f Heimatforschung im Landkreis Celle

Freitag, 27. November 2020

Ehemaliger Scheinflughafen Wilsche

Relikte militärische Anlagen kann man heute teilweise an Stellen aufspüren, an denen sie auf den ersten Blick keinen erkennbaren Sinn und Zweck aufweisen. So verhält es sich oft bei Anlagen, die früher die Bestimmung hatten, von anderen Objekten abzulenken. Ein gutes Beispiel ist der ehemalige Scheinflughafen bei Wilsche (Gifhorn). 

Tarnen und Täuschen - dieser Grundsatz aus dem militärischen Sprachgebrauch war bereits im Zweiten Weltkrieg von maßgeblicher Bedeutung. Die alliierte Luftaufklärung war sehr effizient aufgestellt worden. Insbesondere die britische Royal Air Force setzte spezielle Jagdflugzeuge zu Fotomissionen ein. Ziel war es unter anderem militärische Einrichtungen aufzuklären. Hierbei kam den deutschen Flugplätzen eine besondere Rolle zu. Einerseits ließen sich diese aufgrund ihrer Größe nur sehr bedingt durch Tarnmaßnahmen verschleiern. Andererseits war die Bekämpfung der Luftwaffenstandorte unumgänglich, um größere Luftoperationen über dem Reichsgebiet ausführen zu können. 

Von deutscher Seite hatte man die Problematik erkannt. Am Boden befindliche Flugzeuge boten ein leichtes Ziel für alliierte (Jagd-)Bomber. Im Bereich der Flugplätze wurden daher weitläufige Auflockerungsflächen geschaffen, in denen Flugzeuge abgestellt werden konnten. In der näheren Umgebung des ehemaligen Flugplatzes Wesendorf lassen sich die Relikte dieser Auflockerungsflächen noch heute im Gelände erkennen. 

Viele Luftwaffenstandorte verfügten darüber hinaus über sogenannte Scheinflugplatze (S-Anlagen), die angreifende alliierte Flugzeuge auf eine falsche Fährte locken sollten. Durch Attrappen von Gebäuden und künstliche Ausleuchtung dieser Scheinanlagen sollte von den eigentlichen Flugplätzen abgelenkt werden. Eine solche S-Anlage existierte früher auch für den Flugplatz Wesendorf - sie lag im sogenannten Schnittsumpf, nördlich von Wilsche. 

Bild: Lage der ehem. S-Anlage. Quelle: Google Earth, Eintragungen H. Altmann, 2020. 

Die S-Anlage bei Wilsche lag rund 5,5 km südwestlich des Flugplatzes Wesendorf. Es handelte sich um einen ca. 800 x 800 m großen Platz, der mit verschiedenen, aus der Luft gut erkennbaren, Einrichtungen. Unter anderem verfügte die S-Anlage über zwei große Hallenattrappen bzw. Attrappen von Hangargebäuden. Diese befanden sich an der südlichen Seite des Scheinflugplatzes. 

An der östlichen Seite des Platzes lagen einige vorbereitete Abstellflächen für Flugzeuge. Diese waren an den Waldrändern angeordnet und sagen aus der Luft ganz genau so aus, wie es bei "echten" Flugplätzen üblicherweise auch der Fall war. An der westlichen Seite befanden sich Abstellbuchten bzw. Wälle zwischen denen Flugzeuge abgestellt werden konnten. 

Bild: Lage der ehem. S-Anlage. Orange: Flugplatzanlagen, Grün: Abstellflächen. Quelle: Google Earth, Eintragungen H. Altmann, 2020. 

Ein Luftbild der US Air Force vom 17.05.1944 zeigt den Scheinflugplatz und seine Anlagen sehr deutlich. Im westlichen Bereich ist ein auffällig abgestelltes Flugzeug zu sehen, das möglicherweise bewusst so gut sichtbar abgestellt worden war, um die Aufmerksamkeit auf den Scheinflugplatz zu lenken. Mitten im Gelände kreuzten sich zwei Start- bzw. Landebahnen, die allerdings auch nur zum Schein angelegt worden waren. Heute ist von dem einstigen Scheinflugplatz so gut wie nichts mehr zu erkennen, da das Gelände neu aufgeforstet wurde. 

Bild: Rechts des Weges befanden sich einst die Hallenattrappen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Obwohl der Scheinflugplatz aus der Luft den Eindruck einer echten Flug- bzw. Abstellfläche erweckte, waren am Boden nur die notwendigsten Baumaßnahmen ausgeführt worden. So sind die vermeintlichen Splitterschutzwälle deutlich kleiner als ihre großen "Verwandten" bei Westendorf. Trotzdem lassen sich diese kleinen Wälle noch heute im Gelände erkennen. 

Bild: vermeintliche Splitterschutzwälle im Bereich der S-Anlage Wilsche. Quelle: H. Altmann, 2020. 

An anderer Stelle finden sich aufgeworfene Erdhügel mit quadratischem Grundriss. Ihre Funktion erschließt sich nicht ohne Weiteres. Möglicherweise war der blanke Sand früher aus der Luft besonders deutlich zu erkennen und die regelmäßigen Formen erinnerten ggf. an vorbereitete Abstellflächen für Flugzeuge. 

Bild: Rechts des Weges befanden sich einst die Hallenattrappen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Allen Täuschungsmaßnahmen zum Trotz wurde der Scheinflughafen offenbar nicht aus der Luft angegriffen. Zumindest finden sich in der näheren Umgebung keine Einschlagskrater durch Bombenabwürfe. Sofern Luftangriffe erfolgt sein sollten, könnten diese somit höchstens mittels Bordmaschinenwaffen geschehen sein. 

Genutzt wurde der Scheinflugplatz tatsächlich fast ausschließlich zu Täuschungszwecken. Mit einer Ausnahme: im Winter 1944/1945 wurden Flugzeuge des Kampfgeschwaders 30 im Bereich der S-Anlage abgestellt. 

Heute müsste man zunächst wissen, was dieses unscheinbare Waldgelände früher einmal beherbergt hat, um die wenigen noch vorhandenen Spuren als Relikte eines Scheinflugplatzes zu deuten. Die Ermittlung dieser Erkenntnisse ist daher nur noch anhand historischer Luftbilder, Laserscanaufnahmen und zeitgenössischer Schriftquellen möglich. 

H. Altmann



Freitag, 13. November 2020

Heeresmunitionsanstalt Celle: chemische Spitzenkampfstoffmunition

In der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen wurde zu Kriegszeiten konventionelle Munition gefertigt und gelagert. Weniger bekannt ist: zu Kriegsende wurde ebenfalls chemische Kampfstoffmunition eingelagert. Was steckt dahinter? 

Spuren aus der Zeit der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen sind am Reiherberg bis heute zu erkennen. Zusammengefallene Bunker, alte Straßenverläufe und Mauerreste. Die Relikte und Trümmer sind stumme Zeugen einer der größten Rüstungseinrichtungen die es bei Celle früher gegeben hat. 

Bereits während des Ersten Weltkriegs gelangte ein ca. 210 ha großes Gelände "am Arloh" in Reichseigentum. Am 5. Dezember 1916 erwarb es die Kaiserliche Werft Wilhelmshafen das Areal und errichtete dort einen Marineflugplatz. In den Zwanzigerjahren hatte die Stadt Berlin einen Teilbereich des, zu dieser Zeit nicht mehr militärisch genutzten, Geländes erworben und dort ein Landerholungs- sowie ein Landerziehungsheim eingerichtet. 

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 führte zu einer raschen militärischen Wiederaufrüstung. Auf der Arloher Heide begann 1934 eine rege Bautätigkeit. Namenhafte Celler Bauunternehmen waren an der Errichtung der neuen Heeresmunitionsanstalt beteiligt. Diese bestand einerseits aus einem Fertigungs- bzw. Produktionsbereich und einem Lagerungsbereich. In diesem wurden etliche massive Lagerbunker errichtet. 

Bild: Umzäunung des Lagerbereichs der Heeresmunitionsanstalt Scheuen. Quelle: Altmann, 2020. 

Die Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen diente zur Fertigung von konventioneller Munition - eine Herstellung von Explosivstoffen erfolgte dagegen nicht. Gefertigt wurde insbesondere Granatwerfermunition, Granaten für Panzerabwehrkanonen sowie Flugabwehrkanonen und Granaten für Kanonen. Infanteriemunition ist in der Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen nicht gefertigt, sondern nur eingelagert worden. 

Die Lagerung der Munition erfolgte in den zahlreichen Lagerbunkern, die sich nördlich an den Fertigungsbereich anschlossen. Zwei Typen von verbunkerten Lagerhäusern waren hierfür errichtet worden. Die größeren maßen eine Grundfläche von ca. 200 qm - die kleineren ca. 50 qm. Die Bunker waren an langen Verbindungsstraßen errichtet, sodass die Munition ohne größere Umstände ein- und ausgelagert werden konnte. 

Bild: eingestürzter Lagerbunker der Heeresmunitionsanstalt Scheuen. Quelle: Altmann, 2020. 

Die Präsenz der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt ist heute allgemein bekannt. Weniger bekannt ist dagegen, dass es in den letzten Kriegsmonaten zur Ein- und Auslagerung sogenannter Spitzenkampfstoffe kam. Es handelte sich um chemische Kampfstoffe - insbesondere Haut- und Lungenkampfstoffe, die in Bomben sowie Granaten gefüllt und verschossen werden konnten. 

Aus den Erfahrungen den Ersten Weltkriegs fürchteten die alliierten Streitkräfte den Einsatz chemischer Kampfstoffe von Seiten des Deutschen Reiches. Dieses hatte die Erforschung und Entwicklung neuer, effizienter Kampfstoffe massiv vorangetrieben. Substanzen wie Tabun und Sarin - beides Nervenkampfstoffe - begründeten schließlich die Befürchtungen auf alliierter Seite.  Bereits frühzeitig interessierte man sich daher für die Entwicklungen auf deutscher Seite. 

Bild: US-Bericht über die Möglichkeiten der chemischen Kriegsführung von gegnerischer Seite. Quelle: US War Dep., 1943. 

Begründet waren die Befürchtungen, dass es zu einem Einsatz chemischer Kampfstoffe kommen könnte, ebenfalls darin, dass von Seiten des Deutschen Reiches eine massive Aufrüstung der militärischen und zivilen Infrastruktur vorangetrieben wurde. Entsprechende Einrichtungen, wie die Heeresgasschutzschule in Celle, fielen hierbei in den Fokus der militärischen Aufklärung der Alliierten. 

In der militärischen Ausrüstung sowie im Zivilschutz war die sogenannte "Gasabwehr" allseits präsent. Dennoch kam es von deutscher Seite nicht zu einem Einsatz chemischer Kampfstoffe. Bis heute halten sich diesbezüglich Gerüchte, dass Adolf Hitler - selber im Rang eines Gefreiten - im Ersten Weltkrieg die Auswirkungen des Gaskrieges zu spüren bekommen habe und daher vom Einsatz chemischer Waffen abgehalten habe. Dies ist allerdings weder belegbar - noch entsprach es der militärischen Realität in Anbetracht der "totalen" Kriegsführung der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs. 

Bild: italienische Soldaten in Gasschutzausrüstung. Quelle: US War Dep., 1943. 

Tatsächlich sind bislang nur wenige Quellen bekannt, die eine Anwesenheit chemischer Kampfstoffe im Raum Celle offiziell bestätigen. Unterlagen und Aktenbestände gingen größtenteils verloren. So beruhen die Angaben zu Rüstungstransporten in den letzten Kriegswochen nicht selten auf den Angaben Zeitzeugen. 

Diese bezeugen, dass im Februar 1945 chemische Kampfstoffe in die Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen gelangt sein sollen. Hinsichtlich der Menge und Art bleiben die Berichte jedoch sehr vage. Vermutlich handelte es sich lediglich um wenige Güter- möglicherweise Kesselwagen, die per Bahntransport eintrafen. Weiteres Material erreichte die Heeresmunitionsanstalt im April 1945 und möglicherweise auch zuvor im März. Da die Transporte und Lagerorte strenger Geheimhaltung unterlagen, waren die entsprechenden Informationen nur wenigen Personen zugänglich. De facto existierten bei Kriegsende etliche Standorte an denen chemische Kampfstoffe gebunkert waren. 

Bild: Sicherstellung von Spitzenkampfstoffen, 1945. Quelle: gdir, Bestand 500 Findbuch 12450 Akte 231. 

In einem Schreiben des Generalquartiermeisters des Heeres an diverse nachgelagerte militärische Stellen vom 4. Februar 1945 betreffend "Gaskriegsvorbereitungen" heißt es wörtlich: 

"Der Führer hat auf die Meldung des Generalquartiermeisters vom 2.2.45 (Bezug) entschieden: 

1.) Kampfstoffe und Kampfstoffmunition dürfen nicht in Feindeshand fallen. Alle an der Räumung beteiligten Dienststellen haben durch vorausschauende, energische Maßnahmen den rechtzeitigen Abtransport sicherzustellen. 

2.) Alle Zerstörungen und Sprengungen sind, auch bei Gefahr im Verzug, verboten." 

In einem weiteren Schreiben vom 30.03.1945 führte der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, aus, dass "Spitzenkampfstoffe (Sarin und Tabun) und sonstige moderne Kampfstoffe (Phosgen, Adamsit, G-Lost), die dem Gegner vermutlich nicht bekannt sind, unter keinen Umständen in seine Hände fallen" dürfen, sondern vorher abtransportiert werden sollen. 

Karten aus kürzlich erschlossenen Aktenbeständen zeigen aus Celle als Standort abzutransportierender chemischer Kampfstoffe. 

Bild: Celle als Standort abzutransportierender chemischer Kampfstoffe, 1945. Quelle: gdir, Bestand 500 Findbuch 12450 Akte 231. 

Was genau nach Abtransport der (Spitzen-)Kampfstoffe mit diesen geschehen sollte, bleibt unklar. Vornehmlich sollte zunächst ein Zugriff der herannahenden alliierten Truppen verhindert werden. Von einigen Standorten war daher eine Verladung der chemischen Kampfstoffe auf Elbkähne vorgesehen worden. Diese hätten im Notfall in der Nordsee versenkt werden können, wie entsprechende Quellen belegen. 

Bis kurz vor Eintreffen der Alliierten bemühte man sich, die chemischen Kampfstoffe abzutransportieren. Am 11. April 1945 - einen Tag vor der Übergabe an die britischen Truppen - fand in der Heeresmunitionsanstalt noch eine "Überprüfung der Durchführung des Führerbefehls über Sicherstellung der Spitzenkampfstoffmunition auf Kähne" durch einen Hauptmann statt. Laut seinem Bericht war das Leermaterial, d.h. die Güterwagen, für den Abtransport noch nicht bereitgestellt worden. Nach Vorsprache des Hauptmanns auf dem Kleinbahnhof Celle wurden 26 geschlossene und offene Güterwagen der Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen zugeführt und die notwendige Fahrtnummer erteilt. 

Bild: Bericht Hauptmann (zensiert) über Sicherstellung der Spitzenkampfstoffmunition auf Transportkähne. Quelle: gdir, Bestand 500 Findbuch 12450 Akte 231. 

Es stellt sich die Frage, wo die chemischen Kampfstoffe in der Heeresmunitionsanstalt Celle/Scheuen eingelagert worden waren. Laut Nachkriegsaussagen von Zeitzeugen befand sich der Aufbewahrungsort dieser Substanzen im nordwestlichen Bereich der Einrichtung. Hier befanden sich einst größere Lagerbunker mit einer Grundfläche von ca. 200 qm. Der genaue Lagerort ist allerdings nicht mehr ermittelbar. 

Neben einer Unterbringung in einem verbunkerten Lagerraum hätte die Aufbewahrung der chemischen Kampfstoffe auch unter freiem Himmel stattfinden können. Hierfür waren - insbesondere im Bereich des nordwestlichen Areals der Heeresmunitionsanstalt - ebenfalls einige Stellen geeignet. 

Bild: Bereich in dem 1945 Spitzenkampfstoffe gelagert worden sein könnten. Quelle: war office map, celle, 1:25.000, 3rd. ed

Für die Einlagerung in verbunkerten Lagerräumen kämen unter anderem die Bunker im äußersten nordwestlichen Bereich in Betracht. Einst befanden sich hier Bunker mit der Nummer 90 - und aufsteigend. Allerdings wurde dieser Bereich inzwischen neu bebaut - heute befindet sich hier ein ehemaliges Depot der Bundeswehr und eine Schießsportanlage. 

Bild: Eingang Bunker Nr. 90. Quelle: Altmann, 2020. 

Für die Einlagerung der chemischen Kampfstoffe kommt ebenfalls ein Bereich in Frage, der an die Laberbunker unmittelbar angrenzte. En handelte sich hierbei um eine Freifläche auf der offenbar zu Kriegsende noch eine Hallenkonstruktion errichtet worden war bzw. errichtet werden sollte. Ob diese bis April 1945 fertiggestellt worden war liegen keine Nachweise vor. 

Von den einstigen Bauvorhaben finden sich heute noch einige Relikte. Die ehemalige Hallenkonstruktion lässt sich anhand von deutlich erkennbaren Fundamenten noch im Gelände erkennen. 

Bild: Fundament der ehemaligen Hallenkonstruktion. Quelle: Altmann, 2020. 

Dass es sich hierbei tatsächlich um eine Hallenkonstruktion aus der Zeit der letzten Kriegsmonate handelt, lässt sich insbesondere an den Relikten der Stahlbetonstützen erkennen. Entsprechende Baulichkeiten sind ebenfalls aus Konstruktionen bei Unterlüß und Höfer bekannt. 

Bild: Stahlbetonstütze der ehemaligen Hallenkonstruktion. Quelle: Altmann, 2020. 

Weitere Baulichkeiten im nordwestlichen Bereich der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt werfen bis heute Fragen auf. So befindet sich unmittelbar zwischen dem einstigen Lagerbereich im Nordwesten und dem Fertigungsbereich eine große erdüberhäufte Bunkerrohre. Diese war einst mit einer geschlossenen Stahlbetondecke versehen worden - diese wurde jedoch offenbar nach Kriegsende gesprengt. 

Bild: Stahlbetonröhre. Quelle: Altmann, 2020. 

Inwiefern ein Zusammenhang mit den benachbarten Lagerbunkern bestand, ist nicht abschließend geklärt. Die Beschaffung der Bunkerröhre legt eine mögliche Verwendung als Luftschutzraum nahe. Allerdings befinden sich darin keinerlei Sitzgelegenheiten oder Aborte, wie sie in einem Luftschutzbunker klassischerweise zu erwarten wären. Eventuell konnte das Bauwerk bis Kriegsende nicht fertiggestellt werden - oder es diente zu anderen Zwecken. 

Bild: Stahlbetonröhre. Quelle: Altmann, 2020. 

Ein Einsatz der chemischen Kampfstoffe schien für die oberste Reichsführung Mitte April 1945 nicht mehr in Frage zu kommen. Vielmehr wurden Überlegungen angestrengt, wie es vermieden werden konnte, dass es Seitens der Alliierten zu einem Einsatz chemischer Kampfstoffe kommen könnte. Bereits um den 15. April 1945 schien ein Abtransport der eigenen Kampfstoffreserven für die Reichsführung mehr als als unrealistisch. Nun ging es darum zu verhindern, dass die Alliierten im Wege ihrer längst bestehenden Luftüberlegenheit  chemische Kampfstoffe gegen die deutsche Bevölkerung einsetzten. Hierfür nahm man zuletzt  sogar in Kauf, dass die eigenen Reserven in feindliche Hände fielen. 

Im Ergebnis kam es glücklicherweise nicht mehr zum Einsatz der Kampfstoffe. Die genauen Umstände ihres Abtransportes liegen allerdings bis heute im Unklaren. Nach bisherigem Kenntnisstand gelang es, einen Teil der Substanzen vor Eintreffen der alliierten Truppen abzutransportieren. Die Transporte sollen angeblich vorwiegend die Munitionsanstalt Munster / Oerrel erreicht haben.  

Der vor Ort verbliebene Teil der chemischen Kampfstoffe wurde bei Eintreffen der alliierten Truppen sichergestellt und von diesen abtransportiert. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Substanzen ein umweltverträgliches Ende gefunden hätten. Sie wurden teilweise ebenfalls nach Munster / Oerrel transportiert und vergraben oder weiter an die Nordsee verbracht und dort schließlich versenkt. 

H. Altmann


Freitag, 18. September 2020

Der Kalisalzschacht Habighorst


Nur wenige Überreste erinnern noch an die Zeit des Kalibergbaus im Landkreis Celle. Die ehemaligen Schacht-, Förder- und Verarbeitungsanlagen sind fast überall zurückgebaut worden. Weithin sichtbar ist heute nur noch die Abraumhalde des ehemaligen Schachtes „Niedersachsen“ bei Wathlingen. Die historisch ebenfalls interessanten Relikte des Kalibergbaus bei Habighorst erhalten dagegen deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Verschwunden sind die Schacht- und Fördergebäude, die einst nördlich der Straße zwischen Höfer und Habighorst – im Bereich der heutigen Habighorster Höhe – anzutreffen waren. Verborgen unter Baumwipfeln und bedeckt mit dichtem Strauchwerk lassen sich die Reste der alten Abraumhalde nur noch erahnen. Die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Kalischachtes ist in Vergessenheit geraten – nachfolgend ein kurzer Blick in die Vergangenheit. 

Die Entdeckung der Salzvorkommen bei Höfer und Habighorst darf der geschichtlichen Überlieferung zugeschrieben werden: alte Erzählungen rankten sich um auffällige Vertiefungen in der örtlichen Umgebung. Natürliche Erdfälle – namentlich die sogenannte Krieger- sowie die Zwerchkuhle – deuteten Anfang des 20. Jahrhunderts bereits auf einen größeren Salzstock in den Gemarkungen hin.[1] Durch obertägige Beobachtungen, Wünschelrutenbegehungen und Probebohrungen verdichteten sich die Hinweise. Die hieraus resultierenden Entwicklungen sollten das Landschaftsbild in den folgenden jahren nachhaltig verändern. 

Bild: Lage des Kalischachtes Habighorst. Quelle: AMS; 3227 ESCHEDE GSGS 4414; 4th ed 1954. 

Am 4. Mai 1905 wurde die gothaische Gewerkschaft Fallersleben zu Thal mit dem Verwaltungssitz in Celle gegründet.[2] Der hannoversche Kaufmann Friedrich C. Krüger war Repräsentant der Gewerkschaft. Gleichwohl war er ebenfalls Repräsentant der, knapp ein Jahr später gegründeten Gewerkschaft Mariaglück, deren Gerechtsame in unmittelbarer Nachbarschaft, in der Gemarkung Höfer lag. Eine enge Verbindung beider Bergwerksunternehmen bestand daher von Beginn an – diese sollte sich in den Folgejahren noch festigen. 

Bild: Lage des Kalischachtes heute. Luftbild, H. Altmann, 2017. 

Im August 1909 erfolge eine Bohrung im Bereich der heutigen Habighorster Höhe, die in ca. 127m Teufe auf Steinsalz, in 511,70m Teufe auf das erste Kalilager und in 868,45m auf das zweite Kalilager stieß.[3] Nach den ersten Bohrungen vergingen eineinhalb weitere Jahre, in denen entsprechende Kontrollbohrungen den Fund der untertätigen Lagerstätten bestätigten. In der Zwischenzeit erfolgte die Gründung der „Bergbaugesellschaft Fallersleben mbH“ als Trägergesellschaft. 

Mit der Nachbargewerkschaft „Mariaglück“ verständigte man sich darauf, nach Abteufen der Schächte, untertägige Verbindungsstrecken zu schaffen. Durch den zweiten Ein- bzw. Ausgang wurden die Schächte jeweils sicherer – außerdem konnte auf diese Weise die untertägige Bewetterung, d.h. die Belüftung, verbessert werden. 

Bild: Postkarte des Schachtes Fallersleben-Habighorst, 1912. Sammlung H. Altmann. 

Ende 1909 hatte die Bergbaugesellschaft Fallersleben mbH die benötigten Grundstücke erworben, auf denen schließlich die übertägigen Schachtanlagen errichtet wurden. Bei der Anlage des Schachtes selber wurde auf das sogenannte Tiefkälteverfahren zurückgegriffen wodurch ein Eindringen von Grundwasser vermieden werden sollte. Bei dem Verfahren werden in regelmäßigen Abständen zum eigentlichen Schachtloch Gefrierlöcher gebohrt in die geschlossene Rohre eingesetzt werden, durch die während des Bohrens tiefgekühlte Flüssigkeit geleitet wird, sodass der Boden ringsum gefriert.[4] 

Die Bautätigkeiten verzögerten sich jedoch – erst Ende Januar 1912 konnte mit dem eigentlichen Abteufen des Schachtes begonnen werden.[5] Ende 1913 war die vorgesehene Endteufe von 650 m erreicht. Der Bau der übertägigen Anlagen war im Jahr 1914 schließlich abgeschlossen. Im Jahr 1916 hatte die Schachtanlage Habighorst eine bescheidene Förderung von Kali- und Steinsalz aufgenommen.[6] Der Abtransport geschah über einen Gleisanschluss der Kleinbahn, der vom Schachtgelände Mariaglück bei Höfer verlängert wurde. Die Energiezufuhr erfolgte ebenfalls von Mariaglück aus – hierhin wiederum war eine Stromleitung von der Allerzentrale bei Oldau verlegt worden. 

Bild: Relikte / Fundamente der übertägigen Schachtanlagen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Gesellschaftliche Umstrukturierungen und die Eingliederung in den Aschersleben-Konzern führten schließlich dazu, dass die Aktienmehrheiten an den Bergwerksgesellschaften Habighorst und Mariaglück im Juni 1917 in einer Hand vereinigt wurden.[7] Dieser Umstand bedeutete allerdings auch den Niedergang des Schachtes Habighorst, da es nicht profitabel erschien, vor Ort weiterhin zwei Schächte parallel zu betreiben. 

Hinzu kam, dass in Gebieten, die nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund des Versailler Vertrages abgetreten werden mussten, ebenfalls Kalischächte in Betrieb waren, deren Fördermengen in der Nachkriegszeit ausgeweitet wurden. Die Monopolstellung der deutschen Kaliindustrie geriet daraufhin ins Wanken. Im Ergebnis kam es zu einem Überangebot auf dem Weltmarkt – Kaliunternehmen im Deutschen Reich waren also bestrebt, die Förderung aus weniger profitablen Schächte einzustellen. 

Nach der Stilllegungsverordnung des Jahres 1921 wurde das Kaliwerk Habighorst planmäßig bis zum Jahr 1953 stillgelegt.[8] Fortan diente der Schacht nur noch als einziehender Wetterschacht für den weiterhin in Betrieb stehenden Kalischacht Mariaglück. 

Bild: Relikte / Fundamente der übertägigen Schachtanlagen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde es ruhig um den Schacht Habighorst. Erst als die deutsche Rüstungswirtschaft und Infrastruktur immer massiver von alliierten Luftangriffen in Bedrängnis gerieten, kam stillgelegten Bergwerken die gesteigerte Aufmerksamkeit des Rüstungsministeriums zu. Im März 1944 fand in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Schächte bei Höfer und Habighorst statt.[9] Tatsächlich wurden beide Anlagen begutachtet, allerdings wurde nur der Schacht Habighorst für eine Rüstungsproduktion weiter ausgebaut. 

In untertägigen Kavernen auf der 710m Sohle sollte die Leipziger Maschinenfabrik und Schriftgießerei „Schelter & Giesecke“ als Zulieferungsbetrieb der Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH einziehen.[10] Das Leipziger Unternehmen sollte unter anderem Federbeine für Flugzeuge des Typs FW-190 herstellen, deren Endmontage anderenorts erfolgen konnte. Das streng geheime Rüstungsprojekt firmierte unter dem Decknamen „Löwe“ und sah sich bereits in seiner Anfangsphase vielfältigen Problemen ausgesetzt. 

Bild: Relikte / Fundamente der übertägigen Schachtanlagen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Die größte Schwierigkeit bestand im Frühjahr 1944 darin, dass die ursprünglich auf dem Schacht Habighorst installierte Fördermaschine bereits längst zurückgebaut worden war – die Seilfahrt in den Schacht war aus diesem Grund zunächst nur über den Schacht Mariaglück möglich. Von den Bemühungen, im letzten Kriegsjahr eine neue Fördermaschine zu organisieren und diese vor Ort in Betrieb zu nehmen, berichten auch die Schriftwechsel des Bergamtes Celle mit dem Oberbergamt Clausthal zum „Stand der Verlagerungsaktion“. So hatte die Leipziger Maschinenfabrik im Juni 1944 offenbar schon zahlreiche Produktionsmaschinen angeliefert. 

Eine Fördermaschine, die nötig war um die Produktionsmaschinen in die unterirdischen Werkshallen – in 710m Tiefe – zu befördern, befand sich aber noch gar nicht an Ort und Stelle, sondern wurde währenddessen noch beim Kaliwerk Krügershall bei Teutschenthal (Sachsen-Anhalt) demontiert.[11] Erst im Februar 1945 – gut zwei Monate vor Kriegsende – war die neue Fördermaschine halbwegs einsatzbereit auf dem Schacht Habighorst montiert.[12]

Bild: Seitenansicht des neuen Förderturms nach Kriegsende. Quelle: Sammlung H. Altmann, 2020. 

Ein anderes Problem zeigte sich bei der Bewetterung der unterirdischen Fertigungsräume. Alleine für die Firma Schelter & Giesecke wurde mit einer schichtweisen Belegschaft von 300 – 500 Personen kalkuliert. In einer Tiefe von 710m lag die durchschnittliche Gebirgstemperatur bei 28°C. Um einen laufenden Regelbetrieb zu gewährleisten, war eine zusätzliche Frischluftzufuhr zwingend erforderlich.[13] Diese sollte durch große Schraubenlüfter hergestellt werden – allerdings führten Lieferengpässe dazu, dass diese Lüfter bis Ende 1944 nicht wie geplant installiert werden konnten.[14] 

Da neben der Firma Schelter & Giesecke noch weitere Unternehmen, wie beispielsweise die Opel AG[15], für die Verlagerung in den Schacht Habighorst vorgesehen waren, wäre eine entsprechende Belüftung allerdings unabdingbar gewesen. Durch die Opel AG hätten Fahrwerke für die Messerschmidt Me-262 – das erste in Serie gefertigte Strahlflugzeug – im Schacht Habighorst hergestellt werden sollen.[16] Auf dieses ehrgeizige Unterfangen weist ein Schreiben vom 6. März 1945 hin. 

Bild: Relikte / Fundamente der übertägigen Schachtanlagen. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Zu einer Realisierung der untertägigen Rüstungsproduktion bei Habighorst kam es jedoch nicht mehr. Obgleich ober- und untertägig erhebliche Anstrengungen unternommen wurden, verblieben die Einrichtungen bei Kriegsende überwiegend in unfertigem Zustand. Noch heute befinden sich im Bereich der Habighorster Höhe einige alte Bunker bzw. deren Überreste aus dieser Epoche des Kalischachtes. 

Unabhängig vom geheimen Rüstungsprojekt „Löwe“ erfolgte noch die Einlagerung wichtiger Bibliotheks-, Archiv- und weiterer Kulturgutbestände in den Schacht Mariaglück, um diese vor den Einwirkungen durch Luftangriffe zu schützen.[17] Nach Kriegsende wurden die Schächte und Anlagen durch Einheiten der Alliierten inspiziert – die noch vorhandenen Produktionsanlagen- und Werkzeugmaschinen wurden größtenteils demontiert und abtransportiert. 

Bild: Relikte / Abraumhalde. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Der Schacht Habighorst wurde fortan nur noch als Bewetterungsschacht für Mariaglück verwendet – die übertägigen Schachtgebäude lagen brach. Konkret handelte sich dabei um eine Wohnbaracke, eine Mühle, die Schachthalle, eine Werkstatt, das Fördermaschinenhaus, ein Wohnhaus und einen kleinen Stall.[18] Die Gebäude befanden sich in einem derart desolaten Zustand, dass sich die Samtgemeindeverwaltung Eschede in einem Schreiben an das Bergamt Celle 1986 schließlich hierüber beklagte.[19] 

Bild: Relikte / Abraumhalde. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Die Kali und Salz GmbH (später K+S AG) veranlasste in der Folge den Komplettabbruch der Schachtanlagen auf der Habighorster Höhe. Bis Anfang 1995 wurden die meisten Gebäude vollständig abgerissen. Nur die alte Seilscheibe, die einst hoch oben auf dem Förderturm gethront hatte, wurde als Denkmal in den Eingangsbereich des Schachtgeländes Mariaglück nach Höfer gebracht, wo sie noch heute an die Geschichte des Kalibergbaus vor Ort erinnert. 

Bild: Eingangsbereich des ehem. Schachtgeländes Mariaglück - links die alte Seilscheibe des Schachtes Habighorst. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Am 8. Juli 1977 rollte der letzte Förderwagen aus dem Schacht Mariaglück, der daraufhin ebenfalls stillgelegt wurde. Ab 2001 wurden die übertägigen Werksanlagen vollständig zurückgebaut. In einem letzten Schritt wurden die Bergwerke mit Lauge aus anderen Bergwerksstandorten sowie Wasser aus der Aschau geflutet. Ab 2016 erfolgte die Verfüllung des Schachtes Habighorst – ein Jahr später begann die Verfüllung des Schachtes Mariaglück. Die Arbeiten wurden bis Ende 2018 abgeschlossen und die Schachteingänge mit massiven Betondeckeln verschlossen. 

Bild: Betondeckel des Schachtes Habighorst. Quelle: H. Altmann, 2020. 

Vor Ort ist kaum noch etwas vom einstigen Betrieb der Schachtanlage Habighorst zu erkennen. Mit geübtem Blick lassen sich jedoch noch einige Relikte jener Tage aufspüren. Betonfundamente, ehemalige Gleisverläufe und alte Bunker zeugen von der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Kalibergwerke. 

Inzwischen erinnert der neu aufgewertete Eingangsbereich zum ehemaligen Schachtgelände Mariaglück an die historischen Hintergründe. Die Tatsache, dass es auf der Habighorster Höhe ebenfalls einen Kalischacht gegeben hat, ist allerdings wohl nur noch Ortskundigen bekannt. 

H. Altmann


[1] Wittmann, Höfer – Beiträge zur Geschichte eines Dorfes, S. 286 ff.

[2] Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3, S. 339.

[3] Ebd.

[4] Buja, Ingenieurhandbuch Bergbautechnik: Lagerstätten und Gewinnungstechnik, S. 245.

[5] Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3, S. 340.

[6] Wittmann, Höfer – Beiträge zur Geschichte eines Dorfes, S. 287.

[7] Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3, S. 341.

[8] Schreiben des Preußischen Oberbergamtes an den Minister für Handel und Gewerbe vom 14.02.1925, Bundesarchiv, R 3101/31227.

[9] Kriegstagebuch des Rüstungskommandos Lüneburg, Bundesarchiv, RW 21-42/6.

[10] Altmann, Die Luftmunitionsanstalt 4/XI und die Untertageverlagerung Löwe, S. 135.

[11] Schreiben des Bergamtes Celle an das Oberbergamt Clausthal zum Stand der Verlagerungsaktion vom 30.06.1944, BaCl Hann. 184, Acc. 9 Nr. 3750.

[12] Schreiben des Bergamtes Celle an das Oberbergamt Clausthal zum Stand der Verlagerungsaktion vom 27.02.1945, BaCl Hann. 184, Acc. 9 Nr. 3750.

[13] Bericht über den Stand der Bewetterungsmaßnahmen Mariaglück/Habighorst, Bundesarchiv, R 3101/31227.

[14] Altmann, Die Luftmunitionsanstalt 4/XI und die Untertageverlagerung Löwe, S. 141.

[15] Schreiben des Bergamtes Celle an das Oberbergamt Clausthal zum Stand der Verlagerungsaktion vom 23.01.1944, BaCl Hann. 184, Acc. 9 Nr. 3750.

[16] Schreiben des Reichswirtschaftsministeriums an das Oberbergamt Clausthal vom 06.03.1945, BaCl Hann. 184, Acc. 9 Nr. 3025.

[17] Altmann, Die Luftmunitionsanstalt 4/XI und die Untertageverlagerung Löwe, S. 177.

[18] Slotta, Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3, S. 342.

[19] Hoppe/Seebo, Spuren des Salzes in einer Landgemeinde, S. 60. 


Dienstag, 1. September 2020

Schieß- und Sprengplatz Tiefental

Das Tiefental südlich von Hermannsburg ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Die ausgedehnten Heideflächen fügen sich romantisch in die sanfte Hügellandschaft. Auf den ersten Blick ist daher leicht zu übersehen, dass sich an diesem Ort bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Schießplatz der Luftwaffe – und nach Kriegsende ein Sprengplatz der britischen Streitkräfte befand. 

Der Parkplatz „Eicksberg“ ist ein gerne angesteuerter Ausgangspunkt für Wandertouren über die Heideflächen des mittleren Lüßplateaus. Diese gehen fast nahtlos in die Misselhorner Heide über und bieten somit einen schönen Rundkurs durch die traditionell anmutende Heidelandschaft. Die Senke des Tiefentals entstand im Ausgang der letzten Eiszeit – sie diente bereits dem Missionsgründer und Hermannsburger Pastor Ludwig Harms um 1860 als Ort für Predigten. 

In der näheren Umgebung des Tiefentals finden sich noch zahlreiche weitere, auffallend symmetrische Bodensenken, deren Ursprung deutlich jüngeren Datums ist. Was in kaum einem Wanderführer zu lesen ist: als das Tiefental touristisch noch nicht erschlossen war, diente das Areal zeitweise zu militärischen Zwecken. 


Bild: Übersichtskarte Tiefental. Grün: Stellungsgraben. Gelb: Sprengtrichter. Blau: Parkplatz "Eicksberg". Grau: Scheibenanlage des Schießplatzes. Quelle: Google Earth, Eintragungen: H. Altmann.

Zunächst wurde das Tiefental als Schießplatz der Luftwaffe genutzt. Die Umgebung bestand vor ihrer Aufforstung mit den, heute ausgewachsenen, Kiefernbeständen in den Dreißigerjahren noch aus weiten Heideflächen. Diese eigneten sich bestens für militärische Flugmanöver – insbesondere die Übung von Angriffen im Tiefflug. Der Fliegerhorst Faßberg besaß zwar ein direkt benachbartes Areal zu Übungszwecken – einen weiteren Anflug konnte man im Bereich des Tiefentals üben. Das auffällige Tal war vermutlich auch deswegen ausgewählt worden, weil sich die Piloten im Anflug gut daran orientieren konnten.

Für die Übung der Angriffe im Tiefflug verfügte der Platz am Tiefental über eine spezielle Scheibenanlage, die es ermöglichte das Übungsziel auf einer ca. 190m langen Bahn zu verschieben. Es konnte somit ein Angriff auf bewegliche Ziele trainiert werden. Die Bahn verlief in Nord-Süd-Richtung und ist noch heute im Gelände erkennbar. 


Bild: aufgeschütteter Damm der ehemaligen Scheibenanlage im Gelände. Quelle: H. Altmann.

Die aus westlicher Richtung anfliegenden Flugzeuge konnten die, auf der Bahn beweglichen Ziele mit Bordmaschinengewehren beschießen, wobei ein Steil abfallender Hang im Tiefental als Kugelfang diente. Ein großer, in den weißen Heidesand gepflügter, Pfeil markierte diesen Hang – auf historischen Luftbildern ist er gut erkennbar und auch aus dem heutigen Landschaftsbild ist diese Markierung noch nicht völlig verschwunden. 


Bild: Luftbild Tiefental - Sicht im einstigen Anflug auf die Scheibenanlage und den Kugelfang. Quelle: H. Altmann.

Der gesamte Bereich des Schießplatzes war mit einem Brandschutzstreifen umgeben. Am nördlichen und am südlichen Ende der Scheibenanlage befanden sich kleinere, verbunkerte Gebäude in denen die Technik der Anlage untergebracht war. Diese Bunker dienten vermutlich auch der Bedienungsmannschaft der Scheibenanlage als Deckung. Weiter westlich befand sich eine kleinere Grabenanlage, die möglicherweise zu Beobachtungszwecken gedient haben könnte.

Bild: Relikte der alten Scheibenanlage. Quelle: H. Altmann. 


Heute erinnert nicht mehr viel an den alten Schießplatz der Luftwaffe. Lediglich ein aufgeschütteter Damm auf der Heidefläche südlich des Parkplatzes „Eicksberg“ sowie einige Betontrümmer deuten noch auf die Scheibenanlage hin. Der Kugelfang ist inzwischen wieder fast vollständig mit Heidekraut überwuchert. Nur noch ein Teil der alten Zielmarkierung weist auf die Stelle hin, die einst beim Tiefflug beschossen worden ist.

Bild: Luftbild Tiefental - Sicht auf den Kugelfang. Noch erkennbar: die einstige Zielmarkierung in Form eines Pfeiles. Quelle: H. Altmann. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fiel der ehemalige Schießplatz unter britisches Kommando. In der Umgebung gab es zahlreiche Rüstungs- und Militäreinrichtungen, die über erhebliche Bestände an Munition, Granaten, Bomben sowie deren Bestandteile verfügten. Diese galt es unschädlich zu machen, wobei die erforderlichen Maßnahmen an einigen Standorten zunächst lokal durchgeführt wurden –so insbesondere im Bereich der ehemaligen Luftmunitionsanstalt 4/XI bei Höfer. 

Es zeigte sich aber bald, dass sich manche Standorte nicht zur Munitionsvernichtung eigneten – alleine schon wegen ihrer Nähe zu bewohnten Gebieten. Um größere Mengen Munition zu vernichten bedurfte es abgelegener Standorte, die aber trotzdem über eine gewisse Infrastruktur verfügten. Als einer dieser Standorte wurde das ehemalige Marinesperrzeugamt Starkshorn ausgewählt. Das Marinesperrzeugamt bestand aus etlichen Bunkern und wurde in den ersten Jahren nach Kriegsende als Sammelstelle für Munitions- und Sprengstoffbestände aus der gesamten Region genutzt. 

Bild: Sprengtrichter im westlichen Teil. Quelle: H. Altmann. 

Die britischen Streitkräfte betrieben nach Kriegsende die „Demolition Area Starkshorn“. Wöchentliche Anlieferungen von mehreren hundert Tonnen an Munition, Sprengstoffen und deren Bestandteilen waren keine Seltenheit. Die straffe Terminierung des alliierten Kontrollrates führte zu einem hohen Zeitdruck im Demilitarisierungsprozess. Vor diesem Hintergrund konnten die Unmengen der zu vernichtenden Munition nicht nachhaltig verwertet werden. Stattdessen wurden riesige Massen an Munition einfach gesprengt, verbrannt oder schlichtweg vergraben. 

Bild: Sprengtrichter im westlichen Teil. Quelle: H. Altmann. 

Das ehemalige Marinesperrzeugamt erschien bei Beginn der Aktion als sehr geeignet. Im weiteren Verlauf stieß die Einrichtung jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen. Vermutlich war auch die Nähe der benachbarten Fernbahnlinie zwischen Hannover und Hamburg einer der Gründe dafür, dass Kontingente besonders großer Kaliber nicht im Marinesperrzeugamt vernichtet worden sind. Stattdessen verbrachte man diese Munition in das rund sieben Kilometer entfernte Tiefental. Dieses Areal lag weit entfernt von Siedlungen und zivilen Infrastruktureinrichtungen. 

Bild: Sprengtrichter im Bereich des Tiefentals - Blick in Richtung Norden. Quelle: H. Altmann. 

Zeitzeugen berichteten nach Kriegsende von Munitionsfunden und den Auswirkungen der Sprengungen. Bis nach Lutterloh sollen diese spürbar gewesen sein, berichtete Bauer Fritz aus Lutterloh am 01.04.1955 im Gespräch mit der Heimatforscherin Hanna Fueß. Noch Jahre nach den Sprengungen fanden spielende Jugendliche desöfteren Munitionsreste und stellten damit abenteuerliche Versuche an. 

Bild: Sprengtrichter und Trümmer im westlichen Teil. Quelle: H. Altmann. 

Rund 70 große Sprengtrichter sind noch heute im Bereich des Tiefentals erkennbar. Einige davon wurden damals offenbar mehrfach für die Munitionsvernichtung verwendet. Die Trichter verlaufen halbkreisförmig um die alte Scheibenanlage des Schießplatzes. Während die Sprengkrater in der offenen Heidelandschaft bereits stark verlandet sind, blieben jene im bewaldeten Gelände vergleichsweise recht gut erhalten. 


Bild: Sprengtrichter im westlichen Teil. Quelle: H. Altmann. 

Das Tiefental hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Die Zeiten des ehemaligen Schieß- und Sprengplatzes gehören zwar längst der Vergangenheit an. Allerdings haben sie bis heute Spuren im Gelände hinterlassen, die sich bei genauem Hinsehen heute noch erkennen lassen. 

H. Altmann



Donnerstag, 6. August 2020

Die Karpathen Öl AG bei Garßen


Vermögenswerte in Millionenhöhe erreichten im Sommer 1944 per Bahntransport den Ort Garßen bei Celle. Es handelte sich um Ausrüstung und Betriebsmaterial eines Unternehmens, dessen Geschichte heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. 

Während die Karpathen Öl AG in der lokalen Geschichtsüberlieferung überhaupt keinen Niederschlag findet, sind auch die archivalischen Quellen zu diesem, seinerzeit unter anderem in Celle ansässigen, Großunternehmen, äußerst mager. Möglicherweise ist dies den Wirren der letzten Kriegstage geschuldet – vielleicht aber auch dem Umstand, dass die Karpathen Öl AG ursprünglich weiter entfernt, im besetzten Polen, tätig war. Um die Zusammenhänge bei Kriegsende zu verstehen, ist es notwendig einen Blick in die Unternehmensgeschichte der Gesellschaft zu werfen. 

Die Gründung der Karpathen Öl AG erfolgte am 28. August 1942 und markierte einen Wendepunkt der deutschen Ölpolitik im polnischen Galizien. Am Eigenkapital der Gesellschaft beteiligten sich namenhafte deutsche Unternehmen: die DEA, die Deutsche Gasolin AG, die Gewerkschaft Elwerath, die Kohle Oel Union von Busse KG, die Continentale Oel AG, die Preußische Bergwerks- und Hütten AG und die Wintershall AG. In Spitzenzeiten waren bei der Karpathen Öl AG fast 33.000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, die Bohrfelder und Verarbeitungsbetriebe erstreckten sich über knapp 400 Kilometer in West- sowie Ostgalizien und die Raffineriekapazitäten des Unternehmens reichten aus, um jährlich mehr als 600.000 Tonnen Rohöl zu verarbeiten. Dafür, dass deutsche Unternehmen derart ihre Interessen im Ausland verfolgen konnten, war nicht zuletzt der Expansionspolitik der nationalsozialistischen Führung geschuldet. 

Es ist anzunehmen, dass zur Mitte der Dreißigerjahre sowohl das Deutsche Reich, als auch Russland erhebliches Interesse an den polnischen Ölfeldern in Galizien hatten. Zunächst hatte Reichsaußenminister Ribbentrop versucht, auch für die ostgalizischen Ölgebiete im Rahmen des deutsch-sowjetischen-Nichtangriffspaktes („Molotow-Ribbentrop-Pakt“) den deutschen Einfluss zu sichern. Dies Misslang, sodass diese Gebiete zunächst, nach Einmarsch der Wehrmacht am 1. September 1939, durch sowjetische Truppen besetzt wurden. 

Der ungünstige Kriegsverlauf – insbesondere das Scheitern der Offensive im Kaukasus – und die Steigerung alliierter Luftangriffe auf Förderstätten, Raffinerien und chemische Anlagen im Reichsgebiet, führten Anfang 1943 zu einer Ausweitung der galizischen Ölproduktion. Dies wurde nicht zuletzt durch den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern bewerkstelligt, die ohnehin bereits im Rahmen der Produktion tätig waren. Ab Mitte 1943 regte sich hinsichtlich dieser Zwangsmaßnahmen in der Bevölkerung Widerstand und Anfang 1944 kam es sogar zu Angriffen ukrainischer Nationalisten auf einzelne Betriebsstandorte der Karpathen Öl AG. 

Dauernde Luftangriffe führten Mitte August 1944 dazu, dass die Karpathen Öl AG einen Antrag an den Celler Oberbürgermeister stellte, damit sie ihr Berliner Büro in den Stadtkreis Celle verlegen durfte. Man habe sich für Celle entschieden, weil „die Interessen unseres Unternehmens eng mit denen der hannoverschen grossen deutschen Erdölfirmen durch ihre Gesellschafter verknüpft“ seien. Nicht zuletzt die günstige verkehrs- und nachrichtenmäßige Anbindung ließen die Wahl auf Celle fallen. In Celle befand sich zudem die Deutsche Bohrmeisterschule, deren Vorstandsvorsitzender, Karl Große, ebenfalls Generaldirektor der Karpathen Öl AG war. Zur Unterbringung ihres Büros hatte die Firma bereits einen Mietvertrag mit der Harry Trüller AG für den Trüller Musterladen im Südwall in Celle geschlossen. 

Bild: Schriftwechsel der Karpathen Öl AG mit der Stadt Celle. Quelle: Stadtarchiv Celle, Best. 05 O, Nr. 0051. 

Mit dem Näherrücken der Roten Armee geriet die Karpathen Öl AG unter Zugzwang ihre Betriebsstätten aufzugeben und zumindest das Material weiter in westliche Richtung zu verlagern. Ende März wurde die Hauptverwaltung des Unternehmens in Lemberg (Polen) geräumt. Obwohl die Eroberung Ostgaliziens durch die Rote Armee mehrere Monate dauerte, gingen die dortigen Betriebsstätten schlussendlich verloren. Ab August 1944 vollzog sich der geordnete Rückzug der Karpathen Öl AG aus Galizien. Insgesamt 1.664 Waggonladungen mit Ausrüstungen und Betriebsmaterialien konnten evakuiert werden und gelangten in Ausweichlager nach Brandenburg, Niedersachsen und Hessen. Der Gesamtwert der ausgelagerten Materialien wurde auf rund 21,8 Millionen Reichsmark geschätzt. 

Das Celler Ausweichlager der Karpathen Öl AG befand sich, außerhalb des Stadtgebietes, bei Garßen. Es lag ungefähr im Bereich der heutigen Oderstraße – früher verfügte dieser Bereich über einen Bahnanschluss, der zur Kleinbahn führte. Auf historischen Karten ist das Gleis noch verzeichnet. 

Bild: Standort des Ausweichlagers der Karpathen Öl AG bei Garßen. Quelle: GSGS 1:25.000, AMS, 3rd Ed. 1951. 

Bei Kriegsende verfügte die Karpathen Öl AG noch über immense Werte in Form von Anlagen und Vorräten in den einzelnen Ausweichlagern. Diese wurden jedoch in den Tagen nach Kriegsende teilweise geplündert – in Garßen offenbar durch ukrainische Arbeiter, die zuvor bei der Gesellschaft beschäftigt waren. In Aufstellungen, die nach Kriegsende erstellt worden sind, wird die Karpathen Öl AG in Garßen als eines der Unternehmen im Stadtkreis Celle genannt, das Zwangsarbeiter beschäftigte. 

Im Rahmen der Verwertung von militärischen und gewerblichen Anlagen wurde die Karpathen Öl AG in einem Schreiben des Regierungspräsidenten an den Celler Landrat vom 25. August 1945 genannt. Laut Schreiben handelte es sich bei den vorhandenen Anlagen um Hallen und Baracken. Im späteren Verlauf beschlagnahmte die britische Militärverwaltung die noch vorhandenen Werte größtenteils. In den Sechzigerjahren führten ehemals bei der Karpathen Öl AG beschäftigte Zwangsarbeiter Entschädigungsprozesse gegen die einst beteiligten Gesellschaften. Im Regelfall blieben diese erfolglos. Das Landeskriminalamt Bremen wertete im November 1965 Listen aus, die bei der Celler Niederlassung der Karpathen Öl AG gefunden worden waren. 

Bild: Auszug aus: Aufstellung gewerblicher Betriebe. Quelle: Kreis-Archiv Celle, L 133b

Luftaufnahmen der Sechzigerjahre zeigen den Bereich des einstigen Ausweichlagers bereits mit neuer Bebauung. Lediglich der Verlauf der ehemaligen Bahntrasse ist noch gut zu erkennen. Bei genauem Hinsehen erkennt man außerdem eine alte Baracke, die sich seinerzeit noch an Ort und Stelle befand. 

Bild: Luftbild, 60er Jahre, Lage des ehem. Ausweichlagers bei Garßen. Quelle: Befliegung, NLD, 1965. 

Die letzte verbliebende Baracke der Karpathen Öl AG wurde schließlich 2017 auf Initiative des Erdölmuseums Wietze in Garßen abgebaut. Im Juni 2017 berichtete die Cellesche Zeitung, dass die abgebaute Baracke in Kooperation mit der Böhmetalbahn im Wietzer Erdölmuseum wieder aufgebaut werden soll. 

Bild: Abbau der letzten verbliebenen Baracke. Quelle: Erdölmuseum Wietze 

In Garßen erinnert heute nichts mehr an die Zeit in der ein Großunternehmen kurzzeitig Millionenwerte dorthin verbrachte. Längst sind die Flächen des ehemaligen Ausweichlagers neu bebaut worden. Der Gleisanschluss wurde inzwischen zurückgebaut. In den Celler Archiven finden sich bis heute nur wenige Hinweise auf diese Zusammenhänge. 

Bild: Lage des ehem. Ausweichlagers bei Garßen heute. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Möglicherweise fiel die Entscheidung, enorme Vermögenswerte nach Celle zu verlagern, aufgrund der verkehrsgünstigen Lage und der Tatsache, dass die Karpathen Öl AG bereits seit August 1943 ein Büro in Celle unterhielt. 

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass sich der historische Hintergrund der Karpathen Öl AG im Raum Celle äußerst leider nur sehr lückenhaft nachvollziehen lässt. Dies scheint einerseits darin begründet, dass die Gesellschaft erst in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges nach Celle (Garßen) verlagerte. Darüber hinaus wurden die Vermögenswerte der Karparthen Öl AG offenbar beschlagnahmt und befanden sich einige Monate nach Kriegsende nicht mehr im Zugriff der lokalen Behörden - dies könnte die Aktenknappheit möglicherweise erklären. 

H. Altmann 

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Quellen: 

Karlsch, Ein vergessenes Großunternehmen. Die Geschichte der Karpaten Öl AG, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte. 

Stadtarchiv Celle

Kreisarchiv Celle