f Die Blutstraße in Celle 1936 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Die Blutstraße in Celle 1936

Die Blutstraße 


Viele alte Bilder der Stadt Celle laden dazu ein in wehmütigen Erinnerungen zu schwelgen und an "die guten alten Zeiten" zu erinnern. Manche vermitteln jedoch ein gänzlich erschreckendes Bild der Stadt.

Ein Foto, aufgenommen im Juni 1936, zeigt die Zöllnerstraße in Celle geschmückt für das Kreistreffen der NSDAP. Im Volksmund erhielt die Straße in dieser Zeit den Namen "Blutstraße". Die anliegenden Gebäude waren mit allerlei Hakenkreuzfahnen geschmückt. Um den einheitlichen Charakter zu unterstreichen wurden die Fassaden mit roten, bis auf den Boden reichenden, Bannern verziert. An der ehemaligen Mittelschule (heute C&A) war ein überdimensional großes Bild Adolf Hitlers gehängt worden.

Aus Richtung der Stechbahn sah man entlang der ganzen Zöllnerstraße keine einzige Hausfassade - nur "ein einziges Rot". Carla Meyer-Rasch kommentierte diesen Aufzug des Kreistreffens der NSDAP am 13. und 14. Juni 1936 als "gruselig" und furchteinflößend. Siehe auch: Celle im Nationalsozialismus.


Bild: Zöllnerstraße am 13. /14. Juni 1936 - die Blutstraße.
Quelle: Celle Stadt und Land, Zeitsprünge, Florian Friedrich, 2005.


Bild: Zöllnerstraße Celle.
Quelle: http://www.wolkenmond.de/foto/unterwegs/2012_03_27.html


In der Tat zeigte der Nationalsozialismus beim Kreistreffen am 13. und 14. Juni in Celle sein wahres Gesicht. Das pompöse Auftreten und die bewusste Inszenierung vor der historischen Altstadt-Kulisse waren eine bewusste Machtdemonstration der Nationalsozialisten.

Nach 1936 begannen die ersten Aktionen gegen diejenigen, die nach nationalsozialistischer Auffassung    "unerwünscht" waren. So gerieten Juden und nicht Reichsdeutsche in den Fokus der Ausschreitungen die in der Reichskristallnacht vom 9. / 10. November ihren Höhepunkt fanden.



Fazit


Bereits 1936 wurde die, mit roten Fahnen und Hakenkreuzen behängte, Zöllnerstraße als "Blutstraße" bezeichnet. Vor dem Hintergrund des unmittelbar folgenden Zweiten Weltkrieges scheint dies entweder prophetisch oder sarkastisch. Zumal niemand die Leiden des Krieges voraussehen konnte, bleibt das Bild einer völlig entstellten Straße. Genauso wie die Nazis unliebsame Kunst als "entartet" nannten, könnte man die Zöllnerstraße vor ihrem geschichtlichen Hintergrund ebenso bezeichnen.

Das Bild der Zöllnerstraße verdeutlicht die Präsenz des Nationalsozialismus in der Vorkriegszeit in der Stadt Celle.

Immer wieder stellt sich die Frage:" Was wussten unsere Eltern / Großeltern und was hätten sie tu können?" Die "Blutstraße" verdeutlicht ziemlich klar was bereits damals mit den Nationalsozialisten assoziiert wurde: Rassenhass, Gewalt und Leid. Hinterher weiß man es immer besser könnte die Schlussfolgerung lauten. Aber mal ehrlich: dieses Straßenbild ist doch wohl mehr als alarmierend!!!

Ja. Aus heutiger Sichtweise trifft dies sicher zu. Heutzutage wissen wir schließlich welches Leid der Nationalsozialismus über uns und andere brachte. Aber damals? Einst schrie kaum einer auf, wenn sich die Partei derart offen zu ihren Idealen bekannte. Im Gegenteil: gerade der Zuspruch in den frühen Dreißigern verhalfen der NSDAP zu ihrem Aufstieg.

Und dennoch stellt sich mir die Frage wie viele der damaligen Anwohner wirklich aus freien Stücken die NS-Flagge hissten. Die roten Fahnen sind an jedem Haus identisch. Man kann also davon ausgehen, dass viele willentlich diese Fahnen aufgehängt haben. Andere jedoch werden sie aus dem Zwang heraus an ihrer Fassade gehisst haben. Um nicht aufzufallen. Um nicht anders zu sein.

Die "Blutstraße" ist kein Zeugnis dafür, dass Celle einst eine nationalsozialistische Hochburg war. Vielmehr beweist das einstige Straßenbild der Zöllnerstraße, dass damals auch hier zu viel weggeschaut wurde.



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