f Heimatforschung im Landkreis Celle

Sonntag, 29. April 2018

Die Schlafmittelfabrik bei Schelploh


Die Heide wurde einst als karge, eintönige und menschenleere Gegend wahrgenommen. Wenig ertragreiche Böden und - sofern vorhanden - meist ausschließlich landwirtschaftliche Nutzung prägten diesen unwirtlichen Naturraum. Kein Ort also, den man mit Industrieansiedlung und Gewerbe in Verbindung bringen würde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen diese Voraussetzungen einem namenhaften Chemie- und Pharmaunternehmen jedoch gerade recht...    

Die nachfolgende Geschichte beginnt in einiger Distanz zum Landkreis Celle. Im Jahr 1863 gründete Friedrich Bayer die ursprüngliche Firma "Friedr. Bayer et comp." in Barmen (Wuppertal). Als diese nach seinem Tod im Jahr 1881 von seinem Sohn unter der Firma "Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co." fortgeführt wurden, liefen bereits Versuche, die bisherige Produktpalette zu erweitern. 

Bereits unter Regie des Apothekers und Chemikers Eugen Baumann (1846-1896) und des Mediziners Alfred Kast (1856-1920) kam es zur Entdeckung der hypnotischen, d.h. schlaferzeugenden, Wirkung der sogenannten Sulfone. Es entwickelten sich hieraus Hypnotika, die als erste synthetische Arzneistoffe dieser Art galten. Die Innovation fand rasch Abnehmer - die Zeit zum ausgehenden 19. Jahrhunderts brachte durch veränderte Arbeitsweisen und den allgemeinen industriellen Aufbruch eine Fülle neuer Behandlungsbereiche mit sich. Insbesondere geistig arbeitende Menschen galten als anfällig für nervliche Erschöpfung, Gereiztheit sowie fiktionale Organstörungen. Aus medizinischer Sicht war auch von einem "Zeitalter der Nervosität" die Rede. 

Bild: Etikett von Sulfonal nach 1912. 

Ohne auf die chemischen Prozesse einzugehen, ist für das Verständnis der weiteren Zusammenhänge zu erwähnen, dass die Synthese von Sulfonen nach Eugen Baumann durch die Reaktion von Ketonen und Mercaptol erfolgte. Für die Synthese der Sulfone war zudem Ethylmercaptan, eine Verbindung aus der organ-chemischen Gruppe der Thiole erforderlich. Mercaptane weisen als Vertreter der Schwefelchemie einen besonders widerwärtigen Geruch auf, sind neurotisch sowie umweltgefährdend. 

Zunächst wurde die Produktion des Schlafmittels am Ursprungsstandort des Unternehmens, in Barmen an der Wupper, aufgenommen. Bald jedoch schon häuften sich die Beschwerden der Bürger aufgrund des "furchtbaren Katzengeruchs". Man versuchte daraufhin, die Geruchsbelästigung durch eine Reinigung der Abluft mittels Natronlauge zu erreichen. Diese band die Geruchsstoffe und wurde mitsamt diesen ungeklärt in die Wupper eingeleitet. 

Weiter flussabwärts befand sich allerdings noch die Farbenproduktion, deren wiederum säurehaltigen Abwässer sich in den Fluss ergossen. Die Wirkungen neutralisierten sich, sodass das gebundene Mercaptan inklusive dem gräßlichen gestand wieder frei wurde.  

Bild: Werbeanzeige von Sulfonal um 1890. Pharmazeutische Rundschau. 

Eine Verlagerung der Produktion in das benachbarte Haan verlief ergebnislos - auch hier regte sich schon bald Protest wegen des anhaltenden Gestanks der chemischen Produktion. Angeblich nahm vor Ort sogar der Honig den widerwärtigen Mercaptan-Gestank an. 

Bayer sah sich offenbar in einer Zwickmühle - einerseits sah man den Bedarf am neuen synthetischen Schlafmittel Sulfonal. Andererseits war die Produktion in den eng besiedelten Gebieten des Stammsitzes nicht langfristig gesichtet, da sich bereits Bürgerbewegungen gegen die Aufrechterhaltung der Abläufe formierten. In dieser Lage sah man sich nach einem möglichst wenig besiedelten Landstrich um, der trotzdem verkehrstechnisch noch einigermaßen günstig erreichbar war. 

Vor diesem Hintergrund geriet die Heidelandschaft um Schelploh in den Fokus. Durch die Nähe an die heutige Bundesstraße B 191 und die vorhandene Bahnstation in Eschede wurden die Voraussetzungen an die Infrastruktur erfüllt. Richter war jedoch das Vorhandensein eines Wasserzulaufs, da die chemische Produktion auf erhebliche Mengen an Frischwasser angewiesen war. Die Lutter bot hier beste Bedingungen zu Ansiedlung eines Werks. 

Bild: Werbeanzeige von Sulfonal um 1890. New Yorker Medizinische Monatsschrift. 

In Schelploh hatte es von alters her einen Einzelhof gegeben. Der vorletzte Hoferbe Johann Ernst Wilhelm Becker hatte diesen im Jahr 1868 übernommen. In den ersten Jahren lief die Wirtschaft offenbar noch recht gut. Misswirtschaft und äußere Markteinflüsse führten schließlich jedoch zu einem Niedergang des bäuerlichen Betriebs. Becker versuchte dies durch die Errichtung eines Sägewerks auszugleichen. 

Um 1890 übergab Johann Ernst Wilhelm Becker den maroden Hof an seinen ältesten Sohn Ernst Friedrich Wilhelm Becker. Zu dieser Zeit war das Gelände des ehemaligen Sägewerks bereits an Bayer verpachtet. Becker verkaufte es nun - vermutlich aus Geldnot - an die Firma. Den Rest seines Besitzes erhielt sein Bruder, der diesen jedoch bereits kurz nach der Jahrhundertwende an den Hamburger Großkaufmann Blumenfeld veräußerte. Blumenfeld ließ sich in der Einöde ein imposantes Landhaus im Stil des Hamburger Stadtteils Harvestehude errichten. 

Der im Jahr 1882 zum Bayer-Vorstand bestellte Henry Theodore Göttinger hatte bereits am 21.07.1888 einen Pacht- und Nutzungsvertrag mit Becker unterschrieben. Der vorhandene Anlagenbestand des Sägewerks konnte übernommen werden. 

Bild: das Werk Schelploh in der Anfangszeit - der massive Schornstein war noch nicht errichtet. Das Bild müsste die Fabrik aus Süden zeigen. Die Lutter befände sich zur Rechten. Quelle: Abfotografiert von der Infotafel vor Ort. 

Zwar verfügte Bayer nun über einen Fertigungsstandort für die Sulfonal- bzw. Mercaptanproduktion. Die erforderliche Konzession lag jedoch noch nicht vor. Böttinger meldete daher zunächst ein Versuchslaboratorium beim Landratsamt in Celle an - am 01.11.1888 folgte dann die Erteilung der eigentlichen Konzession. So konnte die Produktion bereits im Spätsommer des Jahres 1888 anlaufen. 

Da die schwefelhaltigen Substanzen neben ihrem Gestank den Nachteil aufwiesen leicht entzündlich zu sein, durfte in der Fabrik nicht geraucht werden - auch war es verboten Zündhölzer mit sich zu führen. Es wurde darüber hinaus Wert auf absolute Sauberkeit gelegt - die Arbeiter mussten mindestens einmal pro Woche baden. 

Bild: Lage der Schlafmittelfabrik Schelploh. Quelle: Karte des deutschen Reichs, 1904. 

Bei der Produktion fielen reichlich Schadstoffe an. Diese ließ man zunächst planmäßig versickern, bzw. leitete sie in die Lutter ab. Doch es waren nicht primär die umweltgefährdenden Chemikalien, die schon bald Proteste in der Bevölkerung hervorriefen. 

Bereits ein halbes Jahr nach Aufnahme der Produktion wandte sich der Ortsvorsteher des  in rund 6 km Luftlinie entfernten Blickwedel an die königliche Regierung in Lüneburg. Die Fabrik bereite - bei entsprechender Windrichtung - einen solchen Gestank, dass es nicht auszuhalten sei, schrieb H. Hoyer in seiner Stellung als Ortsvorsteher. 

Die Ortsvorsteher der umliegenden Ortschaften bestätigten diese Aussage auf Nachfrage des Landrats. Ein Ortstermin am 22.07.1889 verlief durchaus positiv für Bayer. Die Beschwerden konnten offenbar durch Ankündigung neuer Verfahren zur Gasbeseitigung entkräftet werden. 

Bild: Werk Schelploh in der Anfangszeit. Quelle: Abfotografiert von der Infotafel vor Ort. 

Doch schon am 27.07.1889 trafen weitere Beschwerden ein. Rittergutsbesitzer von Abercron auf Testorff und Jagdpächter nahe Schelploh beschwerte sich, dass der in offenen Gruben gelagerte Unrat der Fabrikation einen massiven Gestank verbreitete. 

Bayer versuchte die eingehenden Beschwerden durch Spendenzahlungen an die umliegenden Gemeinden einzudämmen. Dies gelang scheinbar auch fürs Erste, auch wenn von Einzelpersonen weitere Beschwerden vorgebracht wurden, die jedoch offenbar nicht auf politischen Handlungswillen trafen. Zumindest konnte die Firma bis 1900 ohne Zwischenfälle produzieren. 

Erst als der Celler Landrat wechselte wurde eine weitere Untersuchung möglich. Der neue Landrat nahm die Beschwerden der Ortsvorsteher umliegender Ortschaften ernst und ordnete schließlich eine Untersuchung der Geruchsbelästigung durch berittene Gendarmen an. Diese vermeldeten schließlich, dass in Marwede und Unterlüß Gerüche der Fabrik wahrnehmbar gewesen seien und benannten die dortigen Ortsvorsteher als Zeugen. Hieraufhin wurde Landrat Dietrich von Harlem tätig und verlangte die sofortige Beendigung der Geruchsbeeinträchtigung - unter Androhung von Zwangsmaßnahmen. Bayer tauschte im Jahr 1902 den Betriebsleiter aus und versprach Besserung. 

Bild: Werk Schelploh - Kesselhaus. Quelle: Abfotografiert von der Infotafel vor Ort. 

In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1904 entwickelte sich ein schwerer Brand in der Fabrik - ausgelöst durch einen Kurzschluss. Fast alle Gebäude brannten aus - nur der inzwischen gemauerte Schornstein sowie einige abseits stehende Gebäude überstanden das Feuer. 

Von Bayer wurde nun ein Wiederaufbau geprüft. Allerdings hatten sich die Voraussetzungen seit 1888 wesentlich geändert - neue Verfahren hatten in der chemischen Industrie Einzug gehalten. So war insbesondere die Verbrennung der entstehenden Abgase in abgeschlossenen Räumen möglich, sodass bei deren Austritt nahezu gar keine Geruchsbelästigung mehr entstand. Bayer hatte in Leverkusen ein großes Industriezentrum geschaffen. Da man die Fertigung aller Produkte bündeln wollte, wurde nun auch die Mercaptanherstellung an den neuen Standort umgesiedelt. 

Bei den Überlegungen zur Verlagerung des Standorts - weg aus Schelploh - werden sicherlich auch die fortwährenden Proteste der umliegenden Ortsvorsteher und Bürger ihren Beitrag geleistet haben. Diese bedrohten langfristig des reibungslosen Ablauf im Werk Schelploh - offenbar wollte die Firmenleitung diesen Unsicherheitsfaktor ausschließen. 

Bild: Werk Schelploh - ausgebranntes Kesselhaus. Quelle: Abfotografiert von der Infotafel vor Ort.

Nach der Verlegung des Werks nach Leverkusen blieben in Schelploh nur einige Gebäudereste und der hohe Fabrikschornstein erhalten, der die umliegenden Wälder überragte. 

Der Großkaufmann Blumenfeld, der in Schelploh seine Residenz errichtet hatte, erhielt schließlich von Bayer die Erlaubnis den Schornstein aus ästhetischen Gründen sprengen zu lassen. Bereits am 04.03.1907 erfolgte die planmäßige Sprengung im Rahmen einer Übung einer Hamburg-Harburger Pioniereinheit. Die noch verbliebenen Gebäude blieben noch längere Zeit stehen, bis sie in den 30er Jahren durch Bayer zum Abbruch freigegeben wurden. 

Heute erinnern vor Ort nur noch wenige Überbleibsel an die Zeit der ehemaligen Schlafmittelfabrik. Bei genauem Hinsehen und unter Auswertung historischer Karten konnten allerdings einige interessante Beobachtungen gemacht werden. So zeigt beispielsweise das Preußische Messtischblatt von 1899 die Lage der einstigen Fabrikanlagen im Wald bei Schelploh. 


Bild: Lage der Schlafmittelfabrik Schelploh. Quelle: Preußisches Messtischblatt, 1899.  

Die Fabrik befand sich in unmittelbarer Nähe zur Lutter. Im nördlichen Bereich befand sich offenbar ein aufgestautes Becken mit einem Zufluss zum Bachlauf. Im südlichen Bereich befanden sich die Fertigungsgebäude. 

Anhand der Karten, der historischen Fotografien sowie der Beobachtungen im Gelände  lässt sich die ungefähre Lage der Fabrik im aktuellen Satellitenbild annäherungsweise darstellen. 

Bild: Lage der Schlafmittelfabrik Schelploh. Quelle: Google Earth, H. Altmann.  

Im Gelände lassen sich bei genauem Hinsehen durchaus noch Spuren der einstigen Schlafmittelfabrik finden. Der Platz an dem sich die Fabrik früher befand ist heute noch als Waldlichtung erkennbar. Von alten Eichen gesäumt liegt die Lichtung recht verlassen am Rand der Lutter. 

Bild: Lichtung bei Schelploh - einstiger Fabrikstandort. Quelle: H. Altmann.

Längst haben Fichten das ehemalige Fabrikgelände in Beschlag genommen. Nur aufmerksame Beobachter erkennen daher die noch verbliebenen Spuren der alten Schlafmittelfabrik. Mauerreste und ungewöhnliche Erdhügel zeigen die Lage an. Im Bereich der heutigen Wege ist jedoch kaum noch etwas von damals zu sehen... 

Bild: Lichtung bei Schelploh - einstiger Fabrikstandort. Quelle: H. Altmann.

Im Bereich des einstigen Kesselhauses sind noch massive Mauern - teilweise gemauert aus Backstein - zu erkennen. Von hier führte ein Ablaufgraben zur Lutter. Eine kleine Staumauer im Graben ist ebenfalls noch zu erkennen. 

Im Rahmen des Projekts "Magische Orte in der Südheide" wurde an dieser Stelle das Werk "Feierabend" von Edel Klatt installiert. Die Badewanne soll in Anlehnung an das damals den Arbeitern auferlegte Baderitual an die historischen Zusammenhände erinnern. 

Bild: Ehem. Standort des Kesselhauses mit Kunstinstallation. Quelle: H. Altmann.

Bild: Ehem. Standort des Kesselhauses mit Kunstinstallation. Quelle: H. Altmann.

Bild: Ehem. Standort des Kesselhauses. Quelle: H. Altmann.

Bild: Ehem. Standort des Kesselhauses. Quelle: H. Altmann.

Bild: Ablauf vom einstigen Kesselhaus in Richtung Lutter. Quelle: H. Altmann.

Die Lutter - heute Naturschutzgebiet - diente damals als Ablauf für die hochgiftigen Rückstände der chemischen Produktion. Glücklicherweise hat die Landschaft durch diese Einflüsse keinen nachhaltigen Schaden genommen... 

Bild: Lutter - kurz hinter der Einmündung des ehemaligen Ablaufs. Quelle: H. Altmann.

Nördlich des einstigen Kesselhauses sind heute noch einige auffällige Erdaufwertungen im Wald erkennbar. In diesem Bereich befanden sich ebenfalls Anlagen der damaligen Fabrikation. Mittlerweile hat die Natur das Areal vollständig zurückerobert. 

Bild: Erdhügel - Reste des Fabrikgeländes. Quelle: H. Altmann.

Oberhalb der Waldlichtung sind ebenfalls noch Relikte der Fabrik zu erkennen. So finden sich beispielsweise einige Stufen eines alten Treppenabsatzes unweit der Lichtung. Diese deuten darauf hin, dass hier einst ebenfalls ein Mehrgeschossiges Gebäude gestanden haben muss. 

Bild: Treppenabsatz im Bereich des einstigen Fabrikgeländes. Quelle: H. Altmann.

Außer Stein- und Betonresten sind noch weitere oberirdische Spuren zu erkennen, sofern man genau hinschaut. Es finden sich überall Scherben von Porzellan, Dachsteinen und Metall. Auch alte Gebrauchsgegenstände liegen teilweise - wenn auch stark verrostet - umher. 

Bild: Teil einer alten Lampe. Quelle: H. Altmann.

Bild: alte Beschläge. Quelle: H. Altmann.

Heute finden sich im Bereich der einstigen Schlafmittelfabrik einige Installationen verschiedener Künstler. Diese wurden im Rahmen des Projekts "Magische Orte in der Südheide" umgesetzt und mit entsprechenden Informationstafeln ausgestattet. 

Bild: Installation von Hildegard Mahn. Quelle: H. Altmann.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Schlafmittelfabrik bei Schelploh ein gutes Beispiel für die Anfänge der chemischen Industrie im 19. Jahrhundert ist. Es dauerte eine Zeit, bis die Belange von Mensch und Umwelt entsprechende Relevanz entfalteten. 

Heute erinnern nur noch wenige Relikte vor Ort an die einstige Schlafmittelfabrik. Damit die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten wurde der alte Fabrikstandort Teil des Projekts "Magische Orte in der Südheide". Auf diese Weise können Wanderer und Radfahrer die Historie der alten Fabrik nachvollziehen - meines Erachtens ein sehr fortschrittlicher Umgang mit der Regionalgeschichte! Vielleicht plant ja der ein oder andere diesen Ort auf der nächsten Fahrradtour ein... 

H. Altmann


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Weitere Informationen / Quellen: 




Umfassender Überblick der historischen Zusammenhänge von Kurt W. Seebo: 





Montag, 23. April 2018

Das Funkfeuer Marie bei Lutterloh



Vermutlich ahnen die wenigsten, die an den unauffälligen Wohngebäuden  vorbeifahren, dass sich hier - zwischen Unterlüß und Hermannsburg - einst eine Funkstation befunden hat, die im Zweiten Weltkrieg in die Bodenorganisation der Nachtjagd eingebunden war. Im nachfolgenden Beitrag werden die bislang vorliegenden Informationen kurz zusammengefasst. 

Folgt man der Hermannsburger Landstraße aus Unterlüß kommend in Richtung Hermannsburg, erreicht man nach rund 2,5 km den Ort Neulutterloh. Ein paar hundert Meter weiter - etwa in Höhe des Schillohsberg befinden sich unauffällige Wohngebäude in rechts der Straße. Einheimische kennen den Hintergrund dieser Baulichkeiten - früher befand sich darin angeblich eine alte Funkstation. 

Tatsächlich befand sich in den weiten der Heide zwischen Hermannsburg und Unterlüß zu Kriegszeiten ein schweres Funkfeuer mit einer Frequenz von 298 Kilohertz (kHz). Die Funkstation, die in die Nachrichtentruppe eingegliedert war, diente unter anderem, um mobilen Einheiten mittels des von ihr ausgesendeten Signals die entsprechende Peilung bzw. Richtung anzuzeigen und somit als Orientierungspunkt. 

Die Bedeutung der Funkstation reichte in den letzten Kriegsmonaten sogar noch weiter. Beispielsweise belegt eine historische Karte der "Bodenorganisation Großraum Nachtjagd" (Luftflotte Reich) aus dem August 1944, dass sich bei Lutterloh das schwere Funkfeuer mit dem Decknamen "Marie" befand. 

Bild: Ausschnitt Bodenorganisation Nachtjagd. 

Durch die ständige Bedrohung alliierter Luftangriffe wurden während des Zweiten Weltkriegs ständig neue Verteidigungstaktiken erprobt. Da insbesondere die britischen Bomberverbände dazu übergingen ihre Angriffe im Schutz der Dunkelheit zu fliegen, galt es entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. 

Vor diesem Hintergrund entwickelten sich verschiedene Strategien zur sogenannten Nachtjagd. Dabei kamen zunächst einmotorige Maschinen zum Einsatz, die sich lediglich nach Sicht orientieren konnten. Flakscheinwerfer, das Gegenlicht brennender Städte und Leuchtspurmunition lieferten die einzigen Lichtquellen am Nachthimmel. 


Bild: Zeichenerklärung - Funkstation, Funkstelle, Funkturm; Quelle: Kartenfibel, D. Luft, Januar 1941.

Durch den Einsatz von Radartechnik konnte die Luftverteidigung maßgeblich verbessert werden. Unter dem Einsatz verschiedener Funkmessgeräte etablierte sich die Nachtjagd als äußerst effektive Maßnahme gegen nächtliche Bomberangriffe. Dabei kamen insbesondere Flugzeuge vom Typ Ju-88 zum Einsatz - ausgestattet mit modernster Radiotechnik, die eine Ortung gegnerischer Luftverbände ermöglichte. 

Das Funkfeuer "Marie" bei Lutterloh diente den deutschen Nachtjagdverbänden insbesondere zur Orientierung. Inwiefern Aufklärung vor Ort möglich war, ließ sich bislang nicht abschließend klären. 

Interessant ist, dass zeitgenössische Karten den Standort des Funkfeuers nicht ausweisen, während anderweitige Bauten, die zeitgleich entstanden sind, verzeichnet worden sind. 

Bild: Standort Funkfeuer "Marie"; War Office Map 1945. 

Von der einstigen Funkstation ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Sie befindet sich nördlich der Straße zwischen Lutterloh und Neulutterloh und verfügt über eine Bushaltestelle. 

Bild: Standort Funkfeuer "Marie"; Quelle: Google Earth. 

Der ursprüngliche Funkmast aus Holz hat sich nicht erhalten. Lediglich die Gebäude der ehemaligen Funkeinrichtung weisen noch auf die Historie hin. Heute werden sie als Wohngebäude genutzt. Die ursprüngliche Zweckbestimmung lässt sich heute kaum noch erkennen. 

Bild: Funkstation Lutterloh; Quelle: Hendrik Altmann. 

Es konnte noch nicht geklärt werden, welche Einheiten genau vor Ort stationiert waren. Nach Aussagen ansässiger Bewohner existierten bis Kriegsende noch weitere Gebäude, die zur Unterbringung der technischen Anlagen dienten. Diese wurden allerdings bei Ende des Krieges gesprengt - durch wen ließ sich bisher nicht in Erfahrung bringen. 

Bild: Funkstation Lutterloh; Quelle: Hendrik Altmann. 

Die Gebäude weisen äußerlich fast keine Spuren der ursprünglichen Verwendung mehr auf. Lediglich an einer Giebelseite hat sich eine Einfassung eines einstigen Wappens erhalten. Dieses ist natürlich nicht mehr vorhanden - die Umrisse deuten allerdings noch darauf hin, dass hier frühe das Emblem der Funkeinheit installiert war. 

Bild: Funkstation Lutterloh; Quelle: Hendrik Altmann. 

Insgesamt zeugen die Baulichkeiten von der Zeit des Funkfeuers "Marie". Treppenabgänge und Gelände stammen noch aus dieser Zeit. Auch die Nebengebäude, wie z.B. angrenzende Schuppen, sind noch erkennbar im Originalzustand erhalten geblieben. 

Bild: Funkstation Lutterloh, Treppengeländer; Quelle: Hendrik Altmann. 

Der Bereich der einstigen Fundanlage befindet sich heute in Privatbesitz - ein Betreten ist daher nur mit der Einwilligung der aktuellen Besitzer möglich. Bis auf einige Zaunfragmente ist nicht mehr viel zu sehen vom einstigen Funkfeuer "Marie"...

Bild: Funkstation Lutterloh, Zaun; Quelle: Hendrik Altmann. 

Bei der Funkstation Lutterloh handelt es sich somit um eine weitere militärische Einrichtung im Raum Celle, die heute vielen unbekannt sein dürfte. Die Tatsache, dass das Funkfeuer in die Bodenorganisation der Nachtjagd eingebunden war zeigt, die Relevanz der Anlage. 

Auch wenn die Innovationen im Bereich der Funktechnik für die damalige Zeit bahnbrechend waren, konnten sie die Luftangriffe durch die alliierten Bomberverbände nicht stoppen. Insbesondere im Rahmen der Operation Gomorrha, die zur Zerstörung großer Teile der Stadt Hamburg führte, setzten die Alliierten auf gezielte Maßnahmen, um den deutschen Funkverkehr sowie die Ortungsmöglichkeiten einzuschränken. Hierbei kamen insbesondere sogenannte Düppel zum Einsatz - Metallfasern, die ebenfalls per Flugzeug abgeworfen wurden und die den Funkeinsatz behinderten. 

Die Funkanlage bei Lutterloh wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs Eigentum des Bundesvermögensamts und wurde später zu zivilen Wohnzwecken umgenutzt. 

Über weitere Hinweise zu dieser Einrichtung würde ich mich sehr freuen: 

Gerne per Mail an: found-places@live.de 


H. Altmann



Mittwoch, 7. Februar 2018

Das ehemalige KZ-Außenlager Tannenberg bei Unterlüß



Dieser Beitrag wurde am 16.12.2019 durch einen Nachtrag (s.u.) ergänzt. 

"Jetzt will ich versuchen wieder ein bisschen Mensch zu werden und mich dann über meine Zukunft entscheiden..." 


F. Eisenstätter am 25. Juli 1945 im Heim des Landeskomitees für Deportiertenfürsorge in Budapest, Überlebende des KZ-Außenlagers "Tannenberg" bei Altensothrieth, Unterlüß im Landkreis Celle. 

Die Geschichte eines KZ-Außenlagers bei Unterlüß im Landkreis Celle...

Im Raum Celle gab es zwischen 1933 und 1945 eine erhebliche Anzahl von Rüstungsbetrieben.  Insbesondere handelte es sich hierbei um Einrichtungen zur Herstellung und Befüllung von Munition. Die Gründe für die hohe Dichte von Rüstungsbetrieben fußten unter anderem auf den geografischen und politischen Standortfaktoren. Die Verfügbarkeit günstiger Flächen, das Vorhandensein von militärischen Einrichtungen in der näheren Umgebung und der politische Rückhalt in der Bevölkerung trugen zur Ansiedlung entsprechender Rüstungsbetriebe bei.[1]

Da viele Tätigkeiten von Hand zu verrichten waren, kamen in der Rüstungsproduktion vielerorts Zwangsarbeiter zum Einsatz, die in entsprechenden Lagern untergebracht wurden. Die Hintergründe dieser Lagereinrichtungen sind mittlerweile bereits weitgehend erforscht worden.[2]

Das Lager Tannenberg...

Einen Sonderfall stellt das sogenannte Lager "Tannenberg" bei Unterlüß dar. In diesem waren jüdische Frauen inhaftiert, die aus dem KZ Auschwitz zum Arbeitseinsatz nach Norddeutschland gebracht worden waren. Zwar liegen heute einige Quellen zu diesem Lager vor - vor Ort weisen jedoch nur noch ein paar moosbewachsene Mauerreste, Gräben und Fundamente auf die Existenz der Einrichtung hin. 


Kein Schild und keine Gedenktafel erinnert heute somit an das Schicksal hunderter Häftlinge, die bis unmittelbar vor Kriegsende unweit heutiger Wanderwege im KZ-Außenlager Tannenberg eingesperrt waren. Ziel dieses Beitrags ist es, anhand des vorliegenden Quellenmaterials, die Zusammenhänge des Lagers Tannenberg bei Unterlüß darzulegen. 

Sofern es zu diesem Thema weitere Ergänzungen / Hinweise geben sollte, würde ich mich  sehr freuen, wenn diese an die folgende E-Mail-Adresse gerichtet werden: found-places@live.de


Die Hintergründe...

Am 15.10.2013 wurde auf der ersten Seite des Mitteilungsblatts der Gemeindeverwaltung Unterlüß ("Lüßblatt") ein Brief der Kunstprofessorin Edith Balas veröffentlicht. Frau Balas (geb. Lövy), die heute als Professorin an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh tätig ist, wies in ihrem Brief an die Unterlüßer darauf hin, dass sie bis wenige Tage vor Kriegsende in einem Frauenlager nahe des Ortes untergebracht war und mit hunderten anderen inhaftierten jüdischen Frauen Schwerstarbeit leisten musste.[3]

Die Cellesche Zeitung berichtete am 29.07.2013 über diesen Brief.[4] In Ihrem 2013 erschienenen Buch erläutert Edith Balas, wie sie aus ihrer ursprünglichen Heimat im heutigen Rumänien zunächst ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert wurde und wie sie schließlich ins Lager Tannenberg bei Unterlüß gelangte.[5]

Bild: Cover Vogel im Flug (Orig.: Bird in Flight) von Edith Balas. Quelle: H. Altmann.

Die Geschichte von Edith Balas beginnt in der Stadt Klausenburg, in der sie am 20.06.1929 geboren wurde. Klausenburg gehörte damals zum Großfürstentum Siebenbürgen, das in Folge des Ersten Weltkriegs zunächst an Rumänien und dann, im Rahmen des Zweiten Wiener Schiedsspruches, wieder zurück an Ungarn fiel. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs stand Ungarn als Verbündeter an Deutscher Seite. 

Mit der verlustreichen Schlacht von Stalingrad geriet die ungarische Regierung unter Zugzwang. Als die Rote Armee vor den Landesgrenzen stand, wollte Ungarn nicht auf Seiten Nazideutschlands stehen. Da Ungarn drohte auf Seiten der Alliierten zu wechseln,  wurde das Land am 19.03.1944 durch die Deutsche Wehrmacht besetzt. Bereits im April 1944 begann ein speziell gebildetes Sondereinsatzkommando des Reichssicherheitshauptamtes unter der Führung des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann die ungarischen Juden systematisch zu erfassen und in Konzentrationslager zu deportieren.

Die Familie von Edith Balas wurde zunächst in einer Ziegelfabrik nahe der Stadt Klausenburg untergebracht, die als Sammellager bzw. Ghetto für die jüdische Bevölkerung diente.[6] Von dort aus wurde die Familie gemeinsam mit vielen weiteren nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Innerhalb weniger Monate gelangten hunderttausende Juden aus ganz Ungarn in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo sie entweder sofort in Gaskammern umgebracht oder zu Arbeitseinsätzen ausselektiert wurden.

Gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter verließ Edith Balas im August 1944 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und erreichte nach mehrtägigem Transport in Viehwaggons das Konzentrationslager Bergen-Belsen und schließlich Unterlüß.[7] Hier befand sich ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen, das als das Lager „Tannenberg“ bezeichnet wurde.[8]

Bild: Luftaufnahme Lager Tannenberg. Quelle: US Luftbild 1945. 

Über das KZ-Außenlager Tannenberg ist heute nur wenig bekannt, was auch mit der historischen Entwicklung des Lagers bei Kriegsende zusammenhängt. Dennoch liegen einige Quellen und Unterlagen zur Geschichte des Lagers Tannenberg vor. Insbesondere die Protokolle des National Committee for Attending Deportees (DEGOB), die in Ungarn seit dem Frühjahr 1945 aufgenommen wurden[9], liefern heute wichtige Hinweise zum damaligen Lageralltag.

Das KZ-Außenlager Tannenberg[10] befand sich etwa in 6 km westlich von Unterlüß, unmittelbar südlich von Altensothrieh. Historische Luftaufnahmen und militärische Karten zeigen das Lager Tannenberg etwa 400m südlich der heutigen Landstraße 280 zwischen Unterlüß und Müden (Örtze), in Höhe des ehemaligen Hofes Altensothrieh.[11] Das Lager war auf einer kleinen Anhöhe errichtet worden. Nordwestlich fällt das Gelände bis zu den morastigen Flächen der Sothrieth ab. Im südwestlichen Bereich grenzte das Lager an eine offene Heidefläche, die noch heute in Teilen vorhanden ist.

Bild: Luftaufnahme Lager Tannenberg. Quelle: US Luftbild 1945; Google Earth. 

Aus den vorhandenen Quellen geht hervor, dass Ende August 1944 etwa 400 bis 800 jüdische Frauen aus Auschwitz ins Lager Tannenberg gelangten. Sie stammten hauptsächlich aus Polen und Ungarn sowie zu kleineren Teilen auch aus Jugoslawien, Tschechien und Rumänien.[12] Die Jüdinnen arbeiteten hauptsächlich in einer Munitionsfabrik der Firma Rheinmetall-Borsig in Unterlüß[13], bauten Straßen, räumten Schutt, verlegten Schienen und verrichteten Forstarbeiten.[14] 

Bild: Cover DEGOB-Protokoll. 

Zur genauen Anzahl der inhaftierten Jüdinnen gibt es keine eindeutigen Aussagen. Während Überlebende die Zahl der Häftlinge mit ca. 900 – 1.000 angeben[15], waren anderen Aussagen nach maximal ca. 450 – 500 jüdische Frauen inhaftiert.[16] Dabei gehen letztere Aussagen lediglich von Berechnungen aus nach denen das Lager Tannenberg aus drei Häftlingsbaracken bestand, die jeweils ca. 360 m2 umfassten und damit pro Baracke 150 Personen Platz boten.[17]

Tatsächlich belegen historische Luftaufnahmen jedoch, dass es vor Ort mindestens fünf größere Baracken gab, wobei kleinere Nebengebäude nicht mit eingerechnet sind. Die größeren Baracken umfassten eine Gesamtfläche von ca. 2.300 m2 – also rund doppelt so viel Platz. Auch wenn zwei der größeren Gebäude gemeinschaftlich genutzte Flächen waren (wie z.B. Küchenbaracke), bleiben noch rund 1.600 m2 für Häftlingsbaracken. Bei einer angenommenen Pritschenlänge von 1,80 m und einem Abstand von 30 cm auf jeder Seite, sowie einem entsprechenden Mittelgang wäre eine Häftlingsanzahl von 900 – 1.000 somit durchaus plausibel – zumal es sich meist um Doppelstockbetten handelte. 

Eine Aufstellung der weiblichen Arbeitskräfte des KZ Bergen-Belsen gibt an, dass sich am 15.03.1945  517 weibliche Häftlinge im Lager Tannenberg befanden.[18] Im Originaldokument werden die 517 Häftlinge allerdings direkt dem Rüstungsbetrieb Rheinmetall-Borsig AG zugeordnet[19] - nicht abschließend geklärt ist insofern, ob im Lager Tannenberg weitere Häftlinge untergebracht waren, die andere Tätigkeiten ausführten. 

Bild: Lager Tannenberg bei Altensothrieth. Quelle: War Office Map, published 1944, 3rd. Edition; Google Earth. 

Die Arbeit im KZ-Außenlager Tannenberg war hart. Aus den DEGOB-Protokollen gehen detaillierte Hinweise zu den Einzeltätigkeiten hervor. Insbesondere arbeiteten die Frauen in zwölfstündiger Schicht, d.h. von 6:00 Uhr morgens bis 18:00 abends.[20] Sie waren dabei in der Munitionsfabrikation der Firma Rheinmetall in Unterlüß eingesetzt.[21]

Darüber hinaus wurden Forstarbeiten[22] verrichtet und Straßen[23] gebaut. Auch mussten nach Aussage Überlebender Häftlinge Bunker und Wasserbecken gebaut werden.[24] Edith Balas vermerkte in ihrem Buch, dass sich die Holzfällarbeiten vor allem auf einen „schwarzen Wald“ bezogen, der aufgrund eines Waldbrandes so genannt wurde.[25]

Bild: Lager Tannenberg bei Altensothrieth heute - ehem. Eingangsbereich. Quelle: H. Altmann. 

Zur anstrengenden Arbeit kam die spärliche Beköstigung[26] und die rohe Behandlung durch die Bewachungsmannschaften[27] hinzu. Insbesondere die SS-Aufseherinnen werden in den Berichten der Überlebenden mehrfach in diesem Zusammenhang genannt.[28] Auch die Kälte des Winters[29] 1944 / 1945 und die unhygienischen Bedingungen[30] im Lager setzten den Frauen zu. 

Bild: Lager Tannenberg bei Altensothrieth. Quelle: War Office Map, published 1944, 3rd. Edition; Google Earth. 

Die jeweiligen Darstellungen zu den Abläufen im Lager Tannenberg variieren in manchen Aspekten, da die Wahrnehmung der inhaftierten Frauen individuell erfolgte. Viele hatten bereits unterschiedliche Konzentrationslager durchlaufen – daher verfügten die Häftlinge über verschiedene Erfahrungen vor deren Hintergrund die Erlebnisse im Lager Tannenberg bewertet wurden. 

So waren einige sogar im ersten Moment erleichtert, als jeder der Inhaftierten bei Ankunft ein eigener Teller, ein Löffel und ein eigenes Bett zugeteilt wurden.[31] Auch Edith Balas bemerkte in ihrem Buch, dass die Mahlzeiten „wunderbar“ im Vergleich zu dem waren, was sie zuvor in Auschwitz bekommen hatten.[32] Andere wiederum beurteilten die Kost als spärlich und schlecht.[33] Nach Einzelaussagen belief sich die Tagesration an Nahrung auf 400 g Brot und 750 ml Suppe pro Tag.[34]

Übereinstimmend sind die Aussagen der Überlebenden vor allem in Bezug auf die schlechte Behandlung durch die Lagerkommandanten und die SS-Aufseherinnen. Zwar enthalten nicht alle DEGOB-Protokolle detaillierte Angaben zu Misshandlungen seitens der SS - allerdings kam es nach Kriegsende auf der Grundlage einzelner Aussagen zu Ermittlungen durch die britische Militärpolizei, die weitere Einblicke geben.[35]

Bild: Lager Tannenberg bei Altensothrieth heute - ehem. Zufahrt. Quelle: H. Altmann.  

Obwohl das Lager Tannenberg nur für kurze Zeit, d.h. zwischen August 1944 und April 1945 als KZ-Außenlager genutzt wurde, wechselten die Lagerkommandanten in recht schneller Folge. Zuerst war der, SS-Hauptsturmführer Friedrich Diercks in den Monaten September / Oktober 1944 als Lagerkommandant eingesetzt.[36] Diercks wurde als ein „relativ harmloser Mann“, der am Geschehen im Lager nicht weiter interessiert war, beschrieben.[37]

Unter Diercks tat insbesondere der SS-Hauptscharführer Rudolf Wandt im Winter 1944 / 1945 sowie im Februar 1945 Dienst im Lager Tannenberg.[38] Nach Wandt folgte in den letzten Kriegsmonaten noch der SS-Unterscharführer Hans Stecker, der unter den Häftlingen als äußerst brutaler Mensch bekannt wurde.[39] Überlebende berichteten nach Kriegsende, dass Stecker die Häftlinge oft stundenlang in der Kälte Appell stehen ließ und die Frauen nach Belieben verprügelte. 

Bild: Lager Tannenberg heute - Reste eines Gebäudes. Quelle: H. Altmann. 

In Erinnerung blieb den Überlebenden des Lagers Tannenberg aber vor allem die SS-Aufseherin Susanne Hille, deren brutales Vorgehen in den DEGOB-Protokollen mehrfach genannt wird.[40] Edith Balas berichtet in ihrem Buch von einer jungen, dunkelhaarigen SS-Aufseherin, die von den Häftlingen „die Schwarze“ genannt wurde.[41] Es kann sich hierbei eigentlich nur um die besagte Susanne Hille handeln, deren äußeres Erscheinungsbild von mehreren Häftlingen beschrieben und ebenfalls in den Ermittlungsunterlagen der britischen Untersuchungsbehörden aufgeführt wurde. 

Bei einer Gelegenheit hetzte diese SS-Aufseherin deutsche Schäferhunde auf Edith Balas und ihre Schwester und schlug auf die beiden Frauen mit ihrem Gummiknüppel ein.[42] Angeblich soll die besagte Aufseherin in ihrem bürgerlichen Leben eine Reitkünstlerin im Zirkus gewesen sein.[43]

Dies trifft allerdings nicht zu. In ihrer Vernehmung berichtete eine der Blockältesten aus dem Lager Tannenberg, Irene Glück, von den Lagerkommandanten – und auch von Susanne Hille, die demnach aus „Altenberg oder Altenburg“ stammte.[44] Tatsächlich enthält die Arbeitskräftekartei des ehemaligen Arbeitsamtes Altenburg (Thüringen) eine Karte von Susanne Hille. Sie wurde 1922 in Altenburg geboren – war also bei Kriegsende 22 bzw. 23 Jahre alt. Sie wurde 1937 / 1938 zur Verkäuferin ausgebildet – arbeitete als solche jedoch nur zwei Monate.[45] Später war sie als Hilfsarbeiterin in einer Spielkartenfabrik und wieder später als Kontrollarbeiterin in einem ortsansässigen Rüstungsbetrieb tätig.[46]

Bild: Lager Tannenberg heute - Reste eines Gebäudes. Quelle: H. Altmann.  

Während ihre zivile Karriere offenbar nur mittelmäßig verlief, scheint Susanne Hille in der Schutzstaffel (SS) recht schnell aufgestiegen zu sein. Im Tannenberglager galt sie durch diverse Misshandlungen von Häftlingen als „berüchtigt“. Aussagen von Überlebenden  belegen, dass sie Hunde auf die Frauen gehetzt haben soll und bei vielen Gelegenheiten ohne Grund von ihrem Schlagstock Gebrauch machte.[47]

Berüchtigt war die SS-Aufseherin auch, weil sie Frauen, die ihr „auffielen“ ohne Weiteres abtransportieren ließ – die anderen sahen diese Frauen nicht mehr wieder.[48] In einem Fall wurde „eine junge Frau ausselektiert, weil sie nur die Musik liebte“.[49] Auch solche Frauen die nicht gut arbeiteten wurden einfach „weggeschickt“.[50] Die Vermutung liegt nahe, dass diese Frauen zurück nach Bergen-Belsen überstellt wurden. Ihr Verbleib ist jedoch ungeklärt.

Bild: Lager Tannenberg heute - Reste eines Kellers. Quelle: H. Altmann. 

Die Arbeit in der Munitionsfabrik der Rheinmetall-Borsig AG im Werk Neulüss setzte den Frauen zu. Die Jüdinnen mussten jeden Tag den Fußmarsch von Altensothrieth nach Unterlüß antreten – dabei wurden sie von der SS bewacht.[51] In Unterlüß mussten die Frauen Schützen- bzw. Splitterschutzgräben ausheben, Luftschutzbunker errichten und den Untergrund für eine neue Fabrikhalle der Firma Rheinmetall-Borsig am Standort Neulüß planieren. In der ortsansässigen Munitionsfabrik mussten die Frauen Geschosse befüllen, wobei der Kontakt mit den giftigen Stoffen und das Einatmen der chemischen Dämpfe die Gesundheit zerstörten.[52]

Die Schwester von Edith Balas arbeitete ebenfalls in der Munitionsfabrik – ihre Haare und Kleidung verfärbten sich im Laufe der Arbeit aufgrund der eingesetzten Chemikalien orange-gelb.[53] Um dem Gift und dem bitteren Geschmack, der durch das Einatmen der Dämpfe hervorgerufen wurde, entgegenzuwirken, erhielten die Mädchen eine Ration Milch[54] – dieses konnte die Beeinträchtigungen jedoch natürlich nicht heilen.[55] Im späteren Entschädigungsprozess gegen Rheinmetall wurde dieser Umstand allerdings nochmals relevant.[56]

Bild: Lager Tannenberg heute - Reste eines Kellers. Quelle: H. Altmann. 

Auch wenn das Lager Tannenberg im Wald bei Altensothrieth recht abgelegen war, wusste die Unterlüßer Bevölkerung vom KZ-Außenlager.[57] Insbesondere beim täglichen Marsch durch das Dorf zur Munitionsfabrik nahm die Bevölkerung wahr, dass die Frauen KZ-Kleidung trugen und geschorenes Haar hatten.[58] Damit unterschieden sich die Jüdinnen  äußerlich bereits auffällig von den anderen Zwangsarbeitern im Ort. Edith Balas berichtet in diesem Zusammenhang von einer Begegnung bei der die Häftlinge auf eine Mutter mit ihrem kleinen Kind trafen.[59] Die Mutter forderte ihr Kind auf mit Steinen nach der Frauen zu werfen – das Kind gehorchte.[60]

Am 04.04.1945 griff die 8. US Air Force in mehreren Wellen die Anlagen von Rheinmetall-Borsig an.[61] Durch den Bombenangriff wurde die Munitionsfabrik vollkommen zerstört.[62] Es war dem Zufall geschuldet, dass der Angriff an einem Tag erfolgte, an dem kein Arbeitseinsatz der Häftlinge aus dem Lager Tannenberg vorgesehen war.[63] Nur wenige Tage nach dem Bombenangriff auf Unterlüß näherten sich die alliierten Truppen aus südwestlicher Richtung. 

Am 11.04.1945 zeichnete sich bereits ab, dass Celle von britischen Einheiten eingenommen werden würde.[64] Aus der Ferne waren auch im Lager Tannenberg der Kanonendonner und die Sprengungen von Brücken deutlich vernehmbar.[65] Die deutschen Verbände fluteten stetig in nordöstliche Richtung zurück. Die Besetzung der Stadt Celle durch die britischen Truppen erfolgte schließlich - ohne größere Gegenwehr - am 12.04.1945.[66]

Die militärischen Entwicklungen hatten ebenfalls Auswirkungen auf das Lager. Die Lagerverwaltung und die Wachmannschaften setzten sich kurzerhand ab[67] – offenbar um einer Verhaftung / Verurteilung durch die anrückenden Alliierten zu entgehen. Und so war es der Lagerkoch, der den Frauen, nach Abzug der Wachmannschaften, ihre Freiheit verkündete.[68] Die Erleicherung unter den Lagerinsassen war unbeschreiblich groß, schrieb Edith Balas später.[69]

Bild: Lager Tannenberg heute - es befindet sich unmittelbar an der Grenze zum Schießplatz. Quelle: H. Altmann. 

Allerdings weilte die Freude im Lager Tannenberg nur kurz. Bereits wenig später erreichten bewaffnete Zivilisten das Lager und verfrachteten die Jüdinnen auf Lastwagen, um sie fortzubringen.[70] Tatsächlich handelte es sich bei den „bewaffneten Zivilisten“ um Einheiten des Unterlüßer Volkssturms.[71] Dies bestätigte auch der frühere Ortsgruppenleiter von Unterlüß, Hermann Denecke, in einem Schreiben vom 14.06.1947. In diesem gab er an, dass der Unterlüßer Volkssturm angefordert worden sei, um die Jüdinnen mit Lastwagen nach Lüneburg zu bringen. Dort wurde jedoch die Aufnahme der Frauen verweigert und der Transport gelangte schließlich auf Umwegen nach Bergen-Belsen. Edith Balas resümierte, dass die Unterlüßer kein Konzentrationslager in ihrer Nähe haben wollten, als die Alliierten eintrafen.[72]

Die Hintergründe der Transportaktion werfen somit bis heute Fragen auf. Die Protokolle des Unterlüßer Volkssturmbataillons 24/29 weisen keinen offiziellen Befehl oder sonstige Anweisungen für die Abholung der Jüdinnen auf.[73] In der Chronik der Gemeinde Unterlüß heißt es hierzu lediglich, dass die Bewachung das Lager fluchtartig verließ und die Frauen per LKW nach Lüneburg transportierte.[74] Einen Nachweis dafür, dass die Wachmannschaften die Jüdinnen abtransportierten wird jedoch durch keinen der Häftlingsberichte gestützt – in diesen ist stets von "bewaffneten Zivilisten" die Rede. 

Da offenbar weder Befehle ergingen, noch die zuständigen Wachmannschaften den Abtransport organisierten, liegt der Schluss nahe, dass tatsächlich Zivilisten aus Unterlüß oder der näheren Umgebung diese Aktion durchführten. 


Während des Abtransports wurde eine der Frauen bei einem Fluchtversuch angeschossen.[75] Von den 500 Frauen, die das Lager Tannenberg am frühen Morgen des 13.04.1945 verließen, starben ca. 300 in Bergen-Belsen, wie die Überlebende Valerie Jakober-Furth später angab.[76] Der Rest von ihnen wurde schließlich von den britischen Truppen befreit.

Bild: Lager Tannenberg heute - angrenzende Heidefläche. Quelle: H. Altmann. 

Trotz intensiver Ermittlungen der britischen Militärverwaltung konnte keiner der gesuchten SS-Leute aus dem Außenlager Unterlüß juristisch zur Rechenschaft gezogen werden.[77]

Das Schicksal der SS-Aufseherin Susanne Hille ist mittlerweile bekannt. Nachdem sie sich offenbar mit dem Rest des SS-Lagerpersonals absetzen konnte, gelangte sie bis über die Elbe nach Bresegard bei Hagenow (Mecklenburg), wo sie am 07.05.1945 verstarb. Sie erlebte die Kapitulation am darauffolgenden Tag folglich nicht mehr und wurde vor Ort bestattet. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt.

Bild: Lager Tannenberg heute - nur 200 m entfernt: Altensothrieth. Quelle: H. Altmann. 

In den Nachkriegsjahren kam es zu Entschädigungsprozessen gegen Unternehmen, die zu Kriegszeiten Zwangsarbeiter beschäftigt hatten. Im Dezember 1957 wurde eine erste Anklage gegen die Rheinmetall Berlin AG beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg erhoben.[78] In seinem 1981 erschienenen Buch „Lohn des Grauens“ fasste der Jurist Benjamin Ferencz die Zusammenhänge um die Entschädigungsforderungen gegen die Rheinmetall AG zusammen.  

Ferencz war zuvor Chefankläger im sogenannten Einsatzgruppen-Prozess – einem Nachfolgeprozess im Rahmen der Nürnberger Prozesse. Aus offiziellen Unterlagen ging hervor, dass Rheinmetall mehr als 5.000 KZ-Insassen beschäftigte, Juden wie Nichtjuden, und dass Auschwitz-Kommandant Höß wie auch SS-Obergruppenführer Pohl die Beteiligung der Firma am Programm zur Nutzung der Arbeitskräfte in den Lagern bestätigt hatten.[79]

Es begannen zähe Verhandlungen mit der jüdischen „Claims Conference“ in deren Verlauf Rheinmetall zwar einerseits erklärte Rechtsnachfolger der Rheinmetall-Borsig AG zu sein, die während des Krieges KZ-Häftlinge beschäftigte und sich bereit erklärte, Ansprüche, die aus dieser Zeit stammen zu befriedigen[80], gleichzeitig jedoch forderte, dass diese Ansprüche bewiesen werden müssten. Laut Benjamin Ferencz war ein „äußerst ungewöhnlicher Handel“ maßgeblich dafür verantwortlich, dass es im Ergebnis zu einer Einigung kam.[81]

Die US-Regierung wollte damals 20 mm Geschütze des deutschen Rüstungskonzerns erwerben – das Pentagon fürchtete jedoch einen politischen Rückschlag, falls der Kauf abgeschlossen würde, bevor eine Vereinbarung über die jüdischen Ansprüche getroffen war.[82] So floss letztlich eine Geldsumme an die hierfür eingerichtete Kompensations-Treuhandgesellschaft der Claims Conference, die an die ehemaligen jüdischen Zwangsarbeiter verteilt werden musste. 

Wenn eine Antragsstellerin den Namen Unterlüß oder Tannenberg / Unterlüß erwähnte oder sie sich an die Tasse Milch und an die Hautverfärbungen erinnern konnte, hatte die Kompensations-Treuhandgesellschaft keine Schwierigkeiten, die Antragsstellerin als Rheinmetall-Arbeiterin anzuerkennen und der Forderung ohne Verzögerung zuzustimmen.[83]

Bild: Wegweiser unweit des ehem. KZ-Außenlagers Tannenberg. Quelle: H. Altmann. 

Die Überreste des ehemaligen Lagers Tannenberg liegen noch heute im Wald bei Altensothrieth in der Gemeinde Unterlüß.[84] Neben alten Fundamenten und überwucherten Ziegelsteinen erinnert vor Ort nichts mehr an das Schicksal der Häftlinge, die einst in diesem KZ-Außenlager untergebracht waren. 

Die Wegbeschreibungen der angrenzenden Wanderwege des Naturparks Südheide weisen zwar auf die Schönheit der Heidelandschaft hin – verschweigen indessen jedoch die Geschichte des Lagers. Da dieses kurz vor Eintreffen der britischen Truppen aufgelöst wurde und die Häftlinge „gerade noch rechtzeitig“ in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert wurden, gerieten die Zusammenhänge rund um das KZ-Außenlager Tannenberg in Vergessenheit.

Bild: Touristisch erschlossene Heidefläche neben dem ehem. KZ-Außenlager Tannenberg. Quelle: H. Altmann.  

Objektiv stellt sich aus heutiger Sicht die Frage, warum die Gemeindeverwaltung von Unterlüß - trotz ihrer Kenntnis um das ehemalige KZ-Außenlager Tannenberg - nicht längst etwas unternommen hat, um darauf entsprechend hinzuweisen. Spätestens seit dem Brief von Edith Balas, der im Lüßblatt vom 15.10.2013 veröffentlicht worden ist, sind die Hintergründe des Lagers grundsätzlich bekannt. 

Obwohl nachfolgende Generationen nicht für die damaligen Zustände verantwortlich gemacht werden können und sollen, wäre es im Rahmen eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der Geschichte grundsätzlich ein Zeichen des Respekts, wenn die Geschichte des ehemaligen Lagers Tannenberg nicht vergessen wird. 

Nachtrag, 02.09.2018: 
Am 01.09.2018 fand eine Gedenkveranstaltung am ehemaligen KZ-Außenlager Tannenberg statt. Weitere Informationen dazu hier: Gedenkveranstaltung am 01.09.2018. 

Nachtrag, 16.12.2019: 
Seit 2018 setzt sich eine parteiübergreifende Bürgerinitiative für das Gedenken an das Tannenberglager ein. Derzeit beteiligen sich die Gemeinde Südheide, die Rheinmetall AG sowie die Bürgerinitiative an einem Projekt zur Errichtung einer Gedenkstätte, an der die respektvolle Erinnerung an die Insassen der Unterlüßer Lager - insbesondere des Tannenberglagers - gepflegt werden soll. Über dieses Projekt wird zeitnah weiter berichtet werden. 

Hendrik Altmann





[1] Wienecke, „Besondere Vorkommnisse nicht bekannt“ – Wie ein Heidedorf kriegswichtig wurde, S. 46f. 
[2] Köhler, Zwangsarbeit in der Lüneburger Heide, S. 145 ff. 
[3] Mitteilungsblatt der Gemeindeverwaltung Unterlüß vom 15.10.2013, Nr. 10/2013, S. 2. 
[4] Cellesche Zeitung vom 29.07.2013, Edith Balas hegt keinen Groll. 
[5] Balas, Vogel im Flug, S. 52ff.
[6] Balas, Vogel im Flug, S. 36.
[7] Balas, Vogel im Flug, S. 52.
[8] Rahe, Unterlüß Tannenberg, in: Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 7 S. 220; Wenck, Zwischen Menschenhandel und „Endlösung“ – das Konzentrationslager Bergen-Belsen, S. 345; Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[9] Fritz, Nach Krieg und Judenmord: Ungarns Geschichtspolitik seit 1944, S. 92. 
[10] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286.
[11] War Office Map, No. 4414, 3rd Edition, 1944. 
[12] Rahe, Unterlüß Tannenberg, in: Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 7 S. 220. 
[13] Wenck, Zwischen Menschenhandel und „Endlösung“ – das Konzentrationslager Bergen-Belsen, S. 345
[14] Rahe, Unterlüß Tannenberg, in: Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 7 S. 220; Meyer, ‪Ein Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager in seinem Umfeld: Bergen-Belsen von außen und von Innen 1941-1950, S. 63. 
[15] E. Halpert, DGOB-Protokoll A-25393, 26.08.1945; B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945. 
[16] Lüllwitz, in: Cellesche Zeitung vom 26.01.2008; Ceyp, in: Cellesche Zeitung vom 26.01.2008. 
[17] Lüllwitz, in: Cellesche Zeitung vom 26.01.2008. 
[18] Übersicht über Anzahl und Einsatz der weiblichen Häftlinge des Aufenthaltslagers Bergen-Belsen am 15. März 1945, Nederlandse Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD, Amsterdam). 
[19] Übersicht über Anzahl und Einsatz der weiblichen Häftlinge des Aufenthaltslagers Bergen-Belsen am 15. März 1945, Nederlandse Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD, Amsterdam). 
[20] E. Halpert, DGOB-Protokoll A-25393, 26.08.1945; 
[21] E. Halpert, DGOB-Protokoll A-25393, 26.08.1945; F. Eisenstätter, DGOB-Protokoll 015/2238, 25.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945. 
[22] R. Wolf, DGOB-Protokoll 015/1772, 26.08.1945;
[23] R. Wolf, DGOB-Protokoll 015/1772, 26.08.1945;
[24] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945.
[25] Balas, Vogel im Flug, S. 53. 
[26] E. Kaufmann, DGOB-Protokoll Nr. 395, 11.07.1945; F. Eisenstätter, DGOB-Protokoll 015/2238, 25.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945. 
[27] E. Kaufmann, DGOB-Protokoll Nr. 395, 11.07.1945; B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945; I. Goldberger DGOB-Protokoll 1757, 21.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945. 
[28] F. Eisenstätter, DGOB-Protokoll 015/2238, 25.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945; S. Kleimann, DGOB-Protokoll A-5991, 25.07.1945. 
[29] Balas, Vogel im Flug, S. 53; I. Goldberger DGOB-Protokoll 1757, 21.07.1945. 
[30] I. Goldberger DGOB-Protokoll 1757, 21.07.1945. 
[31] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945. 
[32] Balas, Vogel im Flug, S. 53.
[33] I. Goldberger DGOB-Protokoll 1757, 21.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945; F. Eisenstätter, DGOB-Protokoll 015/2238, 25.07.1945; R. Wolf, DGOB-Protokoll 015/1772, 26.08.1945. 
[34] R. Wolf, DGOB-Protokoll 015/1772, 26.08.1945.
[35] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives. 
[36] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives.
[37] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives. 
[38] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives.
[39] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945; [39] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives..
[40] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945; Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[41] Balas, Vogel im Flug, S. 55. 
[42] Balas, Vogel im Flug, S. 55.
[43] Balas, Vogel im Flug, S. 55.
[44] I. Glück, Deposition in the matter of war crimes and Unterluss Camp, 08.11.1945, WO 309/1698 XC 6/2, National Archives; Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[45] Karteikarte Susanne Hille, Arbeitsamt Altenburg Arbeitskräfte Kartei, 39/1/337. 
[46] Karteikarte Susanne Hille, Arbeitsamt Altenburg Arbeitskräfte Kartei, 39/1/337.
[47] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945. 
[48] H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945
[49] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945.
[50] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945.
[51] Kröger / Busse, Bericht vom 02.06.1948, in: Schulze, Unruhige Zeiten – Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945 – 1949, Bd. 8, S. 255. 
[52] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[53] Balas, Vogel im Flug, S. 54.
[54] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 190. 
[55] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286.
[56] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 190. 
[57] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[58] Kröger / Busse, Bericht vom 02.06.1948, in: Schulze, Unruhige Zeiten – Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945 – 1949, Bd. 8, S. 255.
[59] Balas, Vogel im Flug, S. 54.
[60] Balas, Vogel im Flug, S. 54. 
[61] Combat Chronology of he US Amry Air Force, April 1945. 
[62] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[63] Balas, Vogel im Flug, S. 56.
[64] Saft, Krieg in der Heimat, S. 75 ff. 
[65] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945. 
[66] Altmann, Die letzten Kriegstage – Kampfhandlungen im Flotwedel und angrenzenden Ortschaften, 10. bis 20. April 1945, S. 63. 
[67] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286.
[68] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945.
[69] Balas, Vogel im Flug, S. 56.
[70] E. Halpert, DGOB-Protokoll A-25393, 26.08.1945; I. Goldberger DGOB-Protokoll 1757, 21.07.1945; H. Herschkovita, DGOB-Protokoll 1770, 01.08.1945; Balas, Vogel im Flug, S. 57.
[71] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[72] Balas, Vogel im Flug, S. 57. 
[73] Akte des Volkssturmbataillons 24/29 in Unterlüß, Landkreis Celle, betreffend Befehle und Anordnungen der Kreisleitung Celle, NLA HA, Hann. 310 I, Nr. 326.
[74] Gedicke, Chronik der politischen Gemeinde Unterlüß, Bd. 2, S. 168. 
[75] B. Kroo, DGOB-Protokoll A-8853, 24.08.1945; [75] Balas, Vogel im Flug, S. 57. 
[76] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[77] Horstmann, die Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, in: Magargee, Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, S. 286. 
[78] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 166.
[79] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 171.
[80] Beitrag in der Zeitung Bild vom 15.02.1966, in: [80] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 179.
[81] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 183.
[82] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 183.
[83] Ferencz, Lohn des Grauens – Die Entschädigung jüdischer Zwangsarbeiter – Ein offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Kap. 5 : Die Geschütze von Rheinmetall, S. 190.
[84] Krause-Schmitt‪ / Ngo / Einbrodt, Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933-1945 (Germany), ‪Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945: Regierungsbezirke Braunschweig und Lüneburg, Bd. 2, S. 78ff.