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Donnerstag, 31. Januar 2013

Die Flurnamen Offensen/Schwachhausen...

Die Flurnamen Offensen/Schwachhausen...

...was uns alte Flurbezeichnungen über unsere Ortsgeschichte verraten. Exemplarisch am Beispiel Offensen/Schwachhausen aufgearbeitet. 


Sicher hat jeder schon einmal vom Begriff der "Feldflur" gehört. Und bestimmt kennen viele den Begriff "Flurstück" aus dem amtlichen Gebrauch zur Bezeichnung eines Grundstücks.

Früher - bis zur Verkopplung im 18. und 19. Jh. - waren die Feldstücke wesentlich kleiner als heute. 


Bild: altes Flurstück bei Eicklingen. Quelle: Verkopplungsrezeß Eicklingen, Hauptstaatsarchiv Hannover. Sekundärquelle: Chronik Eicklingen. 


Das Beispiel vom "Schumachers Kamp" bei Eicklingen zeigt deutlich: früher waren die Feldstücke sehr lang und schmal. Sie lagen in einem großen "Feld", das einen expliziten Namen hatte. Heute kennen wir solche Felder nur als Ganzes. Warum waren die Feldstücke so schmal? 

Nun, das liegt im Wesentlichen in zwei Ursachen begründet: 

1. Es gab keine Traktoren - gepflügt wurde mit dem Pferdegespann. Es wäre gar nicht möglich gewesen mit solchen Mitteln eine derart große Fläche zu bewirtschaften. 

2. Lehnswirtschaft. Die Bauern hatten früher keinen Besitz am Land als solches. Ihnen war so viel Land zu Lehen, wie sie bewirtschaften konnten. Es spielte für den Gutsherren natürlich keine Rolle, wie klein die Parzellen auf seinem Feld waren - Hauptsache der Ertrag stimmte.


Untersuchungsraum: 


Bild: Untersuchungsraum - Offensen/Schwachhausen. Quelle: Google Earth 2011.


Vorüberlegung Flurnamen...

Man sollte nicht annehmen, dass vor einigen hundert Jahren jemand durch die Feldmark ging, um die Flächen zu benennen. Vielmehr wuchsen die Flurnamen in unterschiedlichen Epochen. Somit gibt es sehr alte Bezeichnungen - aber auch recht junge. Das macht auch Sinn, denn die Landschaft war ja nicht immer so nutzbar wie es der mensch gerne wollte. Die Zeit die es brauchte um die Felder urbar zu machen, brauchte es ebenso die einzelnen Feldflächen zu benennen. 

Aus heutiger Sicht sind die Flurnamen nicht nur für so manche Anekdote zu gebrauchen - nein, sie verraten uns sehr viel über unsere Umgebung. Es ist sehr interessant nachzuvollziehen wie mache Bezeichnung entstand. 

Dieser Beitrag soll keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vielmehr soll der bisherige Kenntnisstand präsentiert und Anregungen zum Nachdenken gegeben werden.


Woher stammen also Flurnamen...?

 

Bild: Niedersachsen Ende des 18 Jh. Grün: Wald. Pink: Heide. Orange: Moor. Quelle: Niedersächsische Landeskreditanstalt 1934. 

Bild: Niedersachsen Ende des 18 Jh. Grün: Wald. Pink: Heide. Orange: Moor. Quelle: Niedersächsische Landeskreditanstalt 1934. 


Die vorstehenden Bilder verdeutlichen uns einen unbestreitbaren Sachverhalt: unsere Landschaft war nicht immer so, wie wie sie heute kennen. Während Ende des 18 Jh. noch weite Moor und Heideflächen verzeichnet sind, finden sich im 20 Jh. vielfach mehr Feldflächen. 

Daraus kann man den unwiederbringlichen Wandel unserer Landschaft ablesen. Wenn man heute also im Wald spazieren geht, kann es durchaus sein, dass man auf alten Feldflächen unterwegs ist, die zuvor wüste Heidelandschaft waren. 

Aber wir wollen ja nun nicht über wilde Theorien spekulieren - wir wollen Beweise und belegbare Fakten zusammentragen wie unsre Feldflur zu ihren Namen fand. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, ich wäre der erste der dieser Thematik in unserem Raum Beachtung schenkt. Bereits der Dorfschullehrer H. Lange setzte sich mit den Flurnamen Offensen/Schwachhausen auseinander: 

Bild: Vorwort in Langes Flurnamensammlung. Quelle: Stadtarchiv Celle. 


Man mag von dem ehemaligen Dorfschullehrer halten was man möchte - im Punkt der Flurnamen hat er etwas Wesentliches erkannt und festgehalten. Obgleich die Menschen ihre Landschaft von Grund auf veränderten, kann man heute noch in den Namen die alten Zustände ablesen. Oft hilft es dabei den Namen aus dem Plattdeutschen zu übersetzen. Und genau das wollen wir nun auch tun. 


Die Quellen der Flurnamen...

Woher wissen wir nun wie welches Flurstück heißt...? 

Es gibt unterschiedliche Quellen der Flurnamen: 
  • mündliche Überlieferungen
  • Karten
  • Flurnamensammlungen
Dabei ist zu berücksichtigen, dass alle Quellen nebeneinander zu betrachten sind. Wenn man sich nur auf (z.B.) Karten beschränkt gehen zwangsläufig einige Flurnamen verloren. In diesem Beitrag habe ich alle verfügbaren Quellen zusammengetragen und werde nach einer kurzen Vorstellung des verfügbaren Materials zur Auswertung kommen. 


Karten...


Bild: Karte des Langlinger Holzes 1751 (Ausschnitt, bearbeitet). Quelle: Hauptstaatsarchiv Hannover, Kartenabteilung). 

Legende: 

  1. Werdaus Feld
  2. Moor Feld
  3. Das Offensener Feld
  4. Auf dem Weinberge
  5. In den Äckern
  6. Auf der Höhe
  7. Schwachhäuser Feld
  8. Altes/neues Gehäge
  9. Die grauen Wiesen
  10. Auf der Voss Höhle
  11. Neues Buchholz
  12. Altes Buchholz
  13. Kuhlen Wiesen
  14. Grauer Horst
Die Karte des Langlinger Holzes von 1751 ist einer der ältesten Hinweise auf die Flurnamen in Offensen/Schwachhausen. Über die Jahre gingen einige der Flurnamen verloren (z.B. "Auf dem Weinberge)



Kurhannoversche Landesaufnahme 1780. Quelle: LGLN Hannover. 

Obgleich die Kurhannoversche Landesaufnahme eine gute und detailreiche Quelle ist, ist sie bei den Flurnamen sehr ungenau. Folgende Flurnamen finden sich hier (von Links): 
  • Werdohs Feld
  • im Graudern
  • Altes Buchholz
  • Neues Buchholz



Bild: Flurnamen Schwachhausen. Quelle: Stadtarchiv Celle. Bearbeiter: H. Lange. Die Karte ist die preuß. Landesaufnahme von 1901. 

Legende: 

Bild: Legende zur Flurnamenkarte Schwachhausen (oben). 



 Bild: Flurnamenkarte Offensen. Quelle: Stadtarchiv Celle. Bearbeiter: H. Lange. Karte durch anklicken vergrößern...

Bild: Legende zur Flurnamenkarte Offensen (oben). Quelle: Stadtarchiv Celle. Bearbeiter: H. Lange. Bild durch anklicken vergrößern...


Flurnamensammlungen...






Vorstehende Abbildungen: Flurnamensammlungen Offensen/Schwachhausen nach H. Lange 1938. Quelle: Stadtarchiv Celle. 



Flurkarten heute... 


Bilder können durch Anklicken vergrößert werden! 











Quelle: Region Celle-Navigator. 




Zwischenfazit...

Die vorgenannten Quellen bieten viele Hinweise auf Flurnamen in Offensen/Schwachhausen. Man kann dabei die einzelnen Quellen nicht isoliert - also alleine/für sich betrachten, sondern sollte sie nebeneinander betrachten. Bis jetzt ist eine recht umfassende Sammlung an Flurnamen erfolgt - jedoch keine Deutung bzw. Einordnung. Diese soll nun folgen. 


Deutung und Erklärung der Flurnamen...

Wie bereits eingangs erwähnt sind die Flurnamen häufig eine gute Quelle, um die alten Zustände der Flächen bzw. ihren Zweck/Entstehung zu deuten. Es macht in vielen Fällen Sinn sich auf die alte (plattdeutsche) Herkunft der Namen zu konzentrieren. Nun soll eine Deutung/Erklärung der Flurnamen folgen.



Bild: Flurnamenkarte nach bisherigem Stand. Quelle: Google Earth. Karte durch Anklicken vergrößern...

Namenserklärung...



1. Das Große Gehäge: 
"Große Häg"
- Häg, bzw. Hag oder Hagen meint eine Einfriedung. Hier: ein Gehege. Später auch "Fiskalisches Gehege" (Siehe unten).

2. An der Aller: 
Landstück an der Aller gelegen. Kommt mehrfach vor. 

3. Die Masch: 
"Marsch", "Mersch" oder "Masch" - Wiesen in Wassernähe (nahrhaftes Gras). Weit verbreitet: z.B. die Winsener Marsch, Die Allermarsch, Westerceller Marsch. Stammt von "mari" (Wasserland). 

4. Die Bruchwiese: 
"brok, "bruk" - wechselnd mit "brak". Bruch und Sumpfland, d.h. feuchtes Gelände. Bruch und Wiese liegen daher begrifflich eng zusammen, da hier regelmäßig kein Fruchtbau möglich war. 

5. Im Schwachhäuser Felde:
"In'n Schwachüser Felle", von "Feld" = dat. sg. das "Felde". Hier im Schwachhäuser Feld - ein Landstück zu Schwachhausen gehörend.

6. Die Fischerwiese:
Zwischen Aller und altem Schwarzwasser gelegen - d.h. wahrscheinlich eine von Fischern genutzte Wiese.

7. Der Allerkanal:
Feldstück am heutigen Mühlengraben - ein Hinweis darauf, dass der Mühlengraben ein alter Allerarm ist?

8. Auf den Ackern:
Acker - zum Fruchtbau genutztes Feld. Das Feld liegt auf einer natürlichen Düne vor Offensen - hochliegendes Ackerland - daher "auf" ?

9. Im Fuchswinkel:
Gelände wo der Fuchs früher Höhlen hatte und lebte. Früher auch "In'n Vosswinkel".

10. Im Hestersee:
"Hees" = Buschwald. Z.B. Breitenhees, oder der Ortsname Heese. Der Zusatz "See" stammt von der Nähe zum Mühlenkanal. Dieser schlängelte sich (meanderte) früher sehr stark und bildete bei Hochwasser regelrechte Seen. Die Büsche/niedrigen Bäume werden herausgeschaut haben - sozusagen Büsche im See. Daraus folgt "Buschsee". Eine andere Herleitung ist im Langlinger Holz zu finden: noch heute sagt man zum Wald "In'n Busche" - es könnte mit dem "Buschsee" auch die geografische Nähe zum Langlinger Holz gemeint sein.

11. Am Hornwege:
"horn" wird oft für "Ecke", "Spitze" oder auch "Winkel" verwendet. Die Bezeichnung "Horn" kommt oft in Orts-, Wald- und Bergnamen vor. Es stammt in diesem Zusammenhang von "Cornu" (Lat.).
Eine andere Deutung leitet es von "horu" = Moor, Sumpf her. Nach H. Lange stammt die Bezeichnung vom "Horn-"Vieh - dieser recht einfachen und plausiblen Folgerung kann ich aber nicht viel abgewinnen...

12. Auf dem grauen Horst:
"Hurst", "Horst" = virgultum, silva humiles tantum frutices proferens. Eine Fläche auf der vormals Bäume wuchsen, später aber nur noch Baumstümpfe und Gestrüpp waren.
"Grau" meint sicher keine Farbe. Nach H. Lange: "Grawen-Horst" - stammend von "Gräwing" = der Dachs. Demnach war das Gelände von einem Dachs bewohnt. Ich denke dem Stamm nach ist aber folgendes wahrscheinlicher: "Grawen" bzw. "Gräwen" = "Graf-" d.h. der ehemalige Grafenwald. Eine Bezeichnung für das Gelände aus Adelsbesitz.

13. Die neuen Kampe (2 x):
"Kamp" = eingefriedetes Landstück. Die Kampe waren die Vorgänger unserer heutigen Felder. Die neuen Kampe waren urbar gemachte Landstücke, die eingefriedet wurden (z.B. durch Hecken).

14. Die lange Lage:
"Lagu" = Wasser
"Laake" = Flaches Wasser
- Die lange Lage deutet auf ein Gelände entweder weit weg vom Dorf hin oder auf die Nähe zu einem Wasserlauf (="Laake") - beides trifft zu.

15. Vor dem neuen Lande:
Unmittelbar vor neu kultiviertem Land gelegenes Feldstück.

16. Der Legtkamp: 


H. Lange schreibt: Ackerland, das von Zeit zu Zeit brach liegen blieb. Diese Flächen hießen "Legden" - sie wurden mit Schafen abgehütet.

17. In der Linkscheide: 
"In'ne Haije" - die Links bzw. Längs- Heide. Ein schmaler Heidestreifen. Nahe dem Heidkamp...

18. Das Moor: 
"Paludes" - Mor: das Moor, der Sumpf. Das Offensener Moor war bis vor hundert Jahren eine tiefgelegene Stelle an der alten Straße Offensen - Wienhausen. Noch heute wachsen dort Sumpfgräser und Farne.

19. Moore: 
Siehe 18 - unmittelbar südlich gelegen.

20. Das Moorfeld: 
Siehe 18. Unmittelbar in der Nähe des Offensener Moores gelegen.

21) Mühlenkanal:
Feld am Mühlenkanal gelegen.

22) An der Poststraße:
An der alten Poststraße etwa in Höhe des ehem. Bahnhofs Offensen gelegen.

23) Der Reitkamp:
Entweder vom Stamm "Reiten" - also ein Feld, das zum Reiten genutzt wurde - oder von "reth", "reed" - Schilf (z.B. Reeddach-Haus). Ein Gelände auf dem solches wuchs...

24) Die Sandberge:
"In'n Bargen" - Hinweis auf die Flächen die nordwestlich von Offensen in den alten Allerdünen lagen. Sandiges Gelände.

25) Die Sandkämpe
Siehe 24. Unmittelbar bei den Sandbergen gelegen.

26) Vor dem See:
Siehe 10 (Heestersee). Ebenfalls am Mühlenkanal gelegen. Hier "vor" dem See gelegen.

27) Der Seewinkel: 

Siehe 10 (Heestersee). Ebenfalls am Mühlenkanal gelegen. Hier noch der Hinweis auf den "Winkel" - eine schlecht zugängliche Flur. 

28) Die Strodewiese:
"Straudewisch" - "strod" = Strauch, Sumpfbusch. Ebenfalls eine Bruchwiese - wohl durchsetzt mit brakigen Sträuchern.

29) Die Südwiesen:
"Suderwischen" - Wiesen im Süden des Dorfes gelegen.

30) Wasserdamm:
Flächen am Wasserdamm(-sweg) gelegen.

31) Im Werdau:
"Wede", "Wedde/n", "Wedel", "Widu", "Witu" = Holz, Wald. Kann auch als Hinweis auf Weiden (Bäume) gedeutet werden. Z.B. auch in Marwede (Pferde-Holz/Weiden) oder "Flotwedel" bzw. "Flutwiddi" = Durchflossener Wald enthalten. Das "Werdau/Weddau" ist folgendermaßen zu interpretieren: "Wedd-au/Werd-au" d.h. als "Holz/Weidenbäume" und "Au" = Die Aue. Also als Auen-Wald. In manchen Karten ist es auch als "Weddau" verzeichnet. Das Werdau/Weddau liegt westlich von Offensen. Die Lage stimmt in Teilen noch heute mit alten Weidenbäumen in der Gegend überein.

32) Die große Wiese (2x):
Was soll man sagen - halt eine große Wiese.

33) Auf der Gartenaue:
Siehe 31 (Weddau). Hier die "Garten - Aue". Also ein Platz der für einen Garten gut geeignet scheint: feucht genug, aber nicht überschwemmt.

34) Hinter der langen Lage:
Siehe auch 14 (Die lange Lage).

35) Allerhop:
"Hof" dat. sg. "hova" = Hof. Plattdeutsch "Hop/Hope" - Hinweis auf einen Hof der an der Aller gelegen war? Heute Dreeinigkeit.

Andere Deutung:
"Hop", "Hope", "hab", "hap". = Geschützter Ort, Schlupfwinkel bzw. auch "Grenzwall". Das kommt auch gut hin: das Gelände bietet viele Schlupfwinkel in den alten Allerdünen und stellt gleichzeitig die Granze der drei Orte Offensen, Wienhausen und Oppershausen dar.

35 +) Uppe Boort: NV
Nicht in der Karte verzeichnet.
"Boort" könnte von "Woort" bzw. "Voort" stammen - Hinweis auf eine Furt.

36) Lutjen Brauke:
"Lutjen" = "Lütschen" (Platt). "Brauk" siehe auch 4. Sinngemäß "Kleiner Bruch".

37) Dränke:
"Die Tränke" (Platt). Hinweis auf eine natürlich Viehtränke (Senke in der sich Wasser sammelte). Früher oft Teil der Allmende.

38) Ballenwisch:
Wiese auf der Heu gemacht wurde.

38 +) Vorm Dörpe:
Unmittelbar vor dem Dorf Offensen gelegen.

39) Drift:
"Drift" = Platt = "Treiben". Häufig auch "Trift" (Straßenname in Celle). Die Drift liegt hinter Offensen Richtung Langlingen - dort wurde früher das Vieh auf die Weidegründe getrieben.

40) Eikhoff:
"Eich.", "Eichhoff". "Eike" = Eiche (Platt).
Interessant: der "Eichenhof liegt genau auf dem alten Gutshof in Offensen. Hinweis auf den alten Baumbestand.

41) In'n Felle:
"Felle" = Feld (Platt). Also: Im Feld(e).

42) Flaßrode
"Rode" = Hinweis auf eine Rodung?

43) Heidkamp
Eingefriedetes Gelände (="Kamp") an einer/auf einer alten Heidefläche.

44) Herrenhäg: 
"Hag", "Hagen", "Häg" = Einfriedung. Herren = (Die) Adelsherren?

45) Uppe Höge: 
"Auf der Höhe" - Lage auf einer Anhöhe. Das kommt hin: dort befindet sich eine alte Düne.

46) In'n Langelschen Holte: 
"Im Langlinger Holz" - Flächen im Wald/am Wald Richtung Langlingen.

47) Kälberhäg: 
"Hag", "Hagen", "Häg" - hier: "Gehege" für Kälber.

48) Paulmanns Kamp: 
"Kamp" = eingefriedetes Land. Das Land das Paulmann gehört.

49) Vor'e hinnere Loh: 
"Loh", m. lat. "Lucus" = Der Hain.
Auch: "Lohe". = Der wald. "Vor dem hinteren Wald" (Platt).

50) Lohbarg: 
Siehe 49 (Loh). "Barg" = "Berg" (Platt). D.H. Der "Wald-Berg". Eine Anhöhe im oder beim Wald gelegen.

51) Lorkbarg: 
"Lork" = Frosch, Kröte und auch: Lurch.
"Barg" = Berg (Platt).

Der Lurch-Berg bzw. der Kröten-Berg. Eine Anhöhe bei der die besagten Tiere lebten.

Andere Deutung:

"Lork" = kleines Lebewesen. Auch oft in Zusammenhang zu Zwergen genannt.
"Lorkbarg" = Zwergenberg.

Siehe auch: Legende vom Lorkberg

52) Lohhard: 
"hard"= Wald, Bergwald. Im Genitiv schwer zu trennen von "hert", hart" = Hirsch. Könnte also auch ein Hinweis auf einen "Hirschwald" sein.

53) Masch: 
Siehe 3 (Die Masch).

54) Ossenwinkel: 
"Osse" = Ochse (Platt). D.H.: Ochsenwinkel. Weideplatz für Ochsen.

55) Ostklint: 
"Klint" = Ecke, Felsecke. Z.B. "Bi dem smalen Klinte" (bei Langlingen). Ursprung um 1338. Eine Feldecke, die im Osten des Dorfes belegen war.

56) Peerhäge: 
"Peer" = Mehrzahl von "Perd" = Pferd (Platt). D.H. Pferdegehege.

57) Questloh: 
"Questen", "Questzern" = Vogelbeeren. D.H. Ein waldnahes Gelände mit Vogelbeerensträuchern.

58) Regebarg (?)
Nicht in der Karte eingezeichnet.

59) Im Im Rolkelcher: 
Keine Hinweise.

60) Ruterwisch: 
"Ruter" vielleicht von "Reuter" ? Dann: Reiterwiese.

61) Schaperplack:
"Schaper" = "Schaeper/Schäper" = Der Schäfer/Schafhirte (Platt).
"Plack" = Der Fleck (Platt).
D.h.: Ein Platz an dem der Schäfer die Schafe weidete.

62) Schwanenbruch: 
Siehe 4 (Bruch). Schwanenbruch = nasse Wiese auf der die Schwäne waren.

63) Seewisch: 
Siehe 10 (Heestersee). Die Seewisch (= Seewiese) lag ebenfalls in der Nähe des Mühlenkanals.

64) Stötthagen: 
"stod" = Gestüt, Pferdezaun.
"Strod" = Sumpfbruch

D.H. Entweder Sumpfiges Gelände oder eine alte Pferdeweide.

65) Vorhäg:? 
Nicht in Karte eingezeichnet.
"häg" = Gehege. D.h.: ein Vorgehege (lag vor einem anderen)

66) Nienwisch: ?
Nicht in Karte eingezeichnet.
"Nie'e" = Neue (Platt). Neue Wiese.

67) Wohnebüh:
"bur", "bür" = Wohnstätte, Heim. Auch "Ansiedlung und Gemeinde"
z.B. "Ham-bür-en"
D.H. "Wohne-büh" = Hinweis auf Siedlung - unmittelbare Nähe zu einer solchen.

68) In den Ackern:
Siehe 8.

69) Isenbüh:
Siehe 67. "Isen-" = Eisen (Platt). Inwiefern "Eisen" und Siedlungsplatz zusammen passen ist unklar. Vielleicht ein Hinweis auf einen besonders hohen Eisenanteil im Erdboden, der durch Oxidation das Feld rötlich färbte.

70) Altes Buchholz:
"In'n olen Baukholte" = Im alten Buchholz.
D.H.: Alte Äcker die in der Nähe von Buchen lagen.

71) Im See:
Siehe 10.

72) Neues Buchholz:
Siehe 70. Hier: neu urbar gemachte Flächen.

73) Müsing:
"-ing" = sehr altes Suffix, welches häufig zur Ortsnamenbildung in der Heideregion verwendet wird. Es geht bereits bis in die Zeit um 1.000 zurück.
Hier: Müsing scheint ein Name zu sein. Die als solche bezeichnete Wiese ist sehr alten Ursprungs. Noch in den ältesten Karten der Gegend ist sie verzeichnet. Ob dies ein Hinweis auf einen ehemaligen Hof oder nur auf die Zugehörigkeit zu einem Hof ist, kann ich bislang nicht sagen. Da werden weitere Recherchen nötig sein!

74) Sottbüh:
Siehe 64. Hier: Pferdezaun, der auf einen Siedlungsplatz verweist?

75) Große Wiese:
Siehe 32. Aufgrund der Größe damals so benannt. Alter Weidegrund.


Siehe Karten aus dem Region-Celle-Navigator (oben): 


76) Spannkämpe:
"Spann-" von "Ein-spannen" ? (Pferde mussten vor Geräte/Fuhrwerke etc. gespannt werden).
Demnach Platz auf dem eingespannt wurde.

Lage: Unmittelbar in der nähe der alten Poststraße. Das würde erheblich für diese Vermutung sprechen.

77) Witten Klint:
Siehe 55 (Ostklint).
"Witten" = Hinweis auf den Familiennamen "Witte" (gen. sg. =Witten) aus Offensen.
"Klint" = Spitzes Feld, Verwinkeltes Feld.

D.H.: Wittens Winkel-Feld.

78) Zumpe:
"In'n Zumpe" = Im Sumpfe (Platt). Hinweis zu einem feuchten Gelände. Passt zur oft überschwemmten Lage am Mühlenkanal.

79) Klosterwiese:
Wiese die zum Kloster gehört(e).

80) Fiskalisches Gehege:
Vormals: "Das große Gehege" (siehe 1).
"Fiskalisch" = Staatlich. Staatliches Viehgehege.

81) Tränkgarten:
Dorfnahe Viehtränke. Quasi "im Garten".

82) Ochsenwinkel:
Siehe 54. Weide für Ochsen.

83) Hoppenkamp:
Feld welches der Familie "Hoppe" gehört haben mag.

84) Swartwäterschen:
"Swart" = Schwarz (Platt)
"Woater" = Wasser (Platt)

D.H.: Schwarzwässerchen. Am Schwarzwasser gelegen. Mag auch darauf hindeuten, dass das Land dem Schwarzwasser "zugehörig" ist. Wenn Hochwasser war, gehörte das Land quasi dem Wasser.

85) Harbüh:
Siehe 74. und 69.

86) Eschenkamp:
Feld in dessen Nähe Eschenbäume wuchsen.

87) Gartenkoppel:
Feldgarten. Zum Anbau von Gemüse für den Hausbedarf. Hausgärten auf Feldern waren bis ins 20 Jh. weit verbreitet.


Bilder...

Es ist immer wichtig neben allen Büchern und Karten auch mal einen Blick vor die Tür zu wagen. Daher hier einige Impressionen aus der freien Landschaft von ausgewählten Feldflächen. Es war gar nicht so schlecht, dass bei manchen Aufnahmen Schnee lag - so wird der Blick auf das Wesentliche gerichtet...


Bild: Der Lorkberg. Siehe 51. 


Bild: der Lorkberg. Die rote Linie markiert den Höhenverlauf.  Siehe 51. 


Bild: der Eschenkamp bei Schwachhausen. Siehe 86. 


Bild: Hoppenkamp und "In den Äckern" bei Schwachhausen. Siehe 86 und 68. 


Bild: Buchholzweg hinter dem Hoppenkamp. Er verläuft gerade hinweg über den Birkendamm an altem und neuen Buchholz vorbei. 


Bild: Buchholzweg Richtung Langlingen. Rechts davon: zuerst altes und dann neues Buchholz. 


Bild: Buchholzweg in Höhe des alten Buchholzes - mit Kira. 


Bild: Neues Buchholz. Geradeaus: Langlinger Schleusenweg. Siehe 72. 



Bild: Weg hinunter in die Wiese "Müsing". Siehe: 73. Der alte Wegverlauf und gerade die Absenkung lassen darauf schließen, dass es sich um eine sehr alte Feldfläche handelt.


Bild: Staugraben an der Wiese "Müsing". Im Schilf verbirgt sich ein altes Stauwehr. Ca. 100 Jahre alt.


Bild: an der Wiese "Müsing". Eine alte gemauerte Brücke. 


Bild: Die Wiese "Müsing. Umgeben von einem Erdwall. Geschützt von Bäumen. 


Bild: Die Wiese Müsing. Die halbrunde Form deutet auf eine alte Flächenstruktur hin. Wer war Müsing? Siehe 73. 



Bild: Bei Schwachhausen. Roter Kreis: das alte Gut. Rote Fläche: Beginn der Fischerwiesen (Siehe 6.). Dafür (grün): Teile vom Questloh (Siehe 57.). Im Hintergrund rechts (Wald): der Lorkberg (Siehe 51). 


Fazit... 

Wir blicken heute auf eine veränderte Umgebung. Nichts deutet scheinbar mehr auf jene alten Tage hin aus denen uns seltsam anmutende Namen geblieben sind. Und doch scheint es, dass diese Namen nicht unbedacht gewählt wurden. Denn noch heute gebrauchen wir sie teilweise und wie selbstverständlich wachsen wir mit diesen Bezeichnungen auf. 

Noch vor nicht allzu langer Zeit passten Realität und Namen zueinander. Nun liegt es an uns das Erbe an diese mündlich überlieferten Denkmäler unserer Vorgeschichte zu erhalten. 

In diesem Beitrag wurden viele - aber sicher nicht alle Flurbezeichnungen umrissen. Je weiter wir zurückblicken umso unschärfer sind die Namen erhalten. Zuletzt muss man eingestehen, dass sicher auch schon so mancher Name verloren ging. Dass die Offensener und Schwachhäuser Flurnamen in diesem Umfang erhalten blieben verdanken wir dem ehemaligen Dorfschullehrer H. Lange. Lange war seinerzeit jedoch nicht nur beliebt: der Ideologie des 3. Reiches verfallen und höchst parteitreu machte sorgte H. Lange dafür, dass auch Junge Menschen in die Klauen der Nazis fielen. Desweiteren steht er im Verdacht zu Kriegsende die Schulchronik verbrannt zu haben - angeblich um die eigene Schuld zu vertuschen. 

Was obliegt es einer Generation, die sich selbst von der Verantwortung freispricht, über die Vergehen anderer Generationen zu urteilen? Daher möchte ich nicht weiter auf dieses Thema eingehen. Fest steht, dass wir ohne H- Lange heute keine solche Sammlung an Flurnamen hätten. Das hat mit allen anderen Dingen herzlich wenig zu tun. 


Beste Grüße, 

Hendrik 


Fragen & Anregungen erwünscht. 



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