f Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die falschen Funktürme bei Eicklingen



Auf der Höhe des Zweiten Weltkriegs nutzen die Alliierten alle verfügbaren Mittel, um das Dritte Reich in die Knie zu zwingen. Die Briten hatten durch die Zerstörung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde bewiesen, wie wirkungsvoll die Luftaufklärung eingesetzt werden konnte. So wurden spezielle Maschinen mit Kameras ausgerüstet und überflogen fast jeden Winkel Deutschlands. Amerikaner und Briten fotografierten auf diese Weise etliche Einrichtungen der Wehrmacht, rüstungswichtige Betriebe, Städte, Straßen und alles sonst, was für anschließende Bombardierungen relevant sein konnte. Die Briten schufen eine spezielle Einheit, welche sich ausschließlich mit der Auswertung dieser Luftbilder befasste. 

Den Bodentruppen kamen diese Erkenntnisse später zugute. Die Im Raum Celle aufgenommenen Bilder stammen unter anderem vom 9. April - also wurden sie nur zwei bis drei Tage vor dem Einmarsch aufgenommen. 

Die Erkenntnisse, welche aus den Luftbildern gewonnen werden konnten, wurden in topografische Karten übernommen. So verfügten die Briten über deutsche topografische Karten, welche auf den Messtischblättern der Jahre 1933-1937 beruhten. Diese Karten im Massstab 1:25.000 wurden nun um Objekte ergänzt, welche auf den Luftbildern identifiziert worden waren. 

So zeigt das entsprechende Kartenblatt Bröckel eine ungewöhnliche Ansammlung von eingezeichneten Objekten westlich von Eicklingen. 

Bild: Objekte östlich von Eicklingen. Quelle: War Office Map 1945. 


Die Objekte sind als schwarze Punkte mit einem nach oben gerichteten Blitz eingezeichnet. In der Legende sind sie als "W/T Station - Tower over 200 feet" (Funkstation) verzeichnet. 

Bild: Kartenlegende: Funkstation. Quelle: War Office Map 1945. 


In den deutschen Kartenwerken waren derartige Funktürme und Funkstellen ähnlich verzeichnet. So ist in der Kartenfibel aus dem Jahr 1941 eine identische Symbolik enthalten.  

Bild: Funktürme in den deutschen Karten Quelle: Kartenfibel 1941, D. Luft. 


Aber hat es derartige Funkmasten bzw. Funkstationen je bei Eicklingen gegeben? Zunächst sei nochmals auf die Lage der angeblichen Funktürme hingewiesen. Durch Einbindung der britischen Karte in ein aktuelles Satellitenbild lässt sich feststellen, dass die vermeintlichen Funktürme südlich der heutigen Siedlung Schepelse und östlich von Eicklingen verzeichnet sind. Die Siedlung Schepelse gab es einst noch nicht. 

Bild: mutmaßliche Funktürme östlich von Eicklingen. Quelle: War Office map 1945 / Google Earth. 


Tatsächlich ist der alliierten Luftaufklärung wohl ein kleines Missgeschick unterlaufen. In Eicklingen gab es nie eine derartige Funkstation oder entsprechende Funktürme. Vielmehr haben die Alliierten die Bohrtürme des Eicklinger und Sandlinger Erdölfeldes mit Funkmasten verwechselt. 

Im Raum der heutigen Samtgemeinde gab es verschiedene Erdölbohrungen. In einem anderen Beitrag wurden bereits solche Bohrungen behandelt, die sich auf dem Gebiet der Gemeinde Wienhausen befunden haben (siehe: Erdölbohrungen Wienhausen). Im Feld Eicklingen wurden etwa 45 Bohrungen abgeteuft, von denen rund 35% fündig wurden. 

Die erste fand im Jahr 1935 statt und wurde von der Haniel&Lueg gebohrt und wies eine Tiefe von 750m auf. Noch lange über das Kriegsende hinaus wurde das Ölfeld Eicklingen betrieben. Die ertragreichste Bohrung war das Loch Nummer 12, welches eine Gesamtmenge von ca. 150.000L Öl zutage brachte. 

Noch im Jahr 1986 wurden im Eicklinger Feld etwa 2.500 Tonnen Erdöl gefördert. Zum Ende der 80er Jahre waren die meisten Bohrlöcher aber bereits verfüllt, da sie im Vergleich zu anderen Bohrungen zu wenig ertragreich waren. 

Eine Karte des Landesamtes für Bergbau zeigt die Standorte der einstigen Bohrungen an. 

Bild: Erdölbohrungen östlich von Eicklingen. Quelle: LBEG, Bibis Kartenserver. 


Vergleicht man die Standorte der Bohrtürme mit denen der mutmaßlichen Funktürme, wird schnell klar, dass es hier zu einer Verwechslung gekommen sein muss. Eine mögliche Erklärung für diesen Fehler der alliierten Luftaufklärung wäre die schlechte Qualität der Luftbilder. 

Noch heute sind die einstigen Bohrstellen auf Satellitenbildern als Bodenverfärbungen erkennbar. 

Bild: Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Google Earth. 


Vom Boden aus ist jedoch nichts mehr von den Bohrstellen zu sehen. Dort wo einst mehrere hundert Tonnen Erdöl aus der Tiefe gepumpt wurden, befinden sich heute landwirtschaftliche Nutzflächen. 

Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Hier standen einst mehrere Bohrtürme. Im Hintergrund ist der östliche Ortseingang von Eicklingen zu sehen. 


Bild: einstige Bohrstellen östlich von Eicklingen. Quelle: Hendrik Altmann.


Herausragende militärische Bedeutung wurde den "Funkanlagen" scheinbar ohnehin nicht zugeschrieben. Zumindest wurden sie nach bisherigem Kenntnisstand nicht zum Ziel einem gezielten Bombardements. 

Bereits in den nachfolgenden Ausgaben der britischen Karte im Maßstab 1:25.000 waren die angeblichen Funkanlagen verschwunden. 


Hendrik Altmann




Donnerstag, 25. Juni 2015

Attraktionen früher...



Von Zeit zu Zeit kommt es auch heute noch vor, dass ein Zirkus in Celle gastiert. In der jüngeren Vergangenheit gab es in diesem Zusammenhang immer wieder Diskussionen darüber inwiefern Wildtiere im Zirkus überhaupt artgerecht gehalten werden können. Diese Frage kann hier sicher nicht abschließend beantwortet werden. Vielmehr soll bei dieser Gelegenheit kurz auf die historische Komponente eingegangen werden. 

Neben dem modernen Unterhaltungsangebot wirkt der Zirkus wie ein Fossil aus vergangenen Tagen. Tatsächlich erlebte der Zirkus im ausgehenden 19. Jahrhundert seine Blütezeit. Nachdem schon im 18. Jahrhundert in England bereits erste Zirkusmanegen von Artistenfamilien betrieben wurden, gelangte die Idee schließlich nach Deutschland. Hier waren es vor allem die Familien Rentz und Busch, die große Zirkusse in verschiedenen Städten unterhielten. Die meisten Betriebe waren und blieben in Familienhand. Zunehmend erfreuten sich auch sogenannte "Freakshows" im 19. Jahrhundert gesteigerter Beliebtheit. 

Bild: Zirkus in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


Neben fest installierten Zirkushäusern, die sich eigentlich ausschließlich in größeren Städten hielten, entwickelten sich im 19. Jahrhundert auch zunehmend Wanderzirkusse, die über die Dörfer zogen. In einem Beitrag für das Lüneburger Heimatbuch (1904) schrieb Friedrich Freudenthal über "fahrende Leute im Heidedorfe". Neben Siebmachern und Kesselflickern waren auch Künstler, Seiltänzer, Akrobaten, Kunstreiter, Taschen- und Puppenspieler sowie Bärenzieher unter diesen Leuten. 

Bild: Fahrendes Volk in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


Die umherziehenden Künstler waren im Normalfall nicht besonders hoch angesehen. Gegen einige Pfennige führten sie ihr begrenztes Repertoire auf. Als Attraktion lies sich alles verkaufen, wozu die Bevölkerung bereit war Geld zu geben. So wurden wilde Tiere schnell ein beliebtes Mittel, um den teilweise recht einfach Menschen auf dem Lande etwas aus der großen weiten Welt zu präsentieren. 

Über Bärenzieher gibt es ebenfalls aus der Harzregion verschiedene Berichte. Sie standen scheinbar nicht sehr hoch im Kurs - wohl auch, weil es nicht selten zu Unfällen mit den Bären kam. 
Bild: Bärenzieher in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch Bd. 2. 


In einer Verfügung des Königreiches Hannover aus dem Jahr 1825 wurde Bärenziehern sogar per Gesetz verboten das Land zu betreten.  Noch im preußischen Wörterbuch wird der Beruf des Bärenziehers als offizielle Zunft angegeben. 
 Bild: Verfügung gegen Bärenzieher. Quelle: Landesgesetze und Verordnungen des Königreichs Hannover insbesondere der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, F.C. Willich, Bd. 1, Göttingen 1825. 


Scheinbar zogen die "Bärentrecker", wie die Bärenzieher auf Plattdeutsch genannt wurden, noch bis ins 20. Jahrhundert durch die Lande. Leider ist nicht bekannt wann die Tradition der Bärenzieher im Raum Celle endete. 

Geblieben sind vom Fahrenden Volk, welches Freudenthal noch vor rund 100 Jahren im Lüneburger Heimatbuch auflistete, nur die Wanderzirkusse. 


Hendrik Altmann




Montag, 22. Juni 2015

Die alte Oppershäuser Schleuse



Die Allerschleuse zwischen Oppershausen und Offensen ist vielen bekannt. Sie ist ein beliebter Anlaufpunkt für Angler und Paddler. Unterhalb des Stauwehres gibt es außerdem einige Badestellen. Oberhalb des Wehres steht das Vereinsheim des Flotwedeler Kanu-Klubs. 

Was vielen weniger bekannt sein dürfte ist der Umstand, dass sich die Allerschleuse noch gar nicht lange an Ort und Stelle befindet. 

Bild: die heutige Allerschleuse aus der Luft fotografiert. Quelle: Hendrik Altmann. 


Durch mehrere Begradigungen der Aller entstand im 20. Jahrhundert der heutige Flusslauf. Besonders deutlich werden die massiven Eingriffe in das ursprüngliche Landschaftsbild im Bereich nördlich des Ortes Offensen. Hier wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jh. das Schwarzwasser komplett umgebettet. 

Während dieses Gewässer einst bei Schwachhausen in die Aller mündete, wurde es nun weiter nördlich entlang geführt und fließt seitdem unterhalb der neu gebauten Oppershäuser Schleuse in die Aller. 

Übrigens - warum heißt diese Schleuse, die heute näher an Offensen liegt eigentlich "Opernhäuser Schleuse"? Nun die Antwort ist ganz einfach: früher lag die Schleuse näher an Oppershausen. 

Legt man eine topografische Karte aus dem Jahr 1945 über das heutige Satellitenbild, erkennt man wie sich der Flusslauf der Aller änderte. Diese machte einst oberhalb Offensens mehrere große Bögen. Am nördlichsten davon befand sich einst die alte Schleuse - deutlich auf der Gemarkung Oppershausens. Die neue Schleuse wurde weiter südwestlich errichtet. 

Bild: Allerschleusen bei Opershausen / Offensen. Quelle: Hendrik Altmann / Google Earth. 


In der Vergrößerung wird das ganze deutlicher. Der Arm der Aller, an welchem sich die alte Oppershäuser Schleuse befand, existiert noch heute. Allerdings ist er vom Fluss abgeschnitten und somit kein Fließgewässer mehr. 

Einst führte der Weg zur Schleuse über die Wiesen, welche westlich der heutigen Schleuse liegen. 

Bild: Allerschleusen bei Opershausen / Offensen. Quelle: Hendrik Altmann / Google Earth.


Allerdings konnte man früher nicht mit dem Auto über die Schleuse gelangen. Diese bestand nämlich aus einer Holzkonstruktion, die lediglich zu Fuss überquert werden konnte. 

Ein altes Foto zeigt das Opernhäuser Allerwehr als "Ort für viele Zeltner und Paddler". Am linken Bildrand erkennt man einen kleinen Schuppen. In diesem wurden die alten Eisbrecher aufbewahrt. Die Konstruktion der Schleuse ist ähnlich wie jene der Langlinger Schleuse weiter flussaufwärts. Diese wurde in den Jahren 1860/1861 erbaut und bestand ebenfalls aus massiven Eichenwänden. 

Im Jahr 1935 brach die Langlinger Schleuse bei niedrigem Wasserstand ein und wurde durch eine neue Konstruktion ersetzt. Die Opernhäuser Schleuse hielt bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Bild: alte Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.


Heute ist von der alten Schleuse kaum noch etwas zu erkennen. Bis auf den toten Allerarm, welcher sich noch immer bei Oppershausen durch die Landschaft schlängelt, sind keine sichtbaren Spuren erhalten. 

Bild: Allerschleuse bei Opernhauses heute. Quelle: Hendrik Altmann.


Im einstigen Staubecken stapelt sich heute jede Menge Äste und Gestrüpp, das von den umstehenden alten Weidenbäumen stammt. Die hölzerne Konstruktion des alten Stauwehres ist verschwunden. 

Bild: Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.


Es scheint fast als wäre die Zeit stehen geblieben - in manchen Abschnitten sieht der alte Alleearm aus, wie der heutige Fluss. Aber der Schein trügt: es gibt keinen Zulauf mehr - das Wasser ist kaum in Bewegung. 

Bild: Allerschleuse bei Opershausen / Offensen. Quelle: Archiv Hendrik Altmann.

Hinter dem einstigen Wehr sieht man Oppershausen liegen. Hier machte die Aller einst einen weiten Bogen an welchem die alte Schleuse lag. Möglicherweise sind noch alte Pfähle im Boden - äußerlich sind zumindest keine Spuren zu erkennen. 

Damit ist die Oppershäuser Schleuse nur ein Bestandteil, der sich im Laufe der Jahre in diesem Raum veränderte. Nur an wenigen Stellen hat sich das Landschaftsbild in den letzten 100 Jahren so stark gewandelt wie im Bereich der Aller und der angrenzenden Wiesen und Felder. Oft lassen sich diese drastischen Veränderungen heute noch mithilfe historischer Karten nachvollziehen. 

Hendrik Altmann


Donnerstag, 28. Mai 2015

Das ehemalige Jagdschloss in Wienhausen

Von diesem herrschaftlichen Gebäude fehlt heute jede Spur. Wo hat es sich einst befunden? Was hatte es überhaupt damit auf sich? 

Nur noch einige Straßennamen erinnern an das alte Schloss, welches einst in Wienhausen gestanden haben soll. So gibt es die Straße "Schlossgarten" welche in Richtung Oppershausen führt und die Straße Hofgarten, welche sich unweit entlang des Mühlenkanals entlangzieht. Gab es tatsächlich ein Schloss in Wienhausen? 

Regelmäßig finden in Wienhausen Garten-Events statt. Dabei wird oft auf den "alten Wienhäuser Gutshof" oder das "Wienhäuser Landgut" verwiesen. Allerdings hat es einen solches Gut in Wienhausen nie gegeben - das entsprechende Gebäude wurde in Schwachhausen abgebaut und ein Teil davon wieder in Wienhausen aufgestellt. Die Werbung mit dem angeblichen Wienhäuser Gut ist somit falsch und irreführend (weitere Informationen). 

Trotzdem gab es in Wienhausen einst nicht nur das wunderschöne Kloster. So zeigt die Kurhannoversche Landesaufnahme aus dem Jahr 1781 eine große Gartenanlage, welche ebenfalls ein kleines Schlossgebäude beinhaltete. Was hatte es hiermit auf sich? 

Bild: Jagdschloss in Wienhausen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1781. 

Das Schloss besaß eine Zufahrt aus nordwestlicher Richtung und eine Brücke über den Mühlenkanal. Vor dem Anwesen erstreckten sich zwei Zierteiche und dahinter eine Gartenanlage, welche von einem Nebenlauf des Mühlenkanals umgeben war. So lag das kleine Jagdschloss zentral in Wienhausen und das vermutlich über mehrere Jahrhunderte. 

Wann das Schloss erbaut wurde ist bislang nicht gewiss. Es ist überliefert, dass Herzog Heinrich der Mittlere  im Jahr 1532 in Wienhausen verstarb. Allerdings findet sich kein Hinweis auf das Jagdschloss.  Kammerrechnungen belegen das Jagdschloss ab 1668. Herzog Georg Wilhelm verschied im Jahr 1705 nach einer ausgiebigen Rebhuhnjagd auf dem Jagdschloss. Es spricht somit vieles dafür, dass die Celler Herzöge das Schloss regelmäßig und durchgehend für ihre Jagdausflüge nutzten. 

Wann das Wienhäuser Schloss abgerissen wurde ist nicht bekannt. Noch im Jahr 1858 taucht es in der Beschreibung der Städte, Ämter und adelichen Gerichte des Fürstentums Lüneburg auf. Detaillierte Berichte oder Fotos des alten Schlosses gibt es nicht. In seinem Werk "Zur Heimatkunde des Lüneburger Landes" berichtete der Pastor Bettinghaus im Jahr 1897 über das Jagdschloss in Wienhausen. 

Seinen Ausführungen nach besaßen die Celler Herzöge seit "uralter Zeit" ein Jagdschloss in Wienhausen. Im Jahr 1611 wurde an der Stelle des alten Schlosses ein neues erbaut. Später besuchte Herzog Georg Wilhelm dieses regelmäßig - der Falkenbeize wegen. Den Aufzeichnungen des Pastors Bettinghaus zufolge wurde das Schloss im Siebenjährigen Krieg von französischen Truppen als Lazarett benutzt. Die Verstorbenen sollen angeblich noch im Schlossgarten vergraben sein. Das Schloss wurde abgebrochen und soll zu Teilen wieder als Gärtnerwohnung im Französischen Garten in Celle  wieder aufgebaut worden sein (Laut Bettinghaus). 

Nach der Nienhagener Schulchronik wurde das Wienhäuser Jagdschloss nicht im Französischen Garten wieder aufgebaut. Wohl aber soll das steinerne Tor, welches gegenüber der katholischen Kirche in Celle am Eingang zum Französischen Garten steht, einst in der Einfahrt des Wienhäuser Jagdschlosses gestanden haben. 

In seiner Chronik berichtet der Celler Stadtchronist Clemens Cassel, dass das Gärtnerwohnhaus im Französischen Garten im Jahr 1611 an Ort und Stelle erbaut worden sei. Es könne also nicht aus Teilen des Wienhäuser Schlosses bestehen. Allerdings gab Bettinghaus in seinen Ausführungen ebenfalls das Jahr 1611 als Erbauungsjahr des neuen Schlosses in Wienhausen an. Seinen Aufzeichnungen zufolge soll die Jahreszahl 1611 an drei verschiedenen Stellen im Schloss in den Stein geschlagen worden sein. Es wäre also durchaus möglich, dass die entsprechenden Bauteile beim Bau der Gärtnerwohnung im Französischen Garten in Celle wieder verwendet worden sind - Clemens Cassel hätte im 20. Jahrhundert kaum feststellen können, ob die Teile bereits 1611 an Ort und Stelle verbaut wurden, oder einige hundert Jahre später erst nach Celle gelangten. 

Bis ins 19. Jahrhundert hat es das Jagdschloss in Wienhausen noch gegeben. Aus welchen Gründen es schließlich abgebrochen wurde und die zugehörigen Flächen anderweitige Verwendungen fanden, ist ungeklärt. Sehr wahrscheinlich sind die politischen Veränderungen des 19. Jahrhunderts der schlussendliche Grund für den Abbau des Jagdschlosses. 

Lange stellte sich die Frage wo genau sich das Anwesen befunden haben könnte. Der Straßenname "Schlossgarten" sorgte bislang für Verwirrung unter den ansässigen Heimatforschern - es wurde angenommen das Jagdschloss habe sich auf dem Gelände der heutigen Volksbank, bzw. unweit dahinter befunden. Diese Annahme ist jedoch nur zu Teilen korrekt. Mittels historischer Karten konnte nun die Lage des einstigen Jagdschlosses verblüffend exakt bestimmt werden. 

Im nachfolgenden Video ist dies nachzuvollziehen: https://vimeo.com/129095983 (Klick) 

Bild: Jagdschloss in Wienhausen. Quelle: Google Earth / Hendrik Altmann. 

Demzufolge stand das einstige Wienhäuser Jagdschloss genau dort, wo heute die Straße in Richtung Oppershausen verläuft - unmittelbar hinter der Volksbank. Es stand nicht - wie bislang angenommen - östlich der Straße. Dort erstreckte sich einst zwar die Gartenanlage, jedoch nicht das Schloss selber. 

Erstaunlicherweise finden sich noch heute offensichtliche Zeugen des einstigen Schlosses: die beiden Zierteiche, welche sich westlich vor dem Anwesen befanden. Die beiden Teiche existieren noch heute - die historischen Karten belegen, dass die Teiche seit 1781 an Ort und Stelle geblieben sind. 

Wer also heute auf der Straße zwischen Wienhausen und Oppershausen unterwegs ist, kann sich darauf besinnen, dass dort einst das alte Wienhäuser Jagdschloss gestanden hat. 

H. Altmann


Dienstag, 26. Mai 2015

Wie das Land platt wurde...



Heute treffen wir in unserer Umgebung meist auf "plattes Land". Damit ist weniger die niederdeutsche Sprache gemeint, sondern vielmehr, dass der Blick ungehindert von Hügeln und Bergen in die Ferne schweifen kann. Im Raum Celle bilden die Dünenaufwerfungen im Bereich der Flüsse und die Überbleibsel der letzten Eiszeit hier die einzige Ausnahme. 

Oftmals wird angenommen die Landschaft sei auf natürliche Weise derart flach. Insgesamt trifft dies im Raum Celle auch in gewissen Grenzen zu. Das alte Allerurstromtal trug einen maßgeblichen Teil dazu bei, dass sich die Sedimente gleichmäßig ablagern konnten. All dies geschah natürlich vor langer Zeit - mit der beginnenden Besiedlung wurde die Landschaft vielerorts so stark umgestaltet, dass es kaum noch ursprüngliche Elemente gibt. 

Alte Karten belegen, dass es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vielerorts kleinere Hügel und Senken gab. So zeigt die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1781, dass es südlich von Langlingen etliche Mulden und Senken gegeben haben muss, die auf alte Flussarme der ehemaligen Oker zurückzuführen sind. 

Bild: Senken in der südlichen Langlinger Feldmark. Quelle: Kurhannoversche LA 1781. 


Die natürlichen Einflüsse, welche die Landschaft über Jahrhunderte geprägt hatten, wurden bei der Erschließung von Acker- und Weideland zu einer Herausforderung für die Bauern. Während im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur begrenzt neues Land erschlossen werden musste, führten technologische Entwicklungen in der Moderne zu einem Ausbau der bewirtschafteten Flächen. Landwirtschaft diente nicht mehr bloß der eigenen Versorgung. 

Ursprünglich war die Feldmark eines Dorfes das Gegenstück zur Arbeitsgemeinschaft auf dem einzelnen Hof. Während in dieser (kleinen) Einheit jeder seiner zugewiesenen Arbeit nachging, stellte die Feldmark den Zusammenschluss verschiedner Flurformen dar, die von der Dorfgemeinschaft unterhalten wurden. Dabei bestand die Feldmark aus unterschiedlichen Komponenten: Ackerland, Weideland (Wiesen), Wald, Heide und Brache. 

Vor der Verkopplung zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Flächen so angelegt, wie es die natürlichen Gegebenheiten begünstigten. Somit waren die nutzbaren Flächen nicht unbedingt durch Wege erreichbar. Das war allerdings auch nicht notwendig. War eine Fläche vom Zugangsweg abgeschnitten, so besaß der Eigentümer ein zwingendes Recht andere Flächen überqueren zu dürfen - eine frühe Form des bis heute bestehenden Rechtes auf den sogenannten "Notweg". 

Erst durch die Verkopplung entstanden große rechteckige Flächen, die nun auch jeweils durch Wege erreicht werden konnten. Die Verkopplung war ein recht komplexer Prozess, in welchem letztlich verschiedene kleine Feldflächen zu größeren zusammengeschlossen wurden (Flurbereinigung). Dabei wurden unter anderem eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt - wie etwa die Bodengüte und die Nutzbarkeit der Fläche. 

Allerdings wurden bei der Verkopplung Unebenheiten in der Fläche (Hügel / Senken) nur implizit berücksichtigt. Zunächst war dies unproblematisch, denn die Bewirtschaftung erfolgte oft noch in Handarbeit. Erst als Maschinen eingesetzt wurden stellten Unebenheiten ein Hindernis dar. Zur Ertragssteigerung mussten dementsprechend vielerorts kleinere Hügel abgetragen werden und Senken verfüllt werden. Es sollte eine möglichst grade und glatte Fläche entstehen, welche eine optimale Bewirtschaftung ermöglichte. 

Oft konnten keine großen Maschinen eingesetzt werden, da diese entweder nicht zur Verfügung standen und / oder da die Flächen so schwer erreichbar waren, dass ein Einsatz von schweren Maschinen nicht in Frage kam. So war das Einebnen der Flächen meist nur in mühsamer Handarbeit möglich. Es kamen dabei vorwiegend Schaufeln, Kleinbahnloren (Kipploren) und Pferde - als Zugmaschinen - zum Einsatz. 

Bild: Loren in der Offensener / Schwachhäuser Feldmark. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


Manchmal sprechen die älteren Leute noch davon, dass Felder und Wiesen "gelort" worden seien. Damit ist nichts anderes als die Arbeit mit den Kipplore gemeint. Seltene Aufnahmen aus dem Bereich der Ortschaften Offensen / Schwachhausen, welche in der Zeit um 1930 - 1940 entstanden sind, belegen wie die Loren zum Einsatz kamen. Offensichtlich entstanden die Bilder im Winter. Dies liegt vermutlich daran, dass sich die Tätigkeit kaum im Sommer und Frühjahr durchführen ließ, da die Flächen zu dieser Zeit bestellt werden mussten. 

Eigens für den Einsatz der Loren wurden Kleinbahnschienen verlegt. Ein Pferd zog dann einige (hier drei) der mit Sand beladenen Kipploren. 

Bild: Loren in der Offensener / Schwachhäuser Feldmark. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


In der Feldmark finden sich heute keine Spuren der Loren mehr. Die Schienen sind längst abgebaut und sonstige Hinweise sind nicht vorhanden. Nur in Erzählungen taucht die einstige Arbeit des "Lorens" gelegentlich auf. So berichtete auch E. Klingenspor aus Hohnebostel über die verschwundenen Schienenstränge in der Feldmark. Er weiß noch genau, wo die einstigen Gleise verliefen. 

Kürzlich fand ich in einem Waldstück ein vermutlich einzigartiges Relikt dieser Zeit. Um keine "Plünderer" und Schrothändler auf die Fährte zu führen, werde ich die genaue Stelle  hier nicht verraten. Es handelt sich um eine alte Kipplore, die unweit eines alten Waldweges gefunden wurde. 

Bild: Lore im Wald. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


Wie und wann die Lore in den Wald gelangte ist bislang unklar. Sicherlich war sie kaum an Ort und Stelle eingesetzt, denn die Kipplore wurden eigentlich ausschließlich auf Wiesen und Äckern eingesetzt. Die Wälder dagegen mussten nicht geebnet werden - daher finden sich hier auch noch die typischen Sanddünen. Die aufgefundene Lore scheint in gutem Zustand zu sein - einzig die markante Wanne fehlt mittlerweile. 

Bild: Lore im Wald. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


An beiden Enden besitzt die Lore Anhängevorrichtungen. An diese konnten weitere Loren, wie auf den Bildern dargestellt, angehängt werden. Allerdings unterscheidet sich die gefundene Lore bei genauem Hinsehen ein wenig von denen auf den Bildern (s.o.). Die Verstrebungen an den Kopfenden, sowie die Anhängerkupplungen sind etwas anders. 

Bild: Lore im Wald. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


Vielleicht diente die Lore einige Zeit zur Wildfütterung oder wurde aus anderen Gründen im Wald abgestellt. Einige Kilometer südlich des Waldes kamen einst gewiss solche Loren auf den Wiesen und Äckern zum Einsatz - vielleicht wurde sie zurückgelassen, weil es nach Verrichtung der Arbeit keinen Sinn hatte sie jedes Mal zu verladen und nach Hause zu schaffen. 

Bild: Lore im Wald. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


Erstaunlicherweise finden sich keine Hersteller- oder Typenbezeichnungen auf dem Metallrahmen. Solche könnten Aufschluss über das Baujahr und der Hersteller geben. Vielleicht finden sich ja noch Zeitzeugen, die etwas zu dieser Lore berichten können. 

Bild: Lore im Wald. Quelle: Archiv Hendrik Altmann. 


Wenn man heute vom "platten Land" spricht, so entstand dieses vielerorts nicht ohne menschliches Zutun. Besonders die Bodenreformen und Maßnahmen der letzten 250 Jahre schufen im Bereich eine Landschaft, die nur wenig mit den ursprünglichen Gegebenheiten gemeinsam hat. Dabei waren die Eingriffe in den Naturraum sehr unterschiedlich. Während Maßnahmen wie die Verkopplung von staatlicher Seite die Verteilung der Besitzverhältnisse umstrukturierte, fanden ebenfalls viele kleine Eingriffe statt. So wurden, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus, viele Flächen erst urbar gemacht. Für Waldrodungen und Drainagen kam dabei nicht selten der Reichsarbeitsdienst zum Einsatz. 

Aber auch im Kleinen mussten die Bauern ihre Flächen für den optimalen Einsatz von Landmaschinen nutzbar machen. Da kaum moderne Hilfsmittel wie Lastwagen und Bagger vorhanden waren behalf man sich mit Loren, welche auf Kleinbahnschinen gesetzt wurden. In Handarbeit wurden Hügel und Senken eingeebnet. Die Loren wurden dabei von Pferden gezogen. 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Landschaft wie wir sie heute kennen mehrfach ihr Gesicht gewandelt hat. Es ist aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar mit welcher Mühe und Arbeit unsere Vorfahren zur damaligen Zeit konfrontiert waren und welche unglaublichen Anstrengungen aufgenommen wurden. Vielerorts geht das "platte Land" auf diese Anstrengungen zurück...


Hendrik Altmann




Dienstag, 5. Mai 2015

Funde vom 04.05.2015



Heir die Funde von der letzten Tour. Es gab schönes Wetter, es gab schlechtes Wetter und es gab zeitweise auch beides gleichzeitig. Mit dem richtigen Equipment ist das alles natürlich kein Problem. 

Bild: Detektor im Extremzustand. Quelle: Hendrik Altmann


Bild: Ein Fund im Erdbrocken (Münze). Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Sonstige Funde. Quelle: Hendrik Altmann. 


Es kamen wieder viele tolle Dinge ans Tageslicht. Neben Münzen, Knöpfen, Schnallen und Plomben waren auch Musketenkugeln und einige umidentifizierbare Gegensände dabei. 

Bild: Münzen und Knöpfe. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Münze 24 einen Thaler - Fundzustand. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Münze 24 einen Thaler - Gereinigt. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Münze 24 einen Thaler - Gereinigt. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Unbekanntes Fundobjekt. Quelle: Hendrik Altmann. 



Die gezeigten Funde werden vorsichtig gereinigt und an den zuständigen Archäologen gemeldet. 



Mal etwas anderes gefunden - Füchse im Wald

Auf einer meiner letzten Entdeckungstouren konnte ich junge Füchse im Wald beobachten. Dank guter Kamera habe ich die Begegnung festgehalten und möchte euch diese schönen Aufnahmen nicht vorenthalten. 

In Tarnkleidung war es mir möglich auf 3-4m an die Tiere heran zu kommen. Ich habe ebenfalls einen Film aufgenommen. Dieser ist unter folgendem Link verfügbar: