f Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 16. Juli 2012

Insel Rømø (Dänemark) und Funkmessstellung Robbe I


Hallo, 

- auch im Urlaub wurden einige "Found Places" entdeckt und festgehalten. Wie vielen bekannt sein dürfte, zog sich im zweiten Weltkrieg eine Festungslinie an der Küste Frankreichs entlang. 
Diese, bei der alliierten Landung 06.06.1944 überwundene Küstenverteidigung bildete jedoch nur einen Teil des gesamten Atlantikwalls. Bunkeranlagen, Stellungen, Minen, Zäune, Panzersperren und weitere Verteidigungsanlagen zogen sich von Norwegen bis hinunter in den Südwesten Frankreichs. 

Mit der Küstenverteidigung verbunden waren auch Einrichtungen die zur Frühwarnung vor Landungstruppen und Luftangriffen dienen sollten. Es wurden unterschiedliche Radarsysteme eingesetzt - u.a. die Systeme "See-Elefant", "Würzburg Riese" bzw. "See Riese", Wassermann" und "Freya". Die folgenden Bilder zeigen den Zustand der Anlagen heute. 


Übersichtskarte

Hier einmal ein Beispiel der Anlagen. Auf diesem Satellitenbild sind sie nicht ohne weiteres erkennbar. 


Hier das gleiche Satellitenbild. Gelb verzeichnet sind Betonbunker. Darunter unter anderem der Bunker auf dem der "See-Elefant" und das "Mammut" installiert war. Rot verzeichnet sind die heute noch sichtbaren Schützengräben. Es existieren vermutlich weitere Grüben.

Übersichtskarte von Robbe I und Robbe II (Robbe I nördl. der Straße). Aus DAWA Nachrichten - Sonderband 8, Jürgen Friese. 

Dazu die folgenden Erklärungen: 

1) Blegs Bunker - Flakbunker L 409A
Unterstand mit Geschützstand ftir eine leichte (20/37 mm) Flugabwehrkanone. Der Bunker hatte einen
Maillischafts- und Munitionsraum sowie zur Eingangsverteidigung zwei Nahkampfscharten.
Der Bunker ist abgesperrt.

2) Tobruk Süd - Ringstand 58c
Dieser Ringstand diente zur Observation des Geländes. Er wurde aus ca. 23 m' Beton gebaut.
Kampfstände dieser Bauweise hat man nach der Stadt Tobruk in Libyen benannt, wo Einmannlöcher
der britischen Truppen einen betonierten Unterstand ftir die Besatzung aufwiesen. Das Prinzip
dieser Kampfstände wurde von den Deutschen adaptiert und zur Serienreife für die Massenfertigung
von Ringständen entwickelt. 

3) Freyafundament - für ein Freya-LZ
Auf dem Betonfundament stand ursprünglich ein Holzturm mit einer Kabine flir ein Funkgerät.
Später wurde dieser entfernt und ein drehbares Freya-LZ Funkrneßgerät aufgebaut.

4) Reste des gesprengten Auswerteraums des Freya-LZ
Operations- und Generatorraum flir Radargerät Freya-LZ 

5) Tropfsteinbunker - Flakbunker L 409A
Der Bunker ist abgesperrt, vom Geschützstand sind nur Reste zu erkennen. Der Bunker wurde 1991
zur Registrierung geöffnet, dabei fand man im Eingangsbereich Tropfsteine (Makkaroni-Stalaktiten),
die dem Bunker seinen heutigen Namen geben. 

6) Der Sonnenfleck - Munitionsbunker L 413
Bunker zum Lagern leichter Flakrnunition. Es wurden 370 m' Stahlbeton verbaut. Der Bunker ist abgesperrt. 

7) Der Notausgang - Zugbefehlsstelle L 470
Unterstand mit Geschützstand flir eine leichte
(20/37 mm) Flugabwehrkanone. Dieser sehr
selten vorkommende Bunkerentwurf hatte einen
Befehls-, einen Mannschafts- und einen
Munitionsraum. Der Einstieg erfolgt durch
den Notausgang. 

8) Der Kronenjäger -
Scheinw~rferbunker L 411
Unterstand flir einen 60 cm Scheinwerfer mit
einem Stahlbetonbedarf von 600 m'. Der
Bunker hat einen Mannschaftsraum, einen
Betriebsstoffraum und einen Scheinwerferunterstellraum.
Die Anlage wird auf der arrangierten
Bunkerwanderung besichtigt. Im
Mannschaftsraum ist noch eine interessante
Wandmalerei erhalten. 

9) Das Achteck - Flakbunker L 409A

10) L 485 für Fernstsuchanlage Mammut
Der größte Bunker der Stellung verschlang beim Bau 1.500 m3 Beton. In Dänemark gibt es noch drei
weitere L 485: am Blavandshuk, im Luftwaffenstützpunkt Hamborg östlich von Hanstholm sowie
eine Anlage beim Flughafen Rom, deren Existenz bislang allerdings noch nicht nachgewiesen konnte.
Der L 485 aufRoI110 wurde 1991 nochmals geöffnet, um vermessen zu werden. Der Bunker wird
auf der arrangierten Bunkerwanderung auch innen besichtigt. 

11) Der Sandhügel - Flakbunker L 409A 

12) Die Düne - Munitionsbunker L 413  

13) Gut versteckt':"- Zugbefehlsstelle mit Geschützstand L 410A
Unterstand mit Geschützstand flir eine leichte (20/37 mm) Flugabwehrkanone. Es wurden 885 m3
Beton verbaut. Der Bunker ist abgesperrt. 

14) Bunker Heidemarie - Scheinwerferbunker L 411A
Unterstand für einen 150 cm Scheinwerfer mit einem Betonbedarfvon 680 m3 . Der verschlossene
Bunker hat einen separaten Mallischaftseingang, eine Nahverteidigungsnische und einen mittlerweile
begehbaren Scheinwerferunterstellraum. 

15) Tobruk Nord - Ringstand 58c 

16) Feldmäßiger Unterstand 


Heutiger Zustand: 

Scheinwerferbunker "Heidemarie" 


MG-Stand auf dem Bunker "Heidemarie"

umgekippter Torbruk-Bunker aus der Ferne

Feldmäßiger Unterstandsbunker

 umgekippter Bunker (Torbruk)

 FLAK-Bunker


Laufgraben


Fundament 
 Noch ein Fundament

 Der "Mammut"-Bunker
MG-Scharte


Sechseckige Geschützstellung



Auf dem Podest stand ein 5 cm Geschütz.

Die Peilmarken zeigten die anderen auf der Insel befindlichen Stellungen an, um diese nicht zu treffen.




Laufgraben




Stellungsloch im Wald






Diese Stellung diente vermutlich dazu den Weg unter Kontrolle zu halten...







Zur Bunker-Tour

Trotz des eher mäßigen Wetters konnte sich die Found-Place-Kommission (meine Freundin und ich) ein Bild der Bunkeranlagen machen. Dazu ist die Bunkerführung des Naturcenters auf Römö sehr empfehlenswert! 
Mehr Infos zur Bunker-Tour hier: http://www.tonnisgaard.dk/deutsch 

Einen Überblick über die Bunker gibt es auch in diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=FvgTBw9PxrU 

Die Gruppenführerin stammte von der Insel und konnte zu vielen Aspekten Fragen beantworten. Leider war die Gruppe mit ca. 50 Leuten viel zu groß. Außerdem waren viele Kinder dabei, die natürlich nicht sehr an geschichtlichen Dingen interessiert waren. 

Trotzdem konnte man in einige Bunker hinein und ein wenig ihrer Atmosphäre erleben. Am meisten beeindruckt hat mich der "Krabbelbunker" am Ende der Tour, der nur durch einen Noteinstieg erreichbar war. In jedem Fall eine sehr empfehlenswerte Unternehmung. 


Sonstiges

Zwar haben diese beiden Bilder nichts mit den Anlagen auf Römö zu tun, aber trotzdem wollte ich sie mal einstellen. Sie stammen aus dem "Zeppelin-Museum" in Tonder. Leider hatte das Museum geschlossen...



Amerikanischer Sherman Kampfpanzer in Originallackierung.




Bis bald, 

Beste Grüße, 

S.t.a.l.k.e.r.





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Wichtiger Hinweis: 

Ich suche jederzeit Material zur Heimatgeschichte. Wenn Sie alte Fotos, Postkarten, Zeichnungen, Karten oder andere geschichtliche Dokumente besitzen und gerne etwas dazu erfahren möchten, dann bitte ich Sie mich zu kontaktieren. Alle Informationen werden mit größter Sorgfalt behandelt! 

Für Hinweise in Form von Dokumenten bin ich bereit zu zahlen! 

Bei Fragen/Anregungen/Kritik bitte ich Sie mir eine kurze Mail zu schreiben. 

Mail: found-places@live.de
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Montag, 25. Juni 2012

Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" (Hänigsen/Wathlingen)

Bild: Waldlager. Quelle: Google Earth. 



Bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg war der Reichsregierung der Nutzen von stillgelegten Bergwerken bekannt. Zum einen konnte dort auf konzentriertem Raum gefertigt werden und zum anderen boten Bergwerke Schutz gegen feindliche Aufklärung und später auch gegen feindliche Bomben.

Noch bevor die deutsche Rüstungsproduktion ganze Fabriken in unterirdische Stollen verlegte, waren deshalb besonders Kalibergwerke dazu genutzt worden, um Munition einzulagern. Im Schacht Riedel bei Hänigsen wurde so ab 1941 Munition auf 650m und 750m Tiefe eingelagert.

Ab 1944 wurden 10 Tonnen des chemischen Kampfstoffes "Excelsior", sowie 50 Tonnen seines Vorproduktes (basierend auf hochgiftigen Organo-Arsen-Verbindungen) eingelagert.
Durch die Gefahr alliierter Luftangriffe wurde die Fertigung von Kartuschen, Zündern und gefechtsfähigen Sprengköpfen nach 1942 ebenfalls gänzlich untertage verlegt.
Im April 1945 besetzten alliierte Truppen die Muna Hänigsen.

Nach dem Krieg wurde mit der Entmilitarisierung des Geländes begonnen. Zuständig dafür war die 76th Depot Control Company, welche auch die Munas Godenau und Volpriehausen geräumt hatte. Wie üblich wurde die konventionelle Munition (Sprengmunition) vor Ort in kleinen Chargen kontrolliert gesprengt. Die chemischen Kampfstoffe wurden abtransportiert und zusammen mit den Beständen anderer Lager in der Nord- und Ostsee versenkt.

Am 18.06.1946 waren 82 Männer in den unterirdischen Kammern und Stollen beschäftigt als es aus ungeklärter Ursache zu einer gewaltigen Explosion kam. Etwa 11.000 Tonnen Munition detonierten Untertage. Loren und Anlagenbestandteile flogen mehrere hundert Meter aus dem Schacht heraus. Der Förderturm kippte um. Keiner der Männer überlebte. 1948 wurden die betroffenen Bereiche, die noch immer munitionsverseucht waren, verschlossen. Bis 1950 wurden weitere Räumungsmaßnahmen durchgeführt, um den Betrieb durch die "Kali und Salz AG" wieder aufnehmen zu können.

Dennoch sind bis heute große Mengen der Kampfstoffe noch nicht geborgen.

Ansichten früher: 














Ansichten heute: 

Eingangstor des Lagers mit originalem Wächterhäuschen. 


Fertigungsgebäude, links I, schräg


Fertigungsgebäude, links I, frontal


Fertigungsgebäude, links I, seitlich


Fertigungsgebäude, links II, frontal


Das gesamte Gelände ist umzäunt. Löcher im Zaun sind akribisch ausgebessert - es word also gut auf das Objekt aufgepasst...


Zugtrasse in Richtung Hänigsen.


Zugtrasse in Richtung Wathlingen. 


Gebäudeteile im Südosten der Anlage.


Gebäudeteile im Südwesten (gleiche Bauart wie im Nordwesten).


Gebäude im Südosten - frontal.


Gebäude im Südosten.


Hier noch eine Berichterstattung zu dem Unglück auf NDR: