f Abstürze britischer Bomber in Beedenbostel ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 16. Februar 2021

Abstürze britischer Bomber in Beedenbostel


Von den Auswirkungen durch direkte Kriegshandlungen blieb der Landkreis Celle bis April 1945 im Wesentlichen verschont. Einzige Ausnahme: die zunehmende Bedrohung durch Luftangriffe. Als die Bombardierungen größerer Städte ab 1943 zunahmen, wuchs auch im ländlichen Raum die Gefährdung aus der Luft. Dies zeigt auch der Absturz zweier schwerer britischer Bomber, die in der Nacht vom 19. Auf den 20. Februar 1944 direkt über Beedenbostel abstürzten. Vier Höfe gerieten dabei in Brand. 

Ab Mitte 1943 vermerkte der Beedenbostler Lehrer Friedrich Thies in der örtlichen Schulchronik, dass es zu vermehrten Überflügen alliierter Flugzeuge über den Ort kam. Es blieb allerdings zunächst noch bei Notabwürfen vereinzelter Sprengbomben, kleinen Mengen abgeworfener Beleuchtungskörpern und zu Boden gefallenen Treibstofftanks. Mit Beginn des Jahres 1944 steigerten sich die fliegerischen Aktivitäten über dem Ort und damit offenbar auch das Gefahrenpotential. 

Am 10. Februar 1944 wurde der Ort von zurückkehrenden Bomberverbänden aus Richtung Braunschweig überflogen. Laut Zeitzeugen sowie der Darstellung in der Schulchronik wurden diese Verbände durch deutsche Jagdflugzeuge angegriffen, wobei es zum Abwurf mehrerer Sprengbomben kam, die im Bereich des neuen Friedhofs und entlang der Bahnstrecke in Richtung Höfer niedergingen. Dieses Ereignis forderte glücklicherweise keine Menschenleben – es kam nur zu Gebäude- und Straßenschäden, die anschließend in Gemeinschaftsarbeit behoben werden konnten. 

Nur wenige Tage später, in der Nacht vom 19. zum 20. Februar wurde Beedenbostel erneut durch Luftkämpfe heimgesucht. Einige Bewohner des Ortes wurden durch das laute Brummen der großen Flugzeugmotoren aus dem Schlaf gerissen. Zwei schwere Bomber der britischen Royal Air Force waren über Beedenbostel abgeschossen worden und stürzten brennend auf die Ortschaft. Es handelte sich um zwei Maschinen des Typs Handley Page Halifax MK III des Nr. 158 (LW 501) sowie des No. 35 Squadron (HX 325), die in der Nacht des 19./20. Februar 1944 planmäßig bei einem Luftangriff auf Leipzig hätten beteiligt sein sollen. 

Bild: Handley Page Halifax MK III. Quelle: Wikimedia Commons, Public domain

Die Maschine mit der Kennung LW 501 war mit seiner siebenköpfigen Crew unter dem Flight Officer Holmes um 00:06 Uhr vom Flugfeld Lissett der RAF südwestlich von Bridlington, im östlichen Yorkshire mit Kurs auf Leipzig abgehoben. Das Operations Record Book enthält lediglich den Hinweis „Nothing was heard from this aircraft since it took off.“ Aufzeichnungen der Commonwealth War Graves Commission (CWGC) belegen, dass die meisten Crewmitglieder beim Absturz der Maschine ums Leben kamen und zunächst in einem Massengrab in Beedenbostel bestattet wurden. Dies ist belegt durch die Aussage der Frau des damaligen Pastors Uhlhorn aus Beedenbostel, die gegenüber der Celler Heimatforscherin und Redakteurin, Hanna Fueß, angab, dass Mitte April 1947 das Massengrab geöffnet wurde und die darin befindlichen Leichen ehemaliger RAF Soldaten exhumiert und auf einen Ehrenfriedhof umgebettet wurden. 

Die Maschine mit der Kennung HX 325 war mit ihrer siebenköpfigen Crew um 23:51 Uhr vom Flugfeld Graveley der RAF, acht Kilometer südlich von Huntingdon abgehoben. Ihre Aufgabe hätte in einer sogenannten „Pathfinder Mission“ bestanden, d.h. in der Markierung des Ziels für den Bomberverband mittels Brandbomben und Leuchtmitteln. 

Hierzu kam es allerdings nicht - das Operations Record Book enthält für die Maschine des No. 35 Squadron den Hinweis „This aircaft is missing“.Tatsächlich belegen Zeitzeugen und weitere Quellen, dass sowohl LW 501 als auch HX 325 durch deutsche Nachjäger über Beedenbostel abgeschossen wurden. Hauptmann der Luftwaffe Ludwig Meister beanspruchte demzufolge die Abschüsse der britischen Halifax Maschinen durch seine Ju 88 am 20. Februar 1944 über Beedenbostel. 

Mindestens sechs der Crewmitglieder aus HX 325 gelang der Absprung aus dem abstürzenden Flugzeug. Auf dem Beedenbostler Friedhof wurde nur der Flight Sergeant Kenneth Knight bestattet und später, zusammen mit den RAF Angehörigen aus LW 501, auf den britischen Ehrenfriedhof nach Hannover Limmer umgebettet. Der Pilot von HX 325, Douglas Julian Sale, überlebte den Absturz schwer verwundet und verstarb später an seinen Verletzungen in einem Krankenhaus in Frankfurt a.M. Zeitzeugenberichten zufolge sei einer der abgesprungenen RAF Angehörigen auf einem Weidepfahl gelandet, habe sich hierbei schwer verletzt und sei durch die örtliche Bevölkerung vor seinem Weitertransport versorgt worden. 

Den restlichen Crewmitgliedern gelang es nach erfolgreichem Absprung offenbar sich abzusetzen – sie gerieten allerdings in den Tagen nach dem Absturz in deutsche Gefangenschaft. Einer der abgesprungenen RAF Soldaten wurde im Bereich Gockenholz aufgefunden und durch Zivilisten festgenommen. Man brachte ihn zunächst in das örtliche Spritzenhaus der Feuerwehr und sperrte ihn dort ein. Am nächsten Tag wurde der Gefangene abgeholt. 

Für Beedenbostel und seine Bewohner waren die Ereignisse der Nacht zum 20. Februar 1944 fatal. Der Ort war hell erleuchtet vom Feuerschein brennender Flugzeugteile und Brandbomben. Darüber hinaus explodierten mehrere Sprengbomben im Ortskern. „Brennend kamen die Flugzeuge heruntergeheult“, berichtete Lehrer Thies in der Schulchronik später. 

Die erste Maschine stürzte demnach im Süden des Dorfes, unweit der Straße nach Ahnsbeck und der Bahnstrecke auf einer Weide zu Boden. Der Rumpf des Flugzeugs war in zwei Teile gebrochen und der ausgetretene Treibstoff brannte laut Zeitzeugenaussagen noch bis zum nächsten Morgen. Aus den weiteren Ereignissen lässt sich schließen, dass es sich bei diesem Flugzeug vermutlich um LW 501 gehandelt haben könnte. 

Bild: Skizze der Abstürze am 19./20. Februar 1944. Quelle: eigene Darstellung; Kartengrundlage: GSGS, 4414, Ed. 2 1945, Sheet 3327. 

Die andere abstürzende Maschine ging im Westen des Dorfes in Höhe des alten Gockenholzer Wegs zu Boden. Dabei zerbrach das schwer getroffene Flugzeug über Beedenbostel und seine mitgeführte Brandmunition verstreute sich über dem Dorf. 

Es liegt nahe, dass es sich hierbei um HX 325 gehandelt haben könnte, da dieses Flugzeug aufgrund seiner geplanten Mission mit entsprechenden Kontingenten an Brandmunition, wie insbesondere Stabbrandbomben, ausgestattet war. Vier Höfe standen in der Folge in Brand - Feuerwehrkräfte aus Beedenbostel, Höfer, Eldingen, Ahnsbeck, Lachendorf, Celle, Wienhausen, Wathlingen, Nienhagen, Winsen, Wietze, Dedelstorf, Hohnhorst und Bergen waren an den Löschmaßnahmen beteiligt. 

Bild: Auszug der Darstellung durch Fr. Engelke. Quelle: Engelke, in: Hanna Fueß Berichte, erzählt am 19. Juni 1947, KrA Celle. 

Im kollektiven Gedächtnis blieb der Bomberabsturz in Beedenbostel lange als „schauriges“ Ereignis erhalten. Obwohl dies eigentlich nicht zum Kriegsende im engeren Sinne zählt, liegt auf der Hand, dass ein derart einschneidendes Ereignis die allgemeine Sicht auf das Kriegsgeschehen vor Ort geprägt haben wird. 


H. Altmann 


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Uhlhorn, Bericht über das Kriegsende, in: Hanna Fueß Berichte, Kreisarchiv Celle. 

Operations Record Book No. 158 Squadron, 19./20. Februar 1944, AIR 27 1049, National Archives London. 

Operations Record Book No. 35 Squadron, 19./20. Februar 1944, AIR 27 381, National Archives London. 

https://35squadron.wordpress.com/2017/07/15/halifax-hx325-19021944/, anbgerufen am 10.02.2021, 21:56 Uhr. 

Thies, Schulchronik Beedenbostel, Fortsetzung am 20.11.1947, Kreisarchiv Celle. 

Engelke, Bericht über das Kriegsende, in: Hanna Fueß Berichte, Kreisarchiv Celle. 

Zeitzeugenaussage HB, Gockenholz, 2020. 

Tagebuch der Schwester Schulz, Bericht über das Kriegsende, in: Hanna Fueß Berichte, Kreisarchiv Celle. 

Graves Concentration Report, CWGC, in: https://35squadron.wordpress.com/2017/07/15/halifax-hx325-19021944/, anbgerufen am 10.02.2021, 21:56 Uhr. 

Bowman, Nachtjagd: Defenders of the Reich.
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