f Die alte Straße von Celle nach Hamburg ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 14. März 2017

Die alte Straße von Celle nach Hamburg


In den heutigen Zeiten rechnet man kaum noch mit Entdeckungen im Stadtgebiet Celles. Die meisten Orte sind kartografisch erfasst und ausgeschildert. Die Aussiedlungen und Neubebauungen der Stadt haben leider viele historische Spuren vereinnahmt. Doch aktuelle Karten und Satellitenaufnahmen verbergen oftmals die Spuren der Vergangenheit. So auch im vorliegenden Fall der alten Straße von Celle nach Hamburg. 

Heute würde das Navi oder die App als verkehrsgünstige Route nach Hamburg von Celle aus die Bundesstraße 3 über Gruß Hehlen anzeigen. Vor rund 250 Jahren hätte sich der Wegverlauf geringfügig anders dargestellt. 

Bereits hinter der Pfennigbrücke in Celle teilen sich die drei wichtigsten Straßenverbindungen in nördliche Richtung auf. Es trennen sich hier der "Bremer Weg" in westliche Richtung, die "Lüneburger Straße" in östliche Richtung und die "Hamburger Straße" in nördliche Richtung. Wie die historischen Verkopplungskarten belegen hat sich die  Struktur der Feldflur zwischen Boye, Klein Hehlen und Groß Hehlen stark verändert. Der Feldflur hat sich stets auch der Verlauf der Straßen und Wege angepasst. 

Wie u.a. der "Plan der Stadt Zelle im Lüneburgischen" aus dem Jahr 1749 belegt, verlief die einstige Straßenverbindung in Richtung Hamburg ursprünglich nicht über Groß Hehlen, sondern südlich über Klein Hehlen. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Quelle: Plan der Stadt Zelle im Lüneburgischen, 1749. 

Damit gabelten sich die wichtigen Straßen zu den Hansestädten Bremen und Hamburg um 1750 noch in Klein Hehlen. Erst mit der zunehmenden Besiedlung der Hehlentor-Vorstadt dürfte es zu einer Verlegung des Straßenverlaufs im Bereich des Stadtgebiets gekommen sein. 

Auch die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1780 zeigt den Verlauf der einstigen Straße noch westlich von Groß Hehlen. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, 1780. 

Die Karte zeigt weiterhin sehr anschaulich den Straßenverlauf im Bereich von Klein Hehlen. Hier verliefen die einstige Straße in Richtung Bremen und jene nach Hamburg ein ganzes Stück parallel. Heute befinden sich in diesem Bereich die Niedersächsische Akademie für Katastrophenschutz und der Hof Lehmann. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, 1780. 

Ungewöhnlich war es nicht, dass wichtige Straßenverbindungen größere Ortschaften ausließen und abseits dieser verliefen. Allerdings besaß die Straße zwischen Celle und Hamburg zu jeder Zeit eine große Bedeutung für die Stadt Celle. Sie stellte eine der maßgeblichen Nord-Süd-Achsen dar und war somit eine bedeutsame Handelsroute. 

Es stellt sich die Frage wann sich der Verlauf der Straße änderte bzw. wie die einstige Straße derart in Vergessenheit geraten konnte. Hierzu wäre beizufügen, dass bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts im heutigen Landkreis Celle nur wenige kunstmäßig ausgebaute Straßenzüge vorhanden waren. Es handelte sich dabei vorwiegend um alte Heeresstraßen - insbesondere Chausseen und Provinzialstraßen. 

Während der Zeit der Besatzung durch die französischen Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Heeresstraßen stark in Verfall geraten. König Georg IV erließ aus diesem Grund am 30.04.1824 eine "allgemeine Chausseeverordnung". Auf ihrer Grundlage wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts u.a. die Heeresstraßen nach Bremen, Braunschweig, Hamburg und in Richtung Hankensbüttel in Stand gesetzt. 

In diese Zeit, nämlich ins Jahr 1839 fällt auch die kartografische Darstellung des sogenannten Papen Atlas. Dieser zeigt die Heeresstraße in Richtung Hamburg bereits in ihrem heutigen Verlauf über Groß Hehlen verlaufend. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Quelle: Papen Atlas, 1839. 

Offensichtlich wurde die Straße zwischen 1780 und 1839 verlegt. Die neue Straße trug bereits die Bezeichnung "Chaussee nach Hamburg". 

Für die Verlegung mag es unterschiedliche Gründe gegeben haben. Zu beginn des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche einschneidende Reformen angestrebt, die u.a. auch erheblichen Einfluss auf unser heutiges Landschaftsbild besaßen. Insbesondere im Rahmen der Verkoppelung kam es zu großen Veränderungen. Allerdings dürfte die vorliegende Umlegung des Straßenverlaufs bereits zeitlich vor den Flurbereinigungen der Verkoppelung stattgefunden haben. 

Vor Ort findet man ein relativ sandiges und von Celle aus ansteigendes Gelände vor. Es scheint daher durchaus naheliegend, dass man versuchte die neue Straße günstiger anzulegen. Seinerzeit wurden die Frachten grundsätzlich mit Pferdefuhrwerken transportiert. Für den Frachtverkehr waren steilere Streckenabschnitte durchaus problematisch. Etliche Flurnamen im Bereich der Heide deuten auch heute noch auf diese Zeit zurück. Zwar gibt es im Raum Celle eigentlich keine richtigen Berge. Trotzdem finden sich zahlreiche Ortsbeschreibungen, die von solchen berichten. Oft stammen sie aus der Frachtfahrerzeit. Für ein schwer beladenes Gespann machte es eben doch ein Unterschied ob es ein paar Höhenmeter mehr oder weniger zu bewältigen gab. 

Spätere Kartenwerke, wie insbesondere das Preußische Messtischblatt von 1899, zeigen die Altstraße gar nicht mehr. In der Karte ist lediglich noch ein Wirtschaftsweg verzeichnet, der an die einstige Straße erinnert. Auffällig ist dabei vor allem der in nordwestliche Richtung diagonal verlaufende Baumbestand bei Klein Hehlen. Dieser deutet den Verlauf der einstigen Straße noch in etwa an. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Quelle: Preußisches Messtischblatt, 1899.  

Im Gelände vor Ort lässt sich der historische Wegverlauf noch erkennen bzw. erahnen. Leider ist es mittels Fotos nur bedingt möglich die Geländestruktur wiederzugeben. In manchen Passagen verläuft der Weg nur noch als schwach erkennbarer Hohlweg durch die Landschaft. 

Man erreicht den Weg eigentlich sehr gut über den Boyer Weg zwischen Groß Hehlen und Boye. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Blick in Richtung Celle. Mittig - die Ausläufer von Boye. Quelle: H. Altmann. 

Im schmalen Waldstück wird schnell erkennbar, dass die einstige Straße nur an einer Stelle verlaufen sein kann. Die Feldflur fällt in Richtung Boye unregelmäßig ab und ist stark sandig. Lediglich auf dem graden Rücken der in Richtung Groß Hehlen verläuft konnte die Straße komfortabel angelegt werden. Klassisch wurden Altstraßen dort angelegt, wo die Steigungsverhältnisse und die Bodenbeschaffenheit aus Erfahrung günstig waren. 


Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Geländeabfall in Richtung Boye. Quelle: H. Altmann. 

Im Landschaftsbild ist die Straße teilweise noch erkennbar. Einerseits wird sie einst befestigt gewesen sein, sodass sie sich von der umliegenden Vegetation abgrenzt. Andererseits dürfte die Straße auch noch längere Zeit als Wirtschaftsweg genutzt worden sein. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Straßenverlauf in Richtung Celle. Quelle: H. Altmann. 

In manchen Bereichen ist die Straße noch als ein solcher ehemaliger Wirtschaftsweg erkennbar. Allerdings lässt sich hieran nur unzureichend die einstige Eigenschaft einer Altstraße festmachen. 

Eindeutiger und aussagekräftiger sind daher die Bereiche der Straße, die in Form eines Hohlweges verlaufen. Diese Stellen sind noch heute eindrucksvolle Belege für die einstige intensive Nutzung der Straße. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Straßenverlauf - Hohlweg. Blick in Richtung Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann. 

In südlicher Richtung endet die alte Straße heute an einer Tannenbaumplantage Die Biogasanlage bei Klein Hehlen dürfte wohl direkt auf dem Verlauf der Altstraße errichtet worden sein...

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Blick in Richtung Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann. 

Nur unscheinbar erkennbar ist aus dieser Richtung noch der "Eingang" zur alten Straße. Zwischen alten Bäumen gelegen beginnt hier der Verlauf der damaligen Straßenverbindung in Richtung Hamburg. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Blick in Richtung Nordwesten. Quelle: H. Altmann. 

Einst gab es keine festen Fahrspuren, wie es bei heutigen Straßen der Fall ist. Da es vor der Verkoppelung noch sogenannte "gemeinfreie" Flächen gab, also solche Bereiche, die niemandem gehörten sondern der Allgemeinheit zur Verfügung standen, war es oftmals möglich, dass Straßen mehrere Spuren hatten. War eine Spur zerfahren, zu sandig oder zu nass wurde einfach nach links oder rechts ausgewichen. Daher lässt sich der tatsächliche Verlauf dieser Straße aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehen. Die örtlichen Gegebenheiten sind dabei in jedem Fall zu berücksichtigen. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Abzweigung Richtung Nordwesten. Quelle: H. Altmann.

Auch heute wird der Weg noch intensiv genutzt. Unter anderem dienen Teile des Altweges als Wander-, Fahrrad- und Reitweg. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Wegweiser in Richtung Dehnigshzof, Groß Hehlen und Boye. Quelle: H. Altmann.

In ihrem Verlauf weiter nördlich ist die Straße nicht mehr einwandfrei zu erkennen. Kartografisch lässt sie sich zwar noch bis fast nach Wolthausen nachvollziehen. Im Landschaftsbild sind die Spuren allerdings weitgehend verschwunden. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Möglicher weiterer Verlauf bei Groß Hehlen. Quelle: H. Altmann.

Schriftliche Quellen zum Verlauf der Altstraße gibt es kaum. In den vorhandenen (Stadt-) Chroniken wird zwar Bezug auf die herausragende Bedeutung der Heeresstraße und Handelswege genommen. Allerdings werden die Straßen in ihrem Verlauf nur grob beschrieben. 


Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Hier nur noch ein alter Wirtschaftsweg. Quelle: H. Altmann.

Insbesondere die Eröffnung der wichtigen Eisenbahntrassen zur Mitte des 19. Jahrhunderts führte dazu, dass das Verkehrsaufkommen auf den Heeresstraßen immer stärker abnahm. Somit verhielt es sich mit diesen Straßen ähnlich wie mit den Wasserwegen einige Jahrhunderte zuvor. Durch immer neue Innovationen im Transportwesen wurden die jeweiligen Transportwege entsprechend genutzt. 

Dabei ist es schwer zu sagen wie alt diese Straßenverbindung sein kann. In diesem Zusammenhang stellt sich unter anderem die Frage, ob es einen Bezug zur Neugründung der Stadt Celle an ihrem heutigen Standort gibt. Urkundlich belegt ist die Erwähnung Celles im Jahre 1292. Auffällig ist jedoch, dass viele wichtige Städte, wie etwa Hamburg, Lüneburg oder Braunschweig deutlich älter sind. Wurde die neue Stadt Celle eventuell am gut passierbaren Allerübergang aufgebaut, wo ohnehin die wichtige Handelsroute von Norden nach Süden führte? Einiges spricht für diese These. Damit kommt dieser Straßenverbindung eine maßgebliche Bedeutung zu! 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Alte Eiche am Wegesrand. Quelle: H. Altmann.

Insgesamt haben Altstraßen stets etwas Faszinierendes an sich. Man stellt sich unmittelbar die Frage wie viele Menschen sie einst passiert haben mögen. Die Vorstellung, dass ganze Heereszüge auf ihren Feldzügen diese Straßen begangen sind, Frachtfahrer und Händler sie nutzten, um Waren zu transportieren und ganz gewöhnliche Leute diese Wege einschlugen, wenn sie auf Reisen waren ist hochinteressant. 

Leider liegt in Bezug auf den Verlauf und die zeitliche Einordnung der Altstraßen noch einiges im Dunkeln. Möglicherweise finden sich in Urkundenbüchern und anderen Quellen noch Hinweise auf diese Straße. Kartografisch und durch Ortsbegehungen lässt sich zumindest ihre Existenz belegen. 

Bild: Straße von Celle nach Hamburg. Blick in Richtung Celle. Quelle: H. Altmann.

Über weitere Hinweise und Anmerkungen würde ich mich sehr freuen. Sofern sich neue Erkenntnisse ergeben werden sie selbstverständlich in diesem Blog erscheinen. 

H. Altmann


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