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Mittwoch, 25. Februar 2026

Bombensuche am Celler Bahnhof

Bild: NARA, 342-FH-3A21066-B59502AC, Hqs., 15th AAF photo tech. Unit, APO 696. Use: Unrestricted.

Bekanntermaßen wurde Celle am 8. April 1945 durch einen alliierten Luftangriff getroffen. Dieser richtete sich schwerpunktmäßig auf den Bereich des Güterbahnhofs. Allerdings waren auch dessen Umgebungen betroffen. Das Ereignis wirkt sich bis in die heutige Zeit aus. 

Kürzlich berichtete die Cellesche Zeitung über die Suche nach Kampfmitteln im Bereich des Celler Bahnhofs (08.09.202512.09.2025, 25.02.2026). Anlass sind die geplanten Bauarbeiten im Bereich des Gleistrogs. Dieser ist offenbar undicht geworden – es tropft gelegentlich in die Gleisunterführung. 

Die historischen Hintergründe des Luftangriffs am 8. April 1945 wurden bereits mehrfach in diesem Blog thematisiert. An jenem Tag wurden die Celler Bahnanlagen zwischen 18:10 Uhr und 19:15 Uhr durch mehrere aufeinanderfolgende Angriffswellen verschiedener Bomb Groups der USAAF schwer getroffen. Mindestens 80 Flugzeuge des Typs B-26 „Marauder“ (dt.: „Plünderer“) warfen ca. 360 Minen- und Sprengbomben ab. An dem Angriff waren die 322., die 344. Sowie 391. Bomb Group beteiligt. Die Auswirkungen des Angriffs wurden später in Karten dokumentiert. 

Mittlerweile konnte anhand der Planungsunterlagen, die der Vorbereitung des Luftangriffs am 8. April 1945 zugrunde lagen, geklärt werden, dass das Angriffsziel an jenem Tag nicht der Celler Personenbahnhof war. Dies wurde lange vermutet – Dokumentenfunde in den US Archiven belegen jedoch, dass sich die meisten Ziele für den Angriff im Bereich des Güterbahnhofs befanden.

Die Field Order No. 839 & 840 des Headquarters der 9. Bombardement Division belegt für die jeweiligen Bomb Groups die erfolgreiche Bombardierung der Celler Bahnanlagen. Lediglich einzelne Staffeln konnten die Ziele am Boden aufgrund der bereits eingetretenen erheblichen Rauchentwicklung nicht genau treffen.

Im Zuge der Auswertung des Luftangriffs wurden zu verschiedenen Zeitpunkten mehrfach Luftaufnahmen erstellt. Der Schwerpunkt des Angriffs konzentrierte sich auf die Gegend des Güterbahnhofs. Erhebliche Teile der angeworfenen Bomben trafen auch den Bereich der Unterführung der Straße Heese. Ein weiteres Bombencluster ging im Bereich der Unterführung der Bahnhofsstraße nieder – dieses erstreckte sich bis in die Fuhseaue in Richtung des ehemaligen Gaswerks. Auch die Bahnhofsstraße wurde unmittelbar im Bereich des südlichen Personenbahnhofs getroffen.

Der Bereich der Gleisanlagen nördlich der Unterführung in der Bahnhofsstraße weist auf verschiedenen Luftaufnahmen des 10. und 11. April 1945 dagegen keine größeren Ansammlungen von Bombentrichtern auf. Die Bahnbrücke über die Aller wurde nicht durch Fliegerbomben zerstört, sondern durch eine gezielte Sprengung. Auf diese Weise sollte den britischen Truppen bei Kriegsende ein Vorrücken auf das nördliche Allerufer erschwert werden.

Die Beschädigungen durch die Bombardierung am 8. April 1945 sind u.a. auf einem Schrägflugbild zu erkennen, das nach Kriegsende aufgenommen wurde. Der nördliche Teil der Gleisanlagen und die Bahnsteige im Bahnhofsbereich sehen weitestgehend unbeschädigt aus. 

Allerdings: herabstürzende Bomben, die beim Aufprall nicht detonierten, konnten mehrere Meter ins Erdreich eindringen. Da sie nicht explodierten, hinterließen sie keinen auffälligen Krater. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich die kürzlich im Bereich des Celler Bahnhofs untersuchten Stellen tatsächlich als Kampfmittelfunde herausstellen. 

H. Altmann

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Stand: 25.02.2026


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