f Der Silberschatz bei Garßen ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Silberschatz bei Garßen

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780.  


Ein Schatz soll vergraben sein...


...und das gar nicht mal so weit entfernt von Celle. Silber- und Goldstücke sollen es sein, die   in einer Kinderwiege aus puren Gold versteckt liegen. Eine Legende rankt sich um den verborgenen Schatz der, unweit von Garßen, am Silberberg liegen soll. 

Einst soll dieser Silberberg von Zwergen bevölkert gewesen sein. In mondhellen Nächten sahen Wanderer sie dort nicht selten. Einmal sahen die Leute, wie die Zwerge bei hellem Mondschein das Gold und Silber blank polierten. In Garßen munkelte man im Wirtshaus oft von dem Schatz. Eines Tages fassten sich drei Brüder aus dem Ort ein Herz und machten sich nachts auf, um den Schatz zu heben. Auf dem Silberherb angekommen verhielten sie sich ruhig - und tatsächlich öffnete sich eine Felsspalte und die Zwerge kamen mit der goldenen Wiege hervor. Voll beladen mit Silber und Gold. Als einer der Brüder aus dem Versteck hervorsprang, erschraken sich die Zwerge und nahmen Reißaus. Überglücklich wegen der reichen Beute versuchten die Brüder die Wiege heim zu tragen. Sie war jedoch so schwer, dass es ohne ein Pferdegespann nicht möglich war sie zu bewegen. Daher schickten die beiden Älteren den jüngeren Brüder nach Hause - es solle ein Gespann holen.  Derweil wollten sie den Schatz bewachen. Gesagt, getan - als der jüngere Bruder zurückkehrte luden sie die Wiege auf das Gespann und wollten heimkehren. Die Fahrt wurde immer schneller - so schnell, dass die Älteren den jungen Bruder dazu anhielten er möge doch langsamer fahren. In einer Kurve geschah dann das Malheuer - das Gespann neigte sich, kippte um und die Insassen landeten auf dem Boden. Als die beiden älteren wieder zu sich kamen hörten sie Pferdegetrappel. Vor ihnen stand der jüngere Bruder mit dem Gespann, welches er von daheim geholt hatte. Da erkannten die beiden Älteren, dass es nicht ihr Bruder gewesen war, mit dem sie zuvor die Heimreise angetreten hatten. Wer oder was den Wagen gelenkt hatte wurde nicht herausgefunden. In mondhellen Nächten soll man noch das Wehklagen der Zwerge hören, wenn sie um ihren verlorenen Schatz trauern. 



Und heute...?


Möglicherweise ist der ein- oder andere jetzt versucht seine Schaufel und Spitzhacke zu schnappen und sich zum Silberberg aufzumachen. Zunächst sollten wir einmal einen Blick auf die Karte werfen. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1780 ist tatsächlich ein Silberberg bei Garßen eingezeichnet. Er liegt in unmittelbarer Nähe zum Osterberg, östlich von Garßen und nördlich der Landstraße. Mithilfe eines Kartenlayers in Google Earth kann man sich die Lage des Berges gut veranschaulichen...

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780 / Google Earth.  


Bereits anhand dieser Karte erkennt man ein Problem, falls man tatsächlich auf die Suche nach dem Schatz gehen möchte: den Silberger gibt es heute so leider gar nicht mehr. Dort wo in der Kurhannoverschen Landesaufnahme noch weite Felder verzeichnet sind, erstreckt sich heute der Golfplatz bei Garßen. Überträgt man die Erkenntnisse aus der alten Karte auf das aktuelle Satellitenbild sieht es etwa so aus: 

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Google Earth.  


Der Silberberg musste demnach dem nördlichen Teil des Golfplatzes weichen. Bereits in einer Karte aus dem Jahr 1945 ist nur noch der Osterberg - nicht aber der Silberberg verzeichnet: 

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Map War Office 1945 / Google Earth.  


Damit kann der Schatz - sollte er je existiert haben wohl als verloren betrachtet werden. Ich würde zumindest jedem davon abraten sich mit Schaufel und Hacke dem Rasen des Golfplatzes zu nähern, in der Erwartung dort eine mit Silber beladene Kinderwiege aus purem Gold auszugraben. Eine derartige Grabungsaktion unter Erwähnung der genannten Motive könnte sicherlich zu gewissen Irritationen seitens des Golfplatzbetreibers führen ;-) 



Was heute bleibt...


Sicherlich handelt es sich bei der Legende um den Schatz bei Garßen um eine schöne Anekdote. Der Name "Silberberg" lässt sich allerdings nur schwer deuten. Laut Barenscheers Flurnamenbuch hieß der Berg bis 1779 "Silwerbarg" und aus dem Lüneburger Heimatbuch geht ebenfalls hervor, dass der Berg nach der Legende um verstecktes Silber benannt wurde. Somit kann ein wahrer Kern dieser Geschichte nicht ausgeschlossen werden - auch wenn es möglicherweise keine Zwerge waren, die dort einst Reichtümer versteckten. Es wäre ebenso denkbar, dass ein reisender Kaufmann dort etwas versteckte, was später von Leuten aus der Region entdeckt wurde. Das war nicht unüblich und die wichtige Handelsstraße (Hamburger Weg) führte in der Nähe vorbei. Wäre das was dort vielleicht versteckt worden ist, nicht bereits gefunden worden - woher sollte man dann wissen, dass dort etwas versteckt war und dass es Silber gewesen ist? - Somit spricht einiges dafür, dass der Silberberg nach einem Fund benannt worden ist. 

Vor einiger Zeit - im Jahr 2001 - hat eine Gruppe von Schulkindern in Zusammenarbeit mit dem Land Art Künstler Piet Trantel den Zwergen den Schatz "zurückgegeben". Im Rahmen des Projektes entstand ein neuer "magischer Ort" in Form einer im Boden eingelassenen Tafel: 


Bild: Magischer Ort am Osterberg. Quelle: RegionCelleNavigator.  




Bild: "Rückgabe des Zwergenschatzes". Quelle: http://org.eschede.de/magischeorte/goldenewiege



Alles in Allem ist die Legende des Zwergenschatzes bei Garßen immerhin eine Geschichte mit Happyend. Nachdem die Zwerge ihren Schatz im Jahr 2001 zurückerhalten haben, wurde keinerlei Wehklagen mehr von ihnen vernommen. 


Viele Grüße, 

Hendrik






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1 Kommentar:

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