f Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" (Hänigsen/Wathlingen) ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 25. Juni 2012

Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" (Hänigsen/Wathlingen)

Bild: Waldlager. Quelle: Google Earth. 



Bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg war der Reichsregierung der Nutzen von stillgelegten Bergwerken bekannt. Zum einen konnte dort auf konzentriertem Raum gefertigt werden und zum anderen boten Bergwerke Schutz gegen feindliche Aufklärung und später auch gegen feindliche Bomben.

Noch bevor die deutsche Rüstungsproduktion ganze Fabriken in unterirdische Stollen verlegte, waren deshalb besonders Kalibergwerke dazu genutzt worden, um Munition einzulagern. Im Schacht Riedel bei Hänigsen wurde so ab 1941 Munition auf 650m und 750m Tiefe eingelagert.

Ab 1944 wurden 10 Tonnen des chemischen Kampfstoffes "Excelsior", sowie 50 Tonnen seines Vorproduktes (basierend auf hochgiftigen Organo-Arsen-Verbindungen) eingelagert.
Durch die Gefahr alliierter Luftangriffe wurde die Fertigung von Kartuschen, Zündern und gefechtsfähigen Sprengköpfen nach 1942 ebenfalls gänzlich untertage verlegt.
Im April 1945 besetzten alliierte Truppen die Muna Hänigsen.

Nach dem Krieg wurde mit der Entmilitarisierung des Geländes begonnen. Zuständig dafür war die 76th Depot Control Company, welche auch die Munas Godenau und Volpriehausen geräumt hatte. Wie üblich wurde die konventionelle Munition (Sprengmunition) vor Ort in kleinen Chargen kontrolliert gesprengt. Die chemischen Kampfstoffe wurden abtransportiert und zusammen mit den Beständen anderer Lager in der Nord- und Ostsee versenkt.

Am 18.06.1946 waren 82 Männer in den unterirdischen Kammern und Stollen beschäftigt als es aus ungeklärter Ursache zu einer gewaltigen Explosion kam. Etwa 11.000 Tonnen Munition detonierten Untertage. Loren und Anlagenbestandteile flogen mehrere hundert Meter aus dem Schacht heraus. Der Förderturm kippte um. Keiner der Männer überlebte. 1948 wurden die betroffenen Bereiche, die noch immer munitionsverseucht waren, verschlossen. Bis 1950 wurden weitere Räumungsmaßnahmen durchgeführt, um den Betrieb durch die "Kali und Salz AG" wieder aufnehmen zu können.

Dennoch sind bis heute große Mengen der Kampfstoffe noch nicht geborgen.

Ansichten früher: 














Ansichten heute: 

Eingangstor des Lagers mit originalem Wächterhäuschen. 


Fertigungsgebäude, links I, schräg


Fertigungsgebäude, links I, frontal


Fertigungsgebäude, links I, seitlich


Fertigungsgebäude, links II, frontal


Das gesamte Gelände ist umzäunt. Löcher im Zaun sind akribisch ausgebessert - es word also gut auf das Objekt aufgepasst...


Zugtrasse in Richtung Hänigsen.


Zugtrasse in Richtung Wathlingen. 


Gebäudeteile im Südosten der Anlage.


Gebäudeteile im Südwesten (gleiche Bauart wie im Nordwesten).


Gebäude im Südosten - frontal.


Gebäude im Südosten.


Hier noch eine Berichterstattung zu dem Unglück auf NDR:





Reaktionen:

1 Kommentar:

  1. Oh ja...ich würde das Gelände auch einmal sehr gerne betreten (auch mit Aufseher o.ä.) aber laut Aussagen einiger meiner Hänigser Mitbewohner gestaltet sich dies wohl sehr sehr schwierig. Sogenannte "Patrouillen" (man wird schon sehr genau angeguckt wenn man sich dahinten OHNE Hund rumtreibt)sind mir hin- und wieder auch schon aufgefallen da ich dort hinten im Wald gerne mal mit meinem Hund laufe...

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