f September 2012 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Sonntag, 30. September 2012

Found Places Ausland: Pulverturm - Schloss Prag

Pulverturm - Schloss Prag

Uniformen, Orden und mehr...


Hallo zusammen, 

wie einige schon mitbekommen haben, habe ich mit meiner Freundin vergangene Woche eine kleine Exkursion in die Tschechien unternommen. Genauer: es ging nach Prag. Neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten haben wir uns das Schloss angesehen. Ich kann nur jedem Interessierten raten eine große Keule mitzunehmen, oder aber früh aufzustehen. Mittags/Nachmittags bekommt man dort vor Touristen keinen Fuß los. Um nicht mit den Schlosswachen in Konflikt zu geraten rate ich zur letzteren Variante. 

Leider durfte man in der historischen Ausstellung des Schlosses keine Bilder machen. Ich pflege mich an solche Vorschriften zu halten. Sonst könnte ich an dieser Stelle tolle Gold und Silbermünzen präsentieren... 

Für Auszubildende, Studenten und Schüler beträgt der Eintritt zum großen Schlossrundgang (Museum der Geschichte, Schlosskirche, Pulverturm, 2 Paläste und Goldene Gasse) gerade mal 7,50 € - spottbillig also! Und es lohnt sich. Im Pulverturm durfte man auch wieder fotografieren. Daher möchte ich nun einige interessante Impressionen präsentieren. Die Ausstellung dort beschäftigt sich mit der Historie der Schlossgarde. Aber auch Einheiten der tschechischen Armee werden anschaulich präsentiert. 


Kopfbedeckungen und Ausrüstung der Garde zum Anfang des 19ten Jahrhunderts. 

Uniformen und Ausrüstung der Armee zur Zeit des Ersten Weltkrieges. 
Im Zweiten Weltkrieg. 
Was zum Lesen (anklicken)...
Im Zweiten Weltkrieg. Maschinengewehr und Panzerabwehr - Fauspatrone...
(Erklärung zum oberen Bild)
Sowjetische MP, Helme und britischer Mark I Revolver. 

Ausrüstung unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe mich ein "wenig" über die Absperrung (nicht im Bild sichtbar) gebeugt um zu sehen, ob die Ppsh (Figur links) eine original Stempelung hat. Hat sie. Ich habe dabei auch gleich den Alarm ausgelöst...

...auch das spricht für Echtheit der Waffen;) 
Orden und Makarov...

Ausrüstung im Kalten Krieg: "Ein-Strich-Kein-Strich" Tarnung und AK 47...

Tarnmuster heute. Verschiedene Schnittmodelle. 
Schnittmodell AK-47
Schnittmodell VZ-61 Scorpion...
MG



















Heutige Uniform und Ausrüstung. 
























Fazit...

Es soll hier nicht so rüberkommen, als wenn ich meine Freundin nach Prag schleife, um dort ein paar Waffen anzugaffen. Natürlich haben wir viel mehr in der Stadt angesehen, erlebt und unternommen. Ich freue mich sehr, dass sie sich zu solchen Aktionen immer wieder (siehe Dänemark) breitschlagen lässt. Das Schloss war echt interessant und sehr sehenswert. Aber nach 4 Stunden Kultur/Historie gehen selbst einem geschichtlich interessierten Menschen wie mir die ganzen Touristen auf den Keks. Man sollte also ausgeschlafen sein und sehr sanftmütig, wenn man die 7,50€ für die große Schlossrunde ausgibt. 

Letztendlich ist Prag und vor allem das Schloss wirklich einen Abstecher wert! Der Pulverturm war natürlich genau mein Fall. Goldmünzen hätte ich hier auch gerne gezeigt. Auch den Skelettfund "the Warrior" würde ich gerne zeigen. Leider durfte man dies nicht fotografieren. 

Wer irgendwann mal nach Prag fährt, sollte nicht nur günstiges Bier vor Augen haben - was nebenbei echt gut schmeckt - sonder auch einen Tag Kultur/Geschichte einlegen. Kostet wenig - ist aber viel interessanter als Shopping, denn Luxusgüter und Markensachen sind dort wesentlich teurer als bei uns. 


Bis bald, 
S.t.a.l.k.e.r.




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Donnerstag, 20. September 2012

Die Sage vom Kirchenbau in Altencelle

Die Sage vom Kirchenbau in Altencelle...

Eine Anekdote von der Erbauung der alten Kirche. 


Ebenso spannend wie jeder Tatsachenbericht sind alte Legenden und Sagen. Obgleich es heute dank Internet und Fernsehen vielleicht an Kreativität und Vorstellungskraft bei manch einem fehlt, bieten Sagen und Legenden immer eine Flucht aus dem normalen Alltag. Am interessantesten sind sicherlich Erzählungen von seltsamen Wesen, wie z.B. Riesen oder Zwergen, die einst in unseren Gegenden gelebt haben sollen. Aber auch die Sagen von Beobachtungen und Phänomenen ziehen recht schnell jeden in den Bann. In diesem Beitrag geht es um eine (bekannte) Legende zum Ort Altencelle. Einige haben davon wohl schon gehört - anderen wird die Erzählung gänzlich unbekannt sein.


Die Sage...


Irgendwann in früherer Geschichte sollte eine Kirche in Altencelle erbaut werden. Man wählte also eine freie Stelle mitten im Ort und begann mit dem Bau. Es standen schon die ersten Mauern, als an einem Morgen zum Entsetzen aller der gesamte Bau verschwunden war. Die Leute dachten schon der Teufel habe seine Finger im Spiel. Jedoch erkannten sie recht schnell den wahren Grund: das sumpfige Gelände hatte die Mauern "verschluckt". Nun überlegte man was zu tun sei. Schnell wurden die Leute sich einig, dass die Kirche unbedingt mitten im Ort zu bauen sei. Der Sumpf wurde mit genügend Erde aufgefüllt und man begann erneut die Kirche zu bauen. Schon beim Bau merkten die Handwerker allerdings, dass auch dieser Versuch nichts half. Wieder versank die Kirche in einem Abgrund. Man rätselte lange was man unternehmen könnte. Eines Tages kam ein uraltes Mütterlein in das Dorf. Tief über seinen Stock gebückt malte es aus:"Wenn ihr kein Kindelein in den Mauern begrabt, wird eure Kirche niemals stehen!"

Zuerst reagierten die Bewohner des Dorfes skeptisch. Doch dann wuchs mehr und mehr die Mähr, dass Gott ein Opfer wünsche. Nur wer würde für dieses Unterfangen sein Kind geben?
Es wurde viel Geld geboten, doch niemand meldete sich, sein Kind einmauern zu lassen. Einige Zeit später trat ein verführtes Mädchen hervor. Es war arm und selber ausgehungert. Da Mädchen versprach  es werde sein Kind geben. "Es wird doch bei mir sowieso sterben müssen - da soll es sein Leben für Gott geben, ein Engel werden und im Himmel für meine Sünde beten..."
Und so bekam das Mädchen das Säckchen voll Geld. Kaum hatte es das Kind übergeben, lief es schreiend durch die Gassen und verschwand schließlich.
Später legte der Priester das Kind in die Grube. Nun fragte der Priester: „Was ist weicher als eine Wiege im Glauben der Kirche…? Darauf schrie der Säugling auf: „Der Schoß der Mutter.“ Entsetzt wich das Volk zurück. Bevor jemand das Wort ergreifen konnte fragte der Priester:“ Was ist lieblicher als die Süße des Himmels?“ Sofort kam es aus der Grube zurück: „Die Brust der eigenen Mutter.“ Dann fiel der Grundstein und begrub das Kind unter sich. Schon sehr bald wuchsen die Kirchenmauern und es konnte Richtfest gefeiert werden. Der Bau blieb – anders als seine Vorgänger – standhaft und wurde schon sehr bald eingeweiht. Es gingen einige Jahre ins Land. Die Kirche war längst ein fester Bestandteil von Altencelle geworden. Manchen Abends sahen nun die Bewohner Altencelles eine alte verwirrte Frau zur Kirchtüre gehen. Häufig kam sie abends an Herbsttagen aus dem Nebel der Allerniederung hervor und schlich fluchend durch die Gassen. An der Kirche angekommen schrie sie laut gegen die Türe und Mauern. Eines Tages verschwand sie wie sie gekommen war im dichten Nebel der Aller. Die Bewohner hörten darauf einen Schrei. Es sprach sich herum, das Weib sei von der alten Holzbrücke gesprungen und habe zuvor einen Sack mit Geldstücken in den Fluss geworfen. Kurz Zeit später kam eine schreckliche Katastrophe über Altencelle. Gleich an mehreren Orten brachen Feuer aus und fast der ganze Ort brannte nieder. Besonders schlimm traf es die Kirche. Nichts blieb mehr von ihr zurück. In Altencelle wurde daraufhin angenommen das alte Weib habe den Ort verflucht. Bald begann man die neue Stadt am heutigen Ort Celles aufzubauen. Altencelle hat sich von dieser Zeit an nicht mehr vergrößert und der Traum von einer richtigen Stadt mit Kirche wurde aufgegeben.



Über diese Sage…


Sicherlich ist diese kleine Geschichte sehr zusammen gedichtet. Es ist außerdem nicht ohne weiteres zu sagen wann sie sich zugetragen haben soll. Die Gertrudenkirche in Altencelle steht seit etwa 1000 an ihrem heutigen Ort (siehe nebenstehende Karte). Es ist eine verheerende Feuersbrunst aus dem 13 Jahrhundert überliefert. Hinzu kommt, dass die Aller in ihrem Altarm direkt vor dem heutigen Altencelle floss. Das bedeutet die Böden werden damals durchaus feuchter und sumpfiger gewesen sein, als es heute der Fall ist. Im ersten Moment würde man nun sagen diese Legende habe einen wahren Ursprung. Dennoch passt es zeitlich nicht ganz zusammen, dass die heutige Kirche (am Ortsrand) um 1000 entstand – das Feuer aber erst gut 250 bis 300 Jahre später den Ort verwüstete. Möglich wäre aber, dass die heutige Kirche der Ausbau der damaligen Kapelle am Friedhof ist.
Neben diesen Spekulationen muss festgehalten werden, dass einige Aspekte der Sage wahr und belegbar, andere glaubhaft und wieder andere fragwürdig sind. Ob nun ein Säugling wirklich klar gesprochen hat ist nicht mehr nachweisbar. Möglich ist, dass es problematisch war die Kirche früher zu errichten. Als es dann wenige hundert Jahre später zu einer Zerstörung der Burg und des Ortes durch den Brand kam, lag bei dem damalig herrschenden Aberglauben die Vermutung nahe, beides könne in Zusammenhang stehen.


Was ist die „Moral“ der sage…?


Jene Sagen und Legenden sollten die Menschen zum Nachdenken bewegen. Heute wird eine gewisse kritische Haltung gegenüber der Umwelt als gegeben vorausgesetzt. Früher aber musste den Leuten häufig an einer teils fiktiven Geschichte deutlich gemacht werden, warum gewisse Umstände hinterfragt werden mussten.
Zu der Moral und Aussage der Sage um den Kirchenbau in Altencelle kann man viele Spekulationen anstellen. Dazu ist es hilfreich die einzelnen Motive zu analysieren. Da haben wir zum einen den Kirchenbau als ein ehrgeiziges Unterfangen. Kirchenbau ist grundsätzlich etwas Gutes, wenn man davon ausgeht, dass die Kirche die Vertretung Gottes auf Erden ist. Etwas dementsprechend „Gutes“ auf einen unsicheren Grund zu bauen (Morast, Sumpf) spricht für eine mutige Entscheidung. Das Motiv der Kindesopferung knüpft an biblische Bilder an (altes Testament, Abraham). Das Mädchen welches sein Kind hergibt, lässt sich abermals verführen, denn das Geld verleitet es zu dieser Tat. Hier werden wiederum weltliche Motive deutlich. Einerseits die erste Verführung des Mädchens (ungewollte Schwangerschaft) und zweitens die Habgier (Geld). Beides steht im Kontrast zur Reinheit und dem ursprünglichen Glauben, wie ihn die Kirche verkörpert. So gesehen ergibt sich das Gesamtbild, dass es auf den ersten Blick zwar einfach ist einen Bau auf Unrecht zu gründen – letztlich sich aber der Mensch nicht über Gott stellen soll.
Vor dem Hintergrund, dass die sage aus einer stark vom Glauben geprägten Epoche stammt, macht diese Interpretation meines Erachtens Sinn.


Fazit…


Die Sage ist meiner Meinung nach sehr raffiniert in den geschichtlichen Kontext eingesponnen. Nur derjenige, der sich intensiv mit den geschichtlichen Entwicklungen auseinandersetzt, vermag die Punkte zu erkennen die reinen Dichtungen entstammen. Zumal Altencelle heute noch fast dasselbe Bild hat wie zu jener Zeit (bis auf wenige Ausnahmen) ist die Sage heute noch gut für uns greifbar. Ich finde sie besonders interessant, da sie die alten zustände düster und verschwommen darstellt und so ein geheimnisvolles Bild auf die Vergangenheit wirft…




Beste Grüße,
S.t.a.l.k.e.r.



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Quellen:
- Volkssagen aus Niedersachsen, Günter Petschel
- Sagen und Märchen aus dem Celler Land, Eberhard Rohde
- Celle, Heimatchronik Stadt und Landkreis, Heinrich Pröve, Jürgen Ricklefs, Wolfgang Paul
- Altencelle - das ursprüngliche Celle, Volker Moeller (Bilder)





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Samstag, 15. September 2012

Zur Eingemeindung Schwachhausens


Zur Eingemeindung Schwachhausens (29.09.1928)


Wie die selbstständige Gemeinde Schwachhausen in die Landgemeinde Offensen eingegliedert wurde...



Diesen Stein, der inmitten der Ortschaft Schwachhausen steht, kennen vermutlich viele aus der Gegend. Er steht unübersehbar neben der erneuerten "Kannenbank" an der Einmündung des Birkendamms. "Selbstständige Gemeinde Schwachhausen - Bis 1928" steht dort in Stein gemeißelt. Da der Stein seit eh und je dort ruht, haben ihn viele einfach als gegeben akzeptiert. Aber was hat es aus sich mit der selbstständigen Gemeinde? Wann war eine so kleine Ortschaft selbstständig? Aus den Tagen in denen der Forsthof (heute abgerissen) noch für heitere Silvesterfeiern genutzt wurde ist mir eine Geschichte in Erinnerung geblieben. Ein junger Mann aus Langlingen hatte es wohl nicht mehr ganz in die Büsche geschafft und war vermutlich auch zu betrunken um die Worte auf dem Stein lesen zu können. So erleichterte er sich dann auch zielgerichtet an dem Stein. Als das aber nun einige Jungs der Schwachhäuser Dorfjugend mitbekamen, war die Empörung groß. Zu einer Auseinandersetzung kam es trotzdem nicht. Eigentlich wusste wohl keiner, warum man sich im Stolz gekränkt fühlte. Nur - das war klar - mit einem Gedenkstein für Schwachhausen tut man so etwas nicht! 

Vielleicht bringt dieser Beitrag ein wenig Klarheit darüber, warum sich die jungen Dorfbewohner Schwachhausens damals in ihrer Ehre verletzt sahen...


An den Gemeindevorsteher...

Am 22. Oktober 1928 erhielt der letzte Gemeindevorsteher Tietje einen unschönen Brief. Laut dem Beschluss des Preußischen Staatsministeriums vom 29.09.1928 wurden die Gemeinden Schwachhausen und Offensen mit Wirkung vom 30.09.1928 zu einer Landgemeinde mit dem Namen Offensen vereinigt. "Infolge dieses Beschlusses haben der dortige Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung ihre Zuständigkeit verloren" hieß es weiter. Der Gemeindevorsteher zu Offensen übernahm kommissarisch die Verwaltung der neuen Gemeinde Offensen. Im waren die Akten, Siegel und Stempel der Gemeinde Schwachhausen zu übergeben. 

Als Wahltag zur Wahl eines legitimierten neuen Gemeindevorstehers wurde der 02.12.1928 festgesetzt. Zu diesem Zwecke sollte durch den Gemeindevorstand Offensens eine Wahlliste aller wahlberechtigten Einwohner erstellt werden. 

Mitteilung des Amtsgerichtes zum Übertrag des Grundbesitzes aus dem Grundbuch Schwachhausen in das Grundbuch Offensen. 

Was bedeutete dies für die Flächenverteilung...?


Auf der nebenstehenden Karte ist die Gemeinde Offensen (grün) und die Gemeinde Schwachhausen (rot) eingetragen. Die Karte lässt sich durch Anklicken vergrößern! Man sieht deutlich die Flächen die zur Gemeinde Schwachhausen im Langlinger Holze (im Holze) gehörten. Durch die Zusammenlegung der beiden Gemeinden wurden die Gebiete zusammengelegt. Natürlich behielt jeder Bauer seine Flächen. Die Zusammenlegung war also vielmehr eine Vereinigung auf politischer Ebene. Die dargestellten Flächen lagen ab dem 30.09.1928 im Gemeindegebiet Offensens und wurden damit auch durch den Gemeindevorstand Offensens verwaltet. Alle Entscheidungen, die die Schwachhäuser Gebiete betrafen mussten daher auch durch den Gemeindevorstand Offensens abgesegnet werden. 

Wie reagierte man in Schwachhausen...?

Natürlich herrschte in Schwachhausen nicht gerade Begeisterung. Zwar hatte es auch innerhalb der kleinen Gemeinde Schwachhausen immer wieder kleinere Auseinandersetzungen (wie z.B. den Weidetränken-Streit zwischen Krohnes und Pries) gegeben, aber letztendlich war im Dorfe eine gewisse Übereinkunft sicher gestellt. So konnten die Vorhaben im Gemeinderat zu Schwachhausen relativ schnell geregelt werden. Es war mehr oder weniger eine nachbarschaftliche Absprache wenn es darum ging eine Entscheidung herbeizuführen. 

Nun allerdings mussten die Entscheidungen in Absprache mit den Offensenern getroffen werden. Der dortige Gemeinderat war von nun an zuständig. Dieser grundlegende Kompetenzverlust war den Schwachhäusern nicht willkommen! Und so wurde am 17.12.1928 ein Schreiben an das Preußische Staatsministerium aufgesetzt: 

"Der endesunterzeichnete, ehemalige Gemeindeausschuss der Gemeinde Schwachhausen. Kreis Celle, erhebt gegen die Eingemeindung der Gemeinde Schwachhausen in die Gemeinde Offensen aufgrund des Eingemeindungsgesetzes vom 27. Dezember 1927 Einspruch
Die Gemeinde Schwachhausen kann in der gegen ihren Willen erfolgten Eingemeindung keine Förderung des öffentlichen Interesses und Wohles erblicken. Die Gemeinde Schwachhausen ist ihren allen finanziellen Anforderungen ohne Schwierigkeiten nachgekommen und vollständig schuldenfrei. Die Gemeindezuschläge zur staatlichen Grundvermögensteuer mit 300 % im Rechnungsjahr 1927/28 und im Rechnungsjahr 1928/29 200 % können nur als durchaus normal angesehen werden. Die Gemeinden Schwachhausen und Offensen haben schon von jeher einen Schuldenverband gebildet, sodass in dieser Beziehung für die Zusammenlegung der beiden Gemeinden kein Vorteil für eine der beiden Gemeinden gefunden werden kann. Ausserdem hatte die Gemeinde Schwachhausen die Absicht, einen vielbenutzten, zentralen Gemeindeweg auszubauen, dessen Ausbau Infolge der Zusammenlegung und geringen Vertretung von Schwachhausen im Gemeindeausschuss in Frage gestellt wird., da die im Gemeindeausschuss massgebend überwiegende alte Gemeinde Offensen an dem Ausbau nicht das geringste Interesse hat. 

Wir glauben hiermit den Nachweis erbracht zu haben, dass die Gemeinde Schwachhausen durch die Zusammenlegung nicht gefördert, sondern durch die natürlicherweise entstehenden Hemmungen Seitens der alten Gemeinde Offensen in Zukunft gegenüber anderen selbstständig gebliebenen Gemeinden ausserordentlich benachteiligt sein wird. 

Wir bitten daher unserem Einspruch stattzugeben und die erfolgte Eingemeindung aufzuheben. "





(Unterzeichnung durch den ehemaligen Gemeindeausschuss Schwachhausen (Nachnamen von links an): Tietje, Pries, Krohne, Pries ( = "Feldpries"?), Wreede, Eggelmann und Hagemann). 


Ganz offensichtlich sprach man sich in Schwachhausen vehement gegen die Eingemeindung aus. Als wesentliche Gründe wurde zunächst angeführt, es gäbe keinerlei Argumente für eine Eingemeindung. Auch Konsolidierungsgründe werden widerlegt, denn laut Aussage des Schwachhäuser Gemeindeausschusses war Schwachhausen schuldenfrei. Ein weiteres schlagkräftiges Argument gegen die Eingemeindung war der Ausbau eines wichtiges Wirtschaftsweges. In Schwachhausen herrschte Übereinkunft den Weg auszubauen. Durch die Eingemeindungsmaßnahme sah der Gemeindeausschuss jedoch den Ausbau des Weges gefährdet, da die Offensener wohl kein Interesse an dem Weg hatten. 

Man kann nur Mutmaßen - aber aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei dem genannten Weg um den Birkendamm. Die heutige "Grüne-Plan-Straße" existiert in ihrer Form erst seit Mitte der 60er Jahre. Bis Ende der 50er war der Birkendamm ein Sandweg. Später kam ein "Sommerweg" in Form eines kleinen Seitenweges hinzu. Damals war der Birkendamm seiner Art nach vergleichbar zum heutigen Wegstück zwischen dem Langlinger Holze und Paulmanns Havekost oder auch dem Altenceller Postweg bei Lachendorf. Der Weg war für die Schwachhäuser Bauern wichtig - für Offensen aber bedeutungslos. Daher scheint die Sorge des Gemeindeausschusses Schwachhausens auch nicht unbegründet gewesen zu sein. Und wenn man den geschichtlichen Verlauf bedenkt - der Birkendamm wurde auch erst nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut! 

Aber auch noch andere Argumente wieder schwer...



In diesem Dokument des Preußischen Staatsministeriums sind die Daten der Gemeinden Offensen und Schwachhausen zum Zeitpunkt der Eingemeindung aufgeführt. Man sieht, dass die Gemeinde Schwachhausen eine Flächengröße von 248 (Ha?) und die Gemeinde Offensen eine Größe von 493 (Ha?) aufweist. Viel wichtiger ist jedoch etwas anderes. Während damals in Schwachhausen bloß 78 Menschen lebten, war Offensen fast dreimal so stark bevölkert. Eben dies wird auch ein Grund gewesen sein, warum man in Schwachhausen Sorge hatte, dass die eigenen Interessen nicht mehr denselben Wert hatten.
Daneben sind die Steuereinnahmen aus den beiden Gemeinden aufgeführt. Da in Schwachhausen kein gewerbesteuerpflichtiges Unternehmen ansässig war, liegen die GewSt-Einnahmen bei 0.

Fazit und heutiger Bezug...

Natürlich erscheint dieser ganze Zirkus um die Zusammenlegung derartig kleiner Gemeinden heute etwas überbetont.
Festzuhalten bleibt aber, dass die Maßnahme der Eingemeindung "top down" - also von oben herab erfolgte. Die jeweiligen Gemeindeausschüsse blieben ungefragt. Sehr demokratisch war dieses Verfahren vor dem Hintergrund der damaligen ersten Demokratie (Weimarer Republik) sicher nicht. Es  ist verständlich, dass die Schwachhäuser nicht einsahen sich einerseits diese neue Ordnung ungefragt aufdrängen zu lassen - aber andererseits die entsprechenden Nachteile durch spätere (demokratische) Abstimmungen hinzunehmen. Sicherlich war eine Verkleinerung der Gemeindenanzahl für den Staat aus Verwaltungsgründen notwendig.

Wenn man einen Bezug zu heute darstellen will, so muss man zuerst einmal bedenken, dass die Ortschaften Offensen und Schwachhausen heute beide keine Gemeinden mehr sind. Heute zählen sie zur Samtgemeinde Flotwedel. Dennoch haben sich aus dieser Zeit einige wichtige Traditionen erhalten. Etwa beim Schützenfest, welches alle vier Jahre gefeiert wird, zeigt sich besonders der Zusammenhalt der Orte Offensen und Schwachhausen. Auch die Bekanntschaften und Familienbande der Orte Offensen und Schwachhausen sind enger als z.B. die zwischen Schwachhausen und Nordburg.

Heute verfügen die Orte Offensen und Schwachhausen über ein gemeinsames Dorfgemeinschaftshaus. Dieses steht am Ortsausgang Offensen - Richtung Schwachhausen. Bei der Frage wo und wie ein solches Gebäude zu errichten sei und auch in Bezug auf eine mögliche Sanierung des bisherigen "Treffpunktes" (zum Forsthof) in Schwachhausen kam es durchaus zu divergierenden Ansichten.

Sicherlich gibt es heute nicht mehr viele, die die Eingemeindung miterlebt haben. Aber auch für die nachfolgenden Generationen wird dieses Ereignis durch die Erzählung ihrer Eltern/Großeltern entsprechend aufgenommen worden sein. Möglicherweise lassen sich einige Aspekte heutiger Diskussionen auch auf dieses Ereignis zurückführen. Das bedeutet aber nicht dass die ehemaligen Gemeinden und heutigen Nachbarortschaften nicht auf vorbildliche Art und Weise miteinander verwachsen sind.


Beste Grüße,
S.t.a.l.k.e.r.


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Quelle: Kreisarchiv Celle und eigene Bilder.



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Dienstag, 11. September 2012

Filme in der Heimat: Wege im Zwielicht (1948)

Wege im Zwielicht

Arbeitstitel: "Solange das Herz schlägt; Ein besseres Leben"
Produktion: Junge-Film-Union, Rolf Meyer, Hamburg

Buch: Robert A. Stemmle

Regie: Gustav Fröhlich

Regieassistenz: Walter Fredersdorf

Kamera: Franz Weihmayr

Kameraassistenz: Heinz Pehlke, Walter Schenk

Bauten: Erich Grave

Schnitt: Walter Fredersdorf

Ton: Werner Kobold

Musik: Werner Eisbrenner



Darsteller: 

Gustav Fröhlich (Otto Lukas)
Johanna Lepski (Edith Siems)
Sonja Ziemann (Lissy Stenzel)
Benno Sterzenbach (Stefan Kolb)
Gert Schäfer (Peter Wille)
Und: 
Alfred Laufütte
Axel Scholz
Hubert Endlein
Peter A. Korn
Drehzeit: August bis Oktober 1947
Aufnahmeort: Hannover und Umgebung von Celle


Zum Inhalt

"Wie Wanderer zwischen den Welten sind sie entwurzelt und haltlos im Sturm der Zeit. In einem Bahnhofsbunker, unter Verbrechern und Schwarzhändlern beginnt die Odyssee dreier junger Menschen - von der Not dem moralischen Gesetz entfremdet. Sie fliehen von Dorf zu Dorf, denn die Polizei verdächtigt sie wegen eines Mordes. Mit jugendlichem Trotz und Unverstand begegnen sie hilfsbereiten  Menschen. Doch die Liebe einer Frau und eine wunderbare Lüge einer älteren Person könnte es ihnen ermöglichen, den Weg aus dem Zwielicht zu finden..." 

- So romantisch liest man es auf der Verpackung des Filmes. Um es mal mit mit zeitgemäßeren Worten zu beschreiben: 

Die jugendlichen Stefan, Sepp und Peter halten sich im Untergrund der Stadt Hannover mit kleineren Gaunereien über Wasser. In den Ruinen Hannovers blüht der Schwarzhandel. Durch einen Unfall geraten die Drei unter Mordverdacht. Hals über Kopf türmen sie zusammen mit dem kleinen Jungen Alfred aus Hannover. Herr Otto Lukas, der im Krieg wohl am rechten Auge und am rechten Bein verwundet wurde hatte tags zuvor mit einem der Jungen ein Zigarettengeschäft abschließen wollen. Nun reißt er im selben Zug ausgerechnet in dasselbe Dorf in dem auch die Jungen nach tagelanger Landstreicherei unterkommen. Was die Jungen nicht wissen: Lukas ist hier Bürgermeister. Er verbirgt sie vor der Polizei so gut er kann und bietet ihnen Unterschlupf. Zumal die Dorfbrücke während des Krieges zerstört wurde, bekommen die Jungen die Chance auf einen Neubeginn indem sie die Brücke wieder aufbauen. Stefan verliebt sich ausgerechnet in dieselbe Frau wie Lukas - Ärger ist vorprogrammiert. 


Der Hintergrund


Der Film entstand während der alliierten Filmzensur in der britischen Zone. Aufgrund von Entnazifizierungsbestrebungen war es nicht leicht einen deutschen Film in die Kinos zu bringen. Studios standen zu dieser Notstandszeit nicht zur Verfügung und so musste auf andere Örtlichkeiten ausgewichen werden. Im Film wurde daher der Tanzsaal einer Dorfgaststätte genutzt. Auch das Kloster Wienhausen bot sich für Innen- wie Außenaufnahmen an. Natürlich konnte damals niemand das Internet nutzen - und so boten Filme eine wirkliche Art der Ablenkung. Der Film entstand in der Zeit der sogenannten "Trümmerfilme". Da er jedoch in einer sehr ländlichen Umgebung spielt, entsteht recht schnell der Eindruck von Neubeginn und Aufbau. 

Drehort


Den Älteren aus Schwachhausen, Offensen, Wienhausen und Oppershausen ist "Wege im Zwielicht" sicherlich noch ein Begriff. Ein Teil der Aufnahmen stammt direkt aus Oppershausen. Andere lassen deutlich das Kloster Wienhausen (Innenhof, Kreuzgang) erkennen. Im Vordergrund steht jedoch bei einem Großteil der Außenaufnahmen die Brücke. Bei dieser handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Allerbrücke zwischen Wienhausen und Oppershausen. Da es kein Dokumentarfilm ist, ist es manchmal etwas schwierig zwischen Kulisse und Wirklichkeit zu unterscheiden. So kann man nicht sagen, ob die Trümmerteile der alten Brücke wirklich noch so dort vorhanden waren, oder ob es sich um "Requisiten" handelt. Wie in diesem Beitrag beschrieben, wurde die Allerbrücke bei Wienhausen am 13. April 1945 in Folge der Kampfhandlungen, mit der Kampfgruppe Wiking, zerstört. Es ist also gut möglich, dass eben diese Brücke zwei Jahre später für die Filmaufnahmen herhalten musste. 


Aus heutiger Sicht...

Natürlich sind viele der Themen des Films heute nicht mehr zeitgemäß. Es fällt sehr schwer sich in die Lage der Charaktere zu versetzen, da wir heute einen gänzlich anderen Hintergrund haben. Dennoch ist es sehr interessant zu sehen wie damals versucht wurde vor der Ohnmacht des Krieges einen Spielfilm zu drehen. Nicht immer kann man hinter die (teilweise) kommentarlosen Aktionen der handelnden Personen steigen, bzw. ihr Handeln verstehen. Nachdem der Film in die Kinos kam herrsche eine gespaltene Meinung über ihn. Die einen fanden er würde die Situation und den Hintergrund zu harmlos und romantisch darstellen. Die anderen fanden er zeigte die Realität. - Scheinbar war der Geschmack eben immer schon verschieden. Fakt ist, dass die Frage des Krieges - alleine schon wegen der Zerstörung (Brücke) - nicht ausgeblendet wird. Während Filme der 60er und 70er häufig nur "Wirtschaftswunder-Zeiten" betonten, setzte man sich in diesem Film schon sehr bald mit dem Trauma des Krieges auseinander. Sehr anschaulich wird das besonders, da die drei Jungen einer Generation angehören, die sich schon nicht mehr als unmittelbar schuldig für den Krieg ansieht. Es taucht die Frage auf "ja - wer hat uns denn in den Krieg geführt...". Natürlich vermag der Film darauf noch nicht das Allheilmittel und die Lösung zu liefern. Aber die Antwort des allseits weisen Otto Lukas (Gustav Fröhlich) lautet, dass es an der Zeit sei nach Vorne zu blicken. 
Die Brücke wird zum Symbol des Neubeginns. Und es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Film damit endet, dass Bauern und Bürger wieder frohen Mutes über die Brücke fahren/laufen. 

Die neue Brücke ist keine Beton- sondern eine Holzkonstruktion von Stefan. Dieser wollte schon vor dem Krieg Brücken bauen. Die Brücke drückt damit - wie in so vielen anderen werken aus - ein Zeichen der Verbindung aus. Eine "Brücke bauen" - das soll hier mehr bedeuten, als nur Infrastruktur! Materialtechnisch stößt der Film laufend an Grenzen. Es wird deutlich, dass die Filmindustrie nach dem Krieg um einige Jahre zurückgeworfen war. 

Auswahl einiger Motive...

Die Jungen fliehen mit dem Zug aus Hannover. Wie es bei Zügen damals war - die dritte Klasse saß auf Trittbrettern...













Verschiedene Bilder. Oben: Edith und Stefan. Mitte: Sepp will Lukas Zigaretten verkaufen. Unten: Stefan und Lukas planen die Brücke.


















Oben: Lukas versperrt Stefan den Weg. Mitte: Die drei Jungen bei einem Schmied. Unten: Erste Begegnung zwischen Stefan und Lukas. 
Aufnahmen vom Drehort. 
Einrichten einer Kamera. 


















Sepp und Peter bei Herrn Lukas.













Stefan und Edith.













Herr Lukas entdeckt die Jungen im Glockenturm.














Fazit

Der Film ist in jedem Fall sehenswert. Klar - Explosionen und Special Effects sucht man hier vergebens, aber für die Zeit ist der Film schon alleine der Dialoge wegen sehr gelungen. Gerade wenn man in der Region lebt und die Gegend kennt versucht man doch immer wieder zu erkennen wo gerade gedreht wird.


Bezugsquellen: 


Hier eine Liste der Bezugsquellen. Der Film ist für gute 10,00 € zu haben - ein absolut fairer Preis. Dazu gibt es auch noch eine Menge tolles Bonusmaterial.



Beste Grüße,
S.t.a.l.k.e.r.



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Quellen:
Film: Wege im Zwielicht (JFU, Rolf Meyer)
Bilder aus dem Flyer der DVD-Ausgabe, Dr. Peter Stettner, FH Hannover, Kulturarchiv.
Link: http://kulturarchiv.fh-hannover.de/

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Donnerstag, 6. September 2012

Was war eigentlich los am... (06.09.1940)?

Zeitschrift zum Tag (heute: 06.09.1940)


Am einfachsten erfasst man die Dinge doch, wenn man sich in die Situation selbst hineinversetzt. So geht es einem häufig bei Problemen, die einem ein anderer berichtet: erst wenn man sich selber in die Situation versetzten kann, versteht man meist das Problem.

So ist es wohl auch bei Geschichte - wie soll man aus heutiger Sicht Dinge verstehen und beurteilen, die außerhalb des persönlichen Bereiches liegen. Durch eine gewisse Vorbildung kann man sein Denken dahingehend schulen. Trotzdem ist die einfachste Möglichkeit sich in etwas hineinzuversetzen und es so zu verstehen, indem man denselben Blickwinkel wählt. Das soll in diesem Zusammenhang keineswegs missverstanden werden - der Blickwinkel meint nicht die persönliche Meinung und Einstellung zu etwas - vielmehr geht es um den "Blick auf eine Sache".

Um dies zu demonstrieren berichte ich heute über eine alte Zeitschrift: "Die SA" vom 06.09.1940 (also genau heute vor 72 Jahren). Damals mag alles etwas anders gewesen sein, als heute. Dennoch waren bestimmte Dinge auch identisch z.B. die Gefühle der Menschen in Bezug auf den sich neigenden Sommer. Zumindest ist das sehr wahrscheinlich - wenn man mal alle anderen Geschehnisse plakativ ausblendet.


Ich möchte in diesem Beitrag einige der Inhalte der Zeitschrift vom 06.09.1940 vorstellen. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um eine Verherrlichung - sondern eine geschichtliche Betrachtung handelt die zeigen soll, was die Menschen genau heute vor 72 Jahren lasen. (Alle nationalsozialistische Zeichen wurden natürlich entfernt!)


Die Zeitschrift


Frontcover der Zeitschrift.

Unten erkennbar: 06.09.1940.
Das Hakenkreuz wurde entfernt.
















Der Hauptartikel "Lüge und Revue - Ausdruck britischen Geisteslebens".


Der Artikel ist mehr oder weniger eine Abhandlung progagandistischer Art über Großbritannien". Im Wesentlichen werden darin britische Ideale verunglimpft und ihnen jede Form von Ehrbarkeit abgesprochen.

Letztlich lässt sich der Artikel in die einfachen Worte fassen:"Deutsche sind toll - Briten nicht!" - sicherlich nicht ungewöhnlich für Zeit und Kontext.










In Zeichnungen wie dieser soll an Kriegstugenden appelliert werden. Diese Zeichnung beispielsweise seitenfüllend - es fehlt eigentlich nur noch der Hinweis "reiß mich aus und häng mich auf..."

Die Handzeichnung stammt von einem unbekannten "E.R. 40". Ein typisches Propagandabild. Mit ihm soll der Einzelne auf die allgemein und typisch heroischen Ideale der SA eingeschworen werden.












Auch mal ganz praktisch:
nebenbei lernt der aufmerksame Leser, wie er mit der Gasmaske II umgehen muss. Könnte ja sein, dass man die mal braucht.

Dazu findet man eine Seite vorher auch noch die Benutzeranleitung. Im oberen Drittel dieser Darstellung sieht man, wie die Gasmaske anzulegen ist. In der Mitte und Unten haben wir dann die Darstellung, wie die Gasmaske korrekt zu tragen ist - zu Fuss und auf dem Pferd.

Fragt sich wo das Pferd seine Gasmaske trägt...









Interessant:
Feldpost. "Aus dem Dienst und dem Leben der SA".

Zitat:
"Der alte Kampfgeist der SA, verbunden mit dem Geist der Wehrmacht, wird auch den letzte Widerstand brechen. Ich hoffe nur, auch beim letzten Sturm dabei zu sein." (Gefr. W. Obersturmbannführer).













Weitere "Leserbriefe" der Feldpost. Daneben immer wieder Zeichnungen von Wehrmachtssoldaten. Beim Stellungsbau, beim Anreichen von Artielleriemunition (beliebtes Motiv), beim Essen und beim Funk.



Es ist dem objektiven Beobachter aus heutiger Sicht natürlich klar, was sich hinter solchen "Leserbriefen" steckt. Der damalige Leser sollte neugierig auf den Dienst an der Waffe gemacht werden. Natürlich konnte man hier keine objektiven Berichte drucken. 











Was haben wir denn da?

Eine Karte von Großbritannien mit Flughäfen und Marinehäfen. Na so ein Zufall!
- Wo wir doch auf den Seiten 1 bis 5 darauf eingeschworen wurden, dass uns die Briten nicht mögen - wir aber besser sind als sie. Was soll man daraus schließen...

Anders als heute wurde das Volk mittels solcher Darstellung aktiv zum Strategen und Feldherren. Jeder konnte sich leicht ein Bild der Lage machen und fachsimpeln, wie man den Gegner in die Knie zwängen könnte. Das war der Propagandaführung natürlich schnell aufgefallen:
Die Menschen hinterfragten an dieser Stelle nur das "wie" - wie kann man die Briten besiegen? Aber nicht das "Warum" - das wurde nämlich vorgegeben. Und zwar auf den Seiten 1 - 5...




Auch beliebt:
Kleinanzeigen. Auf dieser Seite erfährt man unter anderem, dass "die Front der Arbeit den "Angriff" liest" und wird über "Kleinigkeiten von Bedeutung" (Kleinkalibergewehre) von der Marke Walther informiert.
















Ein heroischer Abschluss darf natürlich nicht fehlen...

















Fazit

Natürlich waren das nicht alle Seiten der Zeitschrift vom 06.09.1940. Bei Sammlern werden derartige Exemplare hoch gehandelt - um die 25 bis 45€ habe ich einige Male im Internet gefunden. Ob ich dafür so viel Geld ausgeben würde? Eher nicht. Denn ich glaube fast nicht, dass sich die anderen Ausgaben wesentlich in ihrem Inhalt unterscheiden. Vielleicht wird darin dann nicht auf Großbritannien sondern den USA, Russland oder Frankreich herumgehackt...

Für einen Einblick reichen die oben dargestellten Seiten wohl aus. Sie vermitteln uns auf anschauliche Weise, wie die Propaganda damals eingesetzt wurde.

September 1940 - da herrschte gerade ein Jahr Krieg. Und heute vor 72 Jahren hatten viele einen unerschütterlichen Glauben an ein politisches System wie es es hoffentlich nie mehr geben möge!


Damit soll es für den 06.09. erst einmal gut sein.


Beste Grüße,
S.t.a.l.k.e.r.





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