f Hanseatische Truppen in Wienhausen - 1615 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Mittwoch, 5. Juni 2013

Hanseatische Truppen in Wienhausen - 1615


Hanseatische Truppen in Wienhausen - 1615


Einleitung

Wenn man in der Geschichte zurückblickt sind, neben den beiden Weltkriegen, zwei Kriege für viele von besonderer Bedeutung. Doch neben dem Siebenjährigen Krieg Siebenjähriger Krieg bei Celle und dem Dreißigjährigen Krieg gab es weitere, heute weniger bekannte, Auseinandersetzungen die Einfluss auf unsere Heimat - den heutigen Celler Landkreis - hatten. 

In diesem Beitrag soll um eines dieser Ereignisse gehen: den Durchmarsch von hanseatischen Truppen, die die Belagerung der Stadt Braunschweig beenden wollten. Aber eins nach dem anderen. 


Was war geschehen?

Da die Braunschweiger Bürgerschaft die hohen Geldforderungen ihres Herzogs (Friedrich-Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel) nicht bezahlen wollte, ließ dieser die Stadt Braunschweig im Jahr 1615 belagern. 

Bild: Belagerung der Stadt Braunschweig durch Friedrich-Ulrich im Jahr 1615. 
Quelle: Wikipedia. 


Da Braunschweig die Privilegien einer Hansestadt (Hansestadt) besaß und an den offiziellen Hansetagen teilnahm, eilten die übrigen Hansestädte zur Hilfe. 

Die Vorhut des Hilfsheeres, welches die Belagerung der Stadt Braunschweig beenden sollte, sammelte sich im Sommer 1615 in Wienhausen bei Celle. 


Bild: Pikiniere um 1615. Quelle: Osprey.  


Anfang Juli 1615 entsandte der Herzog von Wolfenbüttel gegen diese Vorhut 2.000 Reiter und 7 Geschütze. Die Schar besetzte das Dorf Eicklingen und erging sich dort "in groben Ausschreitungen" (C. Cassel). 

Es gelang Friedrich-Ulrichs Truppen den Nachschub des Hilfsheeres aus Magdeburg abzuschneiden. Die hanseatischen Truppen verteidigten das Kloster Wienhausen. Es gelang den herzoglichen Truppen also nicht das hanseatische Heer aufzuhalten. 

Dazu muss man wissen, dass viele Städte und Herrscher in dieser Zeit keine eigenen Truppen besaßen, sondern auf angeworbene Söldnerheere zurückgriffen. Die hanseatischen Truppen waren ein solches Söldnerheer. 

Anführer der Vorhut des Hilfsheeres war der Oberstleutnant Dodo zu Innhausen und Knyphausen (2. Juli 1583 in Lütetsburg; †11. Januar 1636 bei Haselünne). Später war er ein bedeutender Feldherr im Dreißigjährigen Krieg. Seine erste wichtige militärische Aufgabe war es die hanseatischen Truppen auf Braunschweig zu führen. 

Unter seiner Führung zogen die hanseatischen Truppen mit 3.000 Mann zu Pferde und zu Fuß am 16. September aus dem Lager von Hartmannshausen über Wienhausen und Bröckel nach Braunschweig. Somit hatte die Vorhut in der Zeit von Juli bis September die Stellung bei Wienhausen gehalten. 
Dodo zu Knyphausens Truppen sprengten die Belagerung der Stadt Braunschweig und verstärkten die Besatzung gegen die belagernden Truppen Friedrich-Ulrichs. 

Das Hauptheer der hanseatischen Truppen wurde derweil von Friedrich zu Solms-Rödelheim (* 30. November 1574; † 1649) Richtung Braunschweig geführt. Am 9. Oktober lagerten die Truppen vor Celle, am 10. und 11. Oktober schlugen sie das Lager bei Wienhausen auf. 

Bild: Environs von der Stadt Zelle (1758). Quelle: Französische Nationalbibliothek. 


Zu dieser Zeit erstreckte sich Wienhausen noch nicht bis zum "Sundern" - dem Wald, der zwischen Bockelskamp und Wienhausen liegt. Anders als heute lagen noch weite Feldflächen vor dem Ort. Dort werden die hanseatischen Truppen ihre Lager aufgeschlagen haben, zumal sie hier die Straße in Richtung Eicklingen sichern konnten und selbst aufgrund des unwegsamen Geländes (Wald, alte Oker) eine gute Deckung hatten. 

Am 10. Oktober wurden folgende Adelige durch die Truppen Friedrich-Ulrichs gefangen genommen und gegen Lösegeld (Ranzion) entlassen: 

  1. Hilmer von Münchhausen 
  2. Erich von Benningsen
  3. Diedrich von Lenthe
  4. Hector Mithobius (hier: sein Sohn)
Letzterer wurde, da er lauenburgischer Kanzler war, auf Anweisung des Herzogs von Celle freigelassen. 

Am 11. Oktober, also nach eintägigem Aufenthalt, marschierte das Hauptheer unter Friedrich zu Solms-Rödelheim über Gifhorn auf Braunschweig. Das Heer umfasste zu diesem Zeitpunkt ca. 3.500 Fußsoldaten und 1.500 Reiter. 

Bild: Kartenausschnitt der Belagerung der Stadt Braunschweig durch Friedrich-Ulrich im Jahr 1615. Friedrichs zu Solms-Rödelheims Truppen. Quelle: Wikipedia. 



Bild: Hakenbüchsenschützen um 1618. Quelle: Osprey.


Die Truppen Friedrich-Ulrichs konnten die Belagerung Braunschweigs nicht weiter aufrechterhalten. Durch den Frieden von Steterburg (12. Dezember 1615) fand die Auseinandersetzung ein Ende.

Bild: Musketenkugeln. Quelle: eigenes Bild.

Es wäre vor diesem Hintergrund durchaus denkbar, dass einige der gefundenen Musketenkugeln aus dieser Zeit stammen.

In der Nähe von Wienhausen gibt es möglicherweise noch heute im Gelände sichtbares Schanzwerk. Die genaue Lage muss aber vorerst noch geheim bleiben...


Fazit

Bei Wienhausen sammelten sich im Sommer 1615 die hanseatischen Truppen, um auf die Hansestadt Braunschweig vorzurücken und diese von der Belagerung, durch die Truppen des Herzogs Friedrich-Ulrich von Wolfenbüttel, zu befreien.

Bisher wurde dieses Ereignis kaum beleuchtet. In der Literatur finden sich dazu nur wenige Hinweise.


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Quellen:


  • Cassel, Clemens: Geschichte der Stadt Celle - mit besonderer Berücksichtigung des Geistes- und Kulturlebens seiner Bewohner, Bd 1, Ströher, Celle, 1930. S. 469. 
  • Jürgens (Dr. O.):  Hannoversche Chronik, Seibel, Hannover, 1907, S. 339. 
  • Brnardic, Vladimir/Pavlovic, Darko: Imperial Armies of the Thirty Years' War Bd 1/Bd 2, Osprey. 
  • Environs von der Stadt Zelle. 1732, Bibliothèque nationale de France, département Arsenal, MS-6465(714)





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