f Fund Petschaft - 31. Juli 2013 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 1. August 2013

Fund Petschaft - 31. Juli 2013


Petschaft...


Kürzlich entdeckte ich bei einer Feldbegehung ein Petschaft. Was ist das eigentlich?

Nun, im Grunde nichts anderes als ein Stempel - mit einem (im wahrsten Sinne) gravierenden Unterschied: während bei einem Stempel die Stempelfläche mit einer Farbe benetzt wird, welche dann einen Abdruck hinterlässt, wird bei dem Petschaft anders verfahren. In den Petschaft ist ein bestimmtes Wappen oder Siegel eingraviert, welches in ein weicheres Material gedrückt wird, um einen Abdruck zu hinterlassen.

Bei einem Petschaft handelt es sich um das was man klassisch auch als "Siegelstempel" bezeichnet.

Der Name "Petschaft" stammt dabei von der Berufsbezeichnung des Petschierers. Dieser war früher für das Anfertigen solcher Siegel zuständig.

Petschafte wurden überall dort eingesetzt wo es galt wichtige Dokumente durch ein offizielles und wiedererkennbares Symbol zu schützen. Beispiele finden sich unter anderem in militärischen, kirchlichen und beruflichen Bereichen.

Mehr zum Thema Petschaften kann man hier nachlesen: Petschaften-Archiv



Bild: Petschaft Seitenansicht, ungereinigt.
Quelle: eigenes Bild.



Bild: Petschaft Seitenansicht, gereinigt.
Quelle: eigenes Bild.




Bild: Petschaft Seitenansicht, gereinigt. 
Quelle: eigenes Bild. 



Erst einmal ist das Petschaft relativ unscheinbar. Man erkennt auf den vorstehenden Bildern schon deutlich einige markante Merkmale: den Griff, der sich nach Oben hin verbreitert und nach Unten hin ausläuft, den runden Sockel und ein Loch im oberen Drittel des Griffstücks. Griff und Sockel sind aus einem Guss.

Interessant wird es aber erst, wenn man die Unterseite des Sockels betrachtet.




Bild: Petschaft Unteransicht, ungereinigt. 
Quelle: eigenes Bild. 





Bild: Petschaft Unteransicht, ungereinigt. 
Quelle: eigenes Bild. 



Bild: Petschaft Unteransicht, gereinigt. 
Quelle: eigenes Bild. 


Man erkennt auf der Unterseite ein zunächst seltsam anmutendes Symbol. Oben erkennt man eine Krone. Auf der Linken scheint ein Hammer und auf der Rechten eine Art Schaufel zu sein. Die Mitte bildet eine Art Dach bzw. Haus. Unterhalb dieses Zeichens sind drei Zahlen/Buchstaben eingeprägt, die sehr schlecht leserlich sind. 




Bild: Abdruck des gefundenen Petschaft in Wachs.
Quelle: eigenes Bild.


Man sieht - das Petschaft ist ohne Probleme auch heute noch sinngemäß zu verwenden. Es lassen sich problemlos damit Abdrücke in wachs machen.


Deutung


Im Normalfall sollten Petschafte dazu dienen anderen eine bestimmte Organisationszugehörigkeit sicherzustellen. Ganz bestimmte Vertreter waren in der Lage ihr Siegel zu machen und so zu belegen, dass ein Vorgang durch die rechtmäßigen Vertreter ausgeführt wurde.

Aus diesem Grund waren Petschafte oft mit einem Familienzeichen, Zeichen der Organisation (z.B. Staat, Militär, Kirche) versehen. In diesem Fall fehlen solche Zeichen fast völlig. Eine individuelle Zuordnung des Petschaft ist somit recht schwer möglich. Vielmehr muss in eine andere Richtung gedacht werden.

Möglicherweise sollte dieser Petschaft gar keiner individuellen Person zugeordnet werden, sondern eine Vielzahl von Leuten abbilden.

Eine mögliche Erklärung findet sich im Bereich der (Handwerks-) Zünfte. Tatsächlich bestehen bei dem Petschaft Parallelen zu gängigen Symbolen der Zunft der Maurer.


Bild: Zunft-Symbol der Maurer.
Quelle: http://www.rolandschacht.de/assets/images/Maurer02.gif


Maurer tragen dieses Symbol heute noch auf Koppelschnallen (Maurer Koppel).

Was allerdings die Krone bedeuten mag und die Buchstaben/Zahlen auf der unteren Seite kann man so nicht genau sagen.



Datierung


Die spannende Frage ist noch wie alt der Gegenstand wohl sein könnte. Die Zünfte sind eine sehr alte Tradition. Sie gehen bis ins Hohe Mittelalter (ca. 1200) zurück. Ihr Ende fanden die Zünfte erst im 19 Jahrhundert. Ohne Frage wird der Petschaft nicht so alt sein. 

Die Verarbeitung des Griffs und die Symbolik sprechen vielmehr dafür, dass der Petschaft etwa in die Zeit zwischen 1700 und 1800 datiert. 



Fazit


Stempel und Siegel haben einen unwiderstehlichen Charme. Wenn sie gut erhalten sind, wie das vorliegende Objekt, dann können sie heute noch genauso eingesetzt werden wie damals als sie eingesetzt wurden. Leider lassen sich von dem Objekt keine Rückschlüsse auf eine örtliche Zunft schließen - noch nicht. Vielleicht lasen sich weitere Zusammenhänge herausfinden. 

Der Fund wird ordnungsgemäß gemeldet und in die Fundchronik 2013, welche zur Zeit in Arbeit ist, aufgenommen. 


Viele Grüße, 

Hendrik. 



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Empfehlungen:


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