f Marinesperrzeugamt Starkshorn III ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 24. Februar 2015

Marinesperrzeugamt Starkshorn III



Es kommt nicht häufig vor, dass neue Erkenntnisse auftauchen, die eine alte Geschichte noch einmal richtig interessant werden lassen. 

Das ehemalige Marinesperrzeugamt Starkshorn im Wald zwischen Eschede und Unterlüss wurde bereits zweimal in diesem Blog behandelt (Links: Teil 1, Teil 2). Dabei blieben immer einige Fragen offen. In der Literatur ist diese Einrichtung zwar behandelt worden - aber auch hier sind nicht alle Details ans Licht gekommen. Wie in vielen der geheimen Produktionsstätten, wurden auch im Marinesperrzeugamt zahlreiche Unterlagen vernichtet. Es ist somit aus heutiger Sicht nicht mehr möglich alles zu rekonstruieren - auch wenn man sich bemüht. Es bleibt also gewissermaßen eine Puzzlearbeit. Das Internet kann dabei kaum helfen - es ist nicht gewiss welche Einheiten einst zum Einsatz kamen. Auch die Zeit der Auflösung der Einrichtung wirft Fragen auf. 

Nun kam kürzlich ein weiteres Puzzleteil ans Licht, das Aufschluss geben kann welche Ausmaße die Einrichtung einst hatte. Es handelt sich um eine Handskizze, die unmittelbar nach Kriegsende angefertigt wurde. Darauf wurden Wege, Gleise, Bunker und weitere Gebäude dieser Anlage verzeichnet. Es handelt sich bislang um die einzige detaillierte Karte der einstigen Munitionsfabrik. 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Stadtarchiv Celle. 


Die Karte zeigt abgeteilte Bereiche (A-P), an denen einzelne Bunker eingezeichnet sind. Diese Bunker sind durchnummeriert und liegen sowohl an Wegen, als auch an einstigen Gleisen der ehemaligen Feldbahn. Nähere Informationen dazu wurden bereits in vorherigen Beiträgen erläutert (Links: Teil 1Teil 2). 

Auf der Karte findet sich der handschriftliche Hinweis "Unter Starkshorn ablegen" - welcher vermutlich erst nachträglich im Archiv vermerkt wurde. Die Ablage könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Karte so lange verborgen blieb - wenn man nicht explizit nach "Starkshorn" sucht, findet man sie nicht. 

Aber sie wurde im Archiv auch nicht direkt unter "Starkshorn" abgelegt, sondern in einer Akte zu den einstigen Munitionsanstalten im Landkreis. Nach Kriegsende gab es viele Firmen, die die restlichen Einrichtungsgegenstände verwerteten. 

Aber wie lässt sich diese abstrakte Karte deuten? Dazu kann man sie als Layer in Google Earth einbinden: 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Stadtarchiv Celle / Google Earth. 


Einige der verzeichneten Objekte werfen Fragen auf. Im Süden ist beispielsweise eine "Werkstatt der Wehrmacht" eingetragen. Daneben finden sich Lagergebäude und zwei ominöse Bunkergebäude, die mit "V1" und "V2" bezeichnet sind - diese Bezeichnung fällt jedoch aus dem Schema der Karte heraus, denn die restlichen Bunker sind jeweils nach den Zonen A-P bezeichnet. So finden sich im Bereich A unter anderem die Lagerbunker A1 bis A13. Eine Zone "V" existiert aber nicht. Die beiden Objekte "V1" und "V2" fallen somit aus dem Schema heraus und stellen eigene, bislang nirgend erläuterte Objekte dar. 

Sollte es sich hier um einen Hinweis auf die V-Waffen (Vergeltungswaffen) befinden? Immerhin scheint es sehr seltsam, dass es kein V3 in der Karte gibt. Entweder es ist purer Zufall, oder hier besteht vielleicht wirklich eine Analogie zu den Raketenwaffen V1 und V2. 

Die Rückschlüsse lassen sich wie folgt in das aktuelle Satellitenbild übernehmen: 

Bild: Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Google Earth. 


Deutlich fallen die gesprengten Bunker in der linken Bildhälfte ins Auge. Eine, und der Karte ebenfalls verzeichnete "Nebenwache" befindet sich im Norden des Geländes. 

Auch das in der Karte als "H-Stand" eingezeichnete Objekt wirft Fragen auf. Es findet sich keine schlüssige Deutung für dieses Objekt. Worum könnte es sich dabei handeln? Scheinbar war es dem Kartenersteller wichtig dieses Objekt gesondert hervorzuheben...

Bild: Lagerbunker im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Aus der entsprechenden Akte geht hervor, dass sich zahlreiche Firmen an der Verwertung der Gegenstände des Marinesperrzeugamtes nach Kriegsende beteiligten. Entsprechende Anfragen umfassen unter anderem Kabeltrommeln und Material, welches noch in den Bunker und Gebäuden lagerte. 

Die britischen Streitkräfte hatten unmittelbar nach Kriegsende mit der Vernichtung der Munition begonnen. Sauber wurde dabei nicht gearbeitet - oft wurden die Bunker mitsamt der Munition gesprengt, sodass bis heute nicht klar ist wie viel nicht detonierte Munition im Bereich liegt. Unbestätigten Quellen zufolge sollen ebenfalls Teile der sagenhafte V2-Rakete im Marinesperrzeugamt gefunden bzw. vernichtet worden sein. Lagen diese Teile bereits dort, oder wurden sie extra dorthin transportiert? 

Kurios: bei der Verwertung von einstigen Beständen des Marinesperrzeugamtes wurden unter anderem Uhren von Minenzündern für Standuhren genutzt. Ein Uhrenhersteller stellte einen Antrag an die zuständige Verwaltungsbehörde, um die Minenzünder-Uhren für den zivilen Gebrauch verwerten zu können. 


Die Masse der Bestände der Einrichtung war bereits kurz nach Kriegsende von der Bevölkerung geplündert worden. Was übrig war, wurde von verschiedenen Firmen ordnungsgemäß verwertet. 

Heute erinnern nur noch wenige Relikte an das ehemalige Marinesperrzeugamt bei Starkshorn. 

Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Trummer im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Fahrzeugarage im Marinesperrzeugamt Starkshorn. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bereits in zwei vorherigen Berichten wurde über das Marinesperrzeugamt bei Starkshorn berichtet (Links: Teil 1Teil 2). Trotzdem konnten bislang nicht alle offenen Fragen geklärt werden. Fehlende Dokumente und Unterlagen sind ein Grund dafür. 

Die kürzlich entdeckte Karte zeigt das Gelände unmittelbar nach Kriegsende und stellt damit eine wichtige Quelle dar, zumal es die einzige bisher bekannte und hinreichend detaillierte Karte des Areals ist. Darauf sind zahlreiche alte Bunker und ehemalige Gebäude verzeichnet. Teilweise werfen diese Fragen auf, die möglicherweise auch nie abschließend zu klären sind. Dennoch ist es wichtig diese Fragen zu stellen - nur so kann eine Erforschung dieser Einrichtung zu weiteren Erkenntnissen führen. 

Hendrik Altmann

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