f Legenden um den Silbersee ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Freitag, 23. Januar 2015

Legenden um den Silbersee



Vielen wird die Geschichte "Der Schatz im Silbersee" von Karl May bekannt sein. Sie spielt im Wilden Westen und handelt von der Jagd nach Teilen einer geheimnisvollen Karte, die zu einem verborgenen Schatz im besagten See führen soll. 

Der Celler Silbersee hat mit all dem recht wenig gemeinsam. Aber auch er verbirgt scheinbar spannende Geschichten. Da sind Erzählungen von Schienen, die auf dem Grund des Sees verlaufen sollen. Auch andere Gerätschaften sollen sich noch in der Tiefe des Wassers verbergen. Was hat es mit diesen Gerüchten auf sich? 

Der Silbersee ist als Badesee bekannt. Er blickt auf eine interessante Entwicklung und Geschichte innerhalb des vergangenen Jahrhunderts zurück. 

Bild: Sildbersee bei Garssen heute. Quelle: Google Earth. 


Bereits vor dem ersten Weltkrieg gab es am südlichen Rand des heutigen Badesees eine Ziegelei. Dies ist ebenfalls auf dem preußischen Messtischblatt von 1899 zu erkennen: 

Bild: Ziegelei westlich von Garßen um 1899. Quelle: Messtischblatt 1899.


Am 20.11.1897 wurde zur Kenntnis gebracht, daß eine Haltestelle an der Bahn Hannover - Hamburg neben der Lübbing'schen Ziegelei durch den Eisenbahnminister genehmigt wurde. Aufgrund der Wichtigkeit einer solchen Haltestelle für Garßen, auch für den Güterverkehr, wurde mit 10 Stimmen gegen 1 Stimme beschlossen, 10.000,- Mark zu den Anlagekosten zu bewilligen. 

Ebenfalls auf der Reichskarte aus dem Jahr 1904 ist hier die Ziegelei verzeichnet. Im Layer in Google Earth erkennt man deutlich, dass sich diese in unmittelbarer Nähe zur Bahnstrecke Hannover-Hamburg befand - heute liegt hier der Silbersee. 


Bild: Ziegelei westlich von Garßen um 1902. Quelle: Reichskarte 1902 / Google Earth.


Im Jahre 1899 hatte der Kreistag beschlossen, eine Kleinbahn von Celle nach Bergen zu bauen. Da sich aber die Verhandlungen zwischen dem Land- und Stadtkreis zerschlugen, wurde die Bahn nur von Bergen nach Garßen gebaut.

Im Mai 1901 wurde der Bahnbau in Angriff genommen und am 23. April 1902 die Bahn dem öffentlichen Verkehr übergeben. Am 12. Dezember 1904 war dann auch das Reststück bis Celle fertig, so daß die Züge von Bergen direkt nach Celle fuhren. Nur zweimal am Tag kamen die Züge auch nach Garßen, um die Ziegelei des Herrn Monheim zu bedienen.

Bild: Ziegelei westlich von Garßen um 1945. Quelle: War Office Map.


Allerdings war die Tongrube bereits um 1920 derart vertieft worden, dass ständig Grund- und Quellwasser nachdrang. Als die Firma Lühmann den Betrieb nach dem ersten Weltkrieg um 1919 wieder aufnahm, musste laufend Wasser abgepumpt werden. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges siedelte die Firma Lühmann schließlich nach Peine um. 

Die nun brachliegende Betriebsfläche lief voll Wasser. Die nahegelegene OHE-Strecke war zeitweise durch nachrutschende Erde beeinträchtigt. 

Die Garßener Dorfjugend nutzte das Gelände nun inoffiziell als Badesee. Das Baden wurde nach dem Krieg offiziell zwar verboten - dies verhinderte jedoch nicht, dass Kinder im See ertranken. 

Bild: Silbersee westlich von Garßen um 1945. Quelle: War Office Map / Google Earth.


Bereits Ende der 60er entstand der Badesee - ein Unternehmer aus Brake erwarb später das Gelände und legte den Campingplatz an. Bereits 1972 wurden insgesamt rund 32.000 Besucher gezählt. 

Die OHE richtete einen eigenen Haltebad am Strandbad ein: 

Bild: Haltepunkt Silbersee. Quelle: n.a.


Allerdings ranken sich auch Legenden um den heutigen Badesee. Auf dessen Grund sollen immer noch Loren auf den einstigen Schienen stehen und Masten vorhanden sein. Weiterhin sollen sich noch allerhand Gerätschaften aus dieser Zeit auf dem Grund befinden. 

Das scheint recht plausibel, denn der Betrieb wurde bereits bei beginn des Zweiten Weltkrieges aufgegeben und lag brach. Vermutlich konnten nicht mehr alle Betriebseinrichtungen abgebaut werden - Wasser drang in die Grube ein. Als dieses nicht mehr abgepumpt wurde, versanken die Materialien einfach im See. Wer weiß heute schon, was noch alles auf dessen Grund "herumspukt" ... 

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