f Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 28. November 2013

28. November 1938

Ein Jahr vor Kriegsbeginn...


… zeigte sich auch in Celle die Blütezeit des Nationalsozialismus. November 1938: zu Beginn des Monats kam es zu den Ereignissen, die als "Reichskristallnacht" in die Geschichte eingehen sollten.

Jährlich wird den Opfern der Ausschreitungen am 9. November gedacht. Jährlich - das bedeutet sich regelmäßig dieses Ereignis mahnend ins Gedächtnis zu rufen. Ein jährlicher Gedenktag trägt jedoch auch dazu bei, die damaligen Umstände rund um das Ereignis selber aus dem Fokus zu verdrängen.

Die wirklichen Ausmaße des Novemberpogroms werden erst in den folgenden Wochen und Monaten deutlich. Die vollkommene Entmündigung jüdischer Mitbürger hatte sicherlich am 9.11.1938 einen ungeahnten Höhepunkt erreicht, wuchs aber auch nach diesem Schicksalstag stetig an.

In Celle schrieb die Cellesche Zeitung am 28.11.1938 (Anklicken zum Vergrößern):











Bild: Artikel aus dem Wirtschaftsteil der CZ. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 


Daran wird besonders deutlich, dass der jüdischen Bevölkerung jede Daseinsberechtigung aberkannt wurde. Zwar geht es in diesem Artikel um wirtschaftliche Aspekte, nämlich jüdische Geschäfte und Betriebe in Celle, aber dahinter steht nichts anderes als die Entmachtung und Ächtung der Celler Juden als solche. Inhaltlich spricht der Artikel für sich. 

Am 28. November trat auch eine Polizeiverordnung über das "Auftreten von Juden in der Öffentlichkeit" in Kraft (siehe dazu: Chronologie des Holocaust). 



Ein weiteres Ereignis des 28. November 1938...

Die CZ berichtete an diesem Montag ebenfalls über den Fahneneid der Wehrmacht, welcher am Samstag zuvor in Celle geleistet wurde. 



Bild: Artikel über den Fahneneid der Wehrmacht. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938.  


Der Fahneneid war mehr als nur ein Treueschwur auf das Deutsche Reich. Der Eid beinhaltete die direkte Verpflichtung dem Reisführer, Adolf Hitler, unbedingten Gehorsam unter Aufopferung des eigenen Lebens zu leisten. Eben diese Eidesformel wurde immer wieder kontrovers diskutiert. Militärisch betrachtet band der Eid denjenigen der ihn leistete und somit beriefen sich viele Soldaten darauf. Der Eid war ein zentrales und stilisierendes Element im Gleichschaltungsprozess. Letztlich politisierte er die Wehrmacht und führte dazu, dass es selbst für Soldaten, die nicht der Partei angehörten enorm schwer wurde, sich der Gefolgschaft zu widersetzen. 


Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 


Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 



Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 


Es folgte ein umfassender Artikel zur Rekrutenvereidigung in Celle. Die heroischen Zeilen ließen allerdings nicht durchblicken was die neuen Rekruten schon ein Jahr später erwarten sollte. 


Anklicken zum Vergrößern: 

Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 


Hier noch einige Berichte aus dem LK Celle vom 28.11.1938. Mit dabei: Beedenbostel, Wathlingen, Eicklingen, Winsen und Witze. 


Anklicken zum Vergrößern: 

Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 


Es wurde ebenfalls über den Berufswettkampf berichtet. Vor einiger Zeit fand ich ein Abzeichen dieses Wettkampfes nahe Celle (siehe auch: Found Places - Berufswettkampf). 


Anklicken zum Vergrößern:

Bild: Vereidigung in Celle am 26.11.1938. 
Quelle: CZ vom 28.11.1938. 



Bild: gefundenes Abzeichen vom Berufswettkampf bei Celle. 
Quelle: eigenes Bild. 




Bild: gefundenes Abzeichen vom Berufswettkampf bei Celle. 
Quelle: eigenes Bild. 



Fazit


Im Jahr 1938/1939 erreichte der nationalsozialistische Wahnsinn seinen vorläufigen Höhepunkt. Zwar waren Hitlers Motive überaus absehbar, jedoch ahnte niemand welche fatalen Folgen sich nach 1939 ergeben würden. 

Der vorgestellte Beitrag, welcher am 28. November 1938 erschien untermauert deutlich die damalige Stimmung im Reich. Zum einen überwog die Überheblichkeit des eigenen Nationalstolzes. Zum anderen gelang es der nationalsozialistischen Propaganda flächendeckend eine Situation herbeizuführen, die seitens der Bevölkerung nicht ausreichend hinterfragt wurde. Die Folgen waren erbarmungslos. 


Viele Grüße, 

Hendrik. 



Donnerstag, 14. November 2013

Der Fasanengarten - Artenvielfalt in Celle


Einigen dürfte noch die ehemalige Gaststätte "Reiherpfahl" in Altenhagen bekannt sein. Ihr Name stammte von der alten Steinsäule hinter Altenhagen: dem Reiherpfahl. Die Säule war als Denkmal der Fischreiherzucht zwischen Altenhagen und Garßen errichtet worden.

Das bereits 1650 angelegte Reiherhaus stand vermutlich dort, wo heute das Gehöft "Tannhorst" liegt. Noch bis Anfang des letztens Jahrhunderts ließen sich dort die Überreste von Fischteichen ausmachen.

Bild: Tannhorst 1780.
Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780.

Was viele nicht wissen: nicht bloß Reiher wurden gezüchtet. Zu Jagdzwecken wurden auf Fasane, Trappen, englische Hühner, türkische Gänse und verschiedene Entenarten gezüchtet. Diese Tiere galten als überaus edel und bestens für die Jagd geeignet. Schon zwischen 1660 und 1700 gibt es Hinweise darauf, dass es in Tannhorst einen "Fasanenmeister" gab, welcher für die Zucht der Tiere zuständig war. Ein solcher wird erstmals 1655 in der Kirchenrechnung von Groß Hehlen erwähnt. 1770 wurde der Fasanengarten bei Vorwerk in der Beschreibung der Burgvogtei Celle bestätigt.

Als Wohnhaus des Fasanenmeisters kommt ein kleineres Wohngebäude in Frage, welches auch auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1780 zu erkennen ist (siehe oben). Dieses Gebäude existierte noch sehr lange, wurde aber schließlich wegen eines Neubaus abgerissen. Clemens Cassel schreibt, dass der Fasanengarten einst auch als "Fasanerie" bezeichnet wurde. Demnach zog die Fasanerie aber schon um 1660 aus Tannhorst weg. Der neue Standort befand sich in der späteren Wittinger Straße vor dem Hehlentor.

Bild: neuer Standort der Fasanerie oberhalb der Dammaschwiesen.
Quelle: Charte von der Statt Zelle, 1758.

Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, Georg Wilhelm (1624 - 1705) ließ in den Jahren 1669 und 1670 ließ eigens für den Fasanengarten europäische Sumpfschildkröten aus Dresden liefern. Er kaufte 23 dieser exotisch anmutenden Tiere für vierzehn Thaler und ließ sie in der Fasanerie aussetzen.

Der Fasanengarten entwickelte sich zu einem Lustgarten mit beachtlichen baulichen Besonderheiten. Es entstand eine parkähnliche Anlage mit einem herrschaftlich eingerichteten Wohnhaus. Daneben umfasste die Fasanerie zwei Bruthäuser, ein Verwaltungsgebäude, mehrere Ameisenkeller (Futter) und einige Teichanlagen in denen man Schwarzstörche und Schildkröten ansiedelte.

Alleine an den aufgezählten Bestandteilen erkennt man die Dimensionen des Celler Fasanengartens. Eingerichtet wurde die Einrichtung durch den "Brunnen-, Grotten- und Fasanenmeister" Benedikt de Münster (+ 1699). Sein Sohn Dietrich de Münter führte den Beruf seines Vaters fort. Gemäß der eingangs erwähnten Beschreibung der Burgvogtei Celle war der Fasanengarten im Jahr 1770 ca. 7 hannoversche Morgen groß. Das entspricht heute etwas mehr als 18.300 Quadratmetern - etwa einer modernen Großlagerhalle.

Bild: Plan des Fasanengartens um 1801 (nachgezeichnet). 
Quelle: Achenwall, F.W. und Sprenger, H., "Plan von dem Fasanengarten bei Celle", Stadtarchiv Celle, StadtA CE K 02 Nr. C 0033, Lizensierung unter CC-BY-NC-ND-Lizenz. 

1770 war auf den Ländereien der Fasanerie niemand zu Hude und Weide berechtigt. Lediglich im Herbst war es den Bauern der Dörfer Vorwerk und Altenhagen gestattet, ihre Schweine auf die Ländereien zu treiben. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Gebiet stark in Mitleidenschaft gezogen (siege auch: Celle im Siebenjährigen Krieg). Danach wurde das Gelände neu mit Bäumen bepflanzt.

Der Landwirt und spätere Begründer der modernen Agrarwissenschaft, Albrecht Thaer, übernahm das Gelände pachtweise. Später wurde es unter anderen Pächtern aufgeteilt. 1807 wurden die noch erhaltenen Gebäude verkauft und schließlich abgerissen. Die Erwerber hatten kein Interesse am Fortbestand bzw. an die Erinnerung der Fasanerie. Und das hatte seinen Grund. Wie bereits erwähnt waren mit dem Gelände bestimmte Verbote verbunden: so war die Haltung von Katzen verboten, es durften keine Schusswaffen vorhanden sein, Hunde durften nicht frei laufen und bei der Bewirtschaftung musste genug Futter für die nistenden Vögel übrig bleiben.

Später entstand in unmittelbarer Nähe an der Wittinger Straße die Krugwirtschaft und Gaststätte "Zum Fasanengarten".

Bild: zum Fasanengarten an der Wittinger Straße 93.
Quelle: Postkarte 1915, Archiv Altmann. 

Bild: Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1912. Quelle: CZ vom 5.01.1912.

Auch die Gastwirtschaft "Zum Fasanengarten" hielt sich nicht lange. 1918 wurde sie zum Bau der Altona-Celler Metallwarenfabrik abgerissen. Dort wurden, nach Entwürfen Otto Haeslers die "Celler Volksmöbel" hergestellt.

Bild: Gelände des ehemaligen Fasanengartens an der Wittinger Straße. 1. Standort der Gaststätte "Zum Fasanenhof". 2. Straße "Fasanenweg". 3. Straße "Wachtelweg". Später Altona-Celler Metallwarenfabrik. Quelle: Google Earth und Messtischblatt von 1901.

Noch heute deuten die Straßennamen "Wachelweg" und "Fasanenweg" auf die alte Fasanerie hin. Heute befinden sich dort Wohnhäuser. Nichts deutet mehr sichtbar auf die ehemalige Nutzung des Geländes hin. Mehrfach überbaut, ist jeder Hinweis auf den Celler Fasanengarten verschwunden.

Bild: Gelände des ehemaligen Fasanengartens an der Wittinger Straße. Quelle: Google Earth.

Heute erscheint die Existenz eines Lustgartens in dem Schwarzstörche neben Sumpfschildkröten lebten irgendwie paradox. Einst war die "Celler Fasanerie" der Privatzoo des Herzogs. Ähnlich wie bei heutigen Naturschutzgebieten, waren mit der Bewirtschaftung sehr strenge Auflagen verbunden. Nicht zuletzt deswegen könnte den späteren Eigentümern daran gelegen gewesen sein, dass die Fasanerie zugrunde ging. Damit war das Gelände wieder für wirtschaftliche Zwecke nutzbar. Von den einstigen imposanten Gebäuden blieb nichts erhalten. Heute erinnern nur die Straßennamen "Wachtelweg" und "Fasanenweg" an die ehemalige Nutzung des Geländes.

H. Altmann


Dienstag, 12. November 2013

Die alten Wege um Celle (I)

Der Dietweg



Es wird höchste Zeit sich in diesem Blog den alten Wegen und Straßen zu widmen, die früher einmal den Landkreis durchzogen. An den Straßen sammelte sich seit jeher das öffentliche Leben.

Der Begriff "Verkehrsadern", den man manchmal noch in den Staumeldungen im Radio vernimmt, rührt genau daher: Straßen stellen ein wichtiges Instrument der Infrastruktur dar, um Menschen und Städte miteinander zu verbinden.

Straßen und Wege sind also ein spannendes Thema, denn daran lassen sich viele andere Entwicklungen ablesen, deuten und besser verstehen.


Heereswege


Natürlich liegt der Wortursprung scheinbar auf der Hand. Der Heerweg scheint ein Weg gewesen zu sein, den die Armee/das Heer nutze. Früher wurde das aber nicht so genau abgegrenzt. Zwar nutzte das Heer diese Wege - sie waren aber nicht speziell für militärische Operationen angelegt. Vielmehr handelte es sich um Wege die aufgrund ihrer Größe und Lage die einzigen Wege waren, die dazu geeignet waren größere Distanzen darauf zu beschreiten.

Man kann diese Wege nicht mit heutigen Straßen vergleichen. Es handelte sich häufig nicht einmal um befestigte Fahrstraßen, sondern um Karrenwege oder weitläufig angelegte Fahrspuren. Witterungseinflüsse hatten einen erheblichen Einfluss auf die Wege - im Notfall folgte der Weg einer alternativen Fahrspur.

Um chronologisch vorzugehen, ist besonders ein bedeutender Heerweg zu nennen: der sogenannte Dietweg.


"Folkweg"


Eine der bekanntesten Quellen ist der Roman "der Werwolf" von Hermann Löns. Darin wird der Dietweg als "Volksweg" nach Celle beschrieben. Es ist bekannt, dass sich Löns in seinen Werken nicht selten reale Zusammenhänge und Gegebenheiten verwendete. Allerdings kann man nur schätzen wo genau der beschriebene Weg laut dem Roman wohl verlaufen sein mag.

Der Dietweg war eine wichtige - wenn nicht sogar die wichtigste Straße, die Celle einst hatte. In einer Urkunde aus dem Jahr 1060 wird der Dietweg als Herrschaftsweg, bzw. Altstraße erwähnt (via regia). Es heißt "via publica quae dicitur Folkweg" und "strata publica quae vulgo dicitur Dietwehe".

Der Folkweg bzw. Dietweg verlief in Nord-Süd-Richtung und querte bei Celle die Aller. Er verband quasi die Nordsee mit dem Mittelmeer. Der Name Dietweg/Folkweg bedeutet übersetzt Volksweg. es handelt sich um eine wichtige Fernstraße. Die Entstehung Celles ist unmittelbar mit dem Straßenverlauf verknüpft - später dazu mehr.


Bild: Ausschnitt des "Romweges".
Quelle: Das ist der Rom Weg von meylen zu meylen mit puncten verzeychnet von eyner stat zu der endern durch Deutzche lantt, 1490. 


Die Karte des Romweges ist der älteste und erstmals in diesem Zusammenhang angeführte kartografische Beweis für eine überregionale Straße, die in frühster Zeit durch Celle führte. Wie bei alten Karten üblich, wurde die Karte nicht nach Norden, sondern nach der "Wichtigkeit" ausgerichtet.

Da Rom für Pilger und Gläubige einst das Höchste war, wurde diese Karte auch danach ausgerichtet. Der Ausschnitt zeigt Norddeutschland, wobei oben nicht Norden, sondern Süden ist. Die Karte steht also auf dem Kopf. 

Das macht aber nichts. Folgende Punkte seien hervorgehoben: 

  1. Lubeck (Lübeck)
  2. Hamborg (Hamburg)
  3. Stade
  4. Luneborg (Lüneburg
  5. Zell (Celle)
  6. Brunswig (Braunschweig). 

Die Karte zeigt also nicht weniger, als den ungefähren Verlauf der Altstraße durch Celle. Wo exakt der Weg entlangführte, kann heute nicht mehr überall nachgewiesen werden. Es soll im Folgenden der Wegverlauf des Dietweges nachvollzogen werden. 


Verlauf des Dietweges


Heute verlaufen Straßen abseits der Orte, z.B. als Autobahnen. Damals verbanden die Wege Städte und Orte - dementsprechend verliefen sie nicht gradlinig, sondern machten manchmal Umwege, um abseits liegende Orte "mitzunehmen". 

Das lässt sich ebenfalls beim Dietweg beobachten. Von Norden kommend verband er zunächst die Orte Bardowick, Lüneburg, Uelzen, Breitenhees, Weyhausen, Eschede und Celle. In einigen Darstellungen wird angenommen, dass auch die Orte Lutterloh und Rebberlah am Dietweg lagen. Zwar liegen diese eigentlich zu weit westlich von der graden Route Uelzen - Celle, aber es ist auch gut möglich, dass der Weg einen Schlenker machte. 


Bild: Straßenverlauf des Dietweges nördlich von Celle. 
Quelle: Google Earth. 


Kartenlegende: 

  1. Lüneburg
  2. Uelzen
  3. Breitenhees
  4. Weyhausen
  5. Eschede
  6. Lutterloh
  7. Celle (und darüber hinaus!) 

Der Umweg über Lutterloh wird durch eine Legende gestützt. Aufgrund von Angaben in alten Chroniken wird vermutet, dass Lothar III., bekannt als Lothar von Süpplingenburg, 1075 oder früher in Lutterloh geboren wurde. Er war König (1125–1137) und Kaiser (1133–1137) im Heiligen Römischen Reich.


Die alte „Büntingsche Chronik“ berichtet darüber:
Sein Vater, Graf Gebhardt der Andere, ist 1075 in der Schlacht bei Negelstedt (bekannt als die Schlacht bei Homburg an der Unstrut) gegen Kaiser Heinrich dem vierden gedienet, in der Schlacht umbkommen. Wenig Tage (vor) derselben Schlacht ist Hertzog Lutther zu Lutterloh im Lüneburgischen Lande nicht weit von der Stadt Zelle in diese Welt geboren. Daher der Ort hernach von ihm befreit und aller Beschwerden entnommen worden. Diese Freiheit hat bei Regierung Herzog Ernsten (des Bekenners) zu Lüneburg ein Amtmann aufheben und den Bauern dienstbar machen wollen ...

Es existierte in Lutterloh tatsächlich der abgabefreie Behrensche Hof. Die Geschichtsforscher nehmen aber an, dass ein unehelicher Sohn des Kaisers Lothar III. Besitzer des Hofes gewesen ist.
Das Welfenmuseum ist im Besitz von Lothars Taufstein. Dieser ist aber nachweislich erst einige Jahrhunderte später entstanden. (Quelle: Wikipedia). 

Es ist unklar, ob diese Legende wahr ist, oder nicht. Letztlich ist es auch unerheblich wo exakt der Weg verlief, da er sich ohnehin nicht mehr genau verorten lässt. Geschichtlich wird der Wegverlauf beispielsweise durch Ereignisse im Siebenjährigen Krieg untermauert (siehe dazu: Der Siebenjährige Krieg in Celle - 1757: die Lage aus alliierter Sicht). 

Auch wenn sich der Wegverlauf in früherer Zeit wohl schon bei unterschiedlichem Wetter ändern konnte, festigte er sich mit der Zeit und nahm eine Form an, wie man sie über die Jahrhunderte anhand von Karten gut nachvollziehen kann. Das soll in diesem Beitrag ebenfalls getan werden. Zunächst stellt sich aber noch die Frage, warum der Weg überhaupt durch Celle führte. Warum überquerte er nicht bei Altencelle die Aller - sondern bei der westlich gelegenen Neusiedlung?



Bild: älteste Wege bei Celle.
Quelle: Google Earth.


Nachweislich gab es bei Altencelle schon seit frühester Zeit eine Furt. Es wird angenommen, dass Altencelle möglicherweise schon um 990 im Zuge alter Grenzverläufe (Schnede) eine wichtige Rolle gespielt hat (Siehe (2)). Ein Weg, der von Altencelle nach Norden verlief ist jedoch eher unwahrscheinlich, denn im Norden liegt seit ewiger Zeit ein nasses, morastiges Gelände - das Schweinebruch (3).

Bei der Besiedlung der heutigen Stadt hat sicherlich auch die günstige Lage für einen Aller-Überweg eine entscheidende Rolle gespielt (1).


Bild: Alter Überweg des Dietweges.
Quelle: Google Earth.


Noch heute erkennt man deutlich, dass sich die Wege direkt hinter dem Celler Übergang über die Aller gabelten. In östliche, bzw. nordöstliche Richtung zweigten die Wege nach Wittingen und Lüneburg ab ((4) und (3)). Heute sind diese Straßen nach eben diesen Orten benannt.

In Richtung Westen und Norden führten die Wege nach Hamburg bzw. Bremen ((2) und (1)). Auch hier deuten die heutigen Straßennamen noch auf diese Wegziele hin. Da das Gelände nördlich der Aller, am sogenannten Liebfrauenberg, verhältnismäßig stark ansteigt, versuchten die Bremer Kaufleute diese Steigung zu umgehen, indem sie direkt hinter der Allerüberquerung nach Links abbogen. Der Wegverlauf folgte dabei dem "Allertal" und ist heute als "Alter Bremer Weg" bekannt.

Der Weg in Richtung Lüneburg (3) ist vermutlich der älteste der Abzweige an dieser Stelle. Er führte, wie auch die heutige Bundesstraße, in Richtung Altenhagen.



Bild: Wegverlauf nach Altenhagen.
Quelle: Papen-Atlas, 1839.


Es deutet vieles darauf hin, dass die Furt bei der heutigen Stadt Celle und später auch die Brücke dafür sorgten, dass sich Celle eine wachsende Bedeutung in Bezug auf den Handel erreichen konnte. Die erste Andeutung einer Zollstelle an eben dieser Stelle stammt aus dem Jahr 1225. Darüber hinaus lag auch das ehemalige Franziskanerkloster nicht weit von dem wichtigen Weg.

Entlang der alten Schnede (Grenze) und der späteren Gaugrenze zwischen dem Bardengau im Nordwesten von Celle und dem Mutwidde im Nordosten der Stadt, verlief der Dietweg von Altenhagen weiter zwischen Vorwerk und Bostel bis nach Garßen.



Bild: Wegverlauf bei Garßen.
Quelle: Papen-Atlas, 1839.



Bild: Wegverlauf hinter Garßen - Blick in Richtung Burghorn.
Quelle: eigenes Bild.


Garßen wurde von dem Weg tangiert, welcher dann in nordöstliche Richtung abschwenkte und südlich von Hornshof verlief. Die Karte der "Environs de Zelle" aus dem Jahr 1753 macht dies deutlich:



Bild: Dietweg nordöstlich von Garßen.
Quelle: Environs de Zelle, 1753.

1. Garßen
2. Hornshof
3. Ohe
4. Altstraße in Richtung Rebberlah
5. Altstraße in Richtung Habighorst

Legt man die Aufnahme aus dem Papen-Atlas von 1839 auf ein aktuelles Satellitenbild, erkennt man, dass der alte Dietweg dem heutigen "Hamburger Weg" entspricht, welcher von Garßen in Richtung Burghorn / Habighorst verläuft.


Bild: Dietweg / Hamburger Weg bei Garßen.
Quelle: Google Earth, Papen-Atlas (1839).


Von Garßen aus verlief der Weg weiter bis Burghorn. In Burghorn befand sich der Gerichtsplatz der Amtsvogtei Beedenbostel (siehe auch: Justiz, Gericht und Vollstreckung zu alter Zeit). Dieser Platz lag auf einer Anhöhe direkt neben dem alten Dietweg. Man kann davon ausgehen, dass dieser Standort mit Bedacht und Absicht gewählt wurde, damit Vorbeiziehende die Gerichteten sehen konnten. Einst dienten gerichtliche Prozesse und Vollstreckungen in größtem Maße zur allgemeinen Abschreckung. Man kann sich die Wirkung verdeutlichen, wenn man sich vorstellt, wie in dieser verlassenen Gegend einst ein verlassener Galgen gewirkt haben muss.

Der Dietweg führte dann weiter durch Habighorst in Richtung Eschede - Weyhausen - Breitenhees - Uelzen - Lüneburg - Bardowick.


Bild: Wegverlauf vor Habighorst.
Quelle: Papen-Atlas, 1839.


Es ist anzunehmen, dass der Dietweg streckenweise die Grenze der alten Diözese zu Hildesheim und auch eine Grenze zwischen zwei alten Gauen bildete. Der Weg war also weit mehr, als nur eine wichtige Fernstraße. Letztlich stellte der Weg eine der wichtigsten Verbindungen von Nord nach Süd dar und sorgte nicht zuletzt dafür, dass Celle im Mittelalter einen regen Aufstieg erlebte.


Viele Grüße






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Empfehlungen:


Garnison-Museum Celle: 
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Die Schatzregister (zu erwerben): 
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Offensen-Schwachhausen: 
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Schatzsuche:  die Teufelsinsel in Wietze: 
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Antiquarische Bücher: Celler Versandantiquariat Ehbrecht: 




Donnerstag, 7. November 2013

9. Nomember 1938

"Reichskristallnacht"


Am kommenden Samstag jähren sich die Ereignisse des 9. November 1938 zum 75. Mal. Es ist eines der Daten, die sich fest in das Gedächtnis eines Jeden eingeprägt haben.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es zu heftigen und aggressiven Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten damaligen Deutschen Reich. Nach Gedenkfeiern anlässlich des Jahrestages des Putschversuches der NSDAP im Jahr 1923, verbreitete sich schnell die Nachricht, dass der in Frankreich durch einen jüdischen Schützen verwundete, deutsche Diplomat von Rath verstorben war.

Die Partei machte kurzfristig mobil, nachdem der Reichspropagandaminister Josef Goebbels verkündet hatte man solle sich dem "Volkszorn" nicht entgegenstellen. Daraufhin kam es in der besagten Nacht im gesamten Reichsgebiet zu massiven Übergriffen - vor allem durch Angehörige der SA.

Auch in Celle wurde die Synagoge verwüstet und die meisten jüdischen Geschäfte zerstört. Viele der Celler Juden wurden im Zuge dieser Ereignisse verhaftet. Nur wenige der Täter wurden nach dem Krieg für ihre Verbrechen belangt und zur Rechenschaft gezogen.

Da die Ereignisse in Celle des 9. November bereits Gegenstand umfangreicher Nachforschungen waren, möchte ich gerne auf entsprechende Quellen aufmerksam machen.



Quellen zum Weiterlesen: 

Der zeitgeschichtliche Stadtführer von Reinhard Rohde und Tim Wegener "Celle im Nationalsozialismus" greift die Ereignisse des 9. November umfassend auf.
Es werden viele Einzelschicksale anschaulich dargestellt und so dem Leser die Möglichkeit gegeben die Geschehnisse selbst zu erfassen und zu werten.

Durch die Verwendung von umfassendem Bildmaterial wird das Werk meiner Meinung nach seinem Namen mehr als gerecht.

Viele Beiträge aus dem Buch finden sich auch unter der fast gleichnamigen Seite "Celle im Nationalsozialismus - ein historischer Stadtrundgang". Die Seite ist kostenfrei zugänglich und sehr zu empfehlen.


Das ZDF sendete gestern um 20:15 Uhr einen Beitrag mit dem Titel "Nacht über Deutschland". In dem Beitrag schildern Zeitzeugen die Ereignisse des 9. November 1938.

Am 9. November 2013 findet ab 19:00 eine Gedenkveranstaltung in der Celler Synagoge statt. Zu diesem Anlass liest Dr. H.c. Biermann aus dem Buch "Mein Bericht an die Welt. Geschichte eines Staates im Untergrund." von Jan Karski. Mehr Informationen dazu: Gedenken in der Celler Synagoge am 9.11.2013.


Viele Grüße,

Hendrik

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Die Blutstraße in Celle 1936

Die Blutstraße 


Viele alte Bilder der Stadt Celle laden dazu ein in wehmütigen Erinnerungen zu schwelgen und an "die guten alten Zeiten" zu erinnern. Manche vermitteln jedoch ein gänzlich erschreckendes Bild der Stadt.

Ein Foto, aufgenommen im Juni 1936, zeigt die Zöllnerstraße in Celle geschmückt für das Kreistreffen der NSDAP. Im Volksmund erhielt die Straße in dieser Zeit den Namen "Blutstraße". Die anliegenden Gebäude waren mit allerlei Hakenkreuzfahnen geschmückt. Um den einheitlichen Charakter zu unterstreichen wurden die Fassaden mit roten, bis auf den Boden reichenden, Bannern verziert. An der ehemaligen Mittelschule (heute C&A) war ein überdimensional großes Bild Adolf Hitlers gehängt worden.

Aus Richtung der Stechbahn sah man entlang der ganzen Zöllnerstraße keine einzige Hausfassade - nur "ein einziges Rot". Carla Meyer-Rasch kommentierte diesen Aufzug des Kreistreffens der NSDAP am 13. und 14. Juni 1936 als "gruselig" und furchteinflößend. Siehe auch: Celle im Nationalsozialismus.


Bild: Zöllnerstraße am 13. /14. Juni 1936 - die Blutstraße.
Quelle: Celle Stadt und Land, Zeitsprünge, Florian Friedrich, 2005.


Bild: Zöllnerstraße Celle.
Quelle: http://www.wolkenmond.de/foto/unterwegs/2012_03_27.html


In der Tat zeigte der Nationalsozialismus beim Kreistreffen am 13. und 14. Juni in Celle sein wahres Gesicht. Das pompöse Auftreten und die bewusste Inszenierung vor der historischen Altstadt-Kulisse waren eine bewusste Machtdemonstration der Nationalsozialisten.

Nach 1936 begannen die ersten Aktionen gegen diejenigen, die nach nationalsozialistischer Auffassung    "unerwünscht" waren. So gerieten Juden und nicht Reichsdeutsche in den Fokus der Ausschreitungen die in der Reichskristallnacht vom 9. / 10. November ihren Höhepunkt fanden.



Fazit


Bereits 1936 wurde die, mit roten Fahnen und Hakenkreuzen behängte, Zöllnerstraße als "Blutstraße" bezeichnet. Vor dem Hintergrund des unmittelbar folgenden Zweiten Weltkrieges scheint dies entweder prophetisch oder sarkastisch. Zumal niemand die Leiden des Krieges voraussehen konnte, bleibt das Bild einer völlig entstellten Straße. Genauso wie die Nazis unliebsame Kunst als "entartet" nannten, könnte man die Zöllnerstraße vor ihrem geschichtlichen Hintergrund ebenso bezeichnen.

Das Bild der Zöllnerstraße verdeutlicht die Präsenz des Nationalsozialismus in der Vorkriegszeit in der Stadt Celle.

Immer wieder stellt sich die Frage:" Was wussten unsere Eltern / Großeltern und was hätten sie tu können?" Die "Blutstraße" verdeutlicht ziemlich klar was bereits damals mit den Nationalsozialisten assoziiert wurde: Rassenhass, Gewalt und Leid. Hinterher weiß man es immer besser könnte die Schlussfolgerung lauten. Aber mal ehrlich: dieses Straßenbild ist doch wohl mehr als alarmierend!!!

Ja. Aus heutiger Sichtweise trifft dies sicher zu. Heutzutage wissen wir schließlich welches Leid der Nationalsozialismus über uns und andere brachte. Aber damals? Einst schrie kaum einer auf, wenn sich die Partei derart offen zu ihren Idealen bekannte. Im Gegenteil: gerade der Zuspruch in den frühen Dreißigern verhalfen der NSDAP zu ihrem Aufstieg.

Und dennoch stellt sich mir die Frage wie viele der damaligen Anwohner wirklich aus freien Stücken die NS-Flagge hissten. Die roten Fahnen sind an jedem Haus identisch. Man kann also davon ausgehen, dass viele willentlich diese Fahnen aufgehängt haben. Andere jedoch werden sie aus dem Zwang heraus an ihrer Fassade gehisst haben. Um nicht aufzufallen. Um nicht anders zu sein.

Die "Blutstraße" ist kein Zeugnis dafür, dass Celle einst eine nationalsozialistische Hochburg war. Vielmehr beweist das einstige Straßenbild der Zöllnerstraße, dass damals auch hier zu viel weggeschaut wurde.




Sonntag, 13. Oktober 2013

Der Einsatzflughafen Hustedt - Geschichte, Lage, Personen und heutige Ansichten




Wenn man von Celle über Groß Hehlen in Richtung Hermannsburg unterwegs ist, fällt einem nicht auf, dass man an einem alten Flugplatz vorbeifährt. Der eine oder andere wird sich vielleicht noch an die Zeit des ehemaligen Flugfeldes Hustedt erinnern, doch kaum jemand wird die Dimensionen dieses Geländes vor Augen haben. 
Hinter Scheuen, an der Landstraße 240 erkennt man noch die alten Baracken, aber - wie so oft - ist das nur die Spitze des Eisbergs. Im nun folgenden Beitrag soll die Geschichte des „Einsatzhafen Hustedt“ erläutert und auf darüber hinausgehende Zusammenhänge eingegangen werden. 

Bild: Lage des alten Einsatzhafens nördl. von Groß Hehlen bei Celle. 
Quelle: Google Earth. 

Reiner Hudalla beschäftigte sich in den Jahren 1987 – 1993 eingehend mit der Entwicklung des Einsatzhafens Hustedt. Er führte u.a. nach eigenen Angaben 25 Interviews mit Zeitzeugen, stellte Recherchen in den National Archiven der Vereinigten Staaten, dem Imperial War Museum und weiteren historischen Einrichtungen an. Seine Ergebnisse dienten dem Niedersächsischen Umweltministerium zur Beurteilung der Belastung durch Rüstungsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Herr Hudalla die Veröffentlichung seiner vollständigen Forschungsergebnisse auf Found Places angeboten (Siehe Unten!). 


Entstehung des Einsatzhafens

Schon im Oktober 1918 waren erste Flugversuche in Hustedt unternommen worden. Für die Ausbildung von Flugschülern und für den darüber hinausgehenden geordneten Flugbetrieb des  Heeresflugplatz Wietzenbruch mussten Außenlandeplätze geschaffen werden. Nur so war es möglich bestimmte Flugsituationen (z.B. Nacht-/Blindflug) zu trainieren. Hustedt bot sich aufgrund seiner Lage an. Daher erwarb der Staat im Jahr 1934 die südlich vom Ort belegende Fläche "Pahlskamp".[1] 

Schon im Jahr 1935 wurden bauliche Maßnahmen begonnen: Dampfpflüge ebneten das Gelände ein, es wurde Torf und Mist zur Festigung der Landebahnen gestreut und anschließend Klee gepflanzt.[2]

Der Ausbildungsbetrieb wurde mit Focke Wulf 44  (Mehr Informationen), He-72  (Mehr Informationen) und Ar-66 (Mehr Informationen) aufgenommen.[3]
Da sich die Luftfahrt in dieser Zeit rasant entwickelte, genügte der Einsatzhafen Hustedt schön im Jahr 1938 nicht mehr den Anforderungen des Reichsluftfahrtministeriums. Daher wurde ein Bauarbeiterlager (mit Küche und Kino), eine Bestallung des Platzlandwirtes (für Schafe) und die erste Baracke für Flugschüler errichtet.[4]

Darüber hinaus wurden weitere Baumrodungen vorgenommen, ein Stromkabel zum Einsatzhafen verlegt und ein Brunnen zur Wasserversorgung gebohrt. Ebenfalls wurde ein Telefonanschluss eingerichtet.[5]


Ausbaumaßnahmen im Krieges

Im Jahr 1939 wurde durch die Luftwaffenbaukompanie 8/IV (Lw BauKp 8/IV) die Barackensiedlung Waldkater im Osten des Geländes errichtet.[6] Etwas seltsam ist dabei, dass diese Kompanie eigentlich in einem anderen Luftgau angesiedelt war (Karte der Luftgaue). In diesem Zuge erfolge auch der Anschluss an die L 240 (Landstraße) und an ein Nebengleis der OHE. Nun konnte Nachschub und Material ebenfalls an der neu errichteten Verladerampe übergeben werden.  Das Barackenlager Waldkater war zu diesem Zeitpunkt bereits für ca. 1.000 Soldaten ausgelegt.[7] 

[1] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[3] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[4] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[5] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[6] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[7] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)


Bild: Übersicht über den nördlichen Teil des Einsatzflughafens Hustedt. 
Quelle: Google Earth.[1] 

1: Start- und Landebahnen (in Ost-West-Ausrichtung)
2: Abstellboxen für Flugzeuge
3: FLAK-Stellungen
4: Barackenlager Waldkater. 

Im Rahmen dieser Erweiterung wurde eine stärkere Stromleitung (30 KV) zum Barackenlager verlegt. Auch das Telefonnetz wurde ausgebaut.[2] 


[1] Als Grundlage dienten Luftbildauswertungen und Ortsbegehungen.
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)

Bild: Munitionsbunker und MG-Justierstand. 
Quelle: Google Earth.[1] 

1: FLAK-Stellungen (2,0 und 3,7cm). 
2: Munitionsbunker
3: MG-Justierstand
4: Ehemalige Feldbahn
5: Laufgräben zwischen den Bunkern





[1] Als Grundlage dienten Luftbildauswertungen und Ortsbegehungen.

Bild: Luftbild 1944 – Zentrum des Flugplatzes mit Munitionsbunkern.

Im Folgenden wurden FLAK-Stellungen errichtet, um den Einsatzhafen gegen Luftangriffe zu sichern. Es kamen dabei zunächst  Geschütze des Typs 3,7 cm  und weitere Geschütze des Typs 2,0 cm  zum Einsatz. Im Nordwesten und Südosten der Anlage wurden Tankanlagen errichtet.[1] Im Zentrum des Einsatzhafens wurden Munitionsbunker errichtet. In diese Bunker wurde dann Munition für die Bordwaffen (Cal. 50), Panzerabwehrwaffen, Handgranaten und Pioniermittel (Sprengstoffe) eingelagert.[2]

Aus strategischen Gründen wurden die Flugzeuge etwas abseits von der Start- und Landebahn abgestellt. Dazu wurden u.a. die Abstellboxen nahe Hustedt genutzt (siehe oben).

Für den reibungslosen Flugbetrieb wurde im Folgenden eine betonierte Rollbahn gebaut, welche den kompletten Flugplatz umlief (rot). Im Bereich des eigentlichen Flugfeldes gab es zusätzlich noch eine Feldbahn, die kreisförmig um das Flugfeld verlief. So konnte angeliefertes Material von der Verladerampe im Osten (OHE) schnell und gefahrlos zu den Lagerbunkern geschafft werden. 

Das Lager für Bomben befand sich weiter nördlich und war somit ein wenig ausgelagert. Neben den militärischen Aktivitäten wurde auf dem Fluggelände weiterhin landwirtschaftliche Schafhaltung betrieben. Später kamen eine Angora-Kanninchen-Zucht in Hustedt und eine Seidenraupen-Zucht hinzu. Diese lieferten an die Spinnhütte in Celle.[3] 


[1] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[3] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)


Bild: Südlicher Teil des Einsatzflughafens. 
Quelle: Google Earth.[1] 

1: Planierte Fläche für eine Flugzeughalle (50 x 30m)[2]
2: Offenes Tanklager[3]
3: Eingezäunte Küchenbaracke[4]
4: Bausandkuhle
5: Betonierte Rollbahn





[1] Als Grundlage dienten Luftbildauswertungen und Ortsbegehungen.
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[3] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[4] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)


Bild: Luftbild des südlichen Teils des Flugplatzes.

Gegen Ende des Krieges entstand westlich der Bausandkuhle eine Wohn-und Essbaracke. Sie war doppelt umzäunt und sollte vermutlich eine Art Arrest/Gefängnis sein. Möglich ist, dass hier Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter einquartiert wurden. Bei diesen letzten Bauprojekten war u.a. die Firma STRABAG beteiligt, die mit modernen Baumaschinen, aber auch mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, wichtige Bauvorhaben vorantrieb.[1]

Auf dem Luftbild von 1944 erkennt man einige der von Hudalla beschriebenen Objekte nicht. Die planierte Fläche links neben dem Hustädter Weg im südlichen Bereich des Flugplatzes ist nicht zu sehen. Ebenso können einige der Barackengebäude, die Hudalla im Bereich der eingezäunten Küchenbaracke beschreibt, nicht erkannt werden. Sie könnten nach 1944 entstanden sein. Dies ist jedoch ebenfalls fraglich, zumal sich vor Ort an diesen Stellen heute keine sichtbaren Spuren mehr feststellen lassen. Deutlich zu erkennen sind heute noch die Bausandkuhle und der Ort an dem laut Hudalla die Küchenbaracke stand.


[1] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)


Bild: Bausandkuhle. 
Quelle: Flash Earth (Bing Maps, Microsoft Corporation). 


Stationierte Einheiten

Ab 1942 war ein Ju-52-Verband in Hustedt stationiert.[1]

Ab dem 16.04.1942 befand sich eine Fallschirmjäger Artillerieabteilung für einen nicht bekannten Zeitraum im Barackenlager Waldkater.[2]

Ebenso wurde das Barackenlager durch eine Krad-Transportabteilung (ab 27.08.1942) belegt. Gegen Ende 1942 wurden von Hustedt aus Nebelwerfer-Einheiten an die Front gebracht.[3] Möglich ist, dass es sich dabei um Einheiten der Nebeltruppenschule Celle handelte. 

Im Frühjahr 1943 waren ca. 20 bis 30 Flugzeuge der Typen JU-88SavoiaHe-111 in Hustedt stationiert. Ab 1943 wurden weitere Savoia Flugzeuge stationiert - italienische Wachmannschaften bewachten diese.[4] 

Zwischen dem 30. April 1944 und dem 06. Juni 1944 war die 6. Gruppe des Jagdgeschwaders 11 in Hustedt stationiert.[5] Diese wurde am 19. April 1944 (bis 12. Mai 1944) von Major Günther Rall, einem Deutschen Fliegerass kommandiert. Da das Barackenlager zu diesem Zeitpunkt überbelegt, bzw. noch nicht komplett fertiggestellt war, wurden die Flugzeugführer und das Bodenpersonal in Privatunterkünften untergebracht. 

[1] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[3] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[4] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[5] www.ww2.dk


Bild: Major Günther Rall.[1] 

[1] http://blog.harald-oberhem.net


Bild: Walter Krupinski. Kommandent der 2. Abteilung der Jagdgruppe 11.[1]

Walter Krupinski löste Major Günther Rall ab, der bei einem Abschuss seiner Me 109 verletzt worden war.

Am 06. Juni 1944 wurde die Einheit geteilt und die erste Hälfte unter dem Kennwort "Drohende Gefahr West" nach Mönchen-Gladbach verlegt. Am selben Tag waren die Alliierten in der Normandie gelandet. 



[1] http://wingsfinearts.worldsecuresystems.com


Bild: Wappen des 11. Jagdgeschwaders.[1] 

Mitte Oktober quartierte sich die 3. Gruppe der Jagdgeschwaders 11, kommend von der Ostfront, mit 4 Focke Wulf 190 Staffeln in Hustedt ein.[2] Aufgefrischt wurde die Gruppe erneut mit Focke Wulf 190 A-8.[3] Die zugeführten Flugzeugführer waren junge Flugschüler ohne Erfahrung und mit wenig Ausbildung, die nun auf die Reichsverteidigung umgeschult werden sollten.[4] Es wurden ebenfalls Flugschüler aus Stuka- und Fernaufklärerverbänden integriert. 
Während sich die Gruppe auf die Umschulungen konzentrierte, erhielt sie vom Reichsluftfahrtministerium die Nachricht, dass eine Gruppe der Jagdverbände mit den meisten Auszeichnungen eine Umschulung auf die moderne neue Me 262 erhalten soll. Die 3. Abteilung des 11. Jagdgeschwaders in Hustedt konnte diesen Wettkampf für sich entscheiden![5] 

Aufgrund der negativen Entwicklungen und den Engpässen im Nachschub kam es jedoch nicht mehr zu der Umschulung. 

Am 17. Dezember 1944 verlegte die 3. Gruppe des 11. Jagdgeschwaders, in Vorbereitung auf die Ardennen-Offensive, nach Gross-Ostheim.[6] Noch am gleichen Tag flog die Gruppe von hier aus ihren ersten Einsatz. Bis zum Jahresende hatte die Gruppe 14 gefallene und 5 verwundete Flugzeugführer sowie den Verlust von 23
Maschinen zu beklagen.



[1] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[2] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[3] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[4] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[5] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[6] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de


Bild: 3. Gruppe des 11. Jagdgeschwaders bei Groß-Ostheim.[1] 

Im Juli 1944 wurde eine weitere berühmte Einheit nach Hustedt verlegt: die 2. Gruppe des Jagdgeschwaders 53 "Pick As".[2] 

Die Gruppe wurde aus dem Einsatz an der Westfront gezogen und verlegte nach Hustedt. Während ihres Einsatzes an der Invasionsfront hatte die Gruppe 17 Gefallene, 3 Vermisste und 16 Verwundete.[3]

In Hustedt wurde die Gruppe aufgefrischt und wieder einsatzbereit gemacht. Außerdem wurde sie am 10. August um gegliedert und auf vier Staffeln erweitert. Dabei wurde die 4. Staffel zur 7. Staffel umbenannt und mit der Aufstellung einer neuen 8. Staffel begonnen.[4]

Ausgerüstet wurde die Gruppe mit der Messerschmitt Bf 109 G-6 und G-14. Am 18. August kehrte die Gruppe an die Westfront zurück und verlegte nach La Fere, etwa 25 km nordwestlich von Laon.[5] 





[1] http://www.grossostheim-im-krieg.de
[2] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[3] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[4] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[5] Holmes, Jagdgeschwader 53 „Pik-As“, Osprey Publishing, 2007


Bild: Wappen des 53. Jagdgeschwaders "Pick As".[1] 


Die letzte Einheit, die offiziell in Hustedt stationiert war, war die 1. Gruppe des 26. Jagdgeschwaders mit Stab. Zeugen zufolge wurde die Einheit am 06. April 1945 nach Uetersen verlegt.[2] Laut offiziellen Berichten ist sicher, dass die Gruppe mit ihrem Stab ab dem 07. April 1945 in Stade stationiert wurde.[3] 


Die Gruppe soll dafür verantwortlich gewesen sein, die verbliebenen ME 109 und FW-190 zu zerstören.[4] Ob die Deutschen tatsächlich ihre eigenen Flugzeuge zerstörten, oder inwiefern dies später durch die Briten geschah, lässt sich nicht mehr sicher nachprüfen.

Kommandiert wurde der Einsatzhafen Hustedt durch die Fliegerhorst-Kommandantur A (0) 22/XI und dem Platzkommando Hustedt. Das Flughafen-Bereichs-Kommando 12/XI war am 01. Juli 1939 in Langenhagen gebildet worden.[5] 


Aktivitäten im Krieg - Kriegsende

Im Jahr 1943 wurde Hustedt meist zu Übungs- und Schulungszwecken genutzt. So wurde der MG-Justierstand für Oft-Boden-Schießübungen verwendet. Es wurden auch Zementbomben-Abwürfe mit der JU-87 durchgeführt.[6] 

Ein tragisches Ereignis fand im Frühjahr 1943 statt. 3 amerikanische P-47 Thunderbolts waren auf Aufklärungsmission über dem Flugfeld unterwegs. Nach einigen Stunden kehrten sie mit entsprechender Verstärkung zurück und griffen den Einsatzhafen an.[7]

Fast alle Flugzeuge wurden bei diesem Angriff zerstört. Ob es Tote auf deutscher Seite gab ist nicht überliefert. Dieser Angriff ereignete sich ausgerechnet zu einer zeit zu der viele der stationierten Piloten im Urlaub waren. Der FLAK-Schutz alleine war völlig unzureichend.[8] 

Im Februar 1944 griffen Abfangjäger (Me 109) aus Hustedt mehrere amerikanische Bomber in direkter Nähe an. Dabei wurden 5 bis 6 der schweren Bomber mit voller Bombenlast abgeschossen. Ein abstürzender Bomber traf die Strom- und Wasserversorgung im nahegelegenen Scheuen.[9]  Zwischen April 1944 und Anfang August 1944 flog die 6. Gruppe des 11. Jagdgeschwaders vielfach Begleitschutz für das 26. Zerstörergeschwader.[10] 

Im Mai 1944 zwang eine Me 109 des Einsatzhafens Hustedt eine amerikanische P-51 (Mustang) zur Landung im offenen Gelände bei Groß Hehlen. Der amerikanische Pilot konnte sich für einige Stunden der Verhaftung entziehen. Am Nachmittag wurde das Flugzeug vermutlich durch Major Günther Rall inspiziert. Daraufhin "rächten" sich die Amerikaner und schossen eine Me 109 über Hustedt ab. Als sie den, noch am Fallschirm hängenden Piloten beschossen, eröffnete die FLAK vom Flugplatz das Feuer und schoss die P-51 der Amerikaner ab.[11] 

Früh am Morgen des 12. Mai 1944 wurde Major Günther Rall vom Divisionskommandeur mit dem Hinweis geweckt, eine große Formation amerikanischer Bomber und Jäger habe Kurs auf Deutschland genommen.[12] Rall hatte zu diesem Zeitpunkt gerade erst das Kommando über die 2. Gruppe des 11. Jagdgeschwaders übernommen. Das Ziel des alliierten Großangriffs waren 6 deutsche Raffinerie Standorte.

Die Aufgabe der 2. Gruppe des JG11 war es an diesem Tag die amerikanischen Begleitjäger  zu beschäftigen. Dazu verwendete die Gruppe ihre 25, in Hustedt stationierten, Me 109 G-5. Bereits zwei Stunden später kämpfte Ralls Gruppe östlich von Koblenz gegen P-47 Thunderbolts des 63rd Fighter Squadron (56th Fighter Group). Geführt wurde diese Einheit vom amerikanischen Conel Hub Zemke. Sie trug den Namen "Zemke's Wolfspack".[13] 

Während Zemke mit 48 Flugzeugen des Typs P-47 Thunderbolt den Himmel zwischen Koblenz und Frankfurt überwachte, griffen Ralls Bf 109 an. Rall selbst schoss einen Flügelmann Zemkes ab, bevor er selbst getroffen wurde und abstürzte. Er überlebte - dies war nicht sein erster Absturz.[14]

Die 2. Gruppe des JG 11 kam später noch bei einem weiteren Gefecht zum Einsatz und schoss im Raum Gießen zwei amerikanische Bomber ab. 

Als das Jagdgeschwader 26 Hustedt im April 1945 verließ, sollen die Baracken beim Waldkater zur Plünderung freigegeben worden sein.[15]

Darüber hinaus wurden die verbliebenen Flugzeuge zerstört und die Start- und Landebahn umgepflügt.[16] Ob dies realistisch ist, kann man schwer beurteilen. Da die Einheit erst am 07. April Hustedt verließ – also sehr knapp vor dem Eintreffen der Briten (am 13. April). Zu diesem Zeitpunkt standen die Alliierten bereits hinter Hannover. Weswegen die verbliebene Munition nicht gesprengt wurde scheint rätselhaft. 

Am 13. April gelangten Einheiten der 11. britischen Panzerdivision in die Nähe des Flugfeldes. Sie wurden um 6:00 Uhr morgens durch deutsche Einheiten beschossen. Es kam zum Kampf um das Flugfeld, bei dem auch britische Spitfires eingesetzt wurden.[17]

Ein Öllager, welches sich nahe der eingangs erwähnten Küchenbaracke im Süden des Platzes befand, wurde getroffen und brannte über mehrere Stunden ab.[18] Die Briten besetzten im Folgenden den Einsatzhafen Hustedt. 


[1] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[3] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[4] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[5] http://www.lexikon-der-wehrmacht.de
[6] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[7] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[8] Vgl. Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947)
[9] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).
[10] Sauer, Absturz im Kinzigtal, S. 96.
[11] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).
[12] Manrho/Pütz, Bodenplatte – the Luftwaffe’s last hope, S. 234
[13] Manrho/Pütz, Bodenplatte – the Luftwaffe’s last hope, S. 234
[14] Manrho/Pütz, Bodenplatte – the Luftwaffe’s last hope, S. 234
[15] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).
[16] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).
[17] The R.C.A.F. Overseas, S. 338.
[18] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).


Bild: zerstörtes Flugzeug auf dem Einsatzhafen Hustedt. 



Bild: zerstörtes Flugzeug auf dem Einsatzhafen Hustedt. 



Bild: zerstörtes Flugzeug auf dem Einsatzhafen Hustedt. 

Bild: zerstörtes Flugzeug auf dem Einsatzhafen Hustedt.


Eine letzte Erwähnung findet sich zum Einsatzhafen Hustedt zum 10. April 1945. Der im Prozess von Bergen-Belsen in den Zeugenstand berufene Albert Tusch sagte aus[1]:

Albert Tusch: "Ich bin ein Bauer aus Groß Hehlen, bei Celle. Am 10. April dieses Jahres (1945) waren einige SS Truppen in Groß Hehlen. Sie erreichten Groß Hehlen vier Tage zuvor (06. April ?) und verließen das Dorf am 11. April wieder. Am 10. April gelangten einige KZ Häftlinge das Dorf und verließen es um 21:00 Uhr in Richtung des Flugfeldes Hustedt, welches ca. 6 Kilometer entfernt liegt. Ich sollte ihnen dorthin Essen bringen und sah, wie sie in die Hütten gingen."

Zwischenfrage"In welchem Teil des Flugfeldes befanden sich die Häftlinge, als Sie am Flugfeld in dieser nacht ankamen?"

Albert Tusch: "Sie liefen hinüber zu den Hütten.

Zwischenfrage: "Als Sie den Gefangenen das Essen übergaben, haben Sie dort etwas von den Zwischenfällen auf dem Weg zwischen Groß Hehlen und dem Flugfeld gehört?"

Albert Tusch: "Nein."

Mindestens 8 Häftlinge wurden zwischen Groß Hehlen und dem Flugfeld Hustedt ermordet - vermutlich, weil sie das schnelle Tempo des Marsches nicht mithalten konnten.


[1] Trial of Josef Kramer and forty-four Others (the Belsen Trial), Mazal Library, http://www.mazal.org/othertrials/belsentrial/T481.htm[02.07.13 11:50:43]


Cap Arcona

Bild: Flugfeld Hustedt ist als "Landing Ground" auf der Karte des War Office (1947) eingezeichnet. 

Obgleich der Krieg in Celle beendet war, dauerten die Kämpfe im Nordwesten an. Dies war auch den Briten bewusst, denn sie stationierten direkt nach der Übernahme des Einsatzflughafens dort eigene Einheiten.

Zunächst war es nötig die Start-und Landebahn mittels Drahtmatten zu befestigen.[1] Weiterhin erfolgte fortan die Sicherung durch britische FLAK - auch wenn es zu diesem Zeitpunkt schon lange keine drohende Gefahr durch deutsche Luftangriffe mehr gab.  In der Folgezeit wurde der Flugplatz durch 8 Staffeln der Royal Air Force (RAF) belegt. Zum Einsatz kamen Flugzeuge der Typen Spitfire, Typhoon und Tempest V. 



[1] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).


Bild: Hawker Typhoon. 

Bei den Briten firmierte der Einsatzhafen Hustedt fortan unter der Bezeichnung B150 Hustedt und wurde durch explizit ab dem 19. April 1945 durch das 175 Squadron der RAF genutzt.[1] 

Am 20. April 1945 kam es zu einem Angriff durch 6 Me 109 und Focke Wulf auf das nun britisch besetzte Flugfeld bei Hustedt. Früh am Morgen wurden die britischen FLAK Besetzungen alarmiert. Zwei britische FLAK-Besatzungen wurden verletzt und zwei LKW wurden zerstört. Die britische FLAK schoss daraufhin eine deutsche Focke Wulf ab.[2] 

Vier Tage nach Hitlers Selbstmord, im Bunker der Berliner Reichskanzlei, nämlich am 3. Mai 1945 ereignete sich in der Lübecker Bucht eines der größten Schiffsunglücke der Geschichte. Britische Typhoons aus Hustedt begannen den Angriff. 

Am 3. Mai 1945 befanden sich vier große Schiffe in der Lübecker Bucht: die Deutschland, die Thielbeck, die Athen und die Cap Arcona. Das letztgenannte Schiff war ein Luxusdampfer - 1927 bei Bloß & Voss vom Stapel gelaufen. An Bord der Schiffe befanden sich ca. 7.000 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Neuengamme (bei Hamburg) und Stutthof (bei Danzig, Polen). Desweiteren befanden sich einige Zivilisten und rund 400 SS Soldaten (Wachmannschaften) auf den Schiffen.[3] 

Himmler hatte den unbedingten Befehl erteilt, dass kein Häftling in alliierte Hände fallen sollte. Daher sollten die Häftlinge in der Ostsee auf unmenschliche Weise mitsamt den Schiffen versenkt werden. 

Typhoons des 184. Squadron der 2. der 2nd. Tactical Air Force (TAF) aus Hustedt begannen den Angriff auf die ankernden Schiffe. Alle drei mit Häftlingen besetzten Schiffe wurden die Typhoons aus Hustedt beschossen und getroffen.[4] 




[1] History of war: http://www.historyofwar.org/air/units/RAF/175_wwII.html[02.07.13 10:17:54]
[2] The R.C.A.F. Overseas, S. 338.
[3] http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//arcona.html[02.07.13 10:18:41]
[4] http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//arcona.html[02.07.13 10:18:41]


Bild: Typhoon IB SW 460/MR-Z des 245 Squadron des Flugfelds B150 Hustedt. 


Bild: Typhoon IB RB326/5V-V des 439 Squadron des Flugfelds B150 Hustedt. 

Die vorstehenden Abbildungen zeigen baugleiche und ebenfalls in Hustedt stationierte Flugzeuge des Typs Typhoon.[1] 

Der Angriff wurde mit Bomben und Raketen ausgeführt und traf die Schiffe unvorbereitet. Es spielten sich unmenschliche Szenen ab, als die SS-Wachmannschaften auf Häftlinge im Wasser schossen. 



[1] Osprey Combat Aircraft, Vol 86, Thypoon Wings of 2nd TAF 1943-1945.


Bild: Brennendes Schiff Cap Arcona.[1] 


Bei dem Schiffsunglück starben über 6.500 Menschen in der Lübecker Bucht. Noch bis Anfang der 70er Jahre wurden Skelette der Opfer an deutschen Stränden angespült. 

Die RAF Piloten wussten scheinbar nicht, dass sie größtenteils unschuldige Häftlinge angriffen. Erst viel später wurde bekannt, dass es sich nicht um militärische Transporte handelte. 

Natürlich hat Hustedt nichts mit diesem Unglück direkt zu tun, jedoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die britischen Typhoons eben von diesem Flugplatz starteten. 

Hinweis: 
Eine umfassende Betrachtung der Ereignisse, betreffend den Untergang der Cap Arcona und die anderen Schiffe in der Lübecker Bucht, findet sich im Buch "Cap Arcona - das tragische Ende der KZ-Häftlings-Flotte am 3. Mai 1945" von Wilhelm Lange (erschienen


Entmilitarisierung / Heute

Wie alle anderen Anlagen sollte auch der einstige Einsatzhafen Hustedt entsprechend Entmilitarisiert werden. Die alliierten verfolgten dabei das Ziel, dass sich Deutschland nicht wieder gegen sie wenden können sollte. 

Die Bunkeranlagen wurden daher mit der verbliebenen Munition gefüllt und gesprengt.[2] Darüber hinaus wurde Munition aus der nahegelegenen Heeresmunitionsanstalt Scheuen auf das Flugfeld transportiert und gesprengt. 

Alle weiteren militärischen Anlagen waren zuvor bereits durch die Bevölkerung geplündert worden. Die britischen Besatzer nahmen ebenfalls einiges mit. 

[1] http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//arcona.html[02.07.13 10:18:41]
[2] Hudalla, R. E-Hafen Hustedt (1935 - 1947).


Bild: ehemalige FLAK-Stellung am Flugplatz. 


Bild: Maschinengewehr-Stellung am Flugfeld. 


Bild: Schützengraben (Laufgraben). 


Bild: Gesprengter Munitionsbunker im zentralen Flugplatzbereich.


Bild: Gesprengter Munitionsbunker im zentralen Flugplatzbereich. 


Bild: Gesprengter Munitionsbunker im zentralen Flugplatzbereich. 


Bild: Stellungsloch auf dem Damm des MG-Justierstands. 


Bild: Blick auf den alten Sprengplatz.


Bild: Blick in Richtung Hustedt. Rechts: das ehem. Flugfeld.


Bild: Bunkerreste im Wald.


Bild: Reste der gesprengten Munitionsbunker.


Bild: Reste der gesprengten Munitionsbunker.


Bild: Der ehem. MG-Justierstand im Zentrum des Flugplatzes. 


Fazit

Das Gelände des ehemaligen Einsatzhafens Hustedt ist überaus geschichtsträchtig. Es ist erstaunlich, dass dieser Ort, an dem sich zwischen 1935 und 1945 so viel zugetragen hat, heute so sehr in Vergessenheit geraten ist.

Es war zwar nicht ganz leicht die Informationen zusammenzutragen, aber ich hoffe es ist mir gelungen die Geschichte dieses Ortes recht anschaulich zu vermitteln. An dieser sei Herrn Hudalla recht herzlich für sein Angebot gedankt, dass seine umfangreichen Recherchen im Rahmen dieses Beitrags auf Found Places veröffentlicht werden durften!
Die Briten waren damals fast nicht sehr gründlich bei der Munitionsbeseitigung. Heute stehen dort meiner Meinung nach viel zu wenige Warnschilder, die auf die Gefahren durch Rüstungsaltlasten hinweisen. 

Das Betreten des alten Sprengplatzes, welcher direkt auf dem Flugfeld liegt ist ausdrücklich verboten. Niemand kann genau sagen, welche Arten von Munition bei den Sprengungen im Jahr 1945 vernichtet wurde. 

Zumal dort ebenfalls bestände aus der Muna Scheuen gesprengt wurden, kann dort theoretisch alles liegen. Von Infanterie-Munition angefangen über Zünder, Granaten (Hand-, FLAK-, PaK-, u.ä.), Minen, Sprengstoffe und andere Kampfmittel bis hin zu Bomben.

Aus diesem Grund kann ich nachdrücklich davon abraten sich auf dieses Gelände zu begeben, um dort den möglichen Hinterlassenschaften nachzuspüren. 

Wer die oben stehenden Kartenausschnitte aufmerksam betrachtet hat, wird bemerkt haben, dass sich dort einige weiße Flecken auf den Karten finden. Diese habe ich absichtlich willkürlich eingefügt. 


Hendrik Altmann




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Quellen


Sauer, E.: Absturz im Kinzigtal, Die Luftschlacht im hessischen Kinzigtal, 2. Aufl, Gründau 2013, S. 96. 

Manrho J, Pütz R.: Stackpole Military History Series: Bodenplatte, Luftwaffe's last Hope, 2004 S. 234. 

Ince D.: Combat and Competition, Unwin Brothers Limited, Surrey GU22 9 LH. 

Osprey: Jagdgeschwader 53 "Pik As", 2007 Osprey Publishing S. 153. 

Osprey: Jagdverband 44, Squadron of Experten, 2008 Osprey Publishing S. 19. 

Hudalla R.: E-Hafen Hustedt (1937 - 1947)

THE R.C.A.F. OVERSEAS, TORONTO OXFORD UNIVERSITY PRESS 1949

Osprey Combat Aircraft No. 86: Typhoon Wings of 2nd. TAF 1943 - 1945. 

http://blog.harald-oberhem.net/2009/10/09/gunther-rall-10031918-04102009/

http://www.ww2.dk/air/hq/2jd.htm

http://de.valka.cz/viewtopic.php/t/41857

http://www.mazal.org/othertrials/belsentrial/T481.htm

http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//arcona.html

http://wingsfinearts.worldsecuresystems.com/darryl-legg/karaya-one-jg-52-luftwaffe-trilogy

http://www.grossostheim-im-krieg.de/html/reportage_02.html

http://www.ww2.dk/ground/flibo/fk/fka22-11.html

http://www.ww2.dk/ground/flibo/kfb/12-11.html

http://bagera3005.deviantart.com/art/Hawker-Typhoon-Mk-IA-91696564

http://www.ww2.dk/air/jagd/jg11.htm

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http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Jagdgeschwader/JG53-R.htm

http://www.japo.eu/news.php

http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Jagdgeschwader/JG26.htm

http://www.historyofwar.org/air/units/RAF/175_wwII.html

Maritime Disasters of WWII 

http://www.198archives.com/198sqdn_020.htm

http://www.raf.mod.uk/history/No83Group.cfm?start=1&viewmedia=2

http://www.laarbruch-museum.net/ENG/Squadrons/second_taf.htm