straße entstanden ist? Seit wann gibt es euer Viertel - war dort einst Feld oder Wald und Wiese? 

Alle Einzelheiten lassen sich wohl anhand der folgenden kleinenZeitreise nicht klären. Aber dafür dauert sie ja auch bloß eine Minute. 

Über folgende Jahreszahlen bewegen wir uns in die Gegenwart: 1732, 1758, 1780, 1839, 1899, 1904, 1945, 1971, 1987. 

Viel Spaß damit :) 


Celle 1732 bis 1987 from S.t.a.l.k.e.r. on Vimeo.