f Alvern ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 4. November 2014

Alvern




Das Dorf Alvern liegt im Nordosten der Stadt Celle unmittelbar oberhalb der Kreisstraße 76 zwischen Gockenholz und Garßen. Es verfügt über einen historischen Dorfkern, sowie ein erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschlossenes Neubaugebiet. Im östlichen Dorfbereich befindet sich ein Campingplatz. Die gesamte Größe des Ortes und seinen Ausläufern beträgt etwa 4,3 Quadratkilometer. 


Bild: von Süden aus. Quelle: Simon Thomas - Celle von Oben (Klick). 


Die Frage wie alt der Ort sein mag und woher sein (recht) ungewöhnlicher Name stammt, sind nicht leicht zu beantworten. 

Geht man anhand von Bodenfunden vor, so könnte man vermuten, dass Alvern bereits mehrere tausend Jahre als ist. Solche Funde stammen etwa aus der jüngeren Steinzeit. Eine bei Oje gelegene Feuersteinschlagwerksstelle könnte weiterhin darauf deuten, dass in der Gegend tatsächlich schon sehr früh Handwerk betrieben wurde. Allerdings kann man bei diesen ersten menschlichen Spuren in der Gegend kaum von dauerhafter Besiedlung sprechen. Hier am nördlichen Rand des Aller-Urstromtals fanden die damaligen Menschen gute Bedingungen vor. Dass sie nicht nur als Jäger und Sammler die Gegend durchzogen, sondern mancherorts auch eine Zeit lang blieben, zeigen die Begräbnisse, die heute noch in Form von Hügel- und Urnengräbern durch Funde belegbar sind. Trotzdem handelt es sich nicht um die ersten Bestrebungen den Ort Alvern zu gründen - es waren vielmehr die günstigen Bedingungen, welche dazu führten, dass sich umherstreifende Menschen hier eine Zeit lang niederließen. 

Die meisten Quellen gehen davon aus, dass der Ort erstmals  im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 erstmals genannt wird. Der Ortsname wird in dieser Betrachtung dahingehend gedeutet, dass er auf den mittelalterlichen Namen "Alaward" oder "Aliward" zurückzuführen ist. 

Es lässt sich mitunter eine andere These betreten, die vermutlich in dieser Form hier erstmals Erwägung finden soll. Aus logischen Gründen scheint es hinreichend unwahrscheinlich, dass ein Ort der im genannten Schatzregister von 1438 erstmals erwähnt wird, genau um diese Zeit entstanden ist. Hier ist definitiv zu trennen von der erstmaligen Erwähnung und der Gründung. Weiterhin sind die Erkenntnisse neuerer Forschungen mit einzubeziehen! 

Bereits im Vogtei- und Schatzregister aus dem Jahr 1378 ist von einem "Henneke to Alverdinge - für einen wüsten Hof" 1 Mark Zins und Schatzung zahlte (Vogtei- und Schatzregister, Michels). Aber schon viel früher - nämlich im Jahr 1231 - übertrug Herzog Otto von Braunschweig an den Bischof von Verden bestimmte Sülzeinkünfte (aus der Salzgewinnung). In der entsprechenden Urkunde heißt es "Alverdinge nichil dat" - also "Allerdings gab nichts". Ob es sich dabei um unser gesuchtes Alvern handelt, ist fraglich, denn der Name war auch in der Gegend von Münster nochmals vergeben. Im Schatzregister von 1438 ist wiederum von "Alverdinge" die Rede. Ein Ludere Tolcken gab 2 Groschen Schatzung. Weitere Namenseinträge finden sich nicht, was darauf hindeutet, dass der Ort einst schon klein war. 

Alvern liegt an einem schmalen Bachlauf. Heute heißt das Rinnsal "Alvernscher Bach". Einst wurde er als "Alverbeek" (Beek = Bach) bezeichnet. Dies lässt sich auch den ersten kartografischen Aufzeichnungen zum Ort entnehmen. 

Bild: Alvern um 1600. Quelle: Mellinger Kartenmappe. 


Alvern bestand einst wohl nur aus einem Einzelhof. Zumindest geht dies aus den oben genannten Registern hervor. Im Schatzregister von 1511 findet sich dann ein zweiter Hof - es könnte sich allerdings um einen Abbau vom ersten handeln. 

Lange Zeit schweigt die Geschichtsschreibung. Das ist Grund genug, sich mit dem Geschehen rund um den Ort zu befassen. 

Der Ort scheint die Reformation, den Dreißigjährigen Krieg und alle damit einhergehenden Missstände überdauert zu haben. Nicht selten kam es vor, dass gerade solche kleineren Einzelhöfe und kleinere Dörfer wüst fielen. Laut schriftlichen Aufzeichnungen kam es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu keinen Nachsiedlungen in Alvern. 

Bild: Alvern um 1701. Quelle: Ductus Luneburgensis. 


Auch im Siebenjährigen Krieg kam es scheinbar zu keinen größeren Ausschreitungen oder Kampfhandlungen bei Alvern. Dieser Umstand dürfte nicht zuletzt der exponierten Lage des Ortes geschuldet gewesen sein. Alvern liegt abseits der großen Heerstraße, welche von Celle nach Norden verläuft. 

Außerdem liegt der Ort in einer recht unwirtlichen Gegend, in der sich Reisende oder vagabundierende Soldaten sicherlich nicht extra auf die Suche nach einem Einzelgehöft gemacht haben werden. Im Süden liegt das schwer überwindliche Schweinebruch und die Sprache. Im Norden schließt sich die weite Wulfsloher Heide an. Alvern liegt am Äußersten Ende dieser Gegend und damit recht einsam und verlassen. Zu schweren Zeiten kam dem Ort diese Lage sicherlich zugute. 


Bild: Alvern um 1735. Quelle: Environs von der Statt Zelle. 


Die Karten des 18. Jahrhunderts zeigen Alvern als kleinen Ort. Kaum mehr als zwei Höfe haben sich dort befunden. 

Bild: Alvern um 1780. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme. 


Wie viele andere Orte auch, so musste auch Alvern stark unter der französischen Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhunderts leiden. Die Höfe mussten die Einquartierung französischer Truppen über sich ergehen lassen. Etwa 13 Wochen lang blieben einige Duzend Mann aus einem französischen Regiment. 

Im 19. Jahrhundert änderte sich die Ausdehnung und Besiedlung des Ortes. 1858 besaß Alvern noch zwei Hausstellen. Der nahegelegene Ziegelhof gehörte allerdings zur Burgvogtei Celle und wird an entsprechender Stelle Erwähnung finden. 


Bild: Alvern im Jahr 1839. Quelle: Papen Atlas. 



Als sich im 19. Jahrhundert immer stärker das Frachtfuhrwesen entwickelte, spielte der Ort Alvern auf einmal eine wichtige Rolle. Über sogenannte Richtwege gelangten Frachtfahrer in das Dorf. Einer dieser Richtwege, welche im Grunde Umleitungsstraßen um die Stadt Celle darstellten, führte von Braunschweig kommend, über Bröckel, Oppershausen, Gockenholz, Alvern und weiter in Richtung Norden in Richtung Uelzen und Lüneburg (Mehr zu diesem Thema: Hier (Klick) und Hier Klick). 


Das Frachtfuhrwesen war für die Orte Fluch und Segen zugleich. Während die einen beispielsweise im Schank und Spannbetrieb von den Umständen profitieren konnten, sahen sich die Bauern immer stärkeren Repressionen ausgesetzt. Dazu muss man wissen, dass das Heideland einst noch Almende war - jeder konnte hier sein Vieh weiden. Nun führten gerade zwischen Gockenholz und Alvern zahlreiche Wege durch die Heide. Diese Wege waren meist Fahrspuren, d.h. ihr Verlauf änderte sich und war aufgrund fehlender Grundstücksgrenzen in der Heide auch nicht weiter vorgeschrieben. 

Bereits im Jahr 1772 erhoben die Gemeinden Gockenholz und Alvern Beschwerde bei der kurfürstlichen und königlichen Kammer und baten darum, dass den Frachtfuhrleuten die Benutzung des Richtweges verboten werden soll. Hintergrund war vor allem, dass befürchtet wurde, dass die Wege (vor allem) durch die Eicklinger Frachtfuhrleute ausgefahren würden. Die Bauern fürchteten um ihre Weideflächen und solche Flächen, die für den Paggenhieb nötig waren. 


Bild: Plaggenhieb in der Heide. Quelle: Lüneburger Heimatbuch.



Der Ort Alvern hatte indes noch ganz andere Sorgen im Zusammenhang mit den Frachtfuhrleuten. Diese nutzten eine Fläche beim sogenannten Kakelförth, um ihre Pferde mit Futter zu versorgen. Das Kakelförth befindet sich im Südosten des Ortes Alvern. 

Alvernsche Bauern brachten nun die Beschwerde vor, dass die Eicklinger Frachtfuhrleute regelmäßig Reste von ihrem Pferdefutter liegen ließen und ihr Hornvieh - also ihre Schafe - daran "röche". Die Eicklinger Frachtfahrer kämen in der ganzen Welt herum und deswegen bestünde die ständige Sorge, dass sich das Alvernsche Hornvieh mit Krankheiten anstecken könnte. 

Die königliche und kurfürstliche Kammer sollte zu diesen Punkten Stellung beziehen. Es wurde also eine Verhandlung vor Ort einberufen. Daran nahmen wohl aber nur Bauern aus Gockenholz und Alvern teil - von Seite der Frachtfahrer erschien niemand. 

Es wurde beschlossen, dass die Frachtfahrer sich um den Zustand der Wege sorgen mussten. Sie hatten die Erdhügel, welche als Markierung und Begrenzung der Wege galten, regelmäßig zu erneuern. Weiterhin durften sie die vorgegebenen Wege nicht verlassen. Sie mussten junge Büke entlang der Straße pflanzen lassen und für die Kosten aufkommen. Die  Bäume gingen in das Eigentum der Orte Gockenholz und Alvern über und durften von den dortigen Bauern gefällt werden, wenn sie ausgewachsen waren. Wer einen Baum mit seinem Fuhrwerk beschädigte, musste eine Strafe in Höhe von 24 Mariengroschen zahlen. Wer außerhalb des Weges mit seinem Fuhrwerk angetroffen wurde, musste ebenfalls eine Strafe in Höhe von 24 Mariengroschen zahlen. 

Als das Frachtfahrwesen mit der Zeit zurückging, lösten sich derartige Probleme von selber. 

Bild: Alter Weg zwischen Gockenholz und Alvern (im Bild). Quelle: Hendrik Altmann. 


Im Norden Alverns liegt die sogenannte Wulfsloh. Dabei handelte es sich einst um ein ausgedehntes Heidegebiet, durchzogen mit Sümpfen und kleinen Fuhrenwäldchen. Der Name rührt nicht zuletzt von den Wölfen her, die in diesem Gebiet zu früherer Zeit gelebt haben. 

Für die Landwirtschaft war dieses Gebiet kaum geeignet. Es diente daher den Hirten um ihre beträchtlichen Schafherden zu weiden. Die Tiere hielten die beide kurz. Das ging auch lange Zeit recht gut - vereinzelt kam es zu Streitigkeiten, aber im Ganzen war die Heide als Almende von allen gleichermaßen nutzbar. Erst als zu Beginn des 19. Jahrhunderts ordentliche Gemeinden entstanden und die Beweidung von den zuständigen Gemeindehirten durchgeführt wurde, kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen. 

Mehrere Ortschaften nutzten die Wulfsloh. Neben Beedenbostel, Höfer, Alvern, Ohe und Gockenholz waren es auch Bauern aus Rebberlah, die hier ihr Vieh weideten. Dabei befanden sich große Teile der Wulfsloh innerhalb der Flur des Ortes Höfer. Wie genau die anderen Ortschaften an so erhebliche Weiderechte innerhalb der höfischen Flur kamen, ist unklar. 

Eine Geschichte erzählt davon, dass ein Beedenbostler Viehhirte bestochen wurde und unter falschem Eid aussagte er würde seit vielen Jahren in dem Gebiet seine Schafe auf die Weide führen. Das Recht war damals noch von vielen Gewohnheiten geprägt - daher wurde den Orten letztlich auch das Weideland zugestanden, was sie aus Gewohnheit benötigten. Nicht selten hieß das praktisch: bis dorthin, wo der Dorfhirte das Vieh führte, durfte er es auch weiterhin treiben. 

Die Älteren berichteten einst, der meineidige Hirte habe noch viele Jahre nach seinem Tod auf der Wulfsloh herumgespukt, weil er nicht die Wahrheit gesagt habe. 

In den Jahren 1819 bis 1823 einigten sich die Orte gütlich über die Weiderechte auf der Wulfsloh. Mit dem Prozess der Verkopplung gegen Mitte des 19. Jahrhunderts erledigten sich viele Fragen hinsichtlich der Weideberechtigungen. 

Erst rund 100 Jahre später verkaufte die Realgemeinde Rebberlah ihre Flächen in der Wulfsloh. Der Erste Weltkrieg war gerade verloren - es herrschte Inflation und Armut. Da ließ ein Bauer aus Höfer die Bäume auf der Wulfsloh fällen und die Stucken als teures Feuerholz verkaufen. Das scheint wenig verwunderlich, zumal die französischen Truppen das Ruhrgebiet besetzt hielten und Kohle teuer war. Der Brennstoff Holz war somit heiß begehrt. 


Bild: Alvern - Kartenlayer. Quelle: 1945 (War Office) - Heute (Google Earth).


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Alvern im Sommer des Jahres 1968 in die Gemeinde Garßen eingemeindet. 

Weiterführende Ausführungen über den Ort zur Zeit nach der Eingemeindung finden sich unter anderem in der Chronik des Ortes Garßen, die online verfügbar ist (Chronik Garßen (Klick)). 


Bild: von Nordwesten aus mit Blick in Richtung Gockenholz. Quelle: Simon Thomas - Celle von Oben (Klick). 



Bild: Alvern - Ortsrand aus Gockenholz kommend. Quelle: Hendrik Altmann.



Quellen: 
- Lüneburger Heimatbuch
- Der Speicher
- Schatzregister 1438
- Schatzregister 1378
- Clemens Cassel, die Geschichte der Stadt Celle und seiner Bewohner. 
- Kulturdenkmale des Landkreises Celle


Dieser Beitrag wird, wie andere Einträge im Ortsverzeichnis ebenfalls, laufend ergänzt und erweitert.  

Weitere tolle Luftbilder aus dem Landkreis Celle: Celle von Oben (Klick). 



Hendrik Altmann


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