f Verschanzung zwischen Queloh und Eschede ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Verschanzung zwischen Queloh und Eschede


Angeblich soll sich zwischen Queloh und Eschede eine "große Verschanzung" befinden. Untersucht wurde das Gelände bislang offenbar nicht. Dieser Beitrag liefert eine Zusammenfassung zum bisherigen Stand der Forschung. 

In seinem 1893 erschienenen Werk "Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover" listete der Studienrat J. H. Müller eine Vielzahl von verschiedensten Befestigungen, Bestattungsplätzen und sonstigen - heute denkmalrechtlich relevanten - Plätzen auf. 

Im Erscheinungsjahr(hundert) herrschte freilich noch ein völlig anderes Verständnis in Sachen Denkmälern. Bei vielen der Orte handelte es sich um Deutungen und Beobachtungen. Nur in einigen Fällen lagen der Auswertung bereits fundierte archäologische Erkenntnisse zugrunde. 

Umso spannender erscheint das Werk, wenn es darum geht möglicherweise bislang unbekannte historische Spuren zu entdecken. Diverse Orte, die Müller in seiner Arbeit erwähnte, fanden später Eingang in die Forschung. Manche jedoch scheinen "unter den Tisch gefallen" zu sein. 

So auch ein Eintrag, der im Regierungsbezirk Lüneburg für den Kreis Celle im Bereich des Fußwegs vom Forsthaus Queloh nach Eschede "eine große Verschanzung" nahe legt. 

Quelle: Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover, Müller, 1893, S. 331. 

Es gibt bislang offenbar keine Quellen, die das Gebiet näher eingrenzen oder entsprechende Untersuchungen für diese Annahme bestätigen. Daher stellt sich zunächst die Frage wo sich diese angebliche Verschanzung überhaupt befunden haben könnte. 

Das preußische Messtischblatt vom Jahr 1899 liefert hierzu einen guten Anhaltspunkt. Zwischen Queloh und Starkshorn - und somit in Richtung Eschede gelegen - findet sich in der Karte ein deutlich verzeichneter Erdwall im Bereich der Flur des sogenannten "Sandgeheges". 

Bild: Lage der möglichen Verschanzung. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899. 

Vor Ort trifft man auf hügeliges Gelände. Durch Einmessung und Übertragung des in der Karte verzeichneten Erdwalls im aktuellen Satellitenbild lässt sich seine genaue Lage recht einfach aufspüren. 

Tatsächlich findet man eine vergleichsweise ebene Fläche vor, die von Norden und Süden durch beträchtliche Sandanhäufungen gesäumt wird. 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Die Ränder der Wälle verlaufen recht gleichmäßig und gerade. Es scheint daher nachvollziehbar, dass man früher glaubte, es handle sich bei der vorliegenden Bodenstruktur um eine "Verschanzung". 

Doch wer sollte in diesem Bereich derart mächtige Wälle errichtet haben - und zu welchem Zweck? 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Auffällig ist, dass der Boden aus feinem Sand besteht. Alleine dies spräche grundsätzlich gegen eine fortifikatorische Anlage, d.h. eine solche, die einst Verteidigungszwecken diente. Beim Aufschichten der Wälle hätte man logischerweise auf Material aus der näheren Umgebung bzw. tieferen Erdschichten zurückgreifen müssen. Spätestens hierbei wären Steine und gröberes Material, das sich im Spätglazial an Ort und Stelle ablagerte, an die Oberfläche befördert worden und wäre heute dort anzutreffen. 

Die Tatsache, dass nur feiner Sand vorzufinden ist, schließt einen menschlichen Eingriff bereits fast aus. 

Bild: mögliche  Verschanzung. Quelle: H. Altmann, 2018. 

Darüber hinaus finden sich weitere Hinweise auf eine natürliche Entstehung der angeblichen Verschanzung. 

Bereits im preußischen Messtischblatt ist die Flurbezeichnung "Sandgehege" vermerkt. Wie stark sich die Umgebung im Naturraum der ehemaligen Heideflächen wandeln konnte zeigen unter anderem die Zusammenhänge bei Hambühren (Sandwüste bei Hambühren). 

Wenn die feinen Sandmassen auf Grund von Erosion und der Zerstörung der oberflächlichen Vegetation in Bewegung gerieten, konnten Wanderdünen entstehen und meterhohe Sandberge anwachsen. Um die Flächen zu schützen wurden mancherorts Fuhren gepflanzt und Sandzäune eingesetzt um weitere Verwehungen zu verhindern. In diesem Zusammenhang scheint sich auch die Bezeichnung "Sandgehege" zu erklären. 

Bild: Lage der möglichen Verschanzung. Quelle: preußisches Messtischblatt, 1899. 

Im Ergebnis konnte eine "Verschanzung" im untersuchten Gebiet nicht bestätigt werden. Es liegen deutliche Anzeichen vor, dass die angetroffen Erdwälle natürlichen Ursprungs sind. Vermutlich handelt es sich um Sandverwehungen. 

Fortifikatorische Hintergründe sind dagegen bis auf weiteres auszuschließen. Weder historisch noch geografisch lässt sich die Annahme einer menschengemachten Verschanzung aufrecht erhalten. 

Damit wird deutlich, wie schnell die Archäologie und Forschung auf Abwege geraten kann. Die historischen Beobachtungen müssen somit unbedingt einer detaillierten Prüfung unterzogen werden. Für diese Überprüfung sind Kenntnisse zur Entwicklung des Kulturraums und allgemein des Geländes unerlässlich... 

H. Altmann 


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