f Vergessene Gebäude an der Zufahrt zum Marinesperrzeugamt ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Samstag, 9. Juli 2016

Vergessene Gebäude an der Zufahrt zum Marinesperrzeugamt



Über das Marinesperrzeugamt Starkahorn (MSA) wurde im Blog schon einige Male berichtet (IIIIII). Nun konnten weitere Relikte einstiger Gebäude aufgespürt werden...


Insgesamt ist die Historie des Marinesperrzeugamtes (MSA) schon recht absurd. In der Einrichtung, welche sich im Waldgebiet zwischen Eschede und Unterlüß befindet, wurden einst Torpedos, Seeminen und andere Waffen für die Deutsche Kriegsmarine gefertigt. 

Die Geschichte - und besonders das Ende - dieser militärischen Einrichtung sind bis heute noch kaum erforscht. Zu Kriegsende wurden massenhaft Unterlagen vernichtet. Nach der Einnahme durch das britische Militär im April 1945 erlebte das MSA eine wechselhafte Zeit. Zunächst kamen dort Flüchtlinge unter. Dann begann die Sprengung der Bunker und Munitionsbestände durch die Alliierten. Schlussendlich wurden die noch vorhandenen Überbleibsel von der örtlichen Zivilbevölkerung geplündert. Einige Gegenstände konnten auch durch die Wehrmachtsgutsverwaltungsstelle in Celle gesichert werden. 

Es ist daher nicht leicht die Geschichte des MSA bei Starkahorn zu rekonstruieren. Vermutlich werden immer wieder neue Dinge ans Tageslicht kommen. Durch einen kartenmäßigen Zufallsfund konnte nun ein weiterer Bereich des MSA gefunden werden. Er befindet sich direkt an der heutigen L 281 zwischen Eschede und Hermannsburg. 

Bild: Marinesperrzeugamt bei Starkshorn. Quelle: Google Earth. 


Das eigentliche MSA befand sich im Waldgebiet zwischen Unterlüß und Starkshorn unmittelbar westlich der Bahnstrecke Hannover-Hamburg. Die Ausmaße dieses Geländes sind bis heute ebensowenig geklärt wie die genaue Anzahl von Gebäuden und Bunkern, die sich dort einst befanden. Auf dem Gelände selbst gab es keine Straßen. Der Transport erfolgte ausschließlich über Feldbahngleise. Abtransportiert wurden die fertigen Erzeugnisse über die Bahnstrecke Hannover-Hamburg. 

Die offizielle Zufahrtsstraße mündete zwischen Starkahorn und Queloh auf die heutige Landstraße 281. Spuren davon sind noch heute zu finden, auch wenn sich vor Ort vieles stark verändert hat. 

Einst muss es in diesem Bereich auch noch Gebäude gegeben haben, die zum Marinesperrzeugamt Starkahorn gehörten. 

Bild: Marinesperrzeugamt bei Starkshorn. Quelle: Google Earth / Karte 1945. 


Besonders spannend an diesem Umstand ist, dass die Gebäude scheinbar noch über längere Zeit nach dem Krieg existiert haben. Der Großteil des MSA wurde bereits zu Kriegsende durch zahlreiche Sprengungen zerstört. Die Alliierten nutzten das abgelegene Areal, um dort unterschiedlichste Munitionsarten zu vernichten. Dabei wurden die Bunker zunächst mit Munition gefüllt und anschließend gesprengt. Allerdings detonierte auf diese Weise nicht die komplette Munition, was dazu führte, dass die Gegend bis heute belastet ist. Später ging man dann dazu über die Munition in Nord- und Ostsee zu verklappen. 

Doch zurück zu den eigenartigen Gebäuden am Anfang der Zufahrtsstraße. Diese sind noch auf Karten aus den 70er Jahren verzeichnet, was den Schluss nahelegt, dass sie bis in diese Zeit - vielleicht auch als Ruinen - existiert haben könnten. 

Bild: Marinesperrzeugamt bei Starkshorn. Quelle: Google Earth / Karte 1971.


Vor Ort ist von diesen Gebäuden allerdings so gut wie nichts mehr zu finden. Durch Aufforstungsmaßnahmen wurde sowohl der Boden als auch der Baumbestand völlig verändert. An der Stelle wo einst die Gebäude gestanden haben befindet sich heute ein kleiner dicht bewachsener Eichenwald und ein Parkplatz. 

Bild: Stelle an der die Gebäude standen. 


Aber natürlich sind nicht alle Spuren verschwunden. An manchen Stellen haben Wildschweine den Boden ziemlich stark umgewühlt. In den Löchern liegen Mauerreste, Ziegelsteine und Stahlbetonelemente. 

An einer Stelle liegen weiterhin in Bakelit gegossene Batterien, die ebenfalls im Hauptbereich des MSA aufgefunden wurden. Bei diesen Batterien handelt es sich tatsächlich um Batterien für Unterwasserminen. Abgesehen davon, dass die Batterien sicherlich nichts in der Umwelt verloren haben sind sie aber ungefährlich. 

Scheinbar wurden die Gebäude an der Zufahrt zum MSA erst relativ spät abgerissen und der Schutt teilweise einplaniert. 

Bild: Schuttreste. 


Dort wo auf den historischen Karten deutlich Gebäude verzeichnet sind, befindet sich heute ein Parkplatz für Besucher des Naturparks Südheide. Dementsprechend sind die Spuren in diesem Bereich natürlich nicht mehr erkennbar. 


Bild: Parkplatz - hier befanden sich einst die Gebäude. 


Direkt neben dem Parkplatz beginnt die Zufahrtsstraße zum Hauptbereich des MSA. Was heute nach einem unspektakulären Forstweg aussieht war früher die einzige ausgebaute Straße zur Munitions- und Waffenfabrik im Wald. Folgt man dieser Straße kann man dies an manchen Stellen mit einem guten Blick auch noch erkennen. 

Bild: Zufahrtsstraße zum MSA Starkshorn. 


Früher soll diese Straße durchgängig gepflastert gewesen sein. Nach Kriegsende wurde das Pflaster - vermutlich für anderweitige Ausbesserung- und Baumaßnahmen - abgetragen, schreibt Gries in seinem Heft "Was wir tun ist nicht gerade zu unserem Besten". Möglicherweise war die Straße aber auch gar nicht durchgängig mit Pflastersteinen befestigt. 

An diversen Stellen finden sich noch heute betonierte Fahrspuren im Bereich der Straße. Auf diese Weise wurden auch Straßen und Rollbahnen im Bereich der Flugplätze befestigt. Der Schluss liegt nahe, dass auch die Straße zum MSA eine solche "Fahrbahndecke" erhielt, da dieses Verfahren deutlich einfacher ist, als die aufwendige Verlegung von Straßenpflaster. 

Bild: Reste der befestigten Zufahrtsstraße. 


Am Ende dieser Zufahrt befand sich schließlich das MSA. Was dort im einzelnen genau entwickelt und hergestellt wurde ist nur zu Teilen bekannt. Aber die Beschreibungen früherer Arbeiter und anderer Zeitzeugen weisen auch Widersprüche auf. Darüber hinaus existieren nur wenige Karten oder sonstige Dokumente, die Aufschluss über die Tätigkeiten im MSA geben. Vieles wurde entwendet oder in der Nachkriegszeit zerstört. 

Auch die Verwendung der Gebäude an der Zufahrtsstraße ist noch ungeklärt. Die Karte von 1945 verzeichnet hier zwei größere Gebäude und zwei kleinere Nebenbauten. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang, dass sich in diesem Bereich ebenfalls Batterien für Unterwasserminen befinden. Dies würde stark dafür sprechen, dass hier ebenfalls irgendeine Art von Produktion untergebracht war. 

Vermutlich wird sich die Geschichte des MSA Starkshorn nie ganz aufklären lassen. Aber es tauen immer wieder neue Spuren auf, die neue Einblicke geben. 


Hendrik Altmann


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