f Wienhäuser Relikt in Stand gesetzt ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 11. Juni 2014

Wienhäuser Relikt in Stand gesetzt

Im Grunde ist es nur ein alter Kilometerstein der längst verschwunden Oberallertalbahn im dichten Wald zwischen Wienhausen und Sandligen. Viele, dieser meist völlig verwitterten Steine, sind bereits abhanden gekommen. Der Stein, welcher auf den Bahnkilometer 30/8 hinweist steht noch. Mit ihm ist ein sehr dunkles Kapitel der regionalen Geschichte verbunden. 
Irma Schulte mit der Polizei 1947
Quelle: Der Spiegel 21/1947

Im Frühjahr 1945 befand sich zwischen dem 5. und 7. April ein KZ-Transportzug auf der Bahnstrecke Gifhorn - Celle. Darin waren sich mehrere tausend Häftlinge des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei Nordhausen (Thüringen) auf engstem Raum eingepfercht. Die Bedingungen während der mehrtägigen Fahrt waren grauenvoll. Immer wieder hielt der Zug an - Tote wurden entlang des Gleiskörpers verscharrt. Auch wurden schwache Häftlinge ermordet. Auch bei Wienhausen hielt der Zug. Einige Häftlinge mussten Gräber ausheben, in welche die Leichen anderer gestapelt wurden. 

Die Zusammenhänge der KZ-Evakuierungstransporte waren lange ungeklärt. Die Wienhäuser Zivilbevölkerung erlebte das grausame Geschehen unmittelbar vor Kriegsende kaum. Zwei Jahre nach Kriegsende wurden die Gräber entdeckt - Irma Schulte, die eine der wenigen weiblichen Häftlinge war, zeigte der Polizei den genauen Ort. Die Leichen wurden auf den Celler Waldfriedhof umgebettet. Am 24. Mai 1947 berichtete das Magazin "Der Spiegel" ausführlich über die "Drei Gräber bei Wienhausen" (Klick). Im Jahr 2012, also 65 Jahre nach Auffinden der Gräber und 67 Jahre nach Kriegsende, konnten die Zusammenhänge der Massengräber bei Wienhausen umfassend aufgeklärt werden. Am ehemaligen Bahnübergang zwischen Wienhausen und Sandlingen wurde eine Bank mit Gedenktafel aufgestellt (Bericht in der Celleschen Zeitung). 


An die Stelle der Gräber erinnert heute darüber hinaus nur noch ein alter Kilometerstein an der ehemaligen Bahntrasse. Etwa in Höhe des Streckenkilometers 30,8 befanden sich die Gräber. Der Stein war moosbewachsen und verwittert - die Inschrift kaum noch lesbar. 

In Eigenregie setzte Wolfhard Höhne die Inschrift des Steines kürzlich wieder in Stand. Durch die geschichtsbewusste Aktion bleibt ein wichtiges Relikt sichtbar erhalten. 

Bild: Kilometerstein 30,8 bei Wienhausen.
Quelle: W. Höhne. 

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