f Schanze im Wald bei Lachendorf ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Samstag, 1. Februar 2014

Schanze im Wald bei Lachendorf

Bild: Schanze bei Lachendorf.
Quelle: Google Earth.



In der Nähe des alten Postweges findet sich bei Lachendorf eine alte Schanze im Wald. Das  quadratische Objekt besteht aus einem ca. 50 cm tiefen, 40m langen Graben und einem umlaufenden, aufgeworfenen Wall, der stellenweise eine Höhe von etwas mehr als einem Meter aufweist. 

Auf alten Karten ist die Schanze bereits verzeichnet. 


Bild: Schanze bei Lachendorf. 
Quelle: preußische Landesaufnahme 1899. 


Bild: Schanze bei Lachendorf. 
Quelle: preußische Landesaufnahme 1899 / Google Earth.  


Dabei ist unklar aus welcher Zeit dieses alte Schanzwerk stammt. Steht es in Verbindung zum alten Exerzier-Platz (Click), der sich weiter im Osten anschließt? Möglich wäre es…

Auf älteren Karten ist die Schanze zumindest nicht eingetragen (z.B. Kurhannoversche Landesaufnahme von 1780). 


Bild: Schanze bei Lachendorf. 
Quelle: brit. Militärkarte 1945. 


Dass es sich bei dem Objekt um eine Schanze handeln muss, ist anhand der Beschaffenheit der Wälle wohl sehr wahrscheinlich. Die Ausmaße würden zwar ebenso zu einem Bienenzaun (click) passen: Länge und Breite liegen bei ca. 40m. Aber die hohen Wälle und vorgelagerten Gräben sprechen sehr für einen fortifikatorischen, d.h. militärischen Hintergrund der Anlage. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: © Hendrik Altmann. 



Hintergründe…


Bislang ist nicht erforscht aus welcher Zeit dieses Objekt stammt und wozu es einst gedient haben könnte. Es weist Merkmale eines alten Schanzwerk auf. 

Bei der Datierung kommen unterschiedliche Faktoren zum Tragen. Zum einen ist zu bedenken, dass dieses Gelände nicht immer bewaldet gewesen ist. Die Kurhannoversche Landesaufnahme zeigt noch die weiten Flächen der Allerheide südlich von Lachendorf und nördlich von Oppershausen. 

Östlich des Walles, in etwa 500m Entfernung, beginnt das Gelände des alten Exerzier-Platzes. Es ist möglich, dass zwischen beiden Objekten ein Zusammenhang besteht. Der Exerzierplatz wurde von der königlich-hannoverschen Armee bis 1866 und später von der preußischen Armee genutzt. U.a. wurden dort Manöver zu Pferde durchgeführt. In den Unterlagen der alten Gemeinde Offensen/schwachhausen finden sich zahlreiche Unterlagen über die Einquartierung von Soldaten. 

Trotzdem lässt sich nicht abschließend festhalten, dass die Schanze aus der Zeit zwischen 1800 und 1850 stammen muss. 

Aus Süd- und Mitteldeutschland sind solche Viereckschanzen noch aus einem anderen Zusammenhang bekannt. Man nimmt an, sie stammen aus keltischer Zeit (Eisenzeit: 1200 - 1000 v. Chr. ).  Die Wälle und Gräben dienten dazu einzelne Höfe zu schützen.  


Bild: Viereckschanze Rekonstruktion. 
Quelle: hgv-ehningen


Die Ausmaße der einstigen Schutzanlagen sind jedoch im Regelfall größer (80m und mehr), als es bei dem Wall bei Lachendorf der Fall ist (40m). Daher lässt sich zumindest dies vorerst ausschließen. Dennoch könnte es sich auch um eine kleinere Schutzanlage handeln. 

Allerdings hatten die Schutzanlagen im Celler Raum meist runde Form (z.B. Burg in Wahrenholz, Nordburg, Ringwall in Burg, etc.). Diese Anlagen stammen aus dem frühen Mittelalter und stellen die ältesten Schutz- und Verteidigungsanlagen im Landkreis dar. Von daher spricht einiges gegen einen Zusammenhang des Walles / Schanzwerkes bei Lachendorf zu einer alten Burganlage. 

Bleibt die Vermutung, dass es sich um eine Schanze aus Kriegszeiten (Siebenjähriger Krieg, Dreißigjähriger Krieg) oder zu Manöverzwecken handelt. 


Bild: Schanzwälle bei Lachendorf. 
Quelle: LGLN. 


Ein Bauer aus Oppershausen erzählte mir einmal eine spannende Geschichte, die er von seinen Vorfahren überliefert bekommen hatte. Auch andere im Ort kennen diese Geschichte wohl. Es heißt, dass sich einst Soldaten nördlich von Oppershausen in eine gefährliche Lage gebracht hatten. Der Feind soll ihnen auf den Fersen gewesen sein. Nur durch eine glückliche Wendung konnten sie letztlich entkommen und sich "retten". Näheres ist nicht bekannt. Die Gegend nördlich von Oppershausen erhielt daher einige namentliche Hinweise auf dieses Ereignis. So finden sich dort noch heute viele Flurnamen die etwas mit "retten" zu tun haben. Z.B. die Flur "Rettkamp" und "Retthorn". 

Friedrich Barenscheer deutete den Flurnamen in seinem Flurnamenbuch anders. Er nimmt an der Name lässt sich auf "Reet" bzw. "Riet", also Riedgras, zurückführen. Demnach wären die Flächen so benannt worden, weil dort ein bestimmtes Gras wuchs (Reed diente früher u.a. zum Dachbau). Ob Barenscheers Deutung korrekt ist, können wir heute schwer beurteilen, denn nach etlichen Eingriffen in die Natur, ist dort heute nichts mehr so wie früher. Flurbezeichnungen wie "im Moore", die direkt neben dem Retthorn liegen, deuten aber darauf hin, dass Barenscheers Vermutung richtig war. Reed wächst mit Vorliebe dort, wo genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. 

Aufgrund der strategisch ungünstigen Lage - mitten auf der alten Allerheide und alleine auf weiter Flur - kann man fast ausschließen, dass diese Anlage militärisch für Verteidigungszwecke erbaut wurde.  

Viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um eine Anlage in Zusammenhang mit Manövern auf dem alten Exerzierplatz handelt. Auch eine zivile Nutzung (evtl. Bienenzaun) kann bis auf weiteres nicht gänzlich verneint werden. 

Zur Klärung dieser Fragen müssten vor Ort Grabungen oder geo-magnetische Messungen erfolgen. Diese könnten vielleicht Aufschluss über im Boden verborgene Strukturen liefern. Anhand von entsprechenden Funden könnte man weitere Überlegungen anstellen. 


Viele Grüße, 
Hendrik







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