f Das krumme Moor bei Lachendorf ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 30. Januar 2019

Das krumme Moor bei Lachendorf


Flurnamen verraten manchmal eine ganze Menge über die Umgebung. Der vorliegende Fall liefert ein gutes Beispiel für die Entstehung einer Flurbezeichnung, die bis heute erhalten geblieben ist. 

Heute erstrecken sich im südlichen Bereich Lachendorfs ausgedehnte Wohngebiete. Noch vor 100 Jahren lagen hier die alten Äcker und Weideflächen des Dorfes. An diese Zeit erinnert heute allerdings so gut wie nichts mehr - nur noch einige Straßennamen, wie "Allerheide", "Am Fuchsbau" oder "Heidkamp" geben noch Hinweis auf die historischen Zusammenhänge. 

Auch der Straßenname "Am krummen Moor" deutet auf eine längst vergessene Ortsbezeichnung hin. Allerdings befand sich der zugehörige Ort ein wenig abseits der heutigen Straße - und ist außerdem gar nicht so verschwunden, wie man annehmen könnte. 

Bild: Straße "Am krummen Moor" in Lachendorf. Quelle: H. Altmann, 2019. 

Wie der Name schon sagt - das "krumme Moor" war einst tatsächlich ein krummes Moor. Es handelte sich um einen morastigen Ort inmitten der ausgedehnten Flächen der einstigen Allerheide südlich von Lachendorf. Bereits in der Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem Jahr 1780 trat das krumme Moor in Erscheinung. Die Karte verzeichnet das Moor im Bereich zwischen Allerheide, dem alten Weg von Celle nach Ahnsbeck und südlich von Lachendorf. 

Bild: das "krumme Moor" südlich von Lachendorf. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, 1780.  

Die erste kartografische Benennung des Moores erfolgte durch die vom Zeichner H. Michaal aufgenommene Verkoppelungskarte der Allerheide im Jahr 1850. Die Karte zeigt auch, dass die bis heute als Postweg gedeutete Wegverbindung, die aus Richtung Celle nach Ahnsbeck führt, in dieser Zeit nach Norden verlegt worden ist. Während der Weg auf der Karte um 1780 noch einen leichten Bogen um das Moor machte, führte die Straße im Jahr 1850 bereits schnurgerade durch das "Krumme Moor". 

Bild: das "krumme Moor" südlich von Lachendorf. Quelle: Verkoppelungskarte, 1850.  

Das Moor existierte offenbar auch noch nach der Teilung der Gemeinheiten. In diesem Zuge wurden die gemeinschaftlich genutzten Weidegründe der einstigen Heideflächen aufgeteilt. Was früher noch im gemeinschaftlichen Eigentum befand, ging fortan in den Eigenbesitz der ortsansässigen Höfe über. Die Folge war, dass viele bisher nicht effizient genutzte Flächen erstmals unter den Pflug genommen wurden bzw. auf ihnen Waldflächen entstanden. 

Obwohl rings um das alte Moor neue Waldflächen angepflanzt wurden, existierte dieses weiter. Dies belegt unter anderem das preußische Messtischblatt aus dem Jahre 1899. 

Bild: das "krumme Moor" südlich von Lachendorf. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899.  

Im direkten Abgleich des preußischen Messtischblatts mit dem aktuellen Satellitenbild wird erkennbar, dass das krumme Moor noch in heutiger Zeit lokalisiert werden kann. es befindet sich unmittelbar zwischen den Neubaugebieten nördlich des "Alten Postwegs" und nordöstlich des heutigen Lachendorfer Gymnasiums. 

Bild: das "krumme Moor" südlich von Lachendorf. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899; Google Earth.  

Bis heute ist da krumme Moor landschaftlich erhalten geblieben. In Anbetracht der großen kulturlandschaftlichen Veränderungen im Süden Lachendorfs ist dieser Umstand durchaus erwähnenswert. Nach wie vor zeichnet sich das "krumme Moor" als auffällige Vegetationsformation ab. 

Bild: das "krumme Moor" südlich von Lachendorf. Quelle: H. Altmann, 2017.  

Die gute Nachricht: das Krumme Moor ist im Laufe der Geschichte nicht verloren gegangen. Leider weist der heutige Straßenname nicht ganz auf die historisch korrekte Lage hin. Möglicherweise ahnte man bei der Wahl des Namens noch nicht, dass der Ort so stark wachsen würde. 

Das krumme Moor beweist jedoch eindrucksvoll, wie eine alte Flurbezeichnung die fortschreitenden Entwicklungen überdauern kann. Immerhin konnte mittels historischer Karten ein ca. 240 Jahre andauernder Bezug hergestellt werden. Die Karten belegen allerdings auch, wie stark sich die Kulturlandschaft im Laufe der Zeit gewandelt hat. 

H. Altmann

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